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ER Serienfinale: 15 Jahre sind nicht genug

Eröffnet das Ende: Scott Grimes als Dr. Archie Morris in „ER“ / © NBC
Eröffnet das Ende: Scott Grimes als Dr. Archie Morris in „ER“ / © NBC

Nach 15 Jahren, 15 Staffeln und 331 Folgen endete in dieser Woche in den USA die erfolgreiche Dramaserie Emergency Room, und besser hätte das Finale nicht sein können.

Allein die Opening Credits (siehe unten) waren das Einschalten wert. Zum Finale des Medizin-Dramas Emergency Room wurde der gute alte Vorspann endlich mal wieder gezeigt, mit der gleichen Melodie, die man schon vor 15 Jahren zu Beginn jeder Folge hören konnte. Das war der erste Moment in der finalen Doppelfolge, der einer Nostalgischen wie mir die Tränen in die Augen trieb.

Dabei muss ich zugeben, dass ich die ersten Staffeln ER wohl gar nicht gesehen habe. Im September 1994 lief der Pilot 24 Hours, da war ich gerade neun - wohl noch nicht das richtige Alter für triefende Wunden und eine blutige offene Brust. Aber ich erinnere mich, dass meine Eltern „Emergency Room“, so ja der deutsche Titel, von Anfang geguckt haben. Ich kann mir richtig vorstellen, wie meine Mama sich freuen wird, wenn das deutsche Fernsehen endlich bei der Folge mit George Clooney angekommen ist.

Man kann wohl sagen, dass es Serien wie Grey's Anatomy heute nicht gäbe, wenn nicht mit ER in den Neunzigern eine neue Ära für das medizinische TV-Drama eingeläutet worden wäre. Leider hat sich ER in den letzten Jahren viel zu sehr an den Soap-Elementen seiner Nachfolger orientiert: zu viel Herzschmerz, zu viel persönliches Drama. Klar bin ich auch froh, dass Neela und Ray ihr Happy End zu haben scheinen und dass es Dr. Carter gut geht. Auch für Sam und Tony habe ich mich gefreut, obwohl wir im Finale nur eine Annäherung und noch kein Auf-immer-und-ewig gesehen haben.

Genauso toll war es, all die alt bekannten Doktoren wiederzusehen: von Kerry Weaver und Susan Lewis über Peter Benton und seinen Sohn bis hin zu Elizabeth Corday und - ein besonderes Highlight - die erwachsene Rachel Green, die allem Anschein nach in die Fußstapfen ihres Vaters Dr. Mark Green als Notfallmediziner treten will. Dass die Wiedervereinigung vollkommen unverhofft kam und die plötzliche Herzlichkeit etwas erzwungen wirkte (alle trafen sich zur Eröffnung von Dr. Carters Medizin-Zentrum für Bedürftige), war ehrlich gesagt vollkommen egal. Es war einfach schön, sie alle beieinander zu sehen, auch wenn es eine kurze und oberflächliche Begegnung war.

Von all dem persönlichen Hickhack abgesehen waren aber die medizinischen Geschichten auch im Finale im Mittelpunkt - oder sollten es jedenfalls für die Zuschauer gewesen sein. Neulich habe ich mal gelesen, dass ER deshalb so viele Jahre überlebt hat, obwohl die Quoten immer schwächer wurden, weil es von seinen Charakteren unabhängig großartig ist. Absolut: Das medizinische Drama stand immer im Vorderpunkt. ER war die erste Serie, die den harten Krankenhausalltag, die Menschlichkeit von Ärzten und den Stress des Berufes auf diese Weise porträtierte. Natürlich sah man Beziehungen, aber es war nicht ein einziges Wer-mit-wem. Das gehört ans „Seattle Grace“, aber nicht ans County nach Chicago.

Zum Teil muss ich allerdings auch widersprechen, denn natürlich haben die Schauspieler und die Art, wie sie ihre Rollen spielen, immer einen erheblichen Einfluss auf die Qualität der Serie gehabt. Ohne einen Luca Kovac oder Gastdarsteller wie Sally Field oder Forest Whitaker wäre ER nur halb so gut gewesen.

Aber nicht nur, dass zum Abschluss noch mal zahlreiche lange vermisste Gesichter zurückkehrten. Das Finale war auch darüber hinaus eine einzige Hommage an den Piloten. Archie Norris wurde am Anfang der Episode von der gleichen Krankenschwester aufgeweckt wie im Pilot Dr. Green. Oder die Szene, in der Dr. Brenner die neue Assistenzärztin Julia Wise (viel zu kurze Rolle für die fantastische Alexis Bledel) ermutigt, als sie sich fragt, ob sie den Anforderungen der Notfallmedizin gewachsen ist - einst war es Dr. Benton, der etwas ganz ähnliches zu seinem Assistenten sagte, zu John Carter. Der zeigte außerdem Rachel Greene eine medizinische Prozedur in genau derselben Weise wie Dr. Benton sie ihm in der allerersten Folge vorführte. (Diese Szenen habe ich nachgelesen, da ich ja den Piloten nie wirklich gesehen habe. Aber ich bin sicher, unter euch gibt es genug, die die Parallelen erkannt und sich darüber gefreut haben.)

Und schließlich endete And In The End... trotz all der Gefühlsduselei mit einer ernsten Note: Es hat eine Explosion gegeben, zahlreiche Verletzte werden ins County eingeliefert, die Ärzte warten auf die Krankenwagen. John Carter nennt das Déjà-vu - ich nenne das ein perfektes Ende.

Zum Abschluss den Anfang: Die opening Credits:

Christina Greiner

Der Artikel ER Serienfinale: 15 Jahre sind nicht genug wurde von Christina Greiner am Uhr erstmalig veröffentlicht. Christina Greiner hat bereits 173 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht.

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