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Thor - Love and Thunder: Filmkritik zum vierten Thor-Film

Thor - Love and Thunder: Filmkritik

Thor - Love and Thunder: Filmkritik
Poster zum Film Thor - Love and Thunder (c) Marvel Studios

Chris Hemsworth schafft als Thor das, was den anderen Marvel-Kollegen bisher nicht vergönnt war: Er erhält einen vierten Solo-Film. Zum zweiten Mal wird der Odinson von Regisseur Taika Waititi inszeniert. Mit dabei: Götterschlächter, eine Donnergöttin, Weltraumziegen und die Guardians of the Galaxy.

Thor (Chris Hemsworth) ist inzwischen einer der dienstältesten Marvel-Recken im Marvel Cinematic Universe. 2011 kam der erste Solofilm mit dem Donnergott ins Kino und die Figur schafft das, was „Iron Man“, „Captain America“ oder „Spider-Man“ bisher nicht vergönnt war, denn er hat nun schon seinen vierten eigenen Streifen mit „Thor: Love and Thunder“ erhalten. Chris Evans und Robert Downey Jr. sind inzwischen raus, Hemsworth macht munter weiter. Regisseur Taika Waititi, der gleichzeitig auch Korg spielt, hat der Figur mit „Thor: Tag der Entscheidung“ neues Leben eingehaucht und Hemsworth scheint auch weiterhin Lust auf die Rolle zu haben. Dabei hat der Odinson schon einige Veränderungen durchgemacht. Vom unwürdigen Exil-Gott zurück zum Donnergott, dann zum Gladiator, dem einäugigen kurzhaarigen badass, Donnergott mit Dad Body, der nach dem Verlust gegen Thanos (Josh Brolin) desillusioniert war und zurück zum Odinson mit Stormbreaker, der sich seiner Würdigkeit aber noch nicht wieder ganz sicher ist. Nun mischt er in der womöglich ersten romantischen Komödie im MCU mit.

Worum geht es in Thor: Love and Thunder?

Als wir den Odinson in „Avengers: Endgame“ zuletzt gesehen haben, schloss er sich den „Guardians of the Galaxy“ (minus Gamora (Zoe Saldana)) an, was das Wortspiel „Asgardians of the Galaxy“ ermöglicht. Mit diesen ist er am Anfang des neuen Solostreifens unterwegs und hat sich dabei auch wieder zurück in alte körperliche Form gebracht.

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Eines Tages erreicht ihn der Notruf von Gefährtin Sif (Jaimie Alexander), die eine Konfrontation mit dem Götterschlächter Gorr (Christian Bale) nur knapp überstanden hat. Die Wege der Guardians und des Donnergotts sowie Korg trennen sich und es verschlägt ihn nach New Asgard, wo er sich mit König Valkyrie (Tessa Thompson) bespricht. Bald taucht eine alte Bekannte, nämlich Jane Foster (Natalie Portman) mit Mjölnir und als Mighty Thor auf, was alte Wunden aufreißt sowie frühere Gefühle erweckt. Gorr entführt derweil die Kinder New Asgards und plant Rache an allen Göttern für das, was sie ihm und seiner Tochter angetan haben. Dabei spielt auch das Wesen Infinity eine große Rolle.

Nur ein großes Cameo

Wer glaubt, dass Star-Lord (Chris Pratt) und die Guardians of the Galaxy eine zentrale Rolle im Film spielen, muss enttäuscht werden. Vielmehr handelt es sich um ein ausgedehntes Cameo der Gruppe, bei der manche Mitglieder nicht einmal zu Wort kommen. Als Einstieg ermöglicht das natürlich, die Ausgangslage zu etablieren und Thors weitere Reise in Stellung zu bringen. Mehr als eine Montage und eine Mission gibt es dabei aber nicht, was ich allerdings auch nicht schlimm finde und was den Film mehr wie ein Comic erscheinen lässt, in welchem Gaststars eben auch mal unkompliziert möglich sind.

Der Odinson ist und bleibt der Star des Franchise, muss sich die Bühne aber mehr mit Jane Foster teilen. Diesmal lässt sich Waititi klar von dem langen Run von Comic-Autor Jason Aaron, der ab 2013 unter anderem mit Essad Ribic und Russell Dauterman am Zeichenstift die Abenteuer vom Odinson, Jane und Co entschieden geprägt hat und auch die Figur Gorr einführte. Während der Konflikt mit Gorr in den Comics noch mit einem jungen ungestümen Thor und einem Old-King-Thor flankiert wurde, konzentriert man sich im Film auf den einen Odinson und vermischt den Mighty-Thor-Run rund um einen weiblichen Donnergott mit einer Prise Walt Simonson (Die Ziegen) und JMS (New Asgard).

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The C-Word

An dieser Stelle möchte ich eine Extra-Spoiler-Warnung ansprechen, denn die Marketingkampagne des Films hat mit Absicht einen Aspekt ausgelassen, der zentral im Comic ist: Jane Foster hat Krebs im Endstadium und sucht deswegen einen Weg, zur Gebieterin von Mjölnir zu werden. Während man in der Vorlage aus ihrer Identität anfangs ein Geheimnis machte, haben die Trailer hier sofort verraten, dass Jane mitmischt, nur eben nicht, dass sie schwerkrank ist... Eine Entscheidung, die ich nachvollziehen kann, die aber auch den Film maßgeblich bestimmen kann.

Ich finde zwar, dass Waititi die Balance zwischen Humor und Ernsthaftigkeit gelingt, aber Menschen, die Erfahrung mit Krebserkrankungen gemacht haben, könnten trotzdem getriggert werden. Wer „Thor: Ragnarok“ gesehen hat oder Waititis Filmwerk kennt, der dürfte wissen, welcher Ton einen erwartet. Manchmal ist es etwas gewöhnungsbedürftig, wenn über Janes Gesundheit gescherzt wird (was vor allem sie selbst mit einigem Galgenhumor tut), es kann aber auch Mut machen, dass sie kämpft. Insgesamt handelt es sich um einen Film, der sich um Verluste dreht: von geliebten Menschen, von alten Liebschaften und der Frage, ob es besser ist, geliebt zu haben und das Verlustgefühl zu kennen - inklusive allem damit verbundenen Schmerz - oder die Erfahrung nie gemacht zu haben: „Love and Thunder“ eben. Ein Teil des Film hat also tatsächlich Rom-Com-Vibes.

Im Zweifel wählt Waititi den Weg des Witzes und lockert auch düstere Momente auf, kriegt aber besonders zum Ende des Filmes die Kurve mit einigen echten emotionalen Momenten, die vielleicht sogar beim einen oder anderen auf die Tränendrüse drücken.

Für Portman fühlt sich der Film manchmal wie eine Wiedergutmachung an, da sie zuvor durchaus auch etwas stiefmütterlich behandelt wurde. In einigen charmanten Montagen rückt Waititi die Beziehung von Thor und Jane deswegen auch in ein neues Licht und zeigt Momente der Zweisamkeit, die wir so in vorherigen Filmen bisher nie zu sehen bekommen hatten.

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Bilder wie Gemälde

Waititi ist als Regisseur für mich zudem einer derjenigen bei Marvel mit dem besten Auge für Kompositionen. Einige Einstellungen sind direkt dem Aaron-Ribic-Run entnommen. Genial sind seine kontrastreichen Zeitlupen-Shots, die ebenfalls aus den Comicheften stammen könnten. Zudem hat er einen Mut zum Bunten, zum Prunk und dem Ausgefallenen. Seine Filmsprache ist selten langweilig und es verstecken sich allerorten kleine Details und Gags. Ob nun in New Asgard, im Schiff der Guardians, das der Mythologie entsprechend von Weltraum-Ziegen gezogen wird, oder in der Götter-Metropole, in der wir beispielsweise Zeus (Russell Crowe) begegnen. Doch das konterkariert er mit Momenten, die an Arthouse-Streifen erinnern und jegliche Farbe aus dem Bild nehmen, wenn Gorr und sein Necroschwert gegen die Helden ins Feld ziehen. Optisch gibt es erneut eine Menge zu entdecken.

Sweet Child O' Mine

Akustisch sind wir nach den 70ern und 80ern aus „Ragnarok“ diesmal mehr in den 80ern und 90ern angekommen. Besonders Guns n' Roses, also vor allem Axl Rose, dürften für die Hits „Welcome to the Jungle“, „November Rain“ oder „Sweet Child O' Mine“ von den Marvel Studios und Walt Disney fürstlich vergütet werden. Ich gehe jede Wette ein, dass die Band eine kleine Renaissance erleben wird, denn die Songs passen wie die Faust aufs Auge zur Handlung und den Bildern. Mancher könnte dies als Overkill ansehen, dass man gleich so viele Lieder der Band einbaut, ich hatte aber meine Freude daran.

Aber auch der Einsatz von Enya sitzt einfach hervorragend. Es ist ein weiterer Marvel-Soundtrack, den man sicherlich gerne das eine oder andere Mal anwirft.

Gorr

Bei Gorr haben sich Marvel und Waititi für eine optische Gestaltung entschieden, die weniger wie ein Alien aussieht als in der Vorlage. Wie der Regisseur selbst in einem Interview sagte, hat man sich auch wegen des „Harry Potter“-Schurken Voldemort für ein abweichendes Design entschieden. Somit versteckt man Christian Bale auch nicht, wie etwa Idris Elba in „Star Trek Beyond“ oder Oscar Isaac in „X-Men: Apocalypse“, unter dickem Make-up und Masken, sondern erlaubt dem ehemaligen „Batman“-Darsteller, die emotionale Bandbreite mit Gestik und Mimik abzubilden. Gorrs Motivation ist nachvollziehbarer als die einiger anderer Marvel-Schurken, ihr wird außerdem von der ersten Minute an Raum zur Entfaltung gegeben und als eine Art mythischer Rattenfänger von Hameln bringt er auch einen neuen Spin mit.

Ich tue mich manchmal schwer, nach nur einer Sichtung festzuhalten, ob es sich um einen erinnerungswürdigen Schurken handelt. Mein erster Eindruck: Es ist einer der besseren Thor-Schergen, doch mit Loki (Tom Hiddlestone) und Hela (Cate Blanchett) haben wir hier auch starke Konkurrenz. Die Zeit wird es also zeigen, ob die Fans sich an ihn erinnern werden. Malekith (Christopher Eccleston) und Kurse (Adewale Akinnuoye) aus „Thor: The Dark World“ wurden wohl von den meisten MCU-Fans verdrängt und vergessen. Bale liefert in meinen Augen aber zumindest eine intensive und deswegen auffälligere Leistung ab als so mancher vergessenswerte Marvel-Schurke. Wer wüsste aber aus dem Stegreif etwa noch, dass Mads Mikkelsons Schurke aus „Doctor Strange“ auf den Namen Kaecilius hörte?

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Donnert auch die Action ordentlich?

Thor: Love and Thunder“ hat einige nette Action- und Kampfszenen, die Gorr und die Thors und ihre Verbündeten wie Korg und Valkyrie herausfordern. Im direkten Vergleich zum Vorgänger finde ich aber, dass hier diesmal etwas weniger hängenbleibt. Ich kann zwar keine eklatanten Ausfälle bemängeln, aber der Kampf von Thor und Hulk in der Gladiatoren-Arena, Hela gegen den Wolf oder Surtur haben sich bei mir gedanklich etwas mehr eingebrannt. Eine Konfrontation mit Gorr besticht durch gesättigte Schwarz-Weiß-Töne mit kleinen Farbakzenten und es ist immer wieder ein Genuss zu sehen, wenn der Odinson wütend wird oder neue Dinge mit Mjölnir angestellt werden. Einige Mühe hat man auch in den opulenten Besuch in der Götter-Zuflucht Omnipotencity gesteckt, wobei ich auf den ersten Blick wenige uns bereits vertraute Gottheiten gesehen habe, dafür aber viele neue Wesen mit großer Macht.

Zudem ist das Ende des Films herausragend - und das auf einer emotionalen Ebene, die dann noch mit einem weiterhin besonders emotionalen Epilog abgerundet wird, der mich ordentlich überrascht hat. Für mich werten die letzten Minuten des Films das Gesamtwerk deswegen noch einmal etwas auf.

Einige Running Gags des Films bringen mich auch immer wieder zum Lachen. Korg als Legendenerzähler (und Korg im Allgemeinen), die tierischen Begleiter, die Rückkehr der Theatercrew inklusive neuem Überraschungsgast, die Eifersucht von Stormbreaker auf Mjölnir und einiges mehr machen Waititis „Thor“-Filme für mein Empfinden zu den witzigeren MCU-Abenteuern. Natürlich sitzt nicht jeder Witz, aber doch mehr als bei manchen anderen Inhalten.

Obligatorische Abspannszenen

Ob man es noch schreiben muss, weiß ich nicht, aber zu einem MCU-Kapitel im Kino gehören Szenen im Abspann und davon gibt es wieder zwei. In einem wird eine neue Figur präsentiert, die mich hat aufjubeln lassen, die aber eher etwas für Comicfans ist. Und die zweite verzichtet auf den typischen Gagrausschmeißer, um etwas anderes abzuschließen, was der Film vorher etabliert hat...

Fazit

Wem „Thor: Tag der Entscheidung“ aka „Thor: Ragnarok“ gefallen hat, der dürfte eigentlich auch „Thor: Love and Thunder“ mögen. Der abgedrehte Ton von Taika Waititi bleibt erhalten, auch wenn diesmal neue Seiten von New Asgard und die Götterecke bei Marvel erkundet werden und mit Gorr ein ziemlich düsterer Zeitgenosse als Schurke ausgewählt wurde. Manchmal beißt sich dessen Ernsthaftigkeit vielleicht mit dem Rest des Films, aber irgendwie schafft es der Filmemacher dann doch, alles zu einem bunten Eintopf zu vermischen, der Humor, Action, schräge Ideen, fantastische Bildkompositionen und Unsinn vereint. Ich bin wahrscheinlich etwas befangen, aber ich mag den MCU-Thor einfach. Viereinhalb von fünf eifersüchtigen Stormbreaker dafür.

Hier abschließend noch der englische Trailer zum nun auch in Deutschland angelaufenen Film „Thor: Love and Thunder“:

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