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Akte X - Die unheimlichen Fälle des FBI 10x01

Akte X - Die unheimlichen Fälle des FBI 10x01

Die beiden FBI-Agenten werden von dem populären Verschwörungstheoretiker und Web-TV-Moderator Tad O'Malley (Joel McHale) kontaktiert. O'Malley glaubt eine bedeutende Regierungsverschwörung aufgedeckt zu haben und bittet Direktor Walter Skinner (Mitch Pileggi) ihm zu helfen Mulder (David Duchovny) und Scully (Gillian Anderson) zu finden, die nicht mehr beim FBI angestellt sind. Mit seiner Hilfe machen die beiden Bekanntschaft mit Sveta (Annet Mahendru), die angeblich von Aliens entführt wurde. Sie hat schockierende Neuigkeiten für die Agenten, die alles woran Mulder geglaubt hatte in Frage stellen werden.

Die TV-Rückkehr von Agent Mulder (David Duchovny) und Agent Scully (Gillian Anderson) muss vor allem von großen Fans („X-Philes“) mit einer guten Portion Misstrauen erwartet worden sein. Die finale Staffel der Urserie bekleckerte sich seinerzeit schon nicht mehr mit Ruhm und der Kinofilm „The X-Files: I Want to Believe“ schien der letzte Sargnagel des Franchises gewesen sein. Nun wartet Chris Carters Revival seines 90er-Jahre-Hitformats mit der ersten Folge auf, die in der deutschen Version übrigens „Der Kampf“ und nicht „Mein Kampf“ heißen wird, obwohl der Originaltitel der Episode (My Struggle) vermutlich auf die hanebüchenen Knastergüsse Hitlers anspielt. Nun kann man sich natürlich fragen, ob es so günstig ist, seinen paranoiden Protagonisten mit einem paranoid-größenwahnsinnigen Tyrannen zu vergleichen oder ob der Titel einfach unbedacht gewählt wurde.

X-Recap

Für all jene, die ein bisschen eingerostet sind, was ihr „Akte X“-Wissen angeht, fasst Mulder mit seinem gewohnten Enthusiasmus zunächst die Serienprämisse beziehungsweise -geschichte zusammen. Dabei geht er vor allem auf die ersten Jahre ein, was zum Rest der Episode passt. Es scheint nämlich so, als wäre die neue Miniserie eher für jene, die sich an die ersten Jahre der alten „X-Files“ erinnern und als würde sie die späteren Jahre am liebsten außen vor lassen. Das gilt sowohl für gewonnene Erkenntnisse als auch Charakterentwicklung. Scully ist wieder fast genauso skeptisch wie zu Beginn der Serie, obwohl sie zuletzt das Gegengewicht zum zweifelnden Agent Doggett (Robert Patrick) darstellten musste und Mulder ist von einem einzigen Impuls dazu angehalten, sämtliche Ergebnisse seiner damaligen Untersuchungen über den Haufen zu werfen.

Scully (Gillian Anderson) und Mulder (David Duchovny) © FOX
Scully (Gillian Anderson) und Mulder (David Duchovny) © FOX

Mulder und Scully sind auch nicht länger ein Paar (ja, das war im späteren Verlauf der Serie doch irgendwann passiert), was dadurch erklärt wird, dass Scully ihn mit Depressionen diagnostiziert hat und das Zusammenleben mit ihm unmöglich wurde. Dies führt zu einigen sehr unangenehmen Momenten, in denen sich Mulder die Spitzen nicht verkneifen kann. Der Grund für ihr jüngstes Aufeinandertreffen hat jedoch nichts mit ihrer eigenen Geschichte zu tun. Ein weiterer believer möchte sich mit dem ehemaligen UFO-Aufdecker des FBI treffen, der sein Auffinden nicht einfach macht. Bei Mulders Fan handelt es sich um den konservativen Talkshowmoderator Tad O'Malley (Joel McHale), der nicht nur Alienverschwörungen für real hält, sondern auch daran glaubt, dass 9/11 von der Regierung inszeniert wurde. Falls der Name es nicht offensichtlich genug macht, dass die reale FOX-News-Persönlichkeit Bill O'Riley die Vorlage für die Figur war: keine Sorge, die Charaktere vergleichen ihn noch ganz frei heraus mit ihm.

The O'Malley Factor

O'Malley macht Mulder, dem er zuerst ein UFO-Quiz beantworten muss, mit einer jungen Frau namens Sveta (Annet Mahendru) bekannt, die angeblich (ebenso wie Scully einst) von Aliens entführt wurde und über außerirdische DNS verfügen soll. Sie erwähnt, dass Mulder sie und ihre Familie nach ihrer ersten Entführung interviewt hat. Mein erster Gedanke war, dass es sich um das Kind von Theresa Hoese handeln könnte, die in der Pilotepisode der alten Serie vorkam und schließlich in der zunächst als Serienfinale geplanten Episode Requiem gemeinsam mit Mulder und weiteren Ex-abductees entführt wurde. Leider haut die Theorie zeitlich nicht ganz hin und auch der Name schien in der alten Serie nicht vorgekommen zu sein. Das Treffen wird demnach off-screen geschehen sein.

Während O'Malley Mulder als Nächstes zur Rekonstruktion eines Raumschiffs mit Alientechnologie führt, welches mit freier Energie betrieben wird, die schon seit den 40ern verfügbar sein soll, nimmt die skeptische Scully Sveta eine DNS-Probe für einen Gentest ab. Die junge Frau behauptet obendrein, über Telepathie und Telekinese zu verfügen. Das Bewegen von Objekten will ihr auf Kommando nicht gelingen. Dafür kann sie Scully mit ihren Gedankenleserfähigkeiten beeindrucken, die ihr offenbaren, dass die Doktorin Ähnliches durchgemacht hat wie sie. Hauptsächlich arbeitet Scully derzeit als Medizinerin mit Kindern, die ohne Ohren geboren wurden, was der schwer mit ihr flirtende O'Malley prompt für seine Verschwörungssendung verwendet.

Die Verschwörung hinter der Verschwörung

Bei einem weiteren Treffen mit Sveta kommt schließlich heraus, dass ihre Entführung nicht von Aliens, sondern Menschen durchgeführt wurde, was Mulder an allem, was er zu wissen glaubte, zweifeln lässt. Waren alle Aliengeschichten von damals nur vorgegaukelt, um die wahren Machenschaften der Regierung zu vertuschen? Nach neun Staffeln und einem Kinofilm voller kleiner grüner (eigentlich grauer) Männchen, Raumschiffen und mehr als genug Indizien ist diese Option etwas schwer zu schlucken. Theoretisch könnten die ebenfalls erwähnten, eingepflanzten Erinnerungen eine Rolle spielen, aber Mulder müsste es sowieso besser wissen: Dass auch hinter Scullys Entführung das Militär steckte, wurde zuletzt im Serienfinale „The Truth“ unterstrichen und führte nicht zu einer neuen Verschwörungstheorie über die Verschwörung.

Sveta (Annet Mahendru) bei Dr. Scully (Gillian Anderson) in der Klinik © FOX
Sveta (Annet Mahendru) bei Dr. Scully (Gillian Anderson) in der Klinik © FOX

Angesichts der neuen Erkenntnisse trifft Mulder sich mit einem Kontaktmann (Rance Howard), der in der Tradition von Deep Throat (Jerry Hardin) und Mr. X (Steven Williams) Informationen aus erster Hand zu haben scheint, Mulder aber nur so viel wissen lässt, wie er mit seinem aktuellen Erkenntnisstand wissen darf. Auch hier vermutete ich zunächst eine Figur aus der Urserie, die ich nicht zuordnen konnte. Tatsächlich handelt es sich aber ebenfalls um einen neuen Charakter, welcher in Flashbacks zum Roswell-Vorfall 1947 als junger Arzt zu sehen ist, der das abgestürzte (und schließlich exekutierte) Alien unter die Lupe nimmt. Er verlässt Mulder jedoch mit den kryptischen Worten: „Roswell. That was a smoke screen.

Conspiracy-Clipshow

Mulder und O'Malley, neuerdings beste Freunde, präsentieren Sveta und Scully ihre neue Verschwörungstheorie, in der alles - von zurückgehaltener Alientechnologie, staatlicher Überwachung und Weltbeherrschungsplänen von Teilen der Regierung sowie einer internationalen Elitegruppe - unterkommt. Die absolut überladene Informationsflut und weit hergeholten Zusammenhänge werden dabei mit Videos aus der Kriegsberichterstattung, von George W. Bush (der schon in „I Want to Believe“ sein Fett weg bekam), Edward Snowden und weiteren vermeintlich relevanten Bildern unterlegt. Leider wirken die beiden Männer ab einem gewissen Punkt wie verrückte Verschwörungsfanatiker mit Alufolienhut und nicht wie Helden, die ich anfeuern möchte. Irgendwie erschien Mulder früher eloquenter oder wenigstens charmant-verrückt.

Die Untersuchungsergebnisse von Svetas DNS lassen Scully an der Theorie ihres ehemaligen Kollegen zweifeln, denn es wurde nichts Ungewöhnliches in ihren Genen gefunden. Erst ein zweiter Test bringt ans Licht, dass ein Teil ihres Gencodes außerirdisch ist und Scullys DNS die gleichen Merkmale aufweist. An diesem Punkt in der Story fahren die Verschwörer im Schatten auch die großen Geschütze auf. Sie lassen das Flugobjekt zerstören, sorgen direkt oder indirekt für das Ende von O'Malleys Sendung, zwingen Sveta dazu, ihre öffentlich gemachten Behauptungen zurückzunehmen und ermorden sie schließlich mithilfe des Todesstrahls eines Raumschiffs. Eine Szene, die zunächst sehr an Mulders von Aliens verursachte Autopanne aus der Pilotepisode von 1993 erinnert.

Verschwörungstheorien verbinden: Mulder (David Duchovny) und Tad O%26#039;Malley (Joel McHale). © FOX
Verschwörungstheorien verbinden: Mulder (David Duchovny) und Tad O%26#039;Malley (Joel McHale). © FOX

Als Cliffhanger wird der Drahtzieher der (neuen?) Verschwörung darüber informiert, dass die X-Akten wieder geöffnet wurden. Es handelt sich dabei um den nicht totzukriegenden Cigarette Smoking Man (William B. Davis), der aus dem damaligen Serienfinale (The Truth (2)), in welchem wir ihn in einer Explosion bis auf die Knochen haben abbrennen sehen, lediglich mit einigen Brandwunden davongekommen ist. Die Außerirdischen haben wohl auch das Gegenteil des Todesstrahls mit auf die Erde gebracht.

Fazit

Die erste Episode der neuen X-Files ist ein wenig überladen mit Ideen und Informationen. Nach dem ersten Anschauen wusste ich am Ende nicht mehr, was nun Mulders neue Verschwörungstheorie war. Und zu versuchen, das alles mit der alten Serie in Einklang zu bringen, ohne alles, was wir bisher gesehen haben, infrage zu stellen, kann regelrechte Kopfschmerzen bereiten. Darüber hinaus scheint Chris Carter viel Nostalgie für die erste, nicht aber für die zweite Hälfte seiner alten Serie übrigzuhaben. Beispielsweise schnauzt Mulder in einer Szene seinen ehemaligen Vorgesetzten Walter Skinner (Mitch Pileggi) an, als stünde er mit den Verschwörern unter einer Decke, obwohl er in den späteren Staffeln nichts anderes als ein treuer Verbündeter und Freund war. Die nicht stattgefundene Invasionsapokalypse, die für 2012 angekündigt war, wird in einem Nebensatz abgehakt. Angeblich sei zu jenem Zeitpunkt zunächst ein Countdown gestartet.

Dennoch tut es gut, die alte Besetzung noch einmal wiederzusehen - sogar den CSM, auch wenn die Serie hier besser mal noch mit einer anständigen Erklärung um die Ecke kommt. Gillian Anderson und David Duchovny stehen nach wie vor gern gemeinsam vor der Kamera, was trotz Trennungsdrama der Charaktere die alte Chemie wiedererkennen lässt. Besser als „I Want to Believe“ ist die neue Staffel schon jetzt, nur dürften die Figuren gerne mit besseren Dialogen ausgestattet werden. In einer unglücklich geratenen Szene zwischen Mulder und Scully wurden etwa sehr angestrengt sowohl das berühmte „Want to believe“ als auch „The truth is out there!“ untergebracht.

Von jenen, die bereits mehrere Folgen sehen konnten, hört man, dass die erste Episode die schwächste der neuen Miniserie sein soll und so schaue ich vorsichtig zuversichtlich auf die kommenden Wochen und was diese für uns bereithalten. Vor allem freue ich mich dabei auf die neuen „Monster of the Week“-Episoden, die mir beim letzten Durchschauen der alten Serie doch besser gefallen haben als die zusammenhängende Alienverschwörungsgeschichte.

Akte X - Die unheimlichen Fälle des FBI 10x01 Trailer

Schauspieler in der Episode Akte X - Die unheimlichen Fälle des FBI 10x01

Darsteller   Rolle
David Duchovny …………… Fox Mulder
Gillian Anderson …………… Dana Scully
Mitch Pileggi …………… Walter Skinner
Joel McHale …………… Tad O'Malley
Annet Mahendru …………… Sveta
Giacomo Baessato …………… Doctor
Hiro Kanagawa …………… Garner
Rance Howard …………… Old Man
William B. Davis …………… Cigarette Smoking Man
Gardiner Millar …………… Man in Suit
Aliza Vellani …………… O.R. Nurse
Shaker Paleja …………… O.R. Surgeon (as Shaker Paleja)
Sandy Da Costa …………… Alien
Nneka Croal …………… Squad Leader
Julian Assange …………… Self (archive footage)
George W. Bush …………… Self (archive footage)
Gerald Ford …………… Self (archive footage)
John F. Kennedy …………… Self (archive footage)
Jimmy Kimmel …………… Self (archive footage)
Nick Lashaway …………… Young Fox Mulder (archive footage)
Camille Marty …………… Swimming Molly
Bonnie McNeil …………… Young Teena Mulder (archive footage)
Barack Obama …………… Self (archive footage)
Ashlynn Rose …………… Young Samantha Mulder (archive footage)
Edward Snowden …………… Self (archive footage)
Harry S. Truman …………… Self (archive footage)
Cyrus Vance …………… Self (archive footage)

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