Du bist hier: Serienjunkies » Serien » The 100 » The 100 1x04 Murphys Gesetz
The 100 1x04 Murphys Gesetz

The 100 1x04 Murphys Gesetz

Nach dem schockierenden Tod einer ihrer eigenen, finden Clarke und Finn zueinander, während sie einen Weg suchen, mit der Ark zu kommunizieren.

Bellamy muss die Gruppenmitglieder derweil davon abhalten, übereinander herzufallen, als das Leben auf der Erde sich dramatisch verschlechtert.

Abby riskiert unterdessen die Todesstrafe, um Raven die Chance zu geben, mit einer Rettungskapsel auf die Erde zu fliegen.

Nachdem Kollege Axel mich letzte Woche vortrefflich vertreten hat und dabei wohl die beste der bisher ausgestrahlten Episoden der neuen The CW-Serie The 100 rezensieren durfte, übernehme ich heute wieder die Kritik der aktuellen Episode Murphy's Law. Diese kann nicht ganz an die starke Vorstellung der letzten Woche anknüpfen. Dennoch zeigen die Serienmacher immer mehr, dass sie langsam ihren Rhythmus gefunden haben.

So gestaltet sich Murphy's Law als eine durchaus packende Folge, in der die Verantwortlichen größtenteils die richtigen Entscheidungen treffen. Vor allem die Handlung auf der Erde kann erneut überzeugen. Und auch wenn die lineare Erzählstruktur, mit der in der letzten Episode gebrochen wurde, hier wieder aufgenommen wird, verläuft das Wechseln zwischen Erde und Raumstation bzw. den einzelnen Charkteren und spezifischen Konflikten äußerst rund. Hierbei geht man weiterhin konsequent den Weg, der in Earth Kills betreten wurde, und kann so für einige fesselnde Momente sorgen.

Whatever can go wrong will go wrong

Dem einen oder anderen dürfte der Begriff Murphy's Law bereits geläufig sein. Murphy's Law beschreibt eine Art Lebensweisheit, die einst der amerikanische Ingenieur Edward A. Murphy von sich gab: Alles, was schiefgehen kann, wird auch schiefgehen. Eine ebenso zynische wie nachvollziehbare Ansicht - man denke nur an die allzu bekannten Tücken des Alltags.

Eine der Schlüsselfiguren der Episode: Fiesling John Murphy (Richard Harmon).   © The CW
Eine der Schlüsselfiguren der Episode: Fiesling John Murphy (Richard Harmon). © The CW

Dass die neue Episode von The 100 ausgerechnet Murphy's Law heißt, lässt einen schon zu Beginn grübeln, was im Laufe der Episode alles passieren könnte. Bedenkt man dann noch, dass einer der eher unbeliebteren Charaktere den Namen Murphy trägt, stellt man schnell die ersten Vermutungen an. Und in der Tat: Der besagte Namensträger spielt in der neuesten Episode der The CW-Serie eine große Rolle und läutet einige Veränderung im Camp der Jugendlichen ein.

Murder

Nach dem schockierenden Ende der letzten Episode trauert Clarke (Eliza Taylor) am Grab des eiskalt ermordeten Wells (Eli Goree). In ihr überwiegt jedoch Wut gegenüber ihrer Mutter (Paige Turco), die sie belog und die für den Tod von Clarkes Vater verantwortlich war. So entscheidet sich Clarke für einen spontanen Racheakt: Sie entledigt sich ihres Armbands, wodurch ihre Mutter Abby auf der Arc am Boden zerstört ist. Zwar hatte diese Aktion auch durchaus Sinn und Zweck, um die Kommunikation zur Arc herzustellen, doch Clarke scheint dieser Moment der ungewohnten Gefühlskälte durchaus gefallen zu haben.

Das Camp der Jugendlichen nimmt derweil immer weiter Form an. Die Angst vor den Groundern schweißt die Truppe zusammen, gemeinsam zimmert man eine standfeste Verteidigung zusammen, bei der sich Murphy (Richard Harmon) als unangenehmer Aufseher präsentiert. Doch die Arbeiten finden vorerst ein jähes Ende, nachdem der wieder genesene Jasper (Devon Bostick) über die abgetrennten Finger von Wells und die vermeinliche Mordwaffe stolpert. Nicht die Grounders sind für den Tod von Wells verantwortlich, einer aus dem Camp ist der Täter. Der Verdacht fällt schnell auf Murphy, der mit Wells ein wenig Stress hatte und dem auch die Mordwaffe, ein improvisiertes Messer, gehört.

Clarkes Gerechtigkeitssinn platzt wie so oft aus ihr heraus, auch ihre Gefühle für Wells dürften dabei eine Rolle spielen. Wo Bellamy (Bob Morley) noch sinnigerweiße die Angst vor den Grounders nutzen will, um die Masse zu vereinen, fordert Clarke Gerechtigkeit ein. Beide Standpunkte sind nachvollziehbar und erweitern die Komplexität der Konflikte unter den Protagonisten. Murphy wird angeklagt, doch Clarke verliert schnell die Kontrolle, sodass sich ein scheußlicher Akt der Lynchjustiz ereignet, an dessem Ende Bellamy die Erhängung von Murphy durchführt, um so seine eigene Machtposition innerhalb des Camps zu festigen. Die Szene geht durchaus durch Mark und Bein und macht deutlich, dass die Serienmacher mit voller Konsequenz und wenig zimperlich ihre Geschichte weitererzählen wollen. Die Dynamiken unter den Jugendlichen und innerhalbs des Camps werden vertieft. Und so erkennt man, dass sich eine Art Gesellschaft - wenn auch eine recht primitive - entwickelt, die den perfekten Nährboden für weitere interessante Konflikte bildet. Murphy wird indes von seinem Leiden erlöst und losgschnitten, als die kleine Charlotte (Izabela Vidovic) hervorprescht und gesteht, Wells ermordet zu haben.

Regulating the pressure

Auch auf der Arc tauchen wir mehr und mehr in das komplexe Gesellschaftssystem an Bord der Raumsstation ein. Hier bestimmt unter anderem der illegale Handel von Medikamenten das bunte Treiben, wovon letztendlich auch Abby und Raven (Lindsey Morgan) Gebrauch machen müssen, um ihre Raumkapsel für die Reise zur Erde in Gang zu bringen. Zusätzlich streuen die Serienmacher kleine Details ein, welche das Leben auf der Arc greifbarer machen. So kann man auch einen kleinen Blick auf eine Art religiöse Gemeinschaft erhaschen, was eine weitere Facette des The 100-Universums zeigt.

Raven (Lindsey Morgan) und Abby (Paige Turco) arbeiten immer noch an ihrer Flucht zur Erde.   © The CW
Raven (Lindsey Morgan) und Abby (Paige Turco) arbeiten immer noch an ihrer Flucht zur Erde. © The CW

Gleichzeitig wird der Konflikt zwischen Kane (Henry Ian Cusick) und Abby vorangetrieben, der schlussendlich seinen Höhepunkt in der geglückten Abreise Ravens und der Festnahme von Abby findet. Dabei geht Abby das gleiche Risiko ein wie ihr damals zu Tode verurteilter Mann, und auch ihr scheint jetzt die Todesstrafe zu drohen. Auch wenn die Handlung und die Vorkommnisse auf der Arc nicht uninteressant sind, man ertappt sich doch häufiger dabei, wie man sich wünscht, zurück zur Erde zu kehren und lieber den Handlungsstrang der jungen Campbewohner zu folgen. Ab und an zeigt sich doch noch, dass die Balance zwischen diesen beiden Handlungsebenen nicht immer stimmt, wobei die Macher in der letzten Episode ja auf sehr elegante Weise bewiesen haben, dass sie beide Stränge sehr wohl Arc miteinander kombinieren und klug verweben können, auch wenn man dabei auf das stilistische Mittel von Rückblenden zurückgriff.

Consequences

Auf der Erde ist zur gleichen Zeit eine Hetzjagd nach Charlotte entbrannt, die mit der Hilfe von Clarke und Finn (Thomas McDonell) gerade noch so vor Murphy und seinen Schergen fliehen kann. Es scheint tatsächlich alles schiefzugehen, was schiefgehen kann, doch die drei findet erst einmal Unterschlupf in einem alten Versorgungsbunker. Hier sieht sich Clarke dazu gezwungen, selbst zu reflektieren, was sie getan hat. Immerhin hatte sie Murphy einfach aus einer wagen Vermutung heraus beschuldigt, jetzt schützt sie wiederum die wahre Mörderin von Wells. Diese innere Konflikt nagt an ihr und mag bei dem Zuschauer einigen Fragen nach Clarkes Doppelmoral nach sich ziehen. Doch ist ihre Position andernseits auch nachvollziehbar, bedenkt man, dass Charlotte noch ein Kind ist und Clarke Murphy nicht viel abgewinnen kann. Es ist durchaus eine gute Entscheidung, Clarke diese Situation und Gedanken durchmachen zu lassen, tritt sie doch viel zu häufig als alleswissender Moralapostel auf. An dieser Stelle macht ihre Figur eine Entwicklung durch, die früher oder später bitter nötig gewesen wäre.

Am Ende von Murphy's Law kommt es dann zum dramatischen Höhepunkt. Charlotte stellt sich freiwillig, auch wenn Bellamy, Clarke und Finn alles dafür tun, um sie vor Murphy zu schützen. Es kommt zu einer Pattsituation, in der die junge Charlotte eine schwere Entscheidung trifft. Der Ort des Geschehens mag ein wenig verräterisch sein (und manch einer wird sich schon denken können, was gleich passieren wird), aber Charlottes Freitod entfaltet dennoch seine dramatische Wirkung beim Zuschauer. Und nicht nur das: Auch für den weiteren Handlungsverlauf von The 100 zieht Charlottes Tod weitreichende Konsequenzen nach sich.

We need rules

Zum einen erkennen die Jugendlichen, dass sie Regeln und Gesetze brauchen, um als System zu funktionieren. Die Vorkommnisse um Murphy und Charlotte geben also den Anreiz, im Camp eine Gesetzgebung und Exekutive auf demokratischer Basis zu etablieren, was ein logischer Schritt ist und ähnlich politisch-komplexe Machtspielchen wie auf der Arc hervorbringen könnte. Zum anderen wird Murphy aus dem Camp verbannt, wobei an seiner Person mehr ein Exempel statuiert, als dass er wirklich gerecht behandelt wird. Denn Clarke hatte nur wenige Stunden zuvor ihn falsch beschuldigt und wäre fast für dessen Ableben verantwortlich gewesen. Auch sie müsste eigentlich eine Strafe dafür erhalten. Jedoch bestehen beim Rezensenten auch kaum Zweifel daran, dass Murphy wiederkehren wird. In welcher Rolle, das bleibt natürlich abzuwarten, doch bietet er sich durchaus als Bösewicht für die kommende Handlung an.

Die eigentliche Mörderin von Wells (Eli Goree): Die junge Charlotte (Izabela Vidovic).   © The CW
Die eigentliche Mörderin von Wells (Eli Goree): Die junge Charlotte (Izabela Vidovic). © The CW

So endet Murphy's Law insgesamt sehr interessant und verheißungsvoll, wäre da nicht die eher schwülstige Schlussmontage, von der sich The CW leider nicht freimachen kann. Octavias (Marie Avgeropoulos) Schmatzer für Jasper mag einem noch gefallen, sind einem Jasper und Monty irgendwie ans Herz gewachsen. Jedoch wird dann zu dick aufgetragen, als sich Clarke und Finn einem heißen Liebesspiel hingeben, während zeitgleich Finns Freundin Raven die Erde ansteuert. Die musikalische Untermalung trägt nicht wirklich dazu bei, dass man bei dieser finalen Szenen nicht ein wenig mit den Augen rollen muss.

Fazit

Auch wenn gerade das Ende von Murphy's Law einiges an Kredit verspielt, was sich die Episode vorher aufgebaut hatte, bleibt festzuhalten, dass The 100 sich stetig bessert. An die Episode der letzten Woche kommt „Murphy's Law“ zwar nicht heran, aber dennoch bleibt es verhältnismäßig spannend. Den Serienmachern ist bewusst geworden, dass sie von Zeit zu Zeit auch gnadenlos sein und mit harten Bildern aufwarten müssen, um die Glaubwürdigkeit des bedrohlichen Settings und der konfliktgeladenen Charakterdynamiken zu wahren.

Langsam taucht man mehr und mehr in die Welt von The 100 ein. Zwar wirken einige schauspielerischen Leistungen immer noch ein wenig hölzern, von vielen aufgesetzten Dialogen ganz zu schweigen, aber trotzdem präsentiert sich dieThe CW-Serie als ein durchaus unterhaltsames Format. Mit der Ankunft von Raven auf der Erde stößt nun eine fähige Ingeneurin zu den Jugendlichen, welche endlich eine Verbindung zur Arc herstellen könnte - Montys Bastelkünste in allen Ehren. Auch wenn das Liebesdreieck zwischen Clarke, Finn und Raven etwas zu erzwungen wirkt, man ist interessiert, wie die Handlung auf der Erde weitergehen wird. Allein die Arc kommt derweil ein wenig zu kruz und gerät im Vergleich zur Earth-Handlung mehr und mehr ins Hintertreffen. Ob sich die Verantwortlichen dahingehend eine clevere Idee einfallen lassen können, bleibt abzuwarten.

Schauspieler in der Episode The 100 1x04

Darsteller   Rolle
Eliza Taylor …………… Clarke Griffin
Paige Turco …………… Dr. Abigail Griffin
Thomas McDonell …………… Finn Collins
Marie Avgeropoulos …………… Octavia Blake
Bob Morley …………… Bellamy Blake
Christopher Larkin …………… Monty Green
Devon Bostick …………… Jasper Jordan
Isaiah Washington …………… Thelonious Jaha (credit only)
Henry Ian Cusick …………… Marcus Kane
Lindsey Morgan …………… Raven Reyes
Richard Harmon …………… John Murphy
Izabela Vidovic …………… Charlotte
Saidah Arrika Ekulona …………… Nygel
Sachin Sahel …………… Dr. Eric Jackson
Christine Willes …………… Vera Kane
Aaron Miko …………… John #2
Josh Ssettuba …………… Connor
Manny Jacinto …………… Boy Bullied by Murphy
Brad Kelly …………… Harris
Reese Alexander …………… Guard
Charles Edward Bae …………… Earth Monitor Tech
Gerardo Barcala …………… Ark Civilian
James Forrester …………… Juvenile Delinquent
Victor Zinck Jr. …………… Dax