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The Patient: Intake - Review der Pilotepisode

The Patient: Intake - Review der Pilotepisode

The Patient: Intake - Review der Pilotepisode

Die Macher des Kritikerlieblings The Americans haben beim Kabelsender FX ein neues Format anzubieten: den Psychothriller The Patient, der ein spannendes Kammerspiel zwischen Steve Carell und Domhnall Gleeson verspricht. Man muss aber auch ein bisschen Geduld mitbringen.

Das emmyprämierte Autorenduo Joel Fields und Joe Weisberg hat mit The Americans (2013 bis 2018) eines der besten Fernsehdramen der letzten Dekade kreiert. Beim Kabelsender FX kehren sie nun zurück, um mit der Miniserie The Patient ihr jüngstes Werk zu präsentieren. Es handelt sich um einen kammerspielartigen Psychothriller, der vor allem den zwei Hauptdarstellern Steve Carell (The Office, Space Force) und Domhnall Gleeson (Black Mirror, Run) Gelegenheit zum Glänzen bringt.

Zehn jeweils nur halbstündige Episoden wurden in der ersten und einzigen Staffel produziert, von denen am Mittwoch, den 30. August die zwei ersten Ausgaben veröffentlicht wurden. „The Patient“ erscheint unter dem sogenannten „FX on Hulu“-Banner, wie zuvor etwa Devs, Mrs. America oder The Bear, was dafür spricht, dass die Serie hierzulande bei Disney+ beheimatet sein wird (wenngleich noch kein Starttermin feststeht).

Das Skript der beiden Auftaktepisoden Intake und Alan Learns to Meditate stammt von den Serienschöpfern Fields und Weisberg. Die Regie übernahm Chris Long (ebenfalls einst an „The Americans“ beteiligt). Zu sehen kriegen wir eine äußerst ungesunde Therapiebeziehung, denn ein psychopathischer Serienkiller entführt seinen Therapeuten, damit dieser seinen tödlichen Drang unter Kontrolle bringt...

Therapie für den Teufel

Im Zentrum der Geschichte steht der angsehene jüdische Psychotherapeut Alan Strauss (Carell), der momentan selbst eine tiefe Seelenkrise durchmacht, nachdem seine Ehefrau Beth (Laura Niemi) verstarb. Ein auffällig verschlossener neuer Patient namens Sam Fortner (Gleeson) - auch wenn er diesen Namen zunächst geheimhält - sorgt bald für noch mehr Probleme. Als sich Alan plötzlich als Gefangener in Sams heimlichem Unterschlupf wiederfindet, muss der Therapeut um sein Leben fürchten. Oder kann er die Killer vielleicht unter Kontrolle kriegen?

Genau das wünscht sich nämlich Sam. Er sieht sich selbst am Opfer seines Drangs, Menschen zu töten. Und er fühlt sich missverstanden, weil Leute wie er in Filmen und im Fernsehen völlig falsch porträtiert würden. Er sei kein Mann wie Hannibal Lecter - er wolle sich ändern und brauche dazu Alans Hilfe. Alan entgegnet ihm zu Recht, denn eine Therapie unter diesen Umständen unmöglich sei. Gleichzeitig muss er seinen Patienten bei Laune halten, um nicht selbst zum nächsten Opfer zu werden. Oder fängt sich der Therapeut bald vielleicht ein Stockholm-Syndrom ein und sympathisiert mit seinem Peiniger?

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Auch Alans entfremdeter Sohn Ezra (Andrew Leeds), sein eigener Therapeut Charlie Addison (David Alan Grier) und sogar Sams Mutter Candace (Linda Emond) spielen in der Serie eine Rolle. Der Großteil der Szenen besteht jedoch aus Vieraugengesprächen der beiden Hauptakteure, die auch die größte Stärke des Formats darstellen. Obwohl auch die wenigen Albtraumsequenzen durchaus Eindruck hinterlassen, während die Rückblenden in die Vergangenheit vielleicht noch am langweiligsten ausfallen.

Was mir persönlich nicht gefällt, sind einige unschöne Klischees über Psychotherapie, die in „The Patient“ perpetuiert werden, wenngleich man zugeben muss, dass die Serie noch besser abschneidet als vieles, was man sonst so im Fernsehen zu sehen kriegt. Generell halte ich es aber immer für gefährlich, wenn Figuren mit psychischen Problemen als gefährliche Monster stigmatisiert werden. Solche Fälle sind zum Glück sehr selten, aufgrund ihres Schockfaktors in Filmen und Serien allerdings allgegenwärtig.

Fazit

Ehrlich gesagt hätte man vom „The Americans“-Gespann Joel Fields und Joe Weisberg eine etwas tiefgründigere Miniserie erwarten können als das, was uns der Auftakt von „The Patient“ nun verspricht. Psychokiller und Entführungsgeschichten hätten gern in den 90er Jahren zurückbleiben können, aber leider stürzen sich TV-Autoren immer wieder auf das Thema und verursachen damit Schaden für die eigentlich so wichtige Therapiearbeit im realen Leben. Diese eher politische Meinung sollte aber nicht das Gesamturteil des neuen FX-Formats färben.

Was die technischen Aspekte angeht, handelt es sich nämlich um einen durchaus spannenden Thriller mit ziemlich starken Dialogen und natürlich zwei Hauptdarstellern - Steve Carell und Domhnall Gleeson -, die richtig Spaß an dem Material haben. Einzig ein gewisses Maß an Geduld sollte das Publikum unbedingt mitbringen, denn die zentrale Dynamik braucht einige Zeit, um sich zu entfalten. Dass die einzelnen Episodenlängen mit knapp 20 Minuten sehr kompakt ausfallen, hilft dabei, dass keine Langeweile aufkommt.

Abschließend nochmal zu dem Punkt, dass „The Patient“ ein eher überholtes Bild psychisch instabiler Menschen wiedergibt: Da wir bislang nur die zwei ersten Episoden kennen, kann es selbstverständlich auch so sein, dass die Serienmacher Fields und Weisberg damit eigentlich aufräumen wollen. Im besten Falle nutzen sie ihr neues Serienvehikel, um ein neues Bild zu etablieren, was durchaus denkbar scheint, wenn man sich daran erinnert, dass Gleesons Charakter ja Hilfe sucht, um sich zu ändern. Man darf gespannt sein...

Unsere Bewertung zum Auftakt: 3,5 von 5 therapeutische Kaschmircardigans

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