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Tiny Pretty Things: Review der Pilotepisode von Dein letztes Solo

Tiny Pretty Things: Review der Pilotepisode

Kritik der Folge 1x01: Corps

Tiny Pretty Things (c) Netflix
Tiny Pretty Things (c) Netflix

Mord, Sex und Intrigen in der halsabschneiderischen Welt einer elitären Ballettschule sind der Dreh- und Angelpunkt der neuen Netflix-Serie Tiny Pretty Things, die hierzulande Dein letztes Solo heißt. Pilotreview gefällig? Bitteschön.

Netflix hat den Young-Adult-Roman Tiny Pretty Things („Dein letztes Solo“) von Sona Charaipotra und Dhonielle Clayton als Serie adaptiert und nimmt uns mit in die Welt von „Nussknacker“ und „Schwanensee“. Los geht es in der ersten Folge mit dem Titel Corps jedoch nicht mit mörderischem Ballett, sondern mit buchstäblichem Mord ohne sportliche Umwege: Während einer Party turnt die junge Tänzerin Cassie Shore (Anna Maiche) auf dem Dach herum und wird von einer nicht erkennbaren Person mit Hoodie und weißer Rose in der Hand heruntergeworfen. Aus dem Off spricht sie trotzdem noch mit uns, was Fans von Desperate Housewives sehr bekannt vorkommen dürfte.

Wie sich herausstellt, ist Cassie aber nicht gestorben, sondern liegt nach dem Sturz nur im Koma. Dennoch bleibt die Angelegenheit ein Whodunnit, bei dem viele Schülerinnen und Schüler der renommierten Archer School für Balletttanz in Chicago als Verdächtige infrage kommen - und das nicht nur, weil einer mehr bitchy ist als die andere, sondern weil sich in der halsabschneiderischen Welt des Tanzes zahlreiche Intrigen abspielen und man alles dafür tun würde, in die angesehene Gruppe des City Works Ballet aufgenommen zu werden. Cassies vakanter Platz wird von Neuankömmling Neveah (Kylie Jefferson) gefüllt, die großes Talent besitzt, aber bisher keine klassische Ausbildung wie viele ihrer neuen Mitschülerinnen genossen hat. Stattdessen experimentierte sie mit anderen Tanzformen und wird dafür belächelt. Anschluss findet sie immerhin schnell beim nicht weniger ambitionierten Shane (Brenann Clost), der unglücklich in seinen Zimmergenossen Oren (Barton Cowperthwaite) verliebt ist, welcher wiederum unter Bulimie leidet und mit Neveahs skrupelloser Rivalin Bette (Casimere Jollette) zusammen ist. Ihr merkt schon, hier werden sämtliche Dramaserienregister gezogen und natürlich dürfen auch unzufriedene Eltern und schnippische Ballettlehrer (die zugegebenermaßen am unterhaltsamsten sind) nicht fehlen.

© IMAGO
© IMAGO
© Netflix
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Wer hier nun ein psychosexuelles Milieudrama wie „Black Swan“ erwartet, wird allerdings bitterlich enttäuscht werden. Die Autorinnen der Geschichte scheinen kein Vertrauen gehabt zu haben, allein mit dem knallharten und interessanten Ballettsport eine spannende Geschichte spinnen zu können. Wohl deshalb haben sie ein generisches Crime-Element eingefügt, das sich sehr nach Teenkrimi im Sinne von Pretty Little Liars anfühlt, aber noch viel schlechter besetzt ist. Vermutlich, weil man vor der Herausforderung stand, vor allem adäquate Tänzerinnen und Tänzer casten zu müssten.

Schauspielerisch ist nämlich absoluter Totentanz angesagt, auch was die kaum charismatische Hauptfigur angeht. Wenig hilfreich sind natürlich die schrecklichsten Dialoge, die ich seit langem gehört habe, inklusive dieses Juwels am Ende des Auftakts, wenn das komatöse Opfer aus dem Off heraus philosophiert: „In French 'corps' means body, or what you might call a 'corpse' - what all of us are fighting not to become.“ („Auf Französisch heißt ,corps' Körper, oder was man auch Leiche nennen könnte - das, was wir alle versuchen, nicht zu werden.“) Ulkiger ist eigentlich nur der taktlose Choreograf Ramon (Bayardo De Murguia), der nach dem Mordanschlag auf die Schülerin kurzerhand entscheidet, keinen bewährten Klassiker, sondern die Story von Jack the Ripper als Ballett aufzuführen.

Fazit


Tiny Pretty Things könnte nur dadurch gerettet werden, wenn man zum eigenen Trashfaktor steht und sich dem Divenduell und dem camp selbstbewusst verschreibt. Das wäre wenigstens unterhaltsam. So aber wirken viele Szenen einfach nur unfreiwillig komisch und sämtliche Dramatik wird zum Rohrkrepierer. Das Beste an der ersten Episode sind tatsächlich die (für Laienaugen) imposanten Tanzszenen. Nur schade, dass sie von viel zu vielen Popmusikmontagen und Sexszenen überschattet werden. Für Fans von Ballett ist die bessere Alternative zu dieser Fastfoodversion von „Black Swan“ dann wohl doch das kurzlebige Flesh and Bone, Fans von Pretty Little Liars oder Riverdale können trotzdem mal einen Blick riskieren. Uns ist das heute fürs Erste nur zwei von fünf sterbenden Schwänen wert.

Hier abschließend noch der Trailer zur Season:

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Mario Giglio

Der Artikel Tiny Pretty Things: Review der Pilotepisode wurde von Mario Giglio am Uhr erstmalig veröffentlicht. Mario Giglio hat bereits 12.784 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Mario Giglio

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