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Aktuelle Streaming-Tipps: Love & Anarchy, Murder Mountain und Grand Army

Streaming-Tipps: Love & Anarchy, Murder Mountain und Grand Army

Die Streaming-Tipps in Kalenderwoche 47/2020 (c) Netflix
Die Streaming-Tipps in Kalenderwoche 47/2020 (c) Netflix

Die schwedische Serie Love & Anarchy, die True-Crime-Doku Murder Mountain und das Highschool-Drama Grand Army möchten wir Euch diese Woche als Streaming-Tipps ans Herz legen. Ausnahmsweise kommen diesmal alle aus derselben Quelle.

Bei den wöchentlichen Streaming-Tipps aus der Redaktion von SERIENJUNKIES.DE® lassen sich unsere Redakteurinnen und Redakteure in ihre persönlichen Watchlists blicken und teilen ausgewählte Serien-, Film- und Dokutipps mit Euch. Diese könnt Ihr Euch dann direkt über den jeweiligen VoD-Anbieter auf die Bildschirme holen. Und, falls diese Woche nichts für Euch dabei ist, schaut Ihr am besten auf unsere Streaming-Tipps-Themenseite für die Empfehlungen und Geheimtipps der vergangenen Wochen. Wir wünschen viel Spaß beim Stöbern und gute Unterhaltung!

© IMAGO
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© Netflix
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Hanna: Love & Anarchy


Die Isolation im derzeitigen „Lockdown Light“ liefert teils merkwürdige Serienfaszinationen. So war es auch bei mir mit Love & Anarchy, dem neuen Netflix-Original aus Schweden. Die achtteilige Dramedy dreht sich um die Enddreißigerin Sofie (Ida Engvoll), die als Beraterin einen alteingesessenen Buchverlag strategisch erneuern soll. Neben den Kollegen, die ihr und ihren neuen Ideen eher feindlich gegenüberstehen, bekommt sie es außerdem mit dem jungen IT-Experten Max (Björn Mosten) zu tun. Die beiden ungleichen Kollegen fordern sich mit harmlosen Spielchen und Prüfungen heraus, die jedoch immer weitreichendere Folgen haben, bis Sofie und auch Max ihr bisheriges Leben komplett hinterfragen.

Der Pilot von „Kärlek & Anarki“ (so der schwedische Originaltitel) ist wahrlich in keinster Weise ungewöhnlich und wurde von unserer Redakteurin Maike Karr treffend wie folgt beschrieben: „Bisher haben für mich weder die Figuren noch die Erzählung selbst genügend Charakter, geschweige denn Charme, um aus der übergroßen Auswahl an (Netflix-)Serien herauszustechen.“ Die Grundprämisse erinnert außerdem an den Film „Liebe mich, wenn du dich traust“ (2003) mit Marion Cottilard und Guillaume Canet in den Hauptrollen und liefert weder etwas Neues noch wirklich Profundes oder Gewagtes ab. Doch die Serie hat mit ihren 30-minütigen Episoden eine ganz eigene Faszination bei mir ausgelöst, sei es durch die wunderbar unsympathische Hauptdarstellerin Ida Engvoll, den attraktiven Björn Mosten als Max, der mehr als nur ein Toyboy ist, oder aufgrund des harmonischen Casts im Büro. Mit der Zeit möchte man einfach wissen, wie es mit den Charakteren weitergeht und im Mittelteil der Staffel entwickelt sich eine richtige Spannung mit interessanten Momenten, wie zum Beispiel die absurden Entwicklungen auf einer Buchmesse oder die amüsanten Ereignisse in einem Stockholmer Schwimmbad.

Wichtige Themen der Serie wie Erpressung, Ausnutzung von Machpositionen und der Umgang von Sofie mit ihrer Familie muss jeder wohl für sich selbst beurteilen. Abschließend kann gesagt werden, dass der vierstündige Binge zu keiner Zeit von mir bereut wurde und die Serie auch noch Tage später nachklingt. Warum genau? Es war wohl das, was ich gerade in dieser turbulenten Zeit brauchte...

Love & Anarchy ist seit dem 4. November weltweit auf Netflix abzurufen und nach der durchwachsenen Pilotepisode sollte man an der Staffel dranbleiben.

Hier der Trailer:

 
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Loryn: Murder Mountain


Eine Region, die sich dem Cannabis-Anbau verschrieben hat und in der junge Menschen verschwinden, ist das Ziel der Dokuserie „Murder Mountain“. Diese Konstellation lässt das Herz von True-Crime-Fans höherschlagen und könnte auch andere Zuschauer in ihren Bann ziehen. Denn Humbold County im Norden von Kalifornien hat nicht nur eine ungewöhnlich hohe Quote an jungen Menschen, die unter mysteriösen Umständen verschwinden. Es handelt sich auch um eine Parallelgesellschaft, die rund um den Cannabis-Anbau entstanden ist.

Über die sechs Episoden lernen wir die Bewohner kennen, die alteingesessenen Cannabis-Bauer, die sich als Hippie-Aussteiger sehen und nach Humbold gekommen sind, um ihren Traum von Freiheit zu leben. In den schlecht zugänglichen Bergen der Gegend haben sie eine charmante Community gegründet, doch über die Jahre hat sich das Zusammenleben verändert. Während wir auf der Suche nach dem 29-jährigen Garret Rodriguez sind, dessen Vater ihn unermüdlich sucht, gehen wir immer tiefer in den Wald hinein, in die Berge, hinter die Redwoods, durch die illegalen Straßensperren, begleitet von mysteriösen Quads, die aus dem Wald schießen und einen begleiten, wenn man sich zum Murder Mountain wagt.

Wir lernen Familien kennen, die ihren Traum vom freien Leben verlieren könnten durch die Legalisierung von Cannabis in Kalifornien. Denn aus den kleinen Anbauern, die einen lockeren Lifestyle zu schätzen wissen, müssen nun Geschäftsleute werden, die sich mit Regularien auskennen, wenn sie nicht von den großen Mitspielern vernichtet werden wollen, die sich auf den Markt drängen. Wir treffen illegale Anbauer, die ihr Gesicht nicht zeigen wollen und die hinter vorgehaltener Hand über die Gerüchte sprechen, die auf dem Murder Mountain umhergehen. Auch darüber, was aus Garrett (bei dem sich alle nicht so sicher sind, ob er nun mit einem oder zwei „t“ geschrieben wird) geworden ist, der als Erntehelfer in die Region kam, um Geld zu machen für seinen Traum vom Surferleben in Mexiko. Wir erleben eine Gemeinschaft, die sich vom Mainstream abgewandt hat, im Guten wie im Schlechten.

In Echtzeit scheint das Auftauchen der Filmcrew die Bewohner dazu zu animieren, neu zu überlegen, was sie preisgeben wollen von ihrem Leben und von dem, was sie über Garrett wissen. Denn hinter der mysteriösen Kulisse der Isolation in den Bergen sind die meisten Menschen daran interessiert, gut miteinander auszukommen und anderen nicht zu schaden. Doch wie weit können sie sich selbst in Gefahr bringen, um den Eltern der verlorenen Kinder Gewissheit zu geben?

Zu finden ist „Murder Mountan“ im Angebot von Netflix.

Hier der Trailer:

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Adam: Grand Army


Der Mikrokosmos der Highschool ist immer wieder für interessante Serienformate gut. Die Trailer zur Netflix-Serie Grand Army haben mich davon überzeugt, der Serie eine Chance zu geben. Die neunteilige erste Staffel rückt die Leben und den Alltag von Joey Del Marco (Odessa A'zion aka die Tochter von Pamela Adlon, bekannt durch Better Things), Dom Pierre (Odley Jean), Sid Pakam (Amir Bageria), Jayson Jackson (Maliq Johnson) und Leila Kwan Zimmer (Amalia Yoo) in den Mittelpunkt. Sie alle gehen an die öffentliche Highschool in New York. Die Serie, die von Katie Cappiello geschaffen wurde, basiert auf ihrem Theaterstück „Slut: The Play“.

Warum sollte man also ausgerechnet „Grand Army“ im Wust der bereits vorhandenen Highschoolserien eine Chance geben? Weil die Figuren, ihre Konflikte und ihre Darsteller durchaus ihre Reize und Faszination ausüben und bisweilen komplexer als in anderen mir bekannten Serien präsentiert werden. In der ersten Folge erschüttert ein Bombenattentat in der Nähe der Schule den Alltag und lässt einige Schüler zum ersten Mal aufeinandertreffen.

Joey ist eine freche und relativ freizügige Person, die auch in der Tanztruppe der Schule mitmacht. Sie hat einen festen Freundeskreis, mit dem sie ihre ganze Freizeit verbringt. Eines Tages erlebt sie auf dem Weg zu einer Party jedoch einen persönlichen Albtraum, von dem sie sich nicht mehr erholt und der ihre Clique für immer zerstört... Doms Familie stammt aus Haiti und sie lebt auf engem Raum mit zahlreichen Geschwistern zusammen. Sie muss ihrer Mutter neben der Schule mit Gelegenheitsjobs, darunter Friseurdiensten, über die Runden helfen. Sie träumt davon, Psychologie zu studieren und woanders durchzustarten, kann sich aber nicht von den familiären Pflichten losreißen und würde für die Familie ihr persönliches Glück opfern. Das gilt sowohl für ihr Liebesleben als auch für die Chance auf ein Traumpraktikum. Sie ist zudem ein halbes Mathegenie und Teil des Basketball-Teams. Für sie kann der Tag nicht genug Stunden haben, was aber auch bedeutet, dass sie eindeutig zu wenig schläft. Sid ist ein indisch-amerikanischer Teenager, der kurz vor dem Highschoolabschluss steht und sich mit einem Essay an den Unis bewerben soll. Er gehört zum Schwimmteam der Schule und die Talentscouts haben bereits ein Auge auf ihn geworfen. Wegen seines Familienhintergrunds will er zunächst nicht zu seiner Homosexualität stehen. Doch dann leakt jemand einen Essay von ihm und stellt seine Welt auf den Kopf. Jayson ist ein afroamerikanischer, talentierter Musiker aus Spanish Harlem, der jedoch mit einem Mitschüler in einen Vorfall verwickelt wird, in dem Dom ihr Erspartes verliert. Die folgende Suspendierung hat Folgen, aber eröffnet auch ungeahnte Chancen für Jayson. Nun muss er sich entscheiden, ob er als Nachrücker für seinen Kumpel einspringt, der deutlich härter bestraft wird als er, oder ob er gegen das diskriminierende System vorgeht. Leila ist eine chinesisch-amerikanische Jugendliche, die von ihren Eltern als Kleinkind aus China adoptiert wurde und nach ihrer eigenen Identität sucht. Nach dem Bombenalarm rückt sie zum ersten Mal in die Nähe der coolen Kids und der Partyszene. Allerdings sitzt sie häufig zwischen den Stühlen: Alte Freunde erkennen sie kaum wieder, die angesagten Kids nutzen sie aus, von den chinesischen Mitschülern wird sie schikaniert und sie selbst bemerkt, dass sie mit sich nicht zufrieden ist.

Nicht jede Story der fünf Protagonisten ist gleich spannend. Jayson und Leila haben in meinen Augen wahrscheinlich die Teilhandlungen, die mich nicht immer überzeugen konnten und auch weniger Screentime erhalten als der Rest. Bei Sid gibt es gewisse Aufs und Abs, doch Joey und Dom reißen für mich sehr viel heraus. Ihre Darsteller liefern nuancierte, sehr sehenswerte Performances ab und auch ihre Geschichten haben mich in der Regel am meisten interessiert. Allerdings muss eine Warnung ausgesprochen werden, denn ab der vierten Folge erlebt Joey einen sexuellen Übergriff, der sie und wahrscheinlich auch einige Zuschauer traumatisiert zurücklässt. Dabei nehmen sich die Serienmacher viel Zeit für die Aufarbeitung und die Zeit danach, die jedoch überaus schmerzlich ist und nicht automatisch ein Happy End hat.

Dass die Serie sich als Binge-Kandidat qualifizieren kann, wage ich etwas zu bezweifeln. Ich persönlich habe immer maximal eine oder zwei Folgen am Stück geschafft, weil es doch manchmal etwas schwerer und belastender wurde als in anderen Serien. Aber dieser sich realistischer anfühlende Ansatz trägt auch dazu bei, dass ich die Serie spannend und sehenswert finde. Ob es eine zweite Staffel geben wird, muss sich erst noch zeigen. Gedreht wurde die erste Staffel nämlich zwischen Mai und September 2019 (obwohl man über Durchsagen bereits etwas von der Coronavirus-Pandemie hört, was wohl aus Aktualitätsgründen hinzugefügt wurde). Der Fokus liegt zwar auf einem Figurenquintett, dennoch ist die Grand-Army-Highschool vollgepackt mit Schülern und allein die Kosten für die andauernden Tests aller Beteiligten dürften momentan jeden Rahmen sprengen.

Die Staffel endet mit Etappenzielen für die Figuren. Man könnte sie fortsetzen, muss es aber nicht. Davon sollte man es also nicht abhängig machen, ob man reinschaut, sondern eher, ob man einer Highschoolserie irgendwo zwischen Euphoria, Freaks and Geeks und My So-Called Life eine Chance geben würde.

Hier abschließend noch der Trailer:

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Mario Giglio

Der Artikel Streaming-Tipps: Love & Anarchy, Murder Mountain und Grand Army wurde von Mario Giglio am Uhr erstmalig veröffentlicht. Mario Giglio hat bereits 12.816 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Mario Giglio

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