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The 100 1x03 Wozu hat man Freunde

The 100 1x03 Wozu hat man Freunde

In einem verzweifelten Versuch, Jaspers eiternde Wunden zu versorgen, machen sich Clarke, Finn und Wells auf die Suche nach Antibiotikum aus Meeresalgen.

Bellamy und seine Mannschaft machen sich unterdessen auf die Suche nach Nahrung. Sie werden dabei von der 13-jährigen Charlotte begleitet, die sich bei Bellamy sicher fühlt.

Plötzlich erscheint jedoch ein dicker, säurehaltiger Nebel, der Clarke, Finn und Wells dazu zwingt, in einem alten Bus Unterschlupf zu suchen.

Während sie darin gefangen sind, konfrontiert Clarke Wells mit dessen Betrug, der zum Tod seines Vaters geführt hat.

Normalerweise betreut unser Redaktionspraktikant Felix die wöchentlichen Reviews zur neuen The CW-Drama-Mystery-Sci-Fi-Serie The 100. Weil der sich jedoch momentan im wohlverdienten Urlaub befindet, darf ich nun für ihn einspringen und das Review für Earth Kills übernehmen. Mit der gebotenen Skepsis habe ich mir also die beiden Auftaktepisoden angesehen und war überrascht, wie gut sie mir doch gefielen. Richtig überzeugt hat mich jedoch diese dritte Episode, die viele bewährte Elemente aus Popkultur und Literatur vermischt und daraus eine unterhaltsame Stunde Fernsehen extrahiert.

Weakness is death, fear is death

Dabei fällt es schwer, auf ein spezielles Element zu deuten, das die Episode zu einer gelungenen macht. Die schauspielerischen Leistungen verharren am oberen Rand des Mittelmaßes (als Ausnahme würde ich hierbei die neue, von Izabela Vidovic verkörperte Figur anführen), die Geschichte setzt sich aus Einzelreferenzen an Lost oder „Herr der Fliegen“ zusammen und ist deswegen wenig innovativ. Trotzdem: Die krude Kombination all dieser Elemente sorgt für kurzweilige Unterhaltung. Zum ersten Mal schafft es eine Episode der Serie, für tiefergehende (und interessante) Charakterisierung zu sorgen. Hinzu kommen mehrere brenzlige und emotionale Augenblicke, die der Serie eine bislang ungekannte Brisanz verleihen.

Zum ersten Mal bricht The 100 außerdem aus seiner linearen Erzählstruktur aus und liefert in einigen Rückblicken die Vorgeschichte der Hauptfigur Clarke (Eliza Taylor). Wir erfahren, dass ihr Vater Jake (Chris Browning) einer der führenden Ingenieure der Ark war und irgendwann auf die traurige Gewissheit gestoßen ist, dass der Sauerstoff an Bord aufgrund eines Konstruktionsfehlers in kurzer Zeit ausgehen wird. Tochter Clarke und Ehefrau Abby (Paige Turco) versuchen, ihn davon abzuhalten, die Bewohner der Arche von der nahenden Katastrophe zu unterrichten - eine Veröffentlichung des Problems würde einen direkten Befehl des Schiffsrats missachten und Jake das Leben kosten. Wir erinnern uns: Jeder volljährige Straftäter wird auf der Arche zum Tode durch floating („Schweben“) verurteilt.

Als es aussichtslos erscheint, Jake von seinem Plan abzubringen, vertraut sich Clarke ihrem besten Freund Wells (Eli Goree) an, dem Sohn des Schiffskommandanten Jaha (Isaiah Washington). Sie nimmt ihm das Versprechen ab, seinem Vater und auch sonst niemandem von Jakes Plan zu erzählen. Trotzdem wird Jake kurze Zeit später verhaftet und zum Tode verurteilt. Clarkes Verdacht fällt natürlich sofort auf Wells - fortan beschuldigt sie ihn, für den Tod ihres Vaters verantwortlich zu sein. Am Ende der Episode kommt sie jedoch hinter die schockierende Wahrheit, dass nicht Wells ihren Vater verraten hat, sondern ihre eigene Mutter. Über Abbys Verrätermotiv lässt sich bislang nur spekulieren - wahrscheinlich ist, dass sie einen Ausbruch von Anarchie und Chaos an Bord der Arche verhindern wollte.

Bellamy (Bob Morley) lässt lieber Waffen als Worte sprechen.   © The CW
Bellamy (Bob Morley) lässt lieber Waffen als Worte sprechen. © The CW

Clarkes und Abbys Abschied von Jake kurz vor der Vollstreckung von dessen Urteil ist der emotionale Höhepunkt der Episode. Das floating ist eine besonders grausame Form der Todesstrafe - vor allem, wenn die Angehörigen dabei zusehen müssen. Dass auch Wells bei der Urteilsvollstreckung anwesend ist, macht die Sache für Clarke noch schwerer, schließlich glaubt sie, dass er für den Tod ihres Vaters verantwortlich ist. Auch auf der Erde glaubt sie dies bis zu ihrer späten Erkenntnis noch. Dann stellt sich jedoch heraus, dass Wells sie um jeden Preis beschützen wollte - so sehr, dass er ihren ewigwährenden Hass in Kauf nahm.

If you were my friend, you'd walk into that fog and never come back

Dies adelt Wells natürlich, der Charakter bekommt eine besonders großmütige Eigenschaft zugeschrieben. Clarke versöhnt sich mit ihm, muss aber fortan mit der Gewissheit zurechtkommen, dass ihre eigene Mutter für den Tod des geliebten Vaters verantwortlich ist. Der neue Frieden zwischen Clarke und Wells ist außerdem von kurzer Dauer, endet die Episode doch mit einem wahren Schockmoment. Darin entpuppt sich die in dieser Folge gerade neu eingeführte Charlotte (Izabela Vidovic) als gemeingefährlich und unberechenbar.

Weil sie in ihren Träumen immer wieder von den Bildern ihrer toten Eltern heimgesucht wird, sieht sie Wells als ihren persönlichen Dämon an. Sein Vater war als Kanzler nämlich auch in diesem Falle für den Richterspruch des Todesurteils ihrer Eltern verantwortlich. Zuvor hatte Charlotte vom selbsternannten Anführer Bellamy (Bob Morley) den Ratschlag bekommen, dass sie sich ihren Dämonen stellen müsse: „Weakness is death. Fear is death.“ Die Kleine lernt schnell: Zunächst ermutigt sie Bellamy, den sterbenskranken Atom (Rhys Ward) von seinem Leid zu erlösen (was schließlich von Clarke übernommen wird), dann erschleicht sie sich Wells' Vertrauen und sticht ihm kurzerhand in den Hals.

Dieser Schocker lässt - wie auch einige vorherige Szenen - erahnen, dass The 100 trotz seiner jugendlichen Zielgruppe wenig zimperlich mit seinen Charakteren umgehen wird. Es sei einmal dahingestellt, dass Wells nun wirklich sterben wird, doch hätte ich auch nicht gedacht, dass Atom so schnell aus der Serie scheidet. Vor allem die Art und Weise, wie letztgenannter aus dem Leben tritt, stimmt mich zuversichtlich, dass die Serie keine seichte Teenieweltraumsoap sein will, sondern durchaus brisantes Material liefert. Atom wurde nämlich von dem mysteriösen gelben Nebel (neben dem Panther aus der zweiten Episode eine weitere Hommage an Lost) erwischt und wird nun schwer verletzt aufgefunden. Als die medizinisch grob geschulte Clarke eintrifft, kann sie nur noch feststellen, dass Atom nicht mehr zu helfen ist. Auch er selbst fleht nur noch darum, dass man ihm doch endlich den Todesstoß verpassen möge. Clarke übernimmt dies höchstselbst und erarbeitet sich damit den Respekt von Bellamy: „This girl can fight!

Clarke (Eliza Taylor); Wells (Eli Goree) und Finn (Thomas McDonell) begegnen dem mysteriösen Nebel.   © The CW
Clarke (Eliza Taylor); Wells (Eli Goree) und Finn (Thomas McDonell) begegnen dem mysteriösen Nebel. © The CW

Beim schwer verletzten Jasper (Devon Bostick) bestehen laut Clarke indes bessere Heilungschancen. Die von ihr als grounders bezeichneten Erdenbewohner versorgten Jasper in der vorigen Episode mit einem Naturheilmittel, das von Biologiestreber Wells als Algenextrakt definiert wird. Also macht er sich gemeinsam mit Clarke und Finn (Thomas McDonell) auf die Suche nach diesen Wasserpflanzen. Dabei finden sie ein altes, moosbewachsenes Auto, das sie später als Unterschlupf für den nahenden Giftnebel nutzen. Darin finden sie auch eine Flasche uralten Schnaps, den sie sich brüderlich teilen, während Clarke und Wells ihre altbekannten Differenzen ausdiskutieren.

Down here, every life matters

Gerade rechtzeitig kommen sie ins Lager zurück, wo Monty (Christopher Larkin) und Octavia (Marie Avgeropoulos) die größte Mühe haben, die Angriffe des Bösewichts Murphy (Richard Harmon) abzuwehren. Er will im Namen eines Großteils der jugendlichen Straftäter kurzen Prozess mit Jasper machen, weil seine Schmerzensschreie für sie unerträglich sind. Nach der Verabreichung des Algenextrakts befindet sich Jasper jedoch schnell wieder auf dem Pfad der Genesung, er ist sogar schon wieder in der Stimmung, Witze zu machen: „Can I get a hit of that?

All diese kleinen Geschichten sind nichts Neues, sie sind mehr oder minder direkt aus dem dramaturgischen Fundus entlehnt, den William Golding mit dem Schullektürenevergreen „Herr der Fliegen“ und Damon Lindelof und Carlton Cuse mit Lost hinterlassen haben. Wegen des hohen Erzähltempos, den vielen miteinander verwobenen Mysterien und akzeptablen schauspielerischen Leistungen eines größtenteils sympathischen Ensembles wird daraus unterhaltsames, kurzweiliges Teenagerfernsehen (dem hin und wieder auch Erwachsene erliegen).

Sicher, die Spezialeffekte könnten etwas liebevoller gestaltet sein (wenngleich in dieser Episode eine Steigerung zu erkennen war), die Dialoge etwas weniger hölzern und die Konflikte weniger vorhersehbar. Schön ist wiederum, dass sich die Serie ein eigenes Vokabular aufbaut (grounders, floating) und damit einen eigenen Serienkosmos erschafft. Glaubwürdige Emotionen treffen darin auf überraschende Entwicklungen und viele ungelöste Rätsel. Zusammen ergeben diese Zutaten ein gelungenes Rezept, um das Interesse der Zuschauer hochzuhalten. Bei mir hat's jedenfalls funktioniert.

Schauspieler in der Episode The 100 1x03

Darsteller   Rolle
Eliza Taylor …………… Clarke Griffin
Paige Turco …………… Dr. Abigail Griffin
Thomas McDonell …………… Finn Collins
Marie Avgeropoulos …………… Octavia Blake
Bob Morley …………… Bellamy Blake
Christopher Larkin …………… Monty Green
Devon Bostick …………… Jasper Jordan
Isaiah Washington …………… Thelonious Jaha
Henry Ian Cusick …………… Marcus Kane (credit only)
Richard Harmon …………… John Murphy
Eli Goree …………… Wells Jaha
Chris Browning …………… Jake Griffin
Rhys Ward …………… Atom
Izabela Vidovic …………… Charlotte
Shane Symons …………… Jones
Chloe Babcook …………… Trina
Zach Martin …………… Pascal (as Zach Renald Martin)
Valerie Tian …………… Kid #1
Primo Allon …………… Officer
Aaron Miko …………… John #2
James Forrester …………… Juvenile Delinquent
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