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True Detective: The Big Never - Review

True Detective: The Big Never - Review

Kritik der Episode 3x03

Szenenbild der „True Detective“-Episode „The Big Never“ (c) HBO
Szenenbild der „True Detective“-Episode „The Big Never“ (c) HBO

Statt, dass sich unser neuer True Detective Purple Hays auf ein Indiz konzentrieren kann, legt ihm Nic Pizzolatto noch zwölf neue Fährten. Fast die Hälfte der dritten Staffel ist bereits geschafft, doch der Fall wirkt wirrer denn je.

Auch Staffel drei von True Detective umfasst nur acht Kapitel. Gestern erschien bei HBO das dritte, The Big Never (3x03). Zuletzt sollten wir durch die Lösegeldforderung in Spannung versetzt werden, doch plötzlich scheinen Nic Pizzolatto andere Indizien wieder mehr zu interessieren. Dass die gesamte Geschichte auch noch auf drei verschiedenen Zeitebenen spielt, sorgt dabei für zusätzliche Verwirrung. Die Hauptfigur Hays (Mahershala Ali) wurde uns als geduldiger Spürhund vorgestellt, aber nun scheint auch er sich zu verstricken und von einer Spur zur nächsten zu hüpfen. Mitraten macht so nur wenig Spaß...

A secret friend

Trotz des vermeintlichen Erpresserbriefes halten Hays und Roland West (Stephen Dorff) eine Verstrickung der Purcell-Geschwister in die eigene Entführung für immer wahrscheinlicher. Dass sie ihre Eltern über Monate hinweg anlogen, indem sie behaupteten, mit einem Freund zu spielen, der laut seinen Eltern fast immer allein gewesen sei, ist zumindest sehr verdächtig. Dass unser Protagonist vor der Devil's Den, dem Fundort der Leiche des kleinen Will (Phoenix Elkin), nun noch mehr Krimskrams findet, ist derweil wohl nur ein weiteres Ablenkungsmanöver Pizzolattos...

Besonders frustrierend: Obwohl Hays so lächerlich viele kleine Spuren findet, setzt sich kein großes Ganzes zusammen, zumal er von seinen Vorgesetzten ohnehin nicht ernst genommen werden würde. Und aufgrund seiner Demenz verliert er im Alter später selbst die Fähigkeit, den Überblick zu behalten - ein nützlicher Umstand, zumindest aus Sicht des Drehbuchautors. Dass am Ende ausgerechnet eine braune Limousine, die irgendein Anwohner zufällig in der Nähe des Tatorts gesehen haben will, der eine große Schlüssel sein soll, wirkt wahllos und völlig unvorbereitet.

Um fair zu bleiben: Auch bei der viel gelobten Auftaktstaffel war der Fall nicht allzu strukturiert. Gelebt hat True Detective stattdessen von der düsteren Atmosphäre und den Hauptdarstellern. Immer wieder lese ich hier die Forderung, die dritte Staffel bitte losgelöst von der ersten zu betrachten. Aber so sehr ich das auch mit Blick auf die Geschichte selbst versuche, kann ich natürlich trotzdem nicht noch mal so überwältigt von der Serie sein wie damals, als ebendieser Stil noch frisch war. Inzwischen gibt es unzählige Krimis dieser Art - von The Alienist über Mindhunter bis hin zu Fargo.

© IMAGO
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Szenenbild der True-Detective-Episode The Big Never  © HBO
Szenenbild der True-Detective-Episode The Big Never © HBO

Zurück zum eigentlichen Fall: Klar ist inzwischen, dass die kleine Julie (Lena McCarthy) auch 35 Jahre später noch immer nicht gefunden sein wird, trotz ihrer vermeintlichen Verwicklung in einen Überfall zehn Jahre nach ihrem Verschwinden. Aus diesem Grund wirkt auch die zweite Zusammenkunft von Hays und West 1990 nicht besonders mitreißend, da wir ja wissen, dass sie nichts bewirken werden (anders als damals Rust Cohle und Marty Hart, die sich fest entschlossen auf eine Selbstmordmission begaben). Sollte am Ende wirklich der alte Hays den Fall noch aufklären - vielleicht gemeinsam mit dem Filmteam, das ihn interviewt -, wäre das Finale aber doch noch durchaus denkwürdig.

Past, present and future are all a stubbornly persistent illusion

Interessant ist derweil auch zu sehen, wie der Purcell-Fall Hays 1980 mit seiner späteren Frau Amelia (Carmen Ejogo) zusammenbringt und 1990 langsam wieder entzweit, während sie ihn 2015 nur noch als Geist heimsucht. Dabei darf die Literaturlehrerin und spätere Bestsellerautorin ihre ganz eigene Version von „Time is a flat circle.“ zum Besten geben, wenngleich die Szene an sich eher etwas holprig wirkt. Menschen, die mit Toten sprechen, sind ein weiteres dieser Prestigeserienklischees, die zeigen, dass True Detective momentan keine frischen Impulse anzubieten hat...

Überraschend gut erscheint derweil das Gespräch zwischen West und Tom Purcell (Scoot McNairy), dem Vater der verschwundenen Kinder. Die beiden sind über die Jahre offenbar zu Freunden geworden. Und da Lucy Purcell (Mamie Gummer) inzwischen tot ist, hat Tom ohnehin niemanden mehr. Die Neuigkeit, dass seine Tochter Julie doch noch Leben könnte, wirft ihn natürlich aus der Bahn, doch inzwischen ist er trocken und scheint Kraft im Glauben gefunden zu haben.

Der Glaube könnte gleichzeitig aber auch die Quelle allen Übels sein, denn, wie Hays im Fotoalbum der Familie bemerkt, zeigte Will am Tag seiner Ermordung dieselbe Gebetspose wie am Tag seiner Kommunion. Steckt also vielleicht ein Mitglied der Kirchengemeinde oder gar der Priester hinter dem Verbrechen? Fragen über Fragen und wir können nur hoffen, dass Pizzolatto zur Abwechslung irgendwann auch ein paar Antworten einfließen lässt. Vor allem der Müllsammler Brett Woodard (Michael Greyeyes) muss darauf vertrauen, dass die Ermittler schnell Fortschritte machen, denn sonst wird er als Verdächtiger bald zum ersten Opfer der Lynchjustiz. Und manch ein Zuschauer verliert vielleicht das Interesse...

Der Trailer zur nächsten „True Detective"-Episode, „The Hour and the Day" (3x04):

Bjarne Bock

Der Artikel True Detective: The Big Never - Review wurde von Bjarne Bock am Uhr erstmalig veröffentlicht. Bjarne Bock hat bereits 8.025 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Bjarne Bock

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