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The Last of Us 1x03

The Last of Us 1x03

Obwohl die Laufzeit der The Last of Us-Episode Long, Long Time rund 75 Minuten beträgt, fühlt sich wenig davon wie verschwendete Screentime oder Filler an. Dennoch leisten sich Neil Druckmann und Craig Mazin sowie das restliche Kreativteam die bisher größte Abweichung von der Spielevorlage, die oftmals an die Perspektive von Joel oder Ellie gebunden ist.

Ellie trägt keine Schuld

Die TV-Versionen von Joel (Pedro Pascal) und Ellie (Bella Ramsey) sind nach dem tragischen Opfer von Tess (Anna Torv) zum Duo geworden und nun auf sich allein gestellt. 10 Meilen westlich von Boston stapelt Joel Steine an einem Bach und ist gedanklich für sich. Er hat Ellie seine Jacke gegeben, damit sie nicht friert und schweigt sie an, ehe er einen Snack rüberwirft.

Ellie bricht die passiv-aggressive Stimmung auf und meint, dass niemand Tess und ihn gezwungen hat, sondern sie aus freien Stücken und für den Deal die Mission angenommen haben, entsprechend ist keine Schuld bei der 14-jährigen zu suchen. Das sieht Joel auch kurz danach ein und schluckt seine Trauer runter. Eine Waffe darf sie trotzdem nicht tragen. Nie, wenn sie danach fragt in drei Episoden bislang. Was ein fantastischer Running Gag ist.

Für die beiden steht ein fünfstündiger Hike an, der sie näher an Joels Zwischenetappe bringen soll. Was folgt sind schön Landschaftsaufnahmen, denn manchmal vergisst man leicht, dass die Pandemie/Seuche in „TLOU“ nicht durch Tiere oder Menschen verbreitet wird, sondern durch Fauna. Entsprechend hat sich die Natur zurückgeholt, was ihr gehört #NatureIsHealing. Wir sehen also eine grüne Montage.

Wenig später frage Ellie Joel nach seiner Narbe am Kopf, zieht ihn deswegen auf, bis sie den wahren Grund dafür hört, denn jemand hat auf ihn geschossen, aber verfehlt. Das passiert in dieser Welt wohl öfter, als einem lieb ist. Die Neckereien der beiden sind nett anzusehen und basieren irgendwo auch auf Gegenseitigkeit.

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Mortal Kombat

Wenig später kommen sie an einem alten Laden vorbei, in dem Ellie auch einen „Mortal Kombat“-Arcadeautomaten vorfindet. Sie kannte mal eine Person, die alles über das Spiel wusste, was wahrscheinlich eine weitere Anspielung auf eine noch kommende Folge ist, die Videospielfreunde sicherlich schon erwarten. Joel sucht derweil, wo er seine Infos versteckt hatte.

Die Zeit nutzt Ellie, um sich durch einen Schacht wegzuschleichen und in Gefahr zu bringen. Denn sie trifft auf einen begrabenen Pilzkopf, den sie sich wie ein verunglücktes Tier näher. Sie schneidet fasziniert in die Haut und erblickt den Pilzorganismus dahinter, entscheidet sich aber rasch, zuzustechen und die ehemaligen Person zu erlösen.

Patient Zero und die Blitzpandemie

Als Ellie zu Joel zurückkehrt ist sie neugierig. Wie war das eigentlich damals mit Patient Zero und der Pandemie? Joel stichelt zwar, ob sie in der Militärschule nichts lernt, man darf aber auch nicht vergessen, dass man mit 14 Jahre noch nicht unbedingt viel über die echte Welt weiß, egal ob in echt oder Videospielen. Wenige Teenager sind so schlau wie Lisa Simpson oder andere jugendliche Genies, da dürfen solche Fragen schon erlaubt sein.

Joel erzählt vom Ausbruchstag und vermutet, dass Grundnahrungsmittel von Pilzen krosskontaminiert wurden und so in Mehl, Zucker, Brot, Cornflakes oder Pfannkuchenmischungen geraten sind. Wenn man genug davon isst, wurde man infiziert und dem meisten davon konnte man sicherlich schwer ausweichen, besonders dann, wenn man nicht ahnt, dass etwas damit schief laufen könnte. Allerdings dauerte es nach Joels Erzählung nicht sonderlich lang, denn zwischen Freitag, den 26. September 2003 und dem darauffolgenden Montag, war die Sache dann gegessen und die Welt wie er sie kannte fort...

Massengrab

Wenig später erreichen die beiden einen Ort, bei dem sich Joel komisch aufführt. Denn er möchte nicht, dass Ellie etwas Bestimmtes sieht, womit er jedoch nur ihre Neugierde weckt. Es handelt sich um ausgebrannte menschliche Überreste. Darüber erzählt Joel, dass die Soldaten in der Woche nach dem Ausbruch durch die kleinen Ortschaft gegangen sind und einigen Menschen, für die Platz war, Asylangebote machten. Für manche, die nicht infiziert waren, reichte der Platz nicht und man machte von der Regierungsseite einfach kurzen Prozess mit ihnen. Das schockiert Ellie verständlicherweise, denn warum sie nicht am Leben lassen. Doch Joels Antwort ist die kalte, rationale Wahrheit: Tote können sich nicht infizieren...

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Flashback: 30. September 2003

Dann erst beginnt der spannende und wirklich berührende Teil der Episode, auch wenn es zunächst mit Galgenhumor und fetziger Rockmusik geschieht. Denn wir lernen Bill (Nick Offerman, Devs, Parks and Recreation) kennen. Als die Soldaten die Städte „gesäubert“ haben, schlägt die Stunde dieses Preppers. Er tankt erst mal alle Tanks voll, macht sich auf zu Home Depot (dem amerikanischen Bauhaus) mit seiner Brechzange auf, wo schon bald der Strom abgestellt wird (schneller als er dachte), so räumt er seinen Truck voll und bereitet sein Anwesen auf den Doomsday vor, der tatsächlich gekommen ist. Bitter!

Wie gut das alles für ihn funktioniert, sehen wir als sich ein Infizierter näher und der Stolperdraht und die Selbstschussanlagen alles übernehmen. So kann er sein Anwesen mit der Kirche zu den Klängen von White Room der Band Cream vergrößern.

So lebt Bill in schöner Isolation. Bis vier Jahre später jemand in ein Loch auf dem Grundstück landet, der beteuert gesund zu sein. Er behauptet, dass er eigentlich nur nach Boston möchte und einst Teil einer Zehnergruppe war . Bill holt eine Leiter und lässt Frank (Murray Bartlett, The White Lotus, Welcome to Chippendales, Looking) frei, doch der meint, dass er seit zwei Tagen keine Nahrung mehr hatte. Bill ist zunächst ablehnend, weil er fürchtet, dadurch „Bums“, also Landstreicher anzulocken, wenn Frank weitersagen würde, dass es Gratisessen von ihm gäbe. Doch irgendwie ist Bill von Franks Charme eingenommen. Frank ist schlecht im Lügen und trotzdem gibt es Essen, eine Luxusdusche (mit fünf Extraminuten) und neue Kleidung. Frank fällt derweil die dicke Staubschicht im Haus auf und wird vom mit dem Essen reinstürmenden Bill überrascht.

A very hairy situation

Nach dem Essen entdeckt Frank ein Piano und spielt spontan etwas. Doch erst als Haudegen Bill spontan einem Lovesong anstimmt, brechen alle Dämme. Es ist klar, dass sie sich zueinander angezogen fühlen. Bill wird unter die Dusche geschickt und im Bett wird klar, dass er bisher wenig Erfahrung mitbringt und nur vor vielen Jahren eine vereinzelte heterosexuelle Erfahrung hatte, aber inzwischen an Männern interessiert ist. Also übernimmt Frank die Führung...

Es ist eine der schönsten Szenen und Interaktionen zwischen den beiden, die ich seit langem gesehen habe und in nur wenigen Minuten etablieren Mazin und Druckmann eine dreidimensionale Beziehung, die mich zutiefst berührt.

Im Lauf der Zeit werden Erinnerungen an die fantastische Black Mirror-Folge San Junipero geweckt und ich wollte mehr über die beiden erfahren. Aus ein paar Tagen, die Frank bleibt, weil er nicht als „Hure“ verschrieben werden möchte, werden drei Jahre (und mehr). Die nächste Etappe ist also 2010 und Streit im Paradies, denn während Bill nur aufs Überleben fixiert ist, will Frank leben und erleben. Er möchte einige Geschäfte in der Gegend (Wein, Möbel und eine Boutique) auf Vordermann bringen, das Image der Nachbarschaft aufbessern und vorzeigbar machen.

Denn Frank hat über das Funkgerät Kontakt zu einer netten Lady aufgenommen, die sich schon bald als Tess herausstellt. Gemeinsam mit Joel essen sie also zu viert im Vorgarten, mit Bills gezogener Waffe, denn er ist so paranoid, dass er niemand Fremdes ins Haus lassen will. Doch Frank ignoriert das, auch wenn die Situation angespannt ist. Denn Bill und Joel sind zwei vom ähnlichen Schlag: skeptisch, vorsicht, den gegenüber abtastend. Trotzdem ist selbst Joel offener für Austausch als Bill, denn er bringt die Möglichkeiten der QZ für Handel ins Spiel, darunter Bücher und Medikamente, die Frank und Bill aktuell nicht haben.

Dafür rühmt sich Bill damit Selbstversorger zu sein. Er braucht es nicht, dass sein Leben komplizierter als momentan gemacht werden muss. Doch als Joel sich den Zaun anschaut und als Fachmann weiß, dass dieser wohl nur noch ein Jahr hat, bis er zerstört oder völlig abgenutzt sein wird, hat er Bills Aufmerksamkeit, denn er kann Material besorgen, was den Rest ihrer Leben halten soll. Zudem warnt Joel vor Raiders, die nachts kommen und leise und bewaffnet sind. Doch Bill ist auf so etwas vorbereitet, meint er zumindest.

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#StrawberryGayCoupleHype

Drei Jahre später, also im Jahr 2013 (dem Jahr in dem das Spiel startet), sind Frank und Bill beim Joggen und Frank hat eine Überraschung: Erdbeeren von Tess und Joel, die Frank gegen eine „kleine Waffe“ getauscht hat. Bill weint vor Freude beim Probieren und entschuldigt sich, dass er mit seinem Partner wenig Schritt halten kann, weil er doch schneller altert als ihm lieb ist. Er kannte so etwas wie Angst nicht, bevor er Frank kennenlernte, aber nun hat er etwas zu verlieren.

Eine regnerische Nacht später, trifft Joels Warnung tatsächlich ein. Frank wacht auf, muss aber feststellen, dass Bill schon längst auf den Beinen ist und die Raiders bekämpft. Törrichterweise (er sollte es eigentlich viel besser wissen), steht Bill auf offener Straße und beschießt die multiplen Angreifer. Als Frank zu ihm läuft, erwischt ihn ein Schuss in den Torso. Er kann zwar das Grundstück retten, auch weil der Zaun sehr effektiv ist, doch Frank muss operieren. Er soll Joel kontaktieren, der sich um ihn kümmern soll.

Weitere zehn Jahre später und die San-Junipero-Vibes werden immer stärker. Der zuvor agile und wendige Frank ist im Rollstuhl und offenbar sterbenskrank. Man verbringt die Zeit mit den schönen Seiten des Lebens, also Kunst und Blumen und zelebriert auch das essen. Wie ein altes Ehepaar eben. Bill erinnert an seine Pillen und gibt ihnen süße Spitznamen wie „orangy“ oder „big roundy“.

Dann der Schocker: Frank beschließt, dass sein letzter Tag auf Erden angebrochen ist. Denn seine Krankheit ist unheilbar, weil es Equipment und Fachpersonal bräuchte und MRI-Geräte nicht auf Bäumen wachsen. Er wünscht sich von Bill einen perfekten letzten Tag inklusive Frühstück, Shoppen, Heirat und assistierten Tod durch gecrashte Tabletten im Wein.

Genau das passiert auch und ist massiv traurig und wird obendrein noch begleitet von einem Max-Richter-Song nämlich On the Nature of Daylight. Bill ist ebenfalls alt, zufrieden und kann ohne Frank nicht leben, weswegen er Vorkehrungen getroffen hat. Der Wein ist stark genug um beide umzubringen und so sterben sie gemeinsam.

Joels Erbe

Schnitt zurück also zu Joel und Ellie und die Gegenwart. Joel kennt den Code, aber wusste nichts vom Plan. Ein Abschiedsbrief weiht ihn und Ellie ein. Sie liest ihn vor. Darin steht, dass Bill Joel sein Hab und Gut hinterlässt und er acht geben soll, auf die Person, die ihn am meisten bedeutet. Bill ist überzeugt, dass das Tess ist. Nichtsahnend, dass Joel sie gerade erst verloren hat. Ein zweiter herber Verlust und ein zweiter Mensch, den er nicht retten konnte. Er verliert kurz die Fassung und entschuldigt sich, aber entschließt sich dann ernst zu machen. Mit der Mission Ellie, aber auch mit der Suche nach Tommy.

Er versichert sich also, dass Ellie wohl wirklich immun ist oder zumindest anders, als alle anderen Hoffnungsträger. Er weiht sie über Tommy ein und legt drei Regeln fest. 1.) Nie Tess erwähnen. 2. Niemand über ihren Zustand informieren und 3. Das tun, was er sagt.

Nach einer ausgiebigen Dusche bereiten sich die beiden also auf den weiteren Weg vor. Mit Bills Equipment kann man eine Autobatterie laden, mit seinen Waffen eine kleine Armee ausstattet und auch sonst lange Zeit überstehen. Im scharfen Kontrast zu The Walking Dead ist die Ausstattung und Versorgung der beiden relativ logisch und wir sehen, dass sie nicht nur die Rücksäcke füllen, sondern auch Game akkurate neue Kleidung überstreifen. Ellie findet nach vielem nutzlosen betteln eine Pistole, die sie aber vor Joel verbirgt. Mit 100 prozentiger Sicherheit wird genau diese noch zum Lebensretter werden.

Es ist einfach zuckersüß, wie Ellie auf ihre erste Autofahrt reagiert und so etwas wie Anschnallgurte einfach nicht kennt, sondern die Erfahrung mit einem Raumschiff vergleicht. Sie findet immerhin eine Musikcassette und darauf ist Linda Ronstead, was sogar grumpy Joel etwas fröhlicher stimmt. Auf geht es also zu weiteren Abenteuern. Mit dem Auto dürfte ein gutes Stück des Weges zurückgelegt werden können, sofern das Bombardement nicht für ein Hindernis sorgt.

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Fazit

Auch wenn die Episode 75 Minuten lang ist, habe ich jeden Moment genossen oder tief in mir gefühlt. The Last of Us schafft mit der Folge Long, Long Time in kurzer Zeit etwas, was andere Serien nicht in ganzen Staffeln oder ihrer Laufzeit schaffen. Ein berührendes Kammerspiel über zwei uns wildfremde Figuren, die zudem so ungleich sind, aber doch der Liebe wegen zusammenfinden. Es klingt wie eine Romantik-Schmonzette und doch ist es für mich schon jetzt eine der stärksten Episoden des Jahres, die schwer zu schlagen sein wird, außer wahrscheinlich von diesem Kreativteam. Fünf männliche Bärte dafür!

The Last of Us 1x03 Trailer

Schauspieler in der Episode The Last of Us 1x03

Darsteller   Rolle
Bella Ramsey …………… Ellie Williams
Pedro Pascal …………… Joel Miller
Murray Bartlett …………… Frank
Anna Torv …………… Theresa 'Tess' Servopoulos
Nick Offerman …………… Bill
Merle Dandridge …………… Marlene
Gabriel Luna …………… Tommy Miller
Jeffrey Pierce …………… Perry
Marlee Grace Becker …………… Infected Girl
James Hibbard …………… Principal

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