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True Detective: Hunters in the Dark - Review

True Detective: Hunters in the Dark - Review

Kritik der Episode 3x06

Szenenbild der „True Detective“-Episode „Hunters in the Dark“ (c) HBO
Szenenbild der „True Detective“-Episode „Hunters in the Dark“ (c) HBO

Die Spannung in der dritten Staffel True Detective erreicht ihren Höhepunkt: Plötzlich lichtet sich der Nebel und der Täter wird enthüllt. Schade nur, dass unsere beiden Ermittler Hays und West davon gar nichts mitbekommen...

Mein Hauptkritikpunkt am bisherigen Verlauf der dritten Staffel True Detective zielte auf Nic Pizzolattos Geiz beim Geben von Hinweisen, um den Täter zu erraten. Das hat sich nun erledigt, denn in der neuen Episode, Hunters in the Dark (3x06), fällt überraschend die Maske des Monsters. Da aber noch zwei Folgen im großen Finale ausstehen, kann durchaus noch die eine oder andere Wendung ins Spiel kommen. So oder so verspricht es ein befriedigenderer Abschluss zu werden als sogar in der Auftaktstaffel, die damals gegen Ende das hohe Niveau schlichtweg nicht halten konnte.

A major turn

Zuletzt hielt man uns noch mit der lächerlichen Scheinenthüllung hin, dass Tom Purcell (Scoot McNairy), der Vater der entführten Kinder, in die Tat verwickelt sein könnte. Ein Anruf Julies im Jahr 1990 belastete den Schützling von Lt. West (Stephen Dorff) auf Schwerste. Als Zuschauer durchschaut die falsche Fährte allerdings sofort, was wohl auch der höchst authentischen Darbietung McNairys geschuldet ist. Ein Mann, der so schlimm leidet, kann kein doppeltes Spiel spielen...

Dennoch müssen Hays (Mahershala Ali) und West der Spur folgen. Selbst zehn Jahre nach dem ursprünglichen Verbrechen sind die Abläufe innerhalb der Polizei noch immer äußerst obskur. Die Chefetage scheint dankbar jeden vermeintlichen Verdächtigen anzunehmen, um ihm die Tat anzuhängen. 1980 musste der arme Brett Woodard (Michael Greyeyes) herhalten. Und 1990 ist nun eben Tom an der Reihe. „Rein zufällig“ haben beide gewisse Außenseitermerkmale: Woodard ist indigener Herkunft und Tom verkehrt in Queer-Kneipen. Besonders Hays kann diese Ungerechtigkeit nicht widerstandslos hinnehmen. Er behauptet sogar, dass Woodard damals das Hauptbeweisstück, ein Rucksack mit Fingerabdrücken, untergeschoben worden sei, nämlich von einem gewissen Gesetzeshüter namens Harris James (Scott Shepherd).

Und tatsächlich entpuppt sich der schmierige Rotschopf später - also wieder im Jahr 1990 - als Schlüsselfigur. Nur leider erkennen das nicht die Spürhunde Hays und West, sondern Tom, der allenfalls ein Schäflein ist und gegen den großen bösen Wolf somit keine Chance hat. Getrieben von der Verzweiflung und gefüttert mit Informationen von seinem abgewrackten „Schwager“ Dan O'Brien (Michael Graziadei), eilt der Purcell-Patriarch inmitten der Nacht zur Hoyt-Residenz. Der Arbeitgeber seiner möglicherweise ebenfalls ermordeten Frau Lucy (Mamie Gummer) soll an der Entführung beteiligt gewesen sein. Das behauptet zumindest Dan. Und in dem Anwesen macht Tom dann die große Entdeckung: das pinke Schloss.

© IMAGO
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Szenenbild der True Detective-Episode Hunters in the Dark  © HBO
Szenenbild der True Detective-Episode Hunters in the Dark © HBO

Dies ist der ominöse Raum, in dem die kleine Julie (Lena McCarthy) nach dem Tod ihres Bruders Will (Phoenix Elkin) ihre Kindheit verbracht haben soll, bevor sie zehn Jahre später als erwachsene Frau wiederauftauchte. Die Hoyts haben es also getan, die reichste Familie in der Stadt, die folglich sämtliche Behörden in der Hand hat. Und wichtiger noch: Sie haben auch besagten Harris James in der Hand, der Tom im pinken Schloss erwischt und ihn - davon müssen wir ausgehen - umbringt. Fragt sich nur noch, inwiefern Lucy in die Sache involviert war. Hat sie ihre Tochter etwa für Drogen verkauft?

Wayne Hays's moral semantics

Doch True Detective hat noch ein zweites Ass im Ärmel: Plötzlich kehrt nämlich auch der mysteriöse schwarze Mann mit dem trüben Auge wieder auf - und diesmal offenbar der echte. Er soll damals die Holzpuppen am Tatort platziert haben und crasht nun eine Lesung von Amelia (Carmen Ejogo), die zwar eins und eins zusammenzählt, aber dummerweise untätig bleibt. Aber eigentlich hat sie ohnehin keinen Grund mehr, der Polizei und somit ihrem Gatten Wayne bei der Aufklärung des Purcell-Falles zu helfen. Seine Selbstgerechtigkeit kennt übrigens auch in dieser Episode keine Grenzen.

Besonders ärgerlich ist die Szene, als er und Amelia im Bett liegen und eine atmosphärisch knisternde Zigarette nach dem Sex rauchen. Dabei sagt er, sie solle sich keine Gedanken machen, was er von ihr halte, da er sie nie verurteilen würde. Bullshit! Tatsächlich tut er doch den ganzen Tag nichts anderes. Wie dehnbar sein inneres Verständnis von Moral und Anstand wirklich ist, wird später - beziehungsweise in der Gegenwart - deutlich, als Wayne als alter Mann seinem Sohn Henry (Ray Fisher) davon abrät, seiner Frau die heimliche Affäre mit der Dokumentarfilmerin Elisa (Sarah Gadon) zu gestehen. Die Logik: Es wäre egoistisch, ihr die Wahrheit zu sagen, weil er sich besser und sie sich schlechter fühlen würde.

Man kann wirklich nur hoffen, dass sich Pizzolatto innerlich von dem Charakter distanziert und ihn nicht insgeheim toll findet. Coole Sprüche hat Wayne bei all seinen Macken wenigstens wieder auf Lager. Eine Kostprobe gefällig? „I speak crazy. I'm fucking fluid.“ Neben der Folge von David Milch ist dies übrigens die einzige in dieser Staffel, in der sich der Serienschöpfer Pizzolatto beim Drehbuch Hilfe suchte, nämlich beim Quarry-Autor Graham Gordy. Geschadet hat es auch diesmal nicht. Die wie üblich vortreffliche Regie lag derweil in den Händen von Daniel Sackheim (Game of Thrones), der nun auch die letzten beiden Folgen inszenieren darf. Sehen wir darin, wie Old Man Hays und Old Man West die Hoyt-Sippe und Harris James dingfest machen? Und was wird eigentlich aus Julie, die inzwischen über 40 Jahre alt sein dürfte?

Der offizielle Trailer zur „True Detective"-Episode „The Final Country" (3x07):
Bjarne Bock

Der Artikel True Detective: Hunters in the Dark - Review wurde von Bjarne Bock am Uhr erstmalig veröffentlicht. Bjarne Bock hat bereits 7.985 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Bjarne Bock

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