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68 Whiskey: Kritik zur Pilotepisode der neuen Militär-Dramedy

68 Whiskey: Review der Pilotepisode

Kritik der Episode 1x01 Buckley's Goat

68 Whiskey (c) Paramount Network
68 Whiskey (c) Paramount Network

Die Militär-Dramedy 68 Whiskey versucht, platten Humor mit dem Ernst eines Soldatenlebens zu vereinen und fliegt dabei gehörig auf die Nase. Der Neustart gestaltet sich weder besonders smart noch ist ersichtlich, was man den Zuschauern überhaupt mit auf den Weg geben will. Es wirkt so, als wüssten es die Verantwortlichen selbst nicht.

Als „professioneller Serienkonsument“, der sich jetzt schon seit ein paar Jahren ausgiebig mit den unterschiedlichsten Produktionen aus den verschiedensten Genren beschäftigt, kommt es mittlerweile eher selten vor, dass mich ein Format vollkommen irritiert zurücklässt. Und wenn es doch mal wieder dazukommt, dann ist das Erstaunen beziehungsweise Entsetzen gleich umso größer, da man derartige Serien, bei denen man nicht einmal im Ansatz weiß, was sie eigentlich von einem wollen, lange nicht mehr gesehen hat oder schlichtweg sehr bewusst meidet. Damit wären wir auch schon bei 68 Whiskey, eine neue Militärserie von dem US-Spartenkanal Paramount Network, bei dem man sich seit einigen Jahren ebenfalls an TV-Produktionen probiert und überraschenderweise (mehr oder weniger, existiert doch eine sehr potente Zielgruppe) einen der Quotengaranten schlechthin im US-Fernsehen zu seinem überschaubaren Programm zählt: das Neo-Western-Drama Yellowstone mit Kevin Costner in der Hauptrolle.

Ob sich „68 Whiskey“, die militärische Funktionsbezeichnung für Sanitäter in der US-Armee (man lernt nie aus!), zu vergleichbaren Quotenhöhen wie das Senderflagschiff „Yellowstone“ aufschwingen wird, bleibt indes abzuwarten. Verdient wäre es - bei allem Respekt für die Beteiligten - nicht wirklich. Das Format entpuppt sich binnen kürzester Zeit als eine extrem quatschige Militär-Soap, die den bitteren Ernst des Soldatenlebens als Sanitäter im konfliktreichen Afghanistan mit jovial-flapsigen Späßen unter Kameraden und absurden Abenteuern an der Front verbinden möchte - dabei jedoch krachend scheitert. Basierend auf der israelischen TV-Serie „Charlie Golf One“ trägt „68 Whiskey“ die eigens auferlegte Bezeichnung „Dark Comedy“, was für die ersten Fragezeichen sorgt. Noch bizarrer wird es dann, wenn man sich anschaut, auf wessen Mist das Ganze gewachsen ist: Hinter der Serie steckt nämlich neben den CBS TV Studios auch Imagine Entertainment, das Produktionsstudio von Brian Grazer und Star-Regisseur Ron Howard.

Letzterer sollte anfangs sogar bei der Pilotepisode der Produktion Regie führen, woraus letztlich aber nichts geworden ist. So hat Michael Lehmann („Hudson Hawk“) diese ehrenvolle Aufgabe übernommen, während Roberto Benabib für das Drehbuch verantwortlich zeichnet. Benabib hatte 2015 bereits für HBO die eher mittelmäßige Militär- und Politsatire The Brink mit Tim Robbins und Jack Black auf die Beine gestellt, die damals trotz einer vorzeitigen Verlängerung nach der ersten Staffel wenig später dann doch eingestellt wurde. Ihr fragt Euch sicherlich, was ich Euch noch alles erzählen kann, um mich vor einer genaueren Besprechung von „68 Whiskey“ zu drücken... Das soll gar nicht so sein, aber, wenn ich ganz ehrlich bin, fehlen mir etwas die Worte, um zu Papier bringen, warum es sich hierbei um einen ganz schlimmen Rohrkrepierer handelt, der sich von Minute eins an scheinbar in einer schrecklichen Identitätskrise befindet und einfach nicht weiß, wohin es eigentlich mit der Handlung und dem generellen Ton der Erzählung gehen soll.

68 Whiskey“ taumelt fast schon bemitleidenswert zwischen mehreren Welten, möchte witzig, dramatisch, politisch, satirisch, frech und zu allem Überfluss auch noch realistisch sein. Dass diese Rechnung kein bisschen auf-, ja sogar total nach hinten losgeht, verwundert kaum. In „68 Whiskey“ folgen wir einer Gruppe von Sanitäterinnen und Sanitätern, Ärztinnen und Ärzten, Soldatinnen und Soldaten, die in einer NATO-Basis in Afghanistan stationiert sind. Hier werden sie regelmäßig im Einsatz gefordert, versuchen, Menschenleben zu retten und in ihrer Freizeit das Beste aus ihrer aktuellen Lebenssituation zu machen. Deshalb geht es zwischendurch auch schon mal ziemlich feuchtfröhlich zu, heiße Seitensprünge inklusive. Im Zentrum der Geschichte steht dabei Sergeant Cooper Roback (Sam Keeley), der immer einen flotten Spruch auf den Lippen hat und das Leben so nimmt, wie es kommt: zumeist locker-lässig, oft aber auch direkt bei den Hörnern und vor allem ohne Reue. Um Roback herum tummelt sich indes eine illustre Schar an Nebencharakteren, darunter sein bester, in gleichen Maßen sprücheklopfender Kumpel, außerdem noch Robacks Affäre, die sich als Militärmodel auf Instagram eine goldene Nase verdient, oder auch die gnadenlose, taffe und sexuell unausgelastete Chefärztin des Camps.

© IMAGO
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© Paramount Network
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Blowing off some steam

Was man uns in der ersten Episode von 68 Whiskey präsentiert, ist ein wildes Potpourri an sinnbefreiten Versatzstücken, die irgendwie zu einer zusammenhängenden Geschichte verbastelt werden, um auf eine Laufzeit von einer guten Dreiviertelstunde zu kommen. Klingt harsch, doch mehr kann ich dem Gezeigten leider nicht abgewinnen. Auf einen Noteinsatz außerhalb des Lagers, der tödliche Konsequenzen hat und einen der Charaktere prompt vor eine akute Lebenskrise stellt, folgen plötzlich allerlei Faxen, über die man aus der Serie irgendetwas machen will, was gar nicht in ihr drin steckt. Auf einmal sieht es so aus, als würden ein paar Soldaten eine Art illegalen Teppichhandel aufziehen wollen, dem nur noch die Krone aufgesetzt wird, als sich Roback und sein Kollege Mekhi (Jeremy Tardy) mit der Hilfe von einem treudoofen Kameraden aus der Basis stehlen, um Antibiotika gegen ein paar Kilos Haschisch einzutauschen. Der örtliche Warlord ist dafür eine ziemlich gute Anlaufstelle, außerdem muss man ja schauen, wo man bleibt. Man wird ja nebenbei noch ein bisschen Kohle verdienen dürfen, oder?

68 Whiskey“ ergibt die meiste Zeit verdammt wenig Sinn - und das soll vielleicht sogar so sein, weil man sich ganz bewusst diesen absurden Irrsinn auf die Fahne schreibt. Doch die vielen Szenen, die jedweder Grundlage entbehren, sind weder besonders humorvoll noch charmant oder mitreißend von der Besetzung zum Besten gegeben. Viel mehr fühlt man sich von den verschiedenen, übertriebenen und alles andere als lustigen Eskapaden, die sich in der Auftaktfolge ereignen, peinlich berührt und kann nur schwer glauben, dass die Macher sich gedacht haben, damit irgendwie durchzukommen. Möglicherweise hat man es tatsächlich darauf abgesehen, einfach ein bisschen Militärquatsch zu fabrizieren, den man nicht zu ernst nehmen sollte. Wirklich kommuniziert wird ein derartiger Ansatz jedoch nie. Die Serie möchte für voll genommen werden, aber wiederum auch nicht richtig. Daher auch meine große Irritation ob „68 Whiskey“, in dem man sich zugegeben an etwas sehr Eigenem versucht, das jedoch auf ziemlich miserable, unpointierte sowie platte Art und Weise.

Und somit gehen mir auch schon langsam die wenigen Worte aus, die ich zu dem Neustart zu verlieren habe. Die Darbietungen der Schauspielerinnen und Schauspieler sind ebenfalls nicht besonders erwähnenswert. Man kann aber auch nicht mit absoluter Bestimmtheit sagen, warum in der Serie so gut wie jeder Schuss direkt in den Ofen geht - ob dies an der Performance der Darstellerinnen und Darsteller oder aber an dem dünnen Material liegt, mit dem der Cast arbeiten muss. Sehr nervtötend ist die vermeintliche Hauptfigur, Roback, der die perfekte Mischung aus all den Dingen darstellt, die jemanden einen „68 Whiskey“ nur schwer ertragen lassen. Roback ist aufgesetzt cool, anstregend draufgängerisch, extrem schlagfertig, begnadet im Beischlaf (zumindest in einem Aspekt), aber eben auch ein Typ, der für seine Kameradinnen und Kameraden immer da ist, wenn es brennt. Und natürlich hat er auch ein dunkles Geheimnis, wie uns in einer kurzen Momentaufnahme suggeriert wird.

Man kann sich förmlich vorstellen, wie dieser Charakter am Reißbrett entworfen wurde und man sich gegenseitig auf die Schulter geklopft hat, was für einen tollen, vielschichtigen Hecht man doch entworfen hat. Viel Positives bleibt am Ende der Pilotfolge nicht übrig, am meisten Potential sehe ich tatsächlich noch bei Sgt. Rosa Alvarez, die von Cristina Rodlo gespielt wird, welche zuletzt in der zweiten Staffel von The Terror exzellent aufgespielt hatte. In der Summe ist das, was uns 68 Whiskey anbietet, jedoch viel zu wenig. Die Serie ist nicht klamaukig genug, um als abgedrehter Genrespaß durchzugehen. Gleichzeitig bombardiert man uns mit völlig unrealistischen Szenarien (eine geheime Impfaktion innerhalb der Basis ist schon wieder so hanebüchen, dass es fast brillant ist), um dann doch irgendwie den Bogen zu seriösen Themen zu schlagen, die im Rahmen der Prämisse und des Settings in einem Krisengebiet angerissen und halbgar behandelt werden. Und das muss man sich nun wirklich nicht antun...

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Paramount-Network-Serie „68 Whiskey“:

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Christina Greiner

Der Artikel 68 Whiskey: Review der Pilotepisode wurde von Christina Greiner am Uhr erstmalig veröffentlicht. Christina Greiner hat bereits 173 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht.

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