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The Orville 1x01

The Orville 1x01

Die Serie zeigt die futuristischen Abenteuer des Raumschiffs Orville und seinen menschlichen und außerirdischen Crew-Mitgliedern.

In der ersten Folge wird der glücklose Ed Mercer (Seth MacFarlane) zum Captain ernannt und soll fortan die Geschicke der Orville leiten. Dabei wird er von seiner Ex-Frau Cmdr. Kelly Grayson (Adrianne Palicki) unterstützt, auf die er jedoch nicht so gut zu sprechen ist. Diese hat ihn nämlich einst betrogen, was Mercer nach wie vor beschäftigt.

Doch es bleibt keine Zeit, sich über diesen Umstand zu ärgern, denn die Pflicht ruft! Die Crew muss sich auf eine gefährliche Mission begeben, um die Krill, eine feindselige Alienrasse, aufzuhalten. Diese wollen eine Erfindung stehlen, mit der man die Zeit manipulieren kann. Die mächtige Waffe darf aber keinesfalls in die falschen Hände fallen.

Was passiert?

Ein Jahr, nachdem er seine Frau beim Fremdgehen mit einem blauen Alien erwischt hat, erhält Ed Mercer das Kommando über das Forschungsschiff USS Orville und muss auf seiner ersten Reise nicht nur mit seiner Exfrau in neuer Rolle umgehen, sondern auch mit seiner bunten Crew und einer ersten amtlichen Krise...

Dies & das

    Penny Johnson Jerald kennt man natürlich besonders als Frachtercaptain Kasidy Yates aus Star Trek: Deep Space Nine, Victor Garber ist sicher vielen Genrefans als Papa von Sidney aus Alias ein Begriff und Adrianne Palicki war zum Beispiel in Marvel's Agents of S.H.I.E.L.D. dabei.

    Rachael MacFarlane spricht den Computer der Orville, sie ist die Schwester von Produzent und Star Seth MacFarlane.

    Gastschauspieler Brian George kennt man als Vater von Julian Bashir aus Star Trek: Deep Space Nine oder als Botschafter aus Star Trek: Voyager.

    Wer genau hinschaut, wird viele Anspielungen auf „Star Trek“ finden. Der Trick am Ende der Episode wirkt ein wenig wie die Szene zwischen der Enterprise-Crew und den Klingonen aus „Star Trek III - The Search for Spock“, der Shuttleflug von Mercer und Malloy erinnert an den von Archer und Trip aus Broken Bow oder an diverse Sequenzen aus den Classic-Filmen. Dazu weist das Holodeckprogramm starke Ähnlichkeit mit Worfs Kampfprogrammen auf und Androide Isaac stellt solch naive Fragen wie einst Data. Am besten mehrfach schauen und immer mehr entdecken.

Spruch

We are definitely talking about that, this is a thing.“ (John LaMarr über die Scheidung der beiden Chefs)

Seth MacFarlane und Adrianne Palicki in %26bdquo;The Orville%26ldquo; © FOX
Seth MacFarlane und Adrianne Palicki in %26bdquo;The Orville%26ldquo; © FOX

Was darf's denn sein? Regenbogeneinhorn oder Penis?

Fangen wir doch einmal mit der Story an - ein Punkt, den man ohne größere Probleme in aller Kürze abhaken kann: Ein Offizier erhält überraschend sein erstes Kommando, lernt seine Crew kennen, der erste Einsatz verläuft anders als gedacht, eine zünftige Schießerei führt zu einem Weltraumgefecht und zu einer kreativen Lösung - danach segelt die neue Crew in weitere Abenteuer.

Die Autoren haben es sich wahrlich nicht schwer gemacht und für ihre Pilotepisode eine Baukastenhandlung entworfen, die alle relevanten Personen kurz anreißt und positioniert, ein wenig Background etabliert, die Schauwerte vorzeigt, den Humorlevel andeutet und auf diese Weise eine sehr kurzweilige Dreiviertelstunde verstreichen lässt. Dass dabei der Rahmenhandlung um eine portable Zeitmaschine jegliche Tiefe fehlt und auch keine Metaebene zu erkennen ist, kann man verschmerzen. Hier wird schließlich primär das Spielfeld umrissen.

Getragen wird die Episode ohnehin eher vom Charme dieser futuristischen Welt, in der die Charaktere zwar dem Fluss einer ernsthaften Geschichte folgen, aber jederzeit in Kalauersequenzen ausbrechen können. Exakt so zieht es sich auch durch die komplette Episode: Ein Ensemble, das sein Setting an sich ernst nimmt und einzig für die Momente des Humors ausbricht und diese im Vorbeigehen einstreut.

Sei es, dass Mercer wiederholt auf seine gescheiterte Ehe anspielt oder ein Alien in einer Krisensituation als Therapeuten missbraucht, die Piloten während der Arbeit Softdrinks trinken oder gerne in Shorts zum Dienst kommen würden oder der Captain aus Versehen in eine Gelatinelebensform tritt, die ihm natürlich nicht weiter böse ist. Die besten Momente dabei sind die, wenn Sicherheitschefin Alara eine Wand einreißt (und Mercer das trocken kommentiert) oder wenn ein Holodeck-Oger aus einer Kampfsimulation sich als richtig netter Zeitgenosse entpuppt und zum Dank trotzdem dahingemetzelt wird. Hier blitzt dann auch am ehesten der Charme eines Filmes wie „Galaxy Quest“ auf und das Spiel mit den üblichen Verfahrensweisen aus den zitierten „Trek“-Serien gelingt am kreativsten.

Ungewöhnlich ist allerdings definitiv der Mix: Feierliche und bierernste Momente (erster Shuttleflug zum Schiff, Betreten der Brücke, Abschlussszene zwischen Grayson und Admiral Halsey) geben sich mit albernen Peniswitzen die Klinke in die Hand - hier braucht es seitens der Zuschauer schon eine gesunde Offenheit und viel Mut zum Humor. In verschiedenen US-Medien wurde bereits exakt dieser Mix schon vor Ausstrahlung als unausgegoren und nicht tragfähig kritisiert. Wenn man sich jedoch auf das Setting einlässt und sich nicht ständig von den Scherzen aus der Handlung reißen lässt, macht die Kombination auf eine mehr als skurrile Art und Weise Spaß.

Seth MacFarlane wollte offenbar schon immer Star in einer „Trek“-Serie sein. Dass FOX ihm erlaubt hat, ein solches Szenario derart dreist zu kopieren und um den typischen Humor des Family Guy-Machers zu erweitern, ist die eigentliche Sensation. In einem Monat, in dem auch eine neue „Trek“-Serie das Licht der Welt erblicken wird, die dem Augenschein nach sehr düster und nachdenklich daherkommt, macht eine humorvolle und positive Vision wie diese den Menschen aber vielleicht auch einfach Spaß. Wie tragfähig die Idee dann jedoch über mehrere Episoden oder Staffeln hinweg ist, muss die Zeit zeigen. Die Einschaltquoten werden über den Rest richten.

Die USS Orville © FOX
Die USS Orville © FOX

Man muss sich das auf der Zunge zergehen lassen: Vor zwölf Jahren wollte Brannon Braga, der hier als Autor, Produzent und sogar Regisseur fungiert, gemeinsam mit Rick Berman den Trekkies ein „special valentine to the fans“ bieten und schrieb die legendär unbeliebte Abschlussepisode zu Star Trek: Enterprise namens These are the Voyages. Ein Fehlschlag, der ihn immer noch verfolgt. Hier nun gelingt es ihm mit einiger Verspätung völlig unerwartet aber doch noch. Der Auftakt von The Orville ist die ultimative Guilty-Pleasure-Feelgood-Variante für die Generation Picard.

Gagdichte & Charaktere

Man kann sich ruhig einmal den Spaß erlauben, die Trefferquote der Gags anhand einer Strichliste zu erfassen. Ohne zu wohlwollend zu sein, treffen drei viertel ins Schwarze, ein viertel ist hingegen Marke unlustig oder überflüssig. Gar keine schlechte Quote für eine erste Episode und einen Zuschauer, der bisher absolut kein Fan des MacFarlane-Humors war. Somit ist das Ganze zwar noch nicht unbedingt treffsicher, der Start kann aber als geglückt durchgehen.

Die komplette Besatzung von %26bdquo;The Orville%26ldquo; © FOX
Die komplette Besatzung von %26bdquo;The Orville%26ldquo; © FOX

Zudem sind die Charaktere gut gezeichnet, wenn auch aufgrund der Kürze der Zeit noch nicht durchgehend. Captain Mercer ist der sympathische Jedermann mit leichtem Hang zur Trotteligkeit. Seth MacFarlane spielt diesen Anti-Captain mit der von ihm bekannten steifen Abgeklärtheit. Dass Mercer den Job nur bekommen hat, weil seine Exfrau den Admiral darum bat, ist eine nette Anekdote, die sicher noch mal zur Sprache kommen wird. Überhaupt ist das Verhältnis von Mercer und Grayson schon hier emotionales Zentrum, wenngleich man befürchten muss, dass Seth MacFarlane mit der Darstellung derartiger Szenen überfordert sein könnte. So versemmelt er ausgerechnet die einzige emotionale Szene, als er nach dem Vorfall zu Beginn mit seiner Frau und dem blauen Alien in sich zusammensinkt.

Commander Grayson gefällt jedoch direkt als taffe Exfrau und Erster Offizier mit Witz und Energie. Bortus ist der Worf des Casts, der immer den vorhersehbaren One-Liner raushaut - ohne mit der Wimper zu zucken. Die junge Alara als Sicherheitschefin ist bisher nicht mehr als ein guter Running Gag und die beiden Piloten Malloy und LaMarr bekamen immerhin einige sympathische Buddyszenen zugesprochen.

Android Isaac konnte noch wenig zur Handlung beitragen, ein Alien, das andere Spezies als minderwertig ansieht und direkt vom Captain als Rassist bezeichnet wird, ist aber in jedem Fall ungewöhnlich. Am Ende der qualitativen Kette steht ausgerechnet die aus „DS9“ bekannte Yates-Darstellerin Penny Johnson Jerald, die zu Beginn der Episode wirkt, als wäre ihr nicht bewusst, ob die Kamera überhaupt schon läuft und die in der Szene zu sehr über ihren albernen Dialog schmunzelt. Danach fällt sie nicht mehr weiter auf - schade.

Technisch betrachtet

In den technischen Kategorien von Kulissen und Effekten über den Soundtrack bis hin zu den Props und Uniformen kann man der Serie keinen Vorwurf machen - erst recht nicht, wenn man als Trekkie und Fan von Star Trek: The Next Generation mit leuchtenden Augen vor dem TV sitzt und meint, die Abenteuer eines anderen Schiffes zu Zeiten von Captain Picard miterleben zu dürfen. Die gezeigte Zukunft ist dabei jederzeit glaubwürdig dargestellt sowie farbenfroh und reichhaltig gezeichnet.

Mit der USS Orville bekommt man ein helles, freundliches Schiff als primären Handlungsort und die Uniformen und Effekte sind ohne Ausnahme stimmig. Für heutige Sehgewohnheiten wirkt die Aufmachung jedoch auch wie eine besonders perfekte Fanserie, da man an diesen Retrocharme seit den Neunzigern eben nicht mehr gewöhnt ist. Ob sich Zuschauer, die nicht mit Wehmut und ein wenig naiver Verliebtheit an diese Zeiten zurückdenken, dafür erwärmen können, muss man heute noch mit einem dicken Fragezeichen versehen.

Klar ist jedoch, dass FOX hier eine Menge Geld in die Hand genommen und fähige Kreative engagiert hat, um diese Vision lebendig werden zu lassen. Wem moderne Serien jedoch oft zu düster und dystopisch daherkommen, der wird sich hier vermutlich genüsslich laben können.

Der Soundtrack übrigens ist großformatig und tragend angelegt, besitzt aber noch wenig Ecken und Kanten. Er macht außerdem zu keinem Zeitpunkt den Eindruck, eine Comedyserie untermalen zu wollen - im Gegensatz dazu würde er nahezu perfekt in jede „Trek“-Serie passen.

Alienrassen in %26bdquo;The Orville%26ldquo; © FOX
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Gib dem Kind einen Namen

Old Wounds: Die alten Wunden beziehen sich hier natürlich auf die gescheiterte Ehe von Ed und Kelly und sind somit frei von Doppeldeutigkeit in Bezug auf die Handlung der Pilotfolge. Oder ist es für MacFarlane etwa insgeheim eine alte Wunde, dass er nie wirklich elementarer Teil einer „Star Trek“-Serie war? In diesem Fall hat er sich seinen Traum nun mehr als erfüllt und die Wunde geheilt.

Fazit

Ich habe nicht die geringste Ahnung, wer diese Show im linearen TV einschalten soll, aber sie ist eines ganz sicher: verdammt lustig. Zugestanden: Nicht jeder Gag trifft, einige Charaktere sind noch rudimentär gezeichnet und die Handlung des Auftakts ist altbekannt und muss sich definitiv Sorgen um die Länge des eigenen Bartes machen. Der Retrocharme der Präsentation, viele Momente zum Schmunzeln und ein Herz am rechten Fleck machen jedoch vieles wett. Humorvolle Trekkies, die auch vor tiefergelegten Witzen keine Angst haben, sollten hier definitiv ein Auge riskieren, alle anderen könnte das MacFarlane-Vehikel aber auch ein wenig ratlos zurücklassen.

The Orville 1x01 Trailer

Schauspieler in der Episode The Orville 1x01

Darsteller   Rolle
Seth MacFarlane …………… Capt. Ed Mercer
Adrianne Palicki …………… Cmdr. Kelly Grayson
Penny Johnson …………… Dr. Claire Finn
Scott Grimes …………… Lt. Gordon Malloy
Peter Macon …………… Lt. Cmdr. Bortus
Halston Sage …………… Lt. Alara Kitan
J. Lee …………… Lt. John LaMarr (as J Lee)
Mark Jackson …………… Isaac
Victor Garber …………… Admiral Halsey
Brian George …………… Dr. Aronov
Joel Swetow …………… Krill Captain
Patrick Cox …………… The Ogre
Norm Macdonald …………… Yaphit (voice)
Christine Corpuz …………… Janice Lee
Sean Cook …………… Dr. Derek Ashton
Dylan Kenin …………… Krill Soldier
Dee Bradley Baker …………… Dr. Jorvik (voice)
Rob Lowe …………… Darulio

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