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Aktuelle Streaming-Tipps: The Last Man on Earth, Summer Wars und Orange Is the New Black

Streaming-Tipps: The Last Man on Earth, Summer Wars und OItNB

Die Streaming-Tipps für die Kalenderwoche 32 (c) FOX/Kazé/Netflix
Die Streaming-Tipps für die Kalenderwoche 32 (c) FOX/Kazé/Netflix

Zwei US-Serien, in denen es meist was zum Lachen gibt und ein japanischer Animationsfilm der besonders sommerlichen Variante stehen heute im Streaming-Tipp aus der Redaktion zur Auswahl. Was darf es sein?

Mit zwei Scheiben Comedy- beziehungsweise Dramedybrot bereiten wir uns heute ein leckeres Animefilm-Sandwich zu. Felix macht erneut auf die postapokalyptische Serie The Last Man on Earth aufmerksam, deren ganz persönliche Endzeit mittlerweile eingetroffen ist, Mario hat einen seiner Lieblingsanimes von Regisseur Mamoru Hosoda mitgebracht und Gine erzählt einen Schwank von ihrer persönlichen Bindung zum Netflix-Frauenknastdrama Orange Is the New Black, das vielleicht auch auf Eure Watchlist sollte.

Aktuelle Streaming-Tipps:

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Felix: The Last Man on Earth

Es ist nicht das erste Mal, dass ich das Serienkleinod The Last Man on Earth empfehle. Bereits in der Vergangenheit hatte ich ein paar lobende Worte für die Endzeitcomedy übrig, die unglücklicherweise im Mai vom Sender FOX nach vier Staffeln abgesetzt wurde. Eine bedauernswerte Nachricht, gehörte „The Last Man on Earth“ doch dem seltenen Schlag von Serien an, die sich von Staffel zu Staffeln stetig verbessern konnten, wenn auch nur minimal. Aus einer One-Man-Show um Will Fortes Blödelkopf Phil Tandy Miller wurde ratzfatz eine wunderbare Ensemblecomedy, die ihre Stärken in dem tollen Zusammenspiel des Casts und in der Experimentierfreudigkeit des Autorenteams zeigte, neben lustigen und albernen Abenteuern auch die eine oder andere sehr dramatische Geschichte zu erzählen.

Warum ich jetzt mal wieder auf die Serie komme? Hauptdarsteller Will Forte, der am gesamten Produktionsablauf von „The Last Man on Earth“ intensiv involviert gewesen war, war kürzlich im HeadGum-Podcast „Good One: A Podcast about Jokes“ von Vulture.com-Autor Jesse David Fox zu Gast. Auf dem „Just for Laughs“-Festival in Montreal, das sich über weite Teile des Julis erstreckte, widmeten sich die beiden nicht nur noch einmal ausführlich dem Ende der vierten Staffel von „The Last Man on Earth“. Forte gibt in dem Podcast auch Einblicke dazu, wie sein Arbeitsprozess über die letzten Jahre ausgesehen hat. Die Absetzung der Serie nach vier Staffeln ist ebenfalls ein Thema, ebenso wie die mögliche Handlung in der fünften Staffel, zu der es nun leider nicht mehr gekommen ist.

Man merkt Will Forte in dem Gespräch an, dass er das Ende seiner Serie sportlich genommen hat, doch es ist auch nicht von der Hand zu weisen, dass er bis zur letzten Sekunde alles für dieses Format gegeben und eine ganze Menge investiert hat, um es Jahr für Jahr gemeinsam mit allen anderen Beteiligten vor und hinter der Kamera auf die Beine zu stellen. Ich finde es immer wieder bemerkenswert, mit welcher Leidenschaft in der Branche gearbeitet wird. Dies wird insbesondere am Beispiel verhältnismäßig kleinerer Serienproduktionen deutlich. Und während Forte so über die Comedy berichtet, in Erinnerungen schwelgt und über die großen Pläne erzählt, die schlagartig verpufft sind, wird mir bewusst, dass es nicht nur schade, sondern auch verdammt ärgerlich ist, dass die Reise so abrupt hat enden müssen.

The Last Man on Earth“ hatte sich über die letzten Jahre ein Plätzchen in meinem Serienherz verdient, die Feel-Good-Comedy enttäuschte selten und versorgte mich regelmäßig mit deftigen Lachern, smarten Überraschungen und überraschender Tragik. Ich habe der Gruppe an Überlebenden, deren Kern immer wieder um die eine oder andere skurrile Figur erweitert wurde, sehr gern dabei zugesehen, ihre Leben in der Postapokalypse zu bestreiten. Ob sie mal komplett freigedreht haben, weil sie ja eh allein auf dem Planeten sind, oder ob sie aufrichtig versucht haben, sich von der Pieke auf ein neues, erfüllendes Leben aufzubauen - „The Last Man on Earth“ war in dieser Hinsicht eine facettenreiche Erzählung, bei der die endzeitliche Prämisse immer mehr zu einer Randnotiz wurde und im Gegenzug die fein ausgearbeiteten Charaktere in den Mittelpunkt rückten.

Und das ist auch der Grund, warum ich The Last Man on Earth weiterhin nur jeden empfehlen kann. Die Serie durchläuft über vier Staffeln eine sehenswerte Entwicklung, probiert viele Dinge, erfindet sich neu und präsentiert Figuren, die einem auf ihre eigene Art und Weise ans Herz wachsen. Wenn man zurückdenkt, wie egoistisch und destruktiv sich Hauptcharakter Tandy Miller anfangs gegeben hatte, ist seine Wandlung zum verpeilten, aber herzensguten Möchtegernanführer der Gruppe fast schon wundersam. Die Idee für die fünfte Staffel der Comedy, die Forte in dem Podcast teilt, klingt übrigens so wunderbar typisch für die Serie, dass es nur noch umso ärgerlicher ist, dass wir die Umsetzung davon nie zu Gesicht bekommen werden.

Die dritte Staffel von „The Last Man on Earth“ ist aktuell wöchentlich im deutschen Free-TV auf ProSieben MAXX zu sehen. Die vierte und letzte Staffel feiert ihre Deutschlandpremiere indes am 15. August auf dem Pay-TV-Sender ProSieben Fun. Im Streamingbereich sind die ersten drei Staffeln bei EntertainTV Serien zu sehen. Amazon Prime Video und Maxdome bieten die komplette Serie im Stream zum Kauf an.

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© Madhouse/Kazé
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Mario: Summer Wars

Aktuell ist in den japanischen Kinos der Animefilm „Mirai no Mirai“ zu sehen, der neuste Streich von Regisseur Mamoru Hosoda. Meiner Meinung nach der seit Satoshi Kon („Perfect Blue“, „Paprika“) qualitativ konsistenteste Vertreter seines Fachs, dessen Filme ich persönlich denen von Makoto Shinkai vorziehe. Megahit „Your Name.“ hin oder her.

Bis Hosodas neuer Streifen bei uns landet, dauert es wohl noch eine Weile. Und während ich seinen früheren Film „Das Mädchen, das durch die Zeit sprang“ schon einmal als Streaming-Tipp vorgestellt habe, dachte ich, die derzeitigen Temperaturen passen gut zu seinem ebenfalls mit Sci-Fi-Konzepten flirtenden, sommerlichen Familienabenteuer „Summer Wars“.

Mathe-Ass Kenji wird von seiner Schulfreundin Natsuki dazu eingeladen, am 90. Geburtstag ihrer Großmutter teilzunehmen. Was der Junge nicht ahnt: Er soll der resoluten Matriarchin als Natsukis Zukünftiger vorgestellt werden. Als wäre das nicht stressig genug, bricht kurz darauf die virtuelle Hölle los, als ein von Kenji geknackter Mystery-Code dazu führt, dass ein Virus mit künstlicher Intelligenz namens Love Machine die virtuelle Allround-Plattform Oz und dessen User-Accounts übernimmt. „Summer Wars“ spielt nicht wirklich in der Zukunft, sondern in einer alternativen, leicht futuristischen Gegenwart, in welcher Oz (eine Mischung aus Facebook und „Second Life“) eng mit dem realen Leben inklusive Kommerz, Verkehr und Regierung verknüpft ist. Das Portal wird nicht einmal per Virtual Reality betreten, erlaubt im Rahmen des Animationsfilms aber eine stilisierte Annäherung an das Interface, sobald wir in die bunte Onlinewelt voller cartoonhafter Avatare einsteigen. Hier wird auch die „Digimon“-Vergangenheit des Regisseurs mehr als deutlich.

Summer Wars“ verteufelt Technologie nicht und hebt angenehmerweise nicht einmal einen Zeigefinger, wenn es um die Verschiebung ins Virtuelle geht. Es ist ein Abenteuer, das zufällig zur Hälfte in dieser Welt spielt, die nun einmal ein Teil des Lebens geworden ist. Hinter ihr stecken aber immer noch Menschen wie Natsukis Familie, deren zahlreiche Mitglieder im Großen und Kleinen am Abenteuer teilnehmen und das Ganze zu einem Ensemblestück machen, welches sich zuweilen tatsächlich nach einem manchmal anstrengenden, aber emotional befriedigendem Familienfest anfühlt.

Gehaltvoll dank anspruchsvoller Animation, liebenswürdiger Charaktere und dramatischer Wendungen und gleichzeitig lockerleicht wie eine Sommerbrise ist „Summer Wars“ ein großes Sehvergnügen, das bei mir alle Sommer wieder auf den Bildschirm kommt. Zu finden ist der Streifen entweder im Abo von Anime on Demand oder als Einzeltitel bei Amazon Prime Video. Koi-Koi!

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Gine: Orange Is the New Black

Man kann Serien auf viele verschiedene Weisen bewerten. Kritiker neigen dazu, sie aus allen möglichen Blickwinkeln zu beleuchten, auseinanderzunehmen und auf möglichst objektive Weise auf einer Kategorienskala irgendwo zwischen „totaler Schrott“ und „Meisterwerk der Fernsehkunst“ zu positionieren. So wurde es auch mehrfach mit Orange Is the New Black getan. Und mit Sicherheit kann man als neutraler Bewerter viele Dinge finden, die über die nunmehr sechs Staffeln nachgelassen haben. Natürlich kann man sagen, all die guten Geschichten wurden erzählt oder es fehlen seit spätestens Staffel vier die Highlights oder der früher so erfrischende Witz ist weniger präsent oder oder oder. Trotzdem möchte ich jedem hier an dieser Stelle alle Staffeln der Gefängnisdramedy empfehlen. Und das vollkommen subjektiv und voreingenommen. Grund für das Ausgraben der schon seit 2013 laufenden Serie, ist die aktuelle sechste Staffel, auf die ich nun bereits ein Jahr gewartet und deren Erscheinen am 27. Juli auf Netflix regelrecht zelebriert habe. Junk Food, Couch, Getränke... Ihr wisst, was ich meine.

Denn mir geht es bei meinem Tipp in erster Linie um Emotionen und nicht um rationale Parameter. Ich lag drei Tage im Krankenhaus, als ich aus Langeweile begann, Piper Chapmans Weg zu verfolgen. Ab der ersten Episode war ich dann jedoch schon gefangen. Ich habe ungelogen von morgens 6 Uhr bis nachts um 2 Uhr in den Laptop gestarrt und konnte mich einfach nicht von diesen spannenden Figuren lösen. Jenji Cohan hat mit den Erzählungen über die einzelnen Charaktere, dem sarkastischen Humor, dem Betrachten von Frauen im Minimum-Sicherheitsgefängnis in Litchfield - wie sie sich an diesem Ort verändern oder erst recht zu dem werden, der sie wirklich sind, wie sie in die dunkelsten Ecken ihres Seins geraten und wieder zurückfinden, oder auch nicht, wie Debatten über Freundschaft, Kalkül, Enttäuschung und Menschlichkeit geführt werden - für mich ganz persönlich genau ins Schwarze getroffen.

Von Beginn an war ich emotional mit „Orange is the new Black“ verbunden, so dass ich über die kleinen und größeren Schwächen einfach hinwegsehen kann. Denn darum geht es mir bei jeder Serie, die ich schaue. Was hat sie mir zu erzählen und trifft es die Themen meines Lebens? Kann sie mich berühren? Kann ich weinen oder lachen oder sogar beides? Kann sie mich fesseln und in ihren Bann ziehen? Klar gibt es objektive Maßstäbe, um eine Serie zu beschreiben und am Ende als gelungen oder nicht gelungen abzustempeln. Doch am Ende zählt meiner Meinung nach die individuelle Beziehung und Bindung zu einem Werk. Am Ende zählen die Emotionen. Und dafür gibt es keine Kategorien wie gut oder schlecht.

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Mario Giglio

Der Artikel Streaming-Tipps: The Last Man on Earth, Summer Wars und OItNB wurde von Mario Giglio am Uhr erstmalig veröffentlicht. Mario Giglio hat bereits 12.775 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Mario Giglio

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