Du bist hier: Serienjunkies » Serien » Star Trek: Strange New Worlds » Star Trek: Strange New Worlds 1x04
Star Trek: Strange New Worlds 1x04

Star Trek: Strange New Worlds 1x04

Pike muss unkonventionelle Methoden der Sternenflotte finden, um gegen eine bösartige Macht vorzugehen, die die Enterprise angreift.

Memento Mori

Mit Memento Mori steht Captain Pike (Anson Mount) und seiner Besatzung eigentlich eine Standardmission bevor. Die Kolonisten auf Finibus III benötigen einen neuen Luftfilter, weil der alte nur noch wenige Wochen durchhalten wird. Als die Enterprise eintrifft, wird sie aber nicht von den Kolonisten begrüßt. Spock (Ethan Peck) findet heraus, dass der Kommunikationssatellit zerstört wurde und das Außenteam um Una (Rebecca Romijn) und La'an (Christina Chong) findet auf der Planetenoberfläche Kampfspuren, die auf ein Massaker hindeuten - allerdings keine Leichen. Als anschließend ein Frachtschiff mit Flüchtlingen entdeckt und evakuiert wird, greift der Gegner an, der La'an bereits bekannt ist. Die Gorn schlagen zu und der Überlebenskampf beginnt.

Während die Haupthandlung unseren Captain fordert, der zahlreiche Risiken eingehen und schwierige Entscheidungen treffen muss, um die Enterprise irgendwie aus der Krise zu steuern, steht charakterlich abermals La'an im Fokus. Sie ist vermutlich die Einzige, die bislang einen Gorn gesehen und überlebt hat. Eine Vergangenheit, die sie lieber vergessen würde, wie anfangs deutlich wird, wenn sie zum „Remembrance Day“ den Pin der SS Puget Sound nicht anlegt. Im Folgenverlauf sieht sie sich aber gezwungen, sich damit auseinanderzusetzen, denn ohne ihr Wissen (welches teilweise durch Spock hervorgeholt werden muss), hätten die „Monster“ sicher weitere Beute gemacht.

In der Nebenhandlung folgen wir derweil Hemmer (Bruce Horak) und Uhura (Celia Rose Gooding), die im Rahmen ihrer Ausbildung aktuell im Ingenieurraum den Aenar unterstützen soll. Beide beschäftigen sich mit dem neuen Luftfilter, der im Frachtraum liegt, als der Angriff stattfindet. Ein paar Einschläge und riskante Manöver später droht der „AP350“ sich explosiv zu verabschieden. Hemmers Hand ist gebrochen und somit liegt es an Uhura, eine weitere Katastrophe zu verhindern.

Für Una sieht es derweil nach dem ersten Beschuss schon nicht gut aus. Sie kann sich zwar schwer verletzt zur Krankenstation begeben, doch mit dem Eintritt der Enterprise in die Gaswolke des braunen Zwergs fallen die meisten Systeme aus, so dass Dr. M'Benga (Babs Olusanmokun) und Christine Chapel (Jess Bush) auf „archaische“ Methoden zurückgreifen müssen, um allen Verletzten zu helfen.

Du kannst Star Trek Picard - Staffel 1 - Limited Steelbook (Blu-ray) jetzt sofort bei Amazon Prime Video streamen.

Gorn

Bereits im Staffelauftakt hörten wir von den Gorn und der Hintergrundgeschichte, die La'an mit dieser Spezies verbindet. Einst sollte ein gewisser Captain James Tiberius Kirk (William Shatner) auf die Gorn aufmerksam werden, die in der Episode „Arena“ (1x19) der Originalserie erstmals in Erscheinung traten. Ein Zweikampf zwischen Kirk und dem Captain des Gorn-Schiffes, welches eine Kolonie zerstört hatte, bestimmte über weite Teile der Folge die Handlung. Angeblich hatte die Föderation vorher noch keinen Kontakt zu dieser Spezies, erkannte entsprechend das angreifende Schiff auch nicht und Kirk nahm die Verfolgung deshalb auf, um die unbekannten Angreifer zu „bestrafen“. Soweit der Kanon, der allerdings zuvor bereits etwas aufgeweicht wurde, wenn man sich Lorcas (Jason Isaacs) Trophäen aus Star Trek: Discovery anschaut oder auch den Spiegeluniversum-Zweiteiler von Star Trek: Enterprise (ebenfalls eine Prequelserie) im Gedächtnis hat.

Aber wer setzt schon auf Kanon, wenn einem eine Episode beschert wird, die der Besatzung und dem Captain alles abfordert und die Spannung mal eben derart in die Höhe treibt, dass man als Zuschauer kaum Zeit zum Atmen hat? Ich sicher nicht. Im Gegenteil, Memento Mori ist bislang die beste Folge der ersten Staffel, wenngleich es kleinere Mängel gibt, die aber nicht großartig ins Gewicht fallen. Und selbst, was den Kanon angeht, lässt sich das alles mit kleineren Abstrichen noch irgendwie vereinbaren und womöglich als Auftakt zu besagter Folge von TOS verstehen.

Es ist allerdings gut möglich, dass uns die Gorn noch öfter begegnen werden. Liegt schon daran, dass La'an dadurch mehr Profil erhält und Pike diese Woche tatsächlich zuhört und eben keine Versuche unternimmt, um die „Monster“ in diplomatische Verhandlungen zu verwickeln. Wir sehen im Folgenverlauf auch nie einen Gorn, sondern bloß deren Schiffe und die Auswirkungen ihrer Auftritte, womit diese Spezies tatsächlich den „Boogeyman“-Effekt nutzen und uns zusammen mit der Crew in ein regelrechtes Horror-Szenario lenken kann.

Auf der Brücke

Nachdem die Gorn ihren Angriff gestartet und die Situation der Enterprise genutzt haben, die die Evakuierung des Frachtschiffs per direkter Verbindung (Beamen war nicht möglich, weil Drehbuch, äh, besonderes Frachtschiff) vollziehen musste, geht es direkt in die Vollen. Unser Schiff ist angeschlagen, weil es die Schilde nicht nutzen konnte und entsprechend Einschläge kassiert hat. Nachdem Una außer Gefecht ist, findet „acting Number One“ La'an das Gehör des Captains und kann Pike davon überzeugen, in die Defensive zu gehen. Das bedeutet, dass die Enterprise sich in die Gaswolke des braunen Zwergs begibt und damit auf mehrere entscheidende Systeme wie Schilde und Sensoren verzichtet. Das Katz- und Mausspiel kann beginnen.

Dabei liegt es nicht an Pike allein, sich und die Enterprise durch mehrere missliche Lagen zu führen, wobei nach jedem kleinen Erfolg die nächste Wendung eingeleitet und die Spannung abermals gesteigert wird. Spock kann beispielsweise eine Art Sonar improvisieren, womit das Schiff der Gorn sichtbar wird und mit dem letzten Photonentorpedo ausgeschaltet werden kann. Anschließend tauchen drei weitere Schiffe auf und die Enterprise zieht sich in Richtung Kern des braunen Zwergs zurück, was neuerliche Risiken birgt, die unser Flaggschiff an die Grenzen der strukturellen Integrität führen. Als dann auch noch der Luftfilter trotz Reparaturversuche zu explodieren droht und das schwarze Loch anfängt, den braunen Zwerg zu verschlingen, wird die Lage immer aussichtsloser.

Ausschnitt aus der Episode Memento Mori der US-Serie Star Trek: Strange New Worlds © Paramount+
Ausschnitt aus der Episode Memento Mori der US-Serie Star Trek: Strange New Worlds © Paramount+

Rein atmosphärisch werden wir dabei an U-Boot Thriller wie „Das Boot“ (1981) von Wolfang Petersen erinnert. Unsere Crew ist ordentlich am Schwitzen, schaut gespannt auf das improvisierte Sonar und wenn das Schiff unter der Last der Gravitation hörbar verformt wird (mehrere der unteren Decks gehen dabei flöten), könnte sich unsere Besatzung auch in einer Konservenbüchse befinden, die auf den Marianengraben zusteuert. Garniert wird das Ganze mit physikalischen Phänomenen, wie sie nur im Weltraum zu finden sind und wenn das „Pike-Manöver“ schließlich zum Einsatz kommt, wird das Gelingen auch glaubwürdig genug umgesetzt.

Kleiner Kritikpunkt an dieser Stelle bleibt von meiner Seite bloß die (Selbst-)Sicherheit Pikes, dass die Enterprise jedes noch so gewagte Manöver überstehen wird. Da lässt sich schnell vermuten, dass er aufgrund des Wissens über die eigene Zukunft diese Risiken in Kauf nimmt und davon ausgeht, mehr oder weniger automatisch jede Krise zu überstehen, ehe sein Schicksal ihn einholen wird. Dafür sehen wir aber, dass er um jedes einzelne Crewmitglied besorgt ist und erhalten mehrere Ansprachen, die eines Captains würdig sind.

Du kannst Star Trek - Discovery: Staffel 4 im Stream jetzt sofort bei Amazon Prime Video streamen.

La'an

Für La'an kommt hier ein Trauma aus der Vergangenheit zurück. Der Episodentitel ist sicher auf sie zurückzuführen und ihre Entwicklung zuweilen auch etwas vorhersehbar. Denn sie wird gezwungen, sich an mehrere Geschehnisse zu erinnern, die sie verdrängt hat und wenn sie regelmäßig ihren Bruder Manu (Cameron Roberts) sieht, ist das ein Hinweis darauf, woher mitunter das Trauma rührt. Ihre Bedeutung wird allerdings schon zu Beginn aufgezeigt, weil ihre Kenntnisse über die Gorn erst möglich machen, dass der Feind identifiziert wird und Pike auf die Defensive setzt.

Ausschnitt aus der Episode Memento Mori der US-Serie Star Trek: Strange New Worlds © Paramount+
Ausschnitt aus der Episode Memento Mori der US-Serie Star Trek: Strange New Worlds © Paramount+

Der charakterliche Höhepunkt findet während der Shuttle-Mission mit Spock statt, wenn sie mit Hilfe einer Gedankenverschmelzung (Klassiker) Erinnerungen zurückholt, die schließlich einem weiteren Schiff der Gorn den Garaus machen sollen. Ob es an dieser Stelle eine Referenz auf Michael Burnham (Sonequa Martin-Green) benötigt hat, sei mal dahingestellt. Ebenso erscheint mir das anschließende Lichterspiel mit der integrierten Botschaft etwas fragwürdig sowie die Tatsache, dass die Gorn das Shuttle schlicht übersehen. Da darf sicher ein wenig gemeckert werden, auch wenn diese kleine Mission wichtig für die Figur La'an ist und uns eben aufzeigt, weshalb sie anfangs den „Remembrance Day“ lieber auslässt und nicht in die Vergangenheit zurückschauen möchte.

Im Frachtraum

Uhura hat es mit Hemmer nicht einfach, denn der lässt sich nur schwer beeindrucken. Selbst als die Krise sich steigert und Uhura seine gebrochene Hand von den Trümmern befreit hat, ist er nicht darüber erbaut, von der Kadettin abhängig zu sein, die nun an seiner Stelle den Luftfilter reparieren muss. Aber im weiteren Verlauf sehen wir doch, wie Hemmer sich öffnet und uns wie Uhura ein paar charakterliche Eindrücke persönlicher Natur beschert. Hier wachsen zwei sehr unterschiedliche Figuren zu einem Team zusammen, welche sich gegenseitig das Leben retten und durch die missliche Lage auch charakterlich wachsen. Das mag ein bisschen 08/15 sein, weil derartige Situationen in der Vergangenheit regelmäßig genutzt wurden und sicher demnächst noch weiter genutzt werden. Aber wie das hier umgesetzt wird, ist natürlich allemal sehenswert.

Wir dürfen auch kurz schlucken, wenn am Ende erst stark verzögert die Botschaft kommt, dass Hemmer und Uhura überlebt haben. Da ist es schon fast schade, dass wir mindestens bei Uhura wissen, dass sie überleben wird. Wobei ich jetzt auch Hemmer als relativ „sicher“ betrachten würde, denn man baut eine Figur nicht auf, um sie im nächsten Moment zu verlieren (zumindest nicht in dieser Art von Serie). Und trotzdem blieb eine gewisse Unsicherheit und Anspannung bestehen, ehe Uhura sich meldet und nicht nur bei uns Erleichterung auslöst.

Ausschnitt aus der Episode Memento Mori der US-Serie Star Trek: Strange New Worlds © Paramount+
Ausschnitt aus der Episode Memento Mori der US-Serie Star Trek: Strange New Worlds © Paramount+

Krankenstation

Nachdem Una letzte Woche im Fokus stand, wird sie diese Woche auf die Krankenstation befördert und Teil der kleineren Nebenhandlung. Zwar nicht so klein wie der kurze Auftritt von Chief Kyle (Andre Dae Kim), der nur knapp dem Tod entkommen kann, aber nach der Offenbarung von letzter Woche hätte ich mit größeren Beiträgen von Una gerechnet, auch wenn es unterm Strich nicht schlimm ist, wenn sie in der aktuellen Episode keine größere Rolle erhalten hat. Mitfiebern ließ sich allemal, wobei auch hier ein paar Einschränkungen zu verzeichnen sind - aus ähnlichen Gründen wie bei Uhura und Hemmer.

Wobei es hier trotzdem kleinere Kritikpunkte zu verzeichnen gibt. Klar, Dr. M'Benga und Co. können die medizinischen Systeme nicht nutzen und müssen auf wesentlich ältere Methoden zurückgreifen, um den Patienten zu helfen. Aber Nadel und Faden? Gibt es an dieser Stelle nicht bereits diese handlichen Geräte, die Wunden verschließen, wie es zu Zeiten von Dr. „Pille“ McCoy (DeForest Kelley) der Fall war? Und wie soll die direkte Bluttransfusion funktionieren, wenn Una eine Illyrianerin ist? Ich weiß, kleinere Kritikpunkte, über die sich leicht hinwegsehen lässt. Dennoch etwas auffällig und erklärungsbedürftig.

Fazit

Es liegt mal wieder im Auge des Betrachters, ob Memento Mori als großartig empfunden wird oder ob diverse Kritikpunkte dafür sorgen, dass die Augenbrauen der Skepsis gezückt werden. Bei mir dominiert diese Woche die Begeisterung über das spannende, actionreiche und höchst atmosphärische Geschehen, welches abermals auf die Charaktere setzt, die durchgehend weiterentwickelt werden. Viereinhalb von fünf Sternen sind da meinerseits drin. Und bei Euch?

Schauspieler in der Episode Star Trek: Strange New Worlds 1x04

Darsteller   Rolle
Anson Mount …………… Captain Christopher Pike
Ethan Peck …………… Spock
Rebecca Romijn …………… Una Chin-Riley
Jess Bush …………… Nurse Christine Chapel
Christina Chong …………… La'an Noonien-Singh
Celia Rose Gooding …………… Nyota Uhura
Babs Olusanmokun …………… Dr. M'Benga
Melissa Navia …………… Erica Ortegas
Bruce Horak …………… Hemmer
Genevieve Adam …………… Jennifer
Angela Besharah …………… Thandie
Ava Cheung …………… Young La'an
Kaylee Harwood …………… Lt. Parker
Jennifer Hui …………… Ensign Christina
André Dae Kim …………… Chief Kyle
Atticus Dean Mitchell …………… Ensign Todd
Oscar Moreno …………… Crewman Zuniga
Cameron Roberts …………… Manu
Sophia Webster …………… Fig
Sonequa Martin …………… Michael Burnham (voice) (archive footage)

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?