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Zwei wie Pech und Schwefel: Darum funktioniert das Bud Spencer- und Terence Hill-Remake von Netflix nicht

Zwei wie Pech und Schwefel: Darum funktioniert das Netflix-Remake nicht

Zwei wie Pech und Schwefel: Darum funktioniert das Netflix-Remake nicht

Majestätsbeleidigung, Blasphemie oder die witzige Neuauflage eines Prügel-Comedy-Klassikers? Was steckt hinter dem Remake der Erfolgskomödie von 1974? Gibt es Filme und Franchises, die man einfach nicht in die Gegenwart übertragen kann und deshalb ruhen lassen sollte? Wir sagen ja, doch aus anderen Gründen, als Ihr vielleicht denkt. Eine Meinung.

Blasphemie?

Eine Beleidigung für alle Bud Spencer- und Terence Hill-Fans. Das ist der große Tenor, wenn man dieser Tage in die Reviews des Remakes von „Zwei wie Pech und Schwefel“ von 1974 hineinliest. Tatsächlich scheint es auf den ersten - und wie wir ehrlich zugeben müssen - auch zweiten Blick unmöglich, die Chemie zwischen den beiden ikonischen Prügelknaben der 70er und 80er-Jahre zurück auf den Bildschirm zu zaubern. Als Bud Spencer am 27. Juni 2016 im Alter von 86 Jahren verstarb, brach für viele Fans, die die oben genannten Zeiten als Kinder miterlebt hatten, eine heile Welt zusammen. Das Duo Spencer/Hill hatte Groß und Klein mit ihren zahlreichen Hau-drauf-Filmen, dem nahezu perfekten Zusammenspiel und einer herrlich flapsigen deutschen Synchronisation über viele Jahre in den Bann gezogen. Schon von daher schien es undenkbar, auch nur eines der Werke der beiden neu aufzulegen.

Es passt nicht

Doch dies ist nicht der einzige Grund, warum die Netflix-Adaption nicht funktioniert. Fairerweise darf man festhalten, dass Edoardo Pesce als Carezza gar nicht mal eine schlechte Figur macht. Im Gegensatz zu seinem Filmpartner Alessandro Roja als Sorriso hat er Gestik und Mimik seines großen Vorbildes offenbar gewissenhaft studiert und gibt sich alle Mühe, den Spirit von einst wiederzubeleben. Allerdings passt zwischen den Stars des Films von Regisseur Younuts und Drehbuchautor Vincenzo Alfieri so gut wie gar nichts zusammen. Roja wirkt wenig charismatisch und unsympathisch und ist schlicht und ergreifend eine furchtbare Fehlbesetzung. Co-Star Alessandra Mastron (Miriam) macht ihre Sache dagegen wesentlich besser und man wünscht ihr gerade zu, dass sie den schmalzigen Avancen des Terence-Hill-Verschnitts gegenüber standhaft bleibt.

Aus der Zeit gefallen

Ein weiteres Problem, dass der Film hat, ist die Tatsache, dass er in Teilen auf abwertenden, fast schon rassistischen Klischees beruht. Die Zirkusleute, die vom bösen Torsillo (ansehnlich gespielt von Christian De Sica) bedroht werden, sind nicht einfach nur ein fahrendes Volk, Ihre Charakterisierung ist vollgepackt mit typischen „Zigeuner-Ressentiments“, nur, dass es eben weder „Zigeuner“ gibt (es handelt sich de facto um verschiedene Volksgruppen, die teilweise nomadisch leben), noch diebische Zirkusmenschen, denen man niemals trauen darf. Artistinnen und Artisten sowie Veranstalter arbeiten hart dafür, uns mit tollen und professionellen Darbietungen zu unterhalten und haben sicherlich Besseres verdient, als das, was „Zwei wie Pech und Schwefel“ (2022) aus ihnen macht. Hinzu kommt, dass im fiktiven Zirkus Woland noch immer Tiere als Attraktion präsentiert werden und es ausgerechnet Miriams Tiger ist, der am Ende dem Bösewicht den Garaus macht. Damit, aber auch aufgrund vieler anderer Details, wirkt der Streifen wie aus der Zeit gefallen. Sicherlich mag die ein oder andere Slapstick-Einlage auch heute noch funktionieren, doch die der alten Bud-Spencer-Filme wirken hilflos in einen neuen Kontext gepresst und somit abgedroschen und langweilig. Wozu überhaupt sollte man sich so eine Adaption anschauen, wenn es beinahe unzählige Klassiker gibt, die es im Lichte ihrer Entstehungszeit betrachtet um Längen besser machen? Worüber man als Kind oder Kind im Manne oder der Frau auch heute noch herzhaft lachen kann, lässt einen hier nur noch peinlich berührt den Blick senken.

Dreist geklaut

Gute Neuadaptionen (darüber was man als gut oder schlecht empfindet, lässt sich natürlich immer streiten) wie beispielsweise das von Magnum P.I. (lest hier sieben Gründe, warum das Remake gut ist) erweisen dem Original Ehre, indem sie Easter Eggs und andere Referenzen auf ihre großen Vorbilder bemühen, schlechte hingegen klauen dreist. Younuts übernahm nicht nur die Figuren und ließ die beliebte Filmmusik neu aufnehmen. Er adaptierte gleich eine ganze Reihe von Szenen, anstatt zumindest den Mut für einem echten Neuanfang zu haben, der allerdings wohl ebenfalls beim Publikum durchgefallen wäre. Wer will schon einen Alessandro Roja in Rittermanier auf dem Motorrad erleben, wenn man Terence Hills smartes und einnehmendes Lächeln vor dem geistigen Auge erstrahlen sieht? Wer braucht Edoardo Pesces Dampfhammerschlag, (der ihm tatsächlich sogar gut gelingt), wenn man während des Zusehens ohnehin nur melancholisch an die gute alte Buddy-Zeit denkt?

Unnötig

Und damit kommen wir zum Kern der Geschichte. Ein Remake von Bud Spencer- und Terence Hill-Filmen braucht und will auch wahrscheinlich niemand. Erstens sind die Streifen Kinder einer anderen Zeit und funktionieren heute so nicht mehr, wie das Remake eindrucksvoll beweist. Zweitens ist das Duo Hill/Spencer nicht kopierbar. Drittens sind die alten Filme zwar ebenfalls voller Klischees, die man aber im Zeitkontext ohne Weiteres hinnehmen kann, zumal sich das sympathische Duo immer auf die Seite der vermeintlichen Verlierer schlägt und stets große Sympathien für die Unterdrückten hegt. Damit verkörpern sie eine Art Archetypus des wohlwollenden Antihelden mit Witz und vor allem Charme. Dieser Charme geht Roja und Pesce ab, was dazu führt, dass kaum noch etwas vom herrlich albernen Klamauk der 70er- und 80er Jahre übrigbleibt. Da nützen auch routiniert gefilmte Road-Movie-Sequenzen und eine Kameraführung nichts, die jene der Originale teilweise bis ins Detail kopiert. Terence Hill und Bud Spencer sind das, was sie sind: Ikonen einer unbeschwerten Kinder- und Jugendzeit, eine schöne Erinnerung und ein wenig Albernheit, die uns im Alltag viel zu oft verloren geht. Und dabei sollten es die Filmemacher in Italien und überall auf der Welt belassen.

Der Trailer im italienischen Original:

Einen Trailer in der deutschen Sprachfassung findet Ihr direkt bei Netflix

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