Disney: Kosteneinsparungen und Streaming-Kundenverlust

Nach Warner Bros. Discovery schaltet nun das nächste große Studio in den Geldsparmodus: Disney will mehrere Milliarden Dollar an Investitionen streichen und gab zudem die Entlassung tausender Mitarbeiter:innen bekannt.
Der neue (und alte) Disney-CEO Bob Iger will den Anleger:innen unbedingt die pandemiebedingt ausgesetzte Dividende zurückbringen. Dafür hat er nun ein paar harte Entscheidungen verkündet: 7000 Mitarbeiter:innen sollen das Maushaus verlassen, was bei einer weltweiten Angestelltenzahl von 220.000 mehr als drei Prozent der Belegschaft entspricht. Im Vorfeld war mit deutlich weniger Entlassungen gerechnet worden. Iger dazu im Statement: „Ich habe großen Respekt und schätze das Engagement unserer Mitarbeiter weltweit. Obwohl dies notwendig ist, um die Herausforderungen zu bewältigen, denen wir heute gegenüberstehen, treffe ich diese Entscheidung nicht leichtfertig.“
Die Entlassungen sollen alle möglichen Unternehmensbereiche betroffen. In der Corona-Hochphase waren vor allem Leute freigestellt worden, die in den damals geschlossenen Vergnügungsparks gearbeitet hatten. Insgesamt will der Unterhaltungskonzern, der im Herbst seinen 100. Geburtstag feiert, in Zukunft jährlich 5,5 Milliarden Dollar einsparen. 2,5 Milliarden davon betreffen laut Deadline die operativen Kosten. Bis zum Ende des Geschäftsjahres 2024 soll die finanzielle Weichenstellung vollendet sein.
Drei Milliarden Dollar werden allerdings auch beim Disney-Content eingespart, wobei Kosten für den Bereich Sport nicht dazugehören. Es geht also vor allem um Serien und Filme, für die bald weniger Geld zur Verfügung stehen soll. Zum jetzigen Zeitpunkt ist noch völlig unklar, welche Projekte konkret dadurch wegfallen. Doch es passt zum generellen Trend der Branche, die Anzahl an Produktionen zu verringern und vor allem auf große Marken zu setzen. So wurden zum Beispiel neue Teile für Animationserfolge wie „Frozen“ oder „Toy Story“ angekündigt.
In Sachen Kosteneinsparungen überbietet Disney sogar Warner Bros. Discovery, wo der CEO Davis Zaslav den Investor:innen zuletzt 3,5 Milliarden Dollar an Reduzierungen versprach. Beim Maushaus könnte vor allem im Sektor Marketing der Rotstift angesetzt werden. Knapp die Hälfte der 2,5 operativen Milliarden sollen dort wegfallen. Schätzungsweise 30 Prozent kommen durch die Entlassungen zusammen.
Eine weitere Neuigkeit vom Briefing mit Bob Iger: Disney organisiert sich künftig in drei distinkten Segmenten: Entertainment, ESPN und Parks. Diese Neustrukturierung soll auch dabei helfen, das Unternehmen für die Zukunft besser aufzustellen.
Kundenverlust bei Disney+
Iger hält zwar weiter an dem Versprechen fest, dass der Streamingservice Disney+ ab Ende 2024 profitabel wird - aktuell verliert man mit dem Unterfangen anderthalb Milliarden pro Quartal -, doch die Prognosen der Kundenzahlen geht deutlich runter. Statt der anvisierten 230 bis 260 Millionen Abonnements sollen nun in Zukunft 215 bis 245 Millionen erreicht werden. Vor allem das Hotstar-Angebot in Indien macht Disney derzeit Sorgen, denn hier fielen zuletzt 2,4 Millionen Mitglieder weg (was mit verlorenen Cricket-Lizenzen zu tun hat).
Zum ersten Mal seit dem Launch von Disney+ im Herbst 2019 wurden dadurch negative Wachstumszahlen eingefahren. Immerhin die Kernkundschaft (also ohne Hotstar) wuchs um ein Prozent, auf inzwischen 104,3 Millionen weltweit.