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You Are Wanted 1x01 Pilot

You Are Wanted 1x01 Pilot

An seinem Geburtstag muss der Hotelmanager Lukas Franke (Matthias Schweighöfer) feststellen, dass alle seine elektronischen Geräte gehackt wurden. Seiner Ehefrau Hanna (Alexandra Maria Lara) wurden außerdem Nacktbilder von einer gewissen „Julia“ geschickt, von der er jedoch behauptet, sie nicht zu kennen.

Weil Lukas davon ausgeht, dass die Polizei untätig bleibt, macht er sich selbst auf die Suche nach seinem Peiniger. Diese führt ihn zunächst vor die Wohnungstür seines entfremdeten Bruders Thomas (Jörg Pintsch), bevor ihn sein Weg zu einem Hackerkollektiv führt. Jedoch weiß er da immer noch nicht, was der Angreifer überhaupt von ihm will.

Im ersten Drittel der Pilotepisode der neuen Amazon-Serie You Are Wanted gesteht der kleine süße Fratz Leon (Franz Hagn) seinem Vater Lukas (Matthias Schweighöfer), dass er Angst vor Aliens habe. Er will wissen, was passiere, kämen diese eines Tages zur Erde. Lukas gibt darauf eine Antwort, die ihm sicherlich das Wohlwollen der meisten Erziehungsexperten einbringen würde. Deswegen ist der Austausch nicht bemerkenswert. Vielmehr erinnerte ich mich im Laufe der Auftaktepisode daran zurück, weil die darin auftretenden Figuren bisweilen wie Außerirdische daherkommen - wenn sie nicht gerade jedem gängigen Fernsehklischee entsprechen.

Ideenlos in Berlin

Dem Kreativteam hinter „You Are Wanted“ - angeführt von den Drehbuchautoren Hanno Hackfort, Bob Konrad und Richard Kropf sowie den Regisseuren Bernhard Jasper und Schweighöfer selbst - fehlt es nicht an Ambition, wohl aber an Inspiration. Jedes dramaturgische Versatzstück der Episode kennt man aus anderen Formaten. Jede Figur entspricht - mit variierender Intensität - dem gängigen Klischee dieser Figur. Französinnen sind hier dauerflirtende Lustmolche, Hacker sitzen in dunklen, rauchverhangenen Kellergewölben und zocken Killerspiele, Chefs sind Arschlöcher, Polizisten knallharte Bullen, die untergebene Kollegin hoffnungslos verliebt.

So verliebt, dass sie Lukas, ihrem Vorgesetzten auf der Managerebene des Waldorf Astoria Hotels in Berlin, eine Palette Red Bull zum Geburtstag schenkt. Dass er dieses klebrige Aufputschgetränk mag, hat er uns zuvor bewiesen, indem er einen großen Schluck davon in seinen Kaffee geschüttet hat. Kurze Zeit später kann er die zusätzliche Dosis Koffein bestens gebrauchen, kommt es doch in der gesamten Stadt zu einem Stromausfall. Für ihn ist das besonders bitter, weil deswegen ein Teil der Konferenz ausfallen muss, die gerade in seinem Hotel stattfindet. Als Ausgleich spendiert er dem aufgebrachten Veranstalter ein mehrere zehntausend Euro teures Saufgelage an der hauseigenen Bar.

Zu Hause wartet die nächste Überraschung in Form einer Geburtstagsparty auf Lukas. Orchestriert haben diese seine Ehefrau Hanna (Alexandra Maria Lara) und der beste Freund Marc (Tom Beck). Am Essenstisch kursieren wilde Gerüchte darüber, was den weiterhin anhaltenden Blackout ausgelöst haben könnte, bis das Licht wieder angeht. In der darauffolgenden Nacht häufen sich jedoch die Merkwürdigkeiten. Das Heimnetzwerk wird gehackt, was zu dem Zeitpunkt aber nur der Sohnemann mitbekommt, und Lukas wird zu einer ominösen Whatsapp-Gruppe eingeladen, die er aber gleich wieder löscht.

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So geht es weiter. Hanna nimmt am nächsten Morgen ein Paket mit Überwachungsutensilien an, das weder sie noch Lukas bestellt haben. Bei der morgendlichen Konferenz wird Lukas' Laptop gehackt und er zu einem Spiel eingeladen, das er nicht annimmt, woraufhin ein Bild seines Sohnes erscheint. Vom Konto wird Geld abgebucht. Auf dem Tablet erscheinen Nacktbilder einer gewissen Julia, als Hanna gerade das Abendessen zubereitet. Zu allem Überfluss öffnet Lukas zudem sämtliche Anhänge, die ihm per Email zugeschickt werden - ganz so, als wäre er jemand, der noch nie etwas von diesem ominösen Internet und seinen Gefahren gehört hat.

Was jetzt?

Dabei kennt er Begriffe wie Spam oder Phishing-Mail. Diese schiebt er als Erklärung für die Nacktbilder vor, über die sich Hanna verständlicherweise echauffiert. Er weiß sogar passende Gegenmaßnahmen: Wie ein alter PC-Hase nimmt er auf sämtlichen Geräten Neuinstallationen und Virenscans vor, leider ohne das gewünschte Resultat. Weil das Autorenteam ihn hernach wieder als Digital-N00b braucht, öffnet er abermals eine Email mit Betreff und Anhang, die selbst meine Uroma, die noch nie ein Handy in der Hand hatte, stutzig machen würde. Wie so oft in unterdurchschnittlichen Dramaserien passieren Dinge hier einfach, weil sie so passieren sollen.

Ähnlich Internet-analphabetisch sind Ehefrau Hanna und ihre Bürofreundin Verena (Lucie Aron) - die erwähnte lüsterne Französin - unterwegs. Letztgenannte schlägt allen Ernstes vor, nach der Nacktbildsenderin zu suchen, indem man „Titten Julia“ googelt. Ihr überraschender Ausruf, als das Suchergebnis präsentiert wird: „Krass, wie viele Titten-Julias es gibt!“ Weil das Autorenteam glaubt, sich mit solchen Dialogen noch nicht genug in die Nesseln gesetzt zu haben, serviert es obendrauf eine Portion fatshaming, dürfen sich Verena und Hanna doch über eines der Suchergebnisse lustig machen, das eine etwas molligere „Titten-Julia“ zeigt.

In Sachen facepalming ist das lediglich die Spitze des unrühmlichen Eisbergs, den sich Amazon hier ins Programm geholt hat. Weil Lukas aus nahezu unerklärten und nicht nachvollziehbaren Gründen (à la „Die machen doch eh nichts!“) darauf verzichtet, die Polizei einzuschalten, muss er die Angelegenheit natürlich selbst in die Hand nehmen. Das führt ihn vor die Wohnungstür seines Bruders Thomas (Jörg Pintsch), zu dem er eine äußerst heikle Beziehung führt. Die beiden sind sich so fremd, dass Thomas' Freundin ihn gar nicht erkennt, was sie natürlich nicht davon abhält, sofort anzunehmen, dass Lukas wegen eines Dreiers vorbeigekommen ist. Und wieder hängt die Kinnlade vor Entgeisterung auf dem Boden.

Das Leben des Ehepaars Franke versinkt bald im Grau.   © Amazon
Das Leben des Ehepaars Franke versinkt bald im Grau. © Amazon

Immerhin lässt Thomas einen Namen fallen, der Lukas auf der Spurensuche weiterhilft. Diese führt ihn in besagten Hackerbunker, der demjenigen aus der in Berlin spielenden fünften Staffel von Homeland auffallend ähnelt. Dort hängen die Hacker also rauchend in ihren Sesseln wie ein Schluck Wasser in der Kurve. Sie dürfen kurz ihr Mantra verlautbaren („Öffentliche Daten nutzen und private Daten schützen!“), bevor sie Lukas ohne die gewünschte Information - den Aufenthaltsort des gesuchten Dalton - fortschicken.

Kein Ausbruch

Glücklicherweise hat Dalton (Louis Hofmann) das alles mitgehört und wartet hilfsbereit auf Lukas in dessen Wagen, weil bis zu diesem Zeitpunkt wohl noch nicht annähernd genug Genreklischees erfüllt wurden. Ohne Angabe von Gründen für dieses Verhalten erzählt der Hacker nun frei von der Leber weg, dass er die Zielperson Jens Kaufmann aka Case kenne und bezeugen könne, dass dieser nicht für den Digitalangriff verantwortlich sei. Der dazugehörige Dialog sollte niemandem vorenthalten werden: „Wir sind Hacktivists, verstehst Du? (…) Nicht so 'ne Kinderscheiße, sondern richtig fett. Pharma, ganze Systeme. Alter, Case und ich. Alles, was ich bin, das hab' ich von ihm. Er hat mich gezeugt, Mann.“ Und als vermeintliche Entwarnung: „Er ist 'n Whitehat. Er attackiert keine soften Ziele wie dich.

Wie sich leicht erraten lässt, zieht sich die große Krankheit der deutschen Serie auch durch die Pilotepisode von You Are Wanted: Die Dialogarbeit ist schlichtweg zum Fremdschämen. Jede noch so offensichtliche Tatsache muss ausgesprochen werden, damit auch der hinterletzte Zuschauer versteht, was da gerade passiert. Die Gebrüder Franke sind voneinander entfremdet? „Wir haben uns seit Jahren weder gehört noch gesehen.“ Die Französin ist dauergeil? Kein Problem, lassen wir sie doch einfach so auf die Frage antworten, ob sie Hunger hat: „Hunger nicht, aber Gelüste.“ Selbst der Paketbote wird nicht ausgespart, wie folgende Dialogperle glänzend illustriert: „Sind Sie Frau Franke?“ -„Ja, was ist das?“ -„Ein Paket.

So wird alles verseucht, was gar nicht so schlimm sein müsste. Mit Schweighöfer, Lara und Karoline Herfurth, die eine der Hackerinnen spielt, ist ja wirklich aus der deutschen A-Liste geschöpft worden. Aber auch die Regie von Jasper und Schweighöfer lässt zu wünschen übrig. Außer ein paar establishing shots von Fernsehturm, Oberbaumbrücke und Gedächtniskirche gibt es nichts dezidiert Berlinerisches, ja nicht einmal Deutsches zu sehen. Diese Serie könnte in jeder beliebigen Großstadt spielen, ihre Figuren sind überall auf der Welt daheim. Deutsch ist nur das penetrante product placement: So wenig Lust man nach dem Auftakt auf weitere Episoden hat, so stark gelüstet es nach Bier von Krombacher, einem Brot mit Nutella, einem Auto von Mercedes oder der Klebebrühe von Red Bull.

Selbst der Cliffhanger fällt in sich zusammen, sobald man kurz darüber nachdenkt. Dem talentiertesten Grafikdesigner der Welt dürfte es wohl nicht gelingen, Lukas' Gesicht auf den Körper seines Häschers (Thomas Schmauser) zu montieren, ohne dass es irgendjemandem auffallen würde. Sogar Polizisten, die Sätze von sich geben wie „Updates sind wichtig, sonst macht man sich angreifbar“ müssten eine solche Manipulation erkennen. Jedoch nicht in der Welt von You Are Wanted, wo sich Produktionsverantwortliche dazu versteigen können, von einem „medienhistorischen Ereignis“ zu fabulieren, wenn sie vom Start ihres „Produkts“ sprechen. Eben das ist dieses Format: ein Produkt wie Krombacher, Mercedes und Nutella - aber keine gute Serie.

Schauspieler in der Episode You Are Wanted 1x01

Darsteller   Rolle
Matthias Schweighöfer …………… Lukas Franke
Alexandra Maria Lara …………… Hanna Franke
Karoline Herfurth …………… (credit only)
Aleksandar Jovanovic …………… Case
Toni Garrn …………… Katja
Thomas Schmauser …………… Jens Kaufmann
Tim Williams …………… Mr. Rosenberg
Alexander Khuon …………… Johnny
Franz Hagn …………… Leon Franke
Lucie Aron …………… Vero
David Simon …………… Nachbar Maik
Hans Schenker …………… Burkhardt
Jörg Pintsch …………… Thomas Franke
Markus Gertken …………… Lorenz
Wolfgang Menardi …………… Hauke