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The Walking Dead: Interview mit Comiczeichner Charlie Adlard

Auschnitt aus dem Cover von „The Walking Dead“ Band 14  /  (c) CrossCult/Image Comics/ Robert Kirman/ Charlie Adlard
Auschnitt aus dem Cover von „The Walking Dead“ Band 14 / (c) CrossCult/Image Comics/ Robert Kirman/ Charlie Adlard

Am heutigen Sonntag startet in den USA die zweite Staffel der Zombie-Survial-Serie The Walking Dead bei AMC. Dank freundlicher Unterstützung von CrossCult konnte Serienjunkies.de mit Charlie Adlard, dem Zeichner der Comicserie sprechen.

Alle Fans von Zombies, Horror und Comics wird es freuen. AMC setzt die beliebte TV-Serie The Walking Dead fort, die auf der gleichnamigen Comicserie aus dem amerikanischen Image Comics-Verlag basiert. Einen kleinen Wermutstropfen gibt es jedoch: Die Staffel wird zweigeteilt, das heißt, mit einer Ausstrahlungspause von einigen Monaten ausgestrahlt. Auch in Deutschland geht es schon sehr bald los: Ab kommenden Freitag, dem 21. Oktober, zeigt der FOX Channel die zweite Staffel.

Passend zu dieser furiosen Serien-Rückkehr präsentiert SERIENJUNKIES.DE® ein besonderes Schmankerl. Im Zuge der Frankfurter Buchmesse, konnte der deutsche Comicverlag CrossCult, bei dem die deutsche Version der Zombieserie erscheint, Charlie Adlard als besonderen Gast begrüßen und wir einen besonderen Interviewpartner gewinnen.

Seit der siebten Heftausgabe und dem zweiten Handlungsbogen hat der gebürtige Engländer das Zeichenruder übernommen, und seither über 80 Ausgaben zeichnerisch gestaltet, die in den USA in 14 Sammelausgaben (in Deutschland deren 13) erschienen sind.

Wir konnten mit ihm über die Fernsehserie, seine Arbeit an der Comicvorlage, seiner Arbeit an einem weiteren Comic zu einer TV-Serie und einige andere Themen plaudern.

Hallo Charlie. Wir in der Serienjunkies-Redaktion sind große Fans von der The-Walking-Dead-TV-Serie, und ich persönlich bin auch ein treuer Leser der Comicreihe. Du bist seit dem zweiten Handlungsbogen der ständige Zeichner der Serie und in der zweiten Staffel werden einige Figuren aus genau dieser Geschichte ihr Debüt feiern. Hershel, Maggie und Otis und einige andere. Was für ein Gefühl ist es, die eigenen Figuren auf dem Fernsehbildschirm zu sehen?

Charlie Adlard: Es ist natürlich großartig, die Figuren in der Serie zu sehen und es erfüllt mich mit stolz. Ich war in der ersten Staffel auch am Set zugegen. Ich habe also drei Tage in Atlanta verbracht. Und obwohl es sehr spannend war, basierte die erste Staffel vor allem auf der Vorlage, zu der Tony Moore die Zeichnungen beisteuerte. Darum fühlte es sich damals noch nicht so recht an, wie „meine“ Show.

In dieser Staffel ändert sich das. Denn sobald diese beginnt, widmen wir uns Geschichten, die auf meinen run als Künstler aufbauen. Deshalb ist es besonders toll, nun einige Figuren zu sehen, die ich entworfen habe und wie diese im Fernsehen zum Leben erweckt werden.

Serienschöpfer Robert Kirkman ist, wie wir alle Wissen, sowohl als Autor wie auch als Executive Producer an der TV-Version von 'The Walking Dead' beteiligt. Bist du auch an der Produktion der Serie beteiligt, etwa durch Storyboards, Designs oder ähnliches? Oder ist es die zeichnerische Betreuung des Comics ein Full-Time-Job?

CA: Die Comicreihe zu zeichnen ist definitiv ein Full-Time-Job. Obwohl es ziemlich toll wäre, bei Designfragen oder ähnlichem auszuhelfen. Doch dann hätte ich deutlich weniger Zeit für den Comic. Robert Kirkman würde weiterhin sehr gerne zwölf Ausgaben pro Jahr davon veröffentlichen, denn wir wissen, dass es das ist, was die Fans verlangen.

Für Robert als Autor ist es sehr viel einfacher sich anderen Projekten zu widmen, während der Comic fast die gesamte Zeit eines Zeichners in Beschlag nimmt. Comic und TV-Show lassen sich also nur schwer miteinander vereinbaren. Und wenn ich ehrlich sein soll, wäre es womöglich für mich auch etwas zu viel des Guten gewesen. Denn ich designe ja auch die Comicserie.

Außerdem würde ich gerne, wenn ich etwas außerhalb meiner Arbeit als Comiczeichner bei Walking Dead anginge, dass es sich deutlich von meiner normalen Tätigkeit unterscheidet und nicht einfach nur das aufwärmt, was ich bereits zuvor gemacht habe.

Du hast also keine offizielle Funktion in der TV-Serie?

CA: Nein. Außer meiner Tätigkeit als Schauspieler. Denn in der Pilotepisode war ich als einer der Zombies zu sehen (lacht). Natürlich habe ich dennoch gewisse Privilegien. Ich kann bestimmte Dinge sehen, bevor andere das tun oder die andere überhaupt nicht zu Gesicht bekommen, weil ich ja einer der Mitschöpfer der Vorlage bin. Aber, wie ich bereits erwähnt habe, ist es zeitlich einfach auch nicht drin.

© IMAGO
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Charlie Adlard ist trotz Zombieserie eine Frohnatur.   © Fotocredit: Oliver Roller
Charlie Adlard ist trotz Zombieserie eine Frohnatur. © Fotocredit: Oliver Roller
Du erwähnst, dass du über die Serie Bescheid weißt. Kannst du uns vielleicht etwas zur zweiten Staffel verraten? Wir geben uns auch mit kleinen Details zufrieden...

CA: Leider muss ich darüber stillschweigen bewahren (lacht).

Auf der nächsten Seite: Charlie Adlard bei der begleitenden Talkshow Talking Dead und mehr zu seiner Arbeit an der Comicserie.

Wir haben bereits darüber berichtet, dass es in den USA zur zweiten Staffel eine begleitende Talkshow mit dem Titel 'Talking Dead' geben wird. Moderiert wird sie von Chris Hardwick. Wirst du dort zu sehen sein?

CA: Bis jetzt noch nicht. Ich wurde noch nicht gefragt. Aber warten wir einfach mal ab was passiert.

Nun zu einigen Fragen zur Comicserie. Erst einmal muss ich meine Hochachtung aussprechen. Denn du betreust die Serie nun bereits seit über 80 Heftausgaben als Zeichner. Nicht jeder Zeichner kann von sich behaupten, so einen langen, erfolgreichen, epischen und atemberaubenden Lauf in einer Comicserie gestaltet zu haben. Wie lange bist du mit dem Anfertigen eines Heftes beschäftigt?

CA: Das dauert ungefähr drei Wochen. In der Comicindustrie genieße ich den Ruf, einer der schnellsten Zeichner zu sein. Es gibt tatsächlich nicht viele Künstler, die Bleistift- und Tuschezeichnungen in dieser Zeit schaffen. Ich mag die Herausforderung, die dahintersteht, und auch der Druck beflügelt mich, Bestleistungen abzuliefern. Dadurch, dass ich eine Ausgabe in drei Wochen schaffe, kann ich mich - zumindest im geringem Maß - um andere Sachen kümmern. Wenn ich wollte, könnte ich also kleinere Zeichenprojekte nebenbei stemmen.

Was sind deine größten Vorbilder oder Einflüsse beim Zeichnen? Musst du eventuell bestimmte Filme schauen oder Musik hören um in die Stimmung für The Walking Dead zu kommen.

CA: Ich höre Radio, während ich den Comic zeichne. Hauptsächlich, weil ich ein großer Musikliebhaber bin. Darin liegt aber auch das Problem: Würde ich bestimmte Platten hören, würden mich diese zu sehr von meiner Arbeit ablenken. Also ist das Radio eine willkommene Alternative, die man im Hintergrund laufen lassen kann, und die mir nicht auf die Nerven geht. Ich arbeite außerdem in einer Atmosphäre der gesellschaftlichen Stille.

Mein Tagesablauf ist hingegen relativ unspektakulär. Ich habe zwei Kinder, die zur Schule gehen, und ich gehe arbeiten. Wenn es Zeit für Dinner ist und die Kinder aus der Schule nach Hause kommen, dann beende ich meinen Arbeitstag. Denn für mich ist es auch ein „nine-to-five-job“. Aber es funktioniert so am besten.

Wie verhält es sich mit deinem Filmkonsum? Schaust du Zombie- oder Horrorfilme privat, oder eher das totale Kontrastprogramm?

CA: Ich würde mich auf keinen Fall als „grimmige“ oder „dunkle“ Persönlichkeit bezeichnen. Die Arbeit an der Serie hat kaum einen Einfluss auf meine Laune, um ehrlich zu sein. Es macht mich weder depressiv noch ziehe ich aus dem Leid der Figuren besondere Freude. Ich denke nur die sechs bis acht Stunden, die ich vor dem Zeichenbrett verbringe - bezeihungsweise manchmal darauf starre - darüber nach. Davon wird man müde, wie bei jedem Job, und man möchte eigentlich nur noch ein wenig abschalten.

An welchem anderen Comic zu einer TV-Serie Charlie Adlard noch gearbeitet hat, lest Ihr auf der nächsten Seite

Du hast ebenfalls an der Comicserie zu Akte X (X-Files) gearbeitet. Warst du ein Fan der Serie, oder wie kam dieses Projekt zustande?

CA: The X-Files? (überlegt) Als mir die Arbeit an dieser Comicserie angeboten wurde, hatte ich noch gar nicht von der TV-Serie gehört. Der Verlag Topps hat die Comics in den USA herausgebracht und ein wenig sein Glück versucht, denn man sicherte sich die Lizenz, als die Serie noch nicht ihren großen Durchbruch gefeiert hatte.

Ich erinnere mich, dass sie mir damals einige Episoden davon auf VHS zugesendet haben. Die habe ich geschaut, gemocht und mich dazu entschlossen, als Zeichner des dazugehörigen Comics zu arbeiten.

Es war übrigens ähnlich, als mir Robert die Zusammenarbeit an The Walking Dead angeboten hat, nachdem Tony Moore (Anmerkung der Redaktion: Der erste Zeichner) sich nach der sechsten Ausgabe vom Titel zurückgezogen hat. Denn davor hatte ich auch noch nichts davon gehört. Also habe ich mein Glück versucht und es hat sich in beiden Fällen ausgezahlt.

Gibt es eine andere TV-Serie, an der du gerne arbeiteten würdest? Oder bist du glücklich mit Eigenkreationen?

CA: Sobald man ein gewissen Erfolgslevel mit der eigenen Kreation erreicht hat, wie es bei „Walking Dead“ der Fall war, weiß man zu schätzen, was für ein tolles Gefühl das ist. Man kann von anderen unabhängig genau das machen, was man selbst will und es gibt kaum Grenzen.

Im Moment bin ich nicht daran interessiert mit den Schöpfungen oder Marken anderer zu spielen. Ich bin zufrieden mit The Walking Dead und kann mir vorstellen die Serie für die nächsten zehn oder zwanzig Jahre zu begleiten. Gleichzeitig hat mir die Arbeit daran gezeigt, dass ich bevorzugt an Eigenkreationen arbeite und das auch in Zukunft immer wieder tun werde. Speziell auch im Bezug auf TV-Serien, denn es befriedigt einen künstlerisch einfach nicht auf dieselbe Weise.

Da wir eine Website betrieben, die sich vornehmlich mit TV-Serien beschäftigt, fragen wir unsere Interviewpartner mit vorlieb eine Frage: Was ist auf deinem TiVo oder deinem digitalen Videorecorder?

CA: Ich schaue gar nicht so viele TV-Serien, dafür bin ich ein großer Filmfan. Dennoch gibt es ein paar Sachen die ich gerne schaue, auch wenn ich zugeben muss, dass ich nicht ganz auf dem aktuellen Stand bin. Ich habe das Komplettset zu Battlestar Galactica letztes Jahr gekauft und kürzlich angeschaut. Die Serie war einer meiner Favoriten in den letzten Jahren. Ich habe sie geliebt.

Wir haben gelesen, dass ein Videospiel zu Walking Dead geplant ist. Hast du damit etwas zu tun?

CA: Ich habe mit den Machern gesprochen und ein paar Zeichnungen dazu beigetragen. Das gleiche habe ich auch bei dem Brettspiel zu The Walking Dead gemacht, außerdem gibt es eine App zur Comicserie und ich habe auch mit den Personen gesprochen, die dafür verantwortlich sind. Aber es sind wie gesagt nur kleine Arbeiten, weil das Comic viel meiner Zeit in Anspruch nimmt.

Das Videospiel sieht allerdings toll aus - wenn wir so etwas erlauben, dann achten wir auch darauf, dass die Qualität stimmt und nicht einfach nur der schnelle Reibach damit gemacht wird.

Liest du andere Comics und kannst du uns vielleicht ein paar Lesetipps geben?

CA: Ja, ich lese Comics, aber leider nicht mehr soviel wie früher. Ich bin ein großer Fan von franko-belgischer Comics. Immer, wenn es mich nach Paris oder in diese Region verschlägt versuche ich, mich in diese Richtung mit Lesematerial einzudecken. Das ist gerade mein Lieblingsstil. Ich verschlinge die Bände regelrecht, wenngleich mein Französisch fürchterlich ist. Aber ich kaufe mir öfter auch Bücher einfach nur, um in den Zeichnungen zu versinken und diese zu genießen.

Ich habe selbst ein französisches Comicalbum gezeichnet. Es heißt „Le Soufflé du Wendigo“ (englischer Titel „Curse of the Wendigo“) und ist beim französischen Verlag Soleil erschienen.

Außerdem habe ich mit Delcourt, dem Verlag gesprochen, der Walking Dead in Frankreich herausbringt. Und dort könnte sich ebenfalls ein Projekt ergeben - für mich ist das wie ein wahr gewordener Traum, neben meinem Hauptjob einige Nebenprojekte im franko-belgischen Comicseqment herauszubringen.

Vielen Dank noch einmal, dass du dir Zeit für uns genommen hast. Mach weiter so wie bisher, wir freuen uns auf weitere Arbeiten von dir.

Interessierte Leser können beim deutschen Verlag CrossCult die bisher erschienenen deutschen Comicbände von „The Walking Dead“ kaufen.

Staffel zwei von der Survival-Horrorserie The Walking Dead startet ab heute in den USA und ab dem 21. Oktober beim deutschen Digitalsender FOX Channel. SERIENJUNKIES.DE® wird Euch wieder regelmäßige Reviews zur Serie präsentieren.

Adam Arndt

Der Artikel The Walking Dead: Interview mit Comiczeichner Charlie Adlard wurde von Adam Arndt am Uhr erstmalig veröffentlicht. Adam Arndt hat bereits 18.080 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Adam Arndt

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