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True Detective: Now Am Found - Review zum Finale der 3. Staffel

True Detective: Now Am Found - Review zum Finale der 3. Staffel

Kritik der Episode 3x08

Szenenbild der „True Detective“-Episode „Now Am Found“ (c) HBO
Szenenbild der „True Detective“-Episode „Now Am Found“ (c) HBO

Zwei alte Desperados ziehen in die letzte Schlacht: Bringt das Finale der dritten Staffel True Detective all die versprochenen Antworten? Und können der bejahrte Wayne und Roland die Täter zur Rechenschaft ziehen?

Zunächst mal muss ich mich entschuldigen, da ich letzte Woche dummerweise einen Spoiler ausgerechnet in den Teaser des Reviews platziert habe. Allen Serienjunkies, denen ich das Sehvergnügen versaut habe, will ich mein Bedauern aussprechen.

Was für eine Nacht für Mahershala Ali: Während man ihm bei ABC seinen zweiten Oscar als bester Nebendarsteller für „Green Book“ verlieh, legte er parallel bei HBO im Finale der dritten Staffel True Detective vielleicht das Fundament für seinen ersten Emmy - falls der kleinere Fernsehpreis nun überhaupt noch etwas wert ist. So oder so leben wir derzeit in der Peak-Mahershala-Ali-Zeit - ein Satz, den ich schon damals gern geschrieben hätte, als er noch bei House of Cards als Remy Danton auftrat. Ganz nebenbei macht der Schauspieler aktuell übrigens auch in „Alita: Battle Angel“ eine gute Figur...

Ali trug die neue Season der HBO-Anthologieserie sogar schon, als sie anfangs noch ein bisschen schleppend vorankam. In der Finalfolge Now Am Found (3x08) wirft er nun noch einmal alles in die Waagschale und berührt vor allem mit seiner Darbietung als seniler alter Mann, der das größte Rätsel seines Lebens lösen will. Anders als zuletzt gedacht, ist er dabei tatsächlich ganz auf sich gestellt, denn Matthew McConaughey und Woody Harrelson treten verständlicherweise doch nicht auf, zumal die Episode auch so schon mit einer Überlänge von 76 Minuten daherkommt. Langweilig wird es aber nicht.

We're old and confused

Wer eins und eins zusammenzählen kann, hatte das Geheimnis um Julies Verschwinden bereits letzte Woche durchschaut. Wie vermutet, handelte es sich weniger um eine Entführung als viel mehr um eine abnormale Adoption. Ms. Isabel (Lauren Sweetser), eine junge Frau aus dem schwerreichen Hoyt-Clan, verlor ihr eigenes Kind und fand in dem Purcell-Mädchen einen Ersatz. Lucy (Mamie Gummer), Julies Mutter, gestattete ihrer verzweifelten Arbeitgeberin, hin und wieder, ihre Tochter zu treffen, wobei sie dafür Geld verlangte und Will als Aufpasser mitschickte... Gemeinsam mit dem mysteriösen Mr. June (Steven Williams) fanden die Verabredungen im Wald statt, doch bald schon reichte der trauernden und geistig kranken Mutter dieser Deal nicht mehr. Sie wollte Julie ganz für sich alleine haben.

Sie war es, die Will versehentlich umbrachte, indem sie ihn wegstieß, als er seine Schwester aus ihren Fängen befreien wollte. Mit dem Hinterkopf landete er auf einem Stein und starb an Ort und Stelle. Julie wurde anschließend ins pinke Schloss entführt und die nächsten Jahre mit Drogen vollgepumpt, bis sie ihr altes Leben schließlich vergaß. Harris James (Scott Shepherd) räumte derweil die echten Eltern aus dem Weg, während Mr. June allmählich Mitleid mit Julie alias Mary July bekam und ihr folglich bei der Flucht half. Den Rest seines Lebens verbrachte der Handlanger der Hoyts damit, sie wiederzufinden, um sicherzugehen, dass es ihr gut ergangen ist. Stattdessen musste er jedoch erkennen, dass sie bald an HIV verstarb. Das berichtet er zumindest als alter Mann unseren beiden Detektiven Wayne (Ali) und Roland (Stephen Dorff).

Ein wenig enttäuschend ist diese Auflösung schon, zumal Chefautor Nic Pizzolatto und Regisseur Daniel Sackheim den einäugigen Mann - oder wie Roland ihn nennt: „das Zyklopenarschloch“ - all das nur runterrattern lassen, die eindeutig schwächste Form des filmischen Erzählens. Dass der dunkelhäutige Mann dabei mit auffällig schlechter Grammatik spricht und am Ende um eine Bestrafung fleht, ruft zusätzlich einen unschönen Beigeschmack hervor. Aber, dass Wayne und Roland ihn nicht selbst richten, wie sie es damals bei Harris James taten, zeigt dafür, dass beide etwas dazugelernt haben. Stattdessen gehen sie an Julies Grab und entschuldigen sich für ihre schlechten Ermittlungen über all die Jahrzehnte.

© IMAGO
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Szenenbild der True-Detective-Episode Now Am Found  © HBO
Szenenbild der True-Detective-Episode Now Am Found © HBO

Ebenfalls enttäuschend: der groß angekündigte Gastauftritt von Michael Rooker, der als Hoyt-Patriarch doch nicht den Endgegner, sondern nur eine weitere Sackgasse darstellt. Aber wie hätte er im Jahr 1990 auch des Rätsels Lösung sein können, wenn Wayne 2015 noch immer nichts wusste? Und auch die Spekulationen rund um die Dokumentarfilmerin Elisa (Sarah Gadon) entpuppen sich als haltlos. Nein, sie ist nicht mit Julie verwandt und taucht im Finale nicht einmal mehr auf.

Diesbezüglich kann man Pizzolatto als Erzähler durchaus einen Vorwurf machen, denn alle Figuren, die am Anfang wichtig erschienen, erweisen sich am Ende als rote Heringe, während die beiden eigentlichen „Schurken“, Mr. June und Ms. Isabel, erst äußerst spät eingeführt wurden. Bei einem guten Krimi sollte die Lösung zu Beginn völlig undurchschaubar sein, beim Rückblick allerdings klar wie die sprichwörtliche Kloßbrühe. Andererseits ist es aber ziemlich schwierig, heutzutage überhaupt noch überraschende Wendungen vorzubereiten, da in Internetforen ohnehin jedes Geheimnis aufgedeckt wird.

Time is the fire that we burn in

Eine kleine Überraschung hat Pizzolatto dann am Ende der eigentlich ereignislosen, aber trotzdem spannenden Abschlussepisode dennoch: Beim erstmaligen Lesen des Buches seiner Frau Amelia (Carmen Ejogo) wird dem grauen Wayne plötzlich klar, dass Julie vielleicht doch nicht tot ist. Die Kunst des Geschichtenerzählens, die seiner freigeistigen Gattin stets so wichtig und ihm als geradlinigen Soldaten so fremd war, hat der jungen Frau eventuell das Leben gerettet. Die Nonnen, die Julies Tod bezeugten, haben nämlich gelogen, um sie vor all den zwielichtigen Leuten zu beschützen, die sie über die Jahre aufspüren wollten. Nein, Julie ist nicht an HIV gestorben, sondern wurde von einem alten Bekannten gerettet.

Ihr ehemaliger Mitschüler Mike Ardoin (Nathan Wetherington), der damals am meisten unter ihrem Verschwinden litt, da er in sie verliebt war, fand sie Jahre später wieder. Sie konnte sich zwar nicht mehr an sich selbst erinnern, aber er dafür an sie. Später heirateten die beiden und bekamen ein kleines Mädchen namens Lucy, benannt nach ihrer eigenen Rabenmutter. Zwar mag es ein wenig überkonstruiert erscheinen, dass Mike und Lucy Wayne und Roland zufällig über den Weg laufen, doch emotional ist die Enthüllung allemal. Noch aufwühlender ist aber die Tatsache, dass Wayne wegen seiner Demenz die Lösung wieder vergisst. Und das leider noch, bevor er Roland oder seinem Sohn Henry (Ray Fisher) irgendetwas sagen kann.

Nun liegt es an uns, zu entscheiden, ob die finale Großaufnahme seines Auges zu bedeuten hat, dass er sich plötzlich doch wieder erinnert und seinen Partner sowie seinen Sohn in das Happy End einweihen kann oder, ob er die Wahrheit wie so viele andere mit ins Grab nimmt. Ambiguität gehört zum Abschluss einer Prestigeserie eben einfach dazu. Und tatsächlich hat sich True Detective diesen Anspruch mit der dritten Staffel wieder verdient. Dass die Verbindungen zur ersten Staffel nun doch kein game changer, sondern ein Gimmick waren, spielt keine Rolle, denn die Geschichte stand auf eigenen Beinen.

Bjarne Bock

Der Artikel True Detective: Now Am Found - Review zum Finale der 3. Staffel wurde von Bjarne Bock am Uhr erstmalig veröffentlicht. Bjarne Bock hat bereits 7.985 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Bjarne Bock

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