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The Orville 1x03

The Orville 1x03

Bortus (Peter Macon) und Klyden (Chad L. Coleman) diskutieren, ob ihr neu geborenes Baby eine umstrittene Operation erhalten soll oder nicht. Ihr neugeborenes Kind ist nämlich weiblich, was in ihrer Kultur nicht geduldet wird.

Die Crew der Orville mischt sich ebenfalls in diese Debatte ein, und so findet sich die Mannschaft schon bald vor einem Gericht auf dem Heimatplaneten von Bortus und Klyden wieder.

Dort kommt es zu einem hitzigen Austausch, wie es mit der Tochter der beiden weitergehen soll. Kelly (Adrianne Palicki) nimmt dabei eine klare Position ein und engagiert sich immens.

Was passiert?

Das Kind von Bortus und Klyden ist geschlüpft - zu ihrer Überraschung handelt es sich jedoch um ein Mädchen, was bei einer rein männlichen Kultur mehr als nur eine Randnotiz darstellt. Sofort entbrennen hitzige Diskussionen über den Wunsch der Eltern, das Geschlecht anpassen zu lassen, die schließlich sogar zu einer Gerichtsverhandlung auf der Heimatwelt der Moclans führen...

Dies & das

Brannon Braga führte bei dieser von Seth MacFarlane geschriebenen Episode Regie.

Spruch

And we must give him a good life, whoever he becomes.“ (Bortus)

Das hättest du bei „Star Trek“ sicher nicht gehört

Captain, tell me about your penis.

Das hättest du bei „Star Trek“ sicher nicht gesehen

Einen mexikanischen Gangster, der zu Cyndie Laupers Hit „Girls just wanna have fun“ tanzt.

Ghostwriting?

Ob Seth MacFarlane auf dunklen Kanälen ein vergessenes „TNG“-Skript in die Hände bekommen hat, ist nicht überliefert. Angesichts der Beteiligung von Brannon Braga ist diese Vermutung aber zumindest gar nicht mal so abwegig. Und auch wenn es die Episode bei Captain Picard und seinen Leuten auf diese spezielle Art und Weise sicher nie gegeben hätte, sind die Ähnlichkeiten einfach frappierend.

Ein moralisches Dilemma entbrennt innerhalb der Crew, das zu einem Konflikt zwischen den Werten der Menschen und einer fremden Kultur führt. Die Beteiligten diskutieren die potentielle Einmischung in selbige und müssen am Ende zu einer Lösung kommen. So weit, so Star Trek. Doch kann The Orville so etwas überhaupt?

Seth Trek: The Next Genderation

Ich gebe es ehrlich zu: Nach Sichtung des Pilotfilms und der bisherigen Vita von MacFarlane hätte ich dieser Serie eine Episode dieser Machart nicht zugetraut. Das ist jedoch noch gar kein wertendes Urteil, sondern schlicht eines, das den Ansatz und die Durchführung der präsentierten Geschichte würdigt.

Die Handlung setzt exakt dort ein, wo die letzte Episode endete. Das Kind von Bortus und Klyden schlüpft und präsentiert sich zur Überraschung aller als Mädchen. Handelt es sich hier um eine Laune der Natur? Und warum sprechen die Moclans, die eine eingeschlechtliche Spezies sind, überhaupt von männlich und weiblich beziehungsweise erkennen die Unterschiede? Zum Glück gibt uns das Drehbuch Antworten auf diese Fragen: Es kommt offenbar immer wieder vor, dass Moclans mit weiblichem Geschlecht geboren werden. In diesen Fällen wird jedoch wie selbstverständlich sofort eine angleichende Operation vorgenommen, um dem Kind die Schande zu ersparen. Absolute Routine, die Bortus auch von Dr. Finn und Captain Mercer einfordert - und keine offenen Türen einrennt. Es stellt sich im Verlauf der Handlung sogar heraus, dass Klyden mit weiblichem Geschlecht geboren wurde, was Bortus nicht bekannt war und zwischen den Lebenspartnern zu Spannungen führt.

Die Überzeugung der Moclans wird dabei weitestgehend überzeugend dargestellt, die Argumente vor Gericht sind nicht von der Hand zu weisen. Innerhalb der Kultur dieser Spezies stellt sich die Frage nicht, ob das Vorgehen richtig oder falsch ist.

Und natürlich widerstrebt es mir als Vater zutiefst, die Vorgehensweise der Moclans auch nur im Ansatz gutzuheißen. Ich bin selbst stolzer Vater einer wunderbaren Tochter und obwohl ich von anderen Männern weiß, wie wichtig diesen ein männlicher Stammhalter ist, haben mich persönlich derartige Gedanken nie umgetrieben. Meine Tochter ist ein Wunder - und ein wundervoller Mensch. Es wird sich zeigen, wie sie ihr Leben später leben möchte. Meine Aufgabe als Vater ist es, für sie da zu sein und sie bei allem zu unterstützen, aber sicher nicht zu entscheiden, dass etwas an ihr von Geburt an „falsch“ ist.

Seth MacFarlane
Seth MacFarlane

Dass Bortus durch einen Film über Rudolph (mit der roten Nase) vom Gegenteil überzeugt werden kann, ist dann sicherlich ein wenig weit hergeholt. Ich verstehe jedoch, was MacFarlane hier zu sagen versucht. Andersartigkeit kann auch eine Stärke sein und niemand sollte vorschnell aufgrund alter Bräuche Entscheidungen dieser Art unreflektiert treffen. Der Konflikt zwischen Bortus und Klyden wirkt dabei nicht aufgesetzt und positioniert das Paar an sehr unterschiedlichen Standpunkten - sie dürften eigentlich nie wieder dieselben sein wie zuvor. Einig sind sie sich am Ende nur, ihrem Kind alle Liebe geben zu wollen - samt Rudolph-Stofftier.

Hübsch ist nebenbei auch die Anleihe bei der „TNG“-Episode Sins of the Father. Dort war es Picard, der Worf als Cha'DIch vor dem Gericht der Klingonen beistand und am Ende eine alte Frau präsentierte, die seine Argumentation verfestigte. Hier nun ist es Kelly, die diese Rolle für Bortus übernimmt - und erneut taucht am Ende eine alte Frau mit einer faustdicken Überraschung auf.

Let's talk about sex, baby

Was das Drehbuch außerordentlich gut versteht, ist, die Menschen auf eine schlichte, aber überzeugende Position zu bringen: Wir bewerten eure Bräuche in letzter Konsequenz nicht für euch oder greifen gar ein, wir lassen Derartiges nur nicht auf einem Schiff der Planetary Union und durch die Hand eines Arztes dieser Organisation zu. Das mag man feige finden, ist letztlich aber nur der sehr defensive Gegenentwurf zu einem Captain America, der das komplette Weltall als Spielplatz für potentielle Belehrungen ansieht.

Die Moclans besitzen ihre feste Überzeugung und niemand außer ihnen sollte in der Position sein, darüber zu richten. Groß in die Tiefe geht es dabei selbstverständlich nicht, wenn man die Frage nach der sexuellen Identität rein oberflächlich an der Beschaffenheit der Genitalien festmacht. Zum Selbstgefühl eines Lebewesens gehört einfach einiges mehr, als die Unterscheidung zwischen Penis und Vagina. Dass die Episode hier bildlich gesprochen den Schwanz einzieht und es bei einem Schnipp-Schnapp-jetzt-bist-du-ein-Mädchen (wenn auch in diesem Falle vice versa) belässt, mag man dem Drehbuch als schweres Versäumnis ankreiden. Dennoch scheint das Gebotene ausreichend gewesen zu sein, um derartige Gedanken beim Zuschauer überhaupt zutage zu fördern und somit weit über den Abspann Stoff für Diskussionen zu liefern. Mut zur Lücke?

Nebenbei ist es ja auch nicht gesagt, dass man diese Storyline in Zukunft fallen lassen wird und nicht vielleicht später noch Aussagen trifft, die die langfristigen Auswirkungen der Entscheidung beleuchten. Warten wir einfach mal ab. Dass ich das nach drei Episoden überhaupt für möglich halte, ist nebenbei eine der vielen kleinen Überraschungen, die die Serie zu bieten hat.

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Für den Moment sei in jedem Fall festgehalten, dass die Entscheidung des Gerichts, die Operation am Baby dennoch vornehmen zu lassen - so falsch sie uns auch erscheinen mag - eine kulturelle Eigenheit zeigt, in die in diesem Fall die Menschen nicht einzugreifen haben. Die Crew der Orville hat es geschafft, durch die vorgebrachten Argumente und das Auftreten einer würdevoll gealterten Frau (die sich als berühmtester Schriftsteller der Moclans herausstellt) ein potentielles Umdenken einzuleiten. Doch brauchen Veränderungen eben immer eine gewisse Zeit. Das gilt für die weitere Beziehung von Bortus und Klyden genauso wie für die Kultur ihres Volkes. Wer weiß, was in einigen Jahrzehnten ist? Man wird darüber sprechen und vielleicht zu einer neuen Sichtweise finden, die aktuell noch unvorstellbar ist.

Und genau wie auf der Erde, wo wir in Mitteleuropa gerne unsere Ansichten über das Beschneiden von kleinen Jungen, das Tragen von Kopftüchern oder Burkas oder das Wegsperren von Frauen haben und diese frei äußern dürfen, gibt uns das in letzter Konsequenz eben noch lange nicht das Recht, in andere Kulturen einzudringen und diese Sachverhalte vor Ort einfach zu ändern und sie somit unserem Denken anzupassen. In dieser Hinsicht hat das Drehbuch ohnehin einen cleveren Kniff gewählt: Die Crew eben nicht auf der Orville richten oder entscheiden zu lassen, sondern das Ganze vor Ort im Hoheitsgebiet der Moclans durchzuexerzieren. Somit blieb als Schlussakkord nur noch der Rückzug. Feige? Nicht wirklich. Unbefriedigend? Vielleicht. Doch, wie gesagt: Veränderungen brauchen Zeit, deren Fortschreiten Außenstehende höchstens begleiten, aber sicher nicht durch Eingriffe künstlich beschleunigen können.

Sollte die Menschheit jemals ins All aufbrechen, werden uns Gedanken dieser Art ebenfalls nicht erspart bleiben. Hier kann das wichtigste Gut nur sein: sich den Respekt für andere Lebensweisen zu erhalten und nicht vorschnell zu urteilen. Wir würden es uns andersrum ja auch nicht anders wünschen, oder?

Und noch mal: Wir sprechen hier immer noch über eine Seth MacFarlane-Serie. Das ist nebenbei dann auch der größte Witz an dieser Episode.

Holodeck & more fun

Apropos Witz: Einige Anmerkungen gibt es noch bezüglich des Humors. So sticht hier diese Woche besonders die Holodecksequenz im wilden Westen heraus, die von ähnlichen Sequenzen aus den späteren „Trek“-Serien kaum zu unterscheiden ist. Die Idee mit dem Dance-Contest ist dabei auf eine verrückte Art gelungen, Relevanz besitzt die Sequenz jedoch keine.

Der Versuch des Glibberaliens, Dr. Finn auf ein Date einzuladen, weiß ebenfalls zu gefallen. Der Peniswitz war an dieser Stelle aber völlig überflüssig. Erstaunlich ist noch, dass angesichts des heiklen Themas insgesamt keine größeren Humorausfälle geboten wurden - man denke hier nur an Captain Archer (Scott Bakula) und seine Nacht in der Krankenstation...

J Lee und Scott Grimes in %26bdquo;The Orville%26ldquo; © FOX
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Technisch betrachtet

Die Heimatwelt der Moclans samt der Kulissen gelang tadellos und erinnert - wie auch erneut viele Orville-Bauten - sehr stark an 90er „Trek“. Die CGI-Effekte sind in Ordnung bis sehr gut, der Score angemessen dramatisch und zum Ende hin gar regelrecht aufwühlend. Die Regie von Brannon Braga ist kompetent, zurückhaltend und sehr gelungen - wenn auch arg oldschool.

Schauspielerisch können sich Peter Macon und Chad Coleman auszeichnen, doch auch die Darsteller aller anderen Crewmitglieder wissen zu gefallen. Es gelingt an dieser Front tatsächlich bereits immer mehr, dass uns der Cast ans Herz wächst, sei es durch kurze und unerwartete Statements wie von Malloy („Reminds me of my dad, oh how I miss him“), Alaras naiven Versuch, Bortus umzustimmen, Kellys Show mit Malloy vor Gericht („He's an idiot.“) oder auch Ed und Kelly, die sehr vertraut das schwierige Thema zu diskutieren versuchen und am Ende Arm in Arm das Gericht verlassen. Verrückt: Diese Charaktere besitzen tatsächlich Leben und ausreichend Ecken und Kanten für eine Dramaserie.

Gib dem Kind einen Namen

About a Girl: Viele werden bei dem Titel sofort an den Song von Nirvana denken, der aber in Sachen Text überhaupt keinen Kontext zur Episode anbietet. Vielleicht ist dann der Blick zu den Sugababes schon interessanter. Dort heißt es im ebenso betitelten Song: „Girls bring the fun of life, sugar like apple pie, let's have a party-oh!“. Die Moclans sind offenbar noch nicht bereit für diese Sichtweise.

Fazit

Die dritte Episode der noch jungen Serie schlägt erstaunlich ernste Töne an, kommt über das komplexe Thema nur leicht ins Straucheln und bewahrt sich eine kaum für möglich gehaltene Seriosität im Umgang mit einer heiklen kulturellen Vorgehensweise. Besser geht das natürlich immer. Dass das Team sich aber überhaupt traut, Derartiges im Rahmen einer als Comedy beworbenen Serie anzufassen, zu diskutieren und sich am Ende nicht mal vor einer unpopulären Auflösung zu drücken, muss man dem Format hoch anrechnen. Scheint, als habe Autor Seth MacFarlane wirklich eine sehr sensible und ernsthafte Seite.

Ambitioniert, gut geschrieben, berührend und wenn auch stellenweise lückenhaft durchdacht, ist „About a Girl“ die bisher stärkste Episode der Serie und nebenbei auch eine der stärksten „Trek“-Episoden der letzten achtzehn Jahre.

The Orville 1x03 Trailer

Schauspieler in der Episode The Orville 1x03

Darsteller   Rolle
Seth MacFarlane …………… Capt. Ed Mercer
Adrianne Palicki …………… Cmdr. Kelly Grayson
Penny Johnson …………… Dr. Claire Finn
Scott Grimes …………… Lt. Gordon Malloy
Peter Macon …………… Lt. Cmdr. Bortus
Halston Sage …………… Lt. Alara Kitan
J. Lee …………… Lt. John LaMarr (as J Lee)
Mark Jackson …………… Isaac
Chad Coleman …………… Klyden
Deobia Oparei …………… Captain Vorak
David Barrera …………… Vásquez
Rena Owen …………… Heveena
Lamont Thompson …………… Kaybrak
Jonathan Adams …………… Moclan Arbitrator
Antonio D. Charity …………… Advocate Kagus
Norm Macdonald …………… Yaphit (voice)
D. Elliot Woods …………… Moclan Council Foreman
Rico E. Anderson …………… Moclan Doctor
Julius Sharpe …………… Reptilian Alien
Andrew Bering …………… Technician Jennings
Larry Joe Campbell …………… Steve Newton
Dirk Rogers …………… Alien Bartender
Tony Taboada …………… Moclan Guard

Was bedeutet eigentlich „TBA“ in der Anzeige bei Episodenführern?