Review: The United States of Toni Collette

Eine gestresste Mutter schüttet auf einem Videoband ihr Herz aus. In dem Rucksack ihrer pubertierenden Tochter hat sie ein Rezept für die „Pille danach“ gefunden. Sie kann die „Vagina ihrer Tochter einfach nicht micromanagen“. Nach der Aufnahme zieht die Mutter sich aus und als die 15-Jährige Tochter nach Hause kommt, durchwühlt die Mutter bei lauter Musik den Kleiderschrank der Tochter, beschwert sich über ihre Fettpölsterchen und bewundert ihren Hintern in der engen Jeans mit pinkem, hervorschauendem String. „Hallo T.“: Eine der drei anderen Persönlichkeiten von Tara (Toni Collette), Ehefrau, Mutter zweier Kinder und Auftragsmalerin von Kinderzimmern.
Tara leidet an einer dissoziativen Identitätsstörung oder auch multiple Persönlichkeitsstörung genannt. Unterschiedliche Persönlichkeiten können hierbei abwechselnd die Kontrolle übernehmen, ohne dass die Person eine Erinnerung der Handlungen zurückbehält. Der Zuschauer erfährt, dass die „15-jährige T.“ mit Tochter Kate (Brie Larson) die Pille in der Klinik besorgt hat, also die eigene multiple Persönlichkeit von Tara die Krise hervorgerufen hat. Die Familie scheint sich jedoch an das Auftauchen der anderen Persönlichkeiten gewöhnt zu haben. Der schwule Sohn Marshall (Keir Gilchrist) freut sich über den Besuch von „T.“, aber Ehemann Max (Frauenschwarm John Corbett aus Sex and the City und Northern Exposure) muss sich vor den Annäherungsversuchen in Acht nehmen, da Tara es nicht mag, wenn er mit ihren anderen Persönlichkeiten rummacht. Nur Taras Schwester Charmaine (Rosemarie DeWitt) hat Probleme mit der Krankheit und liefert die bestehenden Zweifel vieler Wissenschaftler an der Echtheit des Konzepts der multiplen Persönlichkeitsstörung.
Diablo Cody verfasste das Skript zur Serie und liefert ein ähnlich pointiertes Skript wie in ihrer oscarprämierten Arbeit zum Erfolgsfilm „Juno“. Auch wenn die Story unwahrscheinlich klingen mag, können die perfekt getimten Dialoge und sehr guten Schauspieler die Geschehnisse dem Zuschauer glaubwürdig näher bringen. Allen voran liefert die Australierin Toni Collette wieder einmal eine perfekte Arbeit ab. In der Rolle der gestressten Mutter bewies die 36-Jährige bereits in „Sixth Sense“ Oscartalent und verfeinerte ihre Gesten noch in „About A Boy“ und „Little Miss Sunshine“.
Mütter werden nie wieder peinlich sein, wenn der Zuschauer sieht, wie Tara als männlicher „Buck“ bei dem schulischen Auftritt von Kate erscheint, der Freundin in den Hintern kneift und den Freund der Tochter verprügeln will.
Der Pilot wurde von Craig Gillespie in Szene gesetzt, der bereits im letzten Jahr mit dem Independentwerk „Lars and the real Girl“ für Aufsehen sorgte. Die 12 Episoden der halbstündigen Comedy-Serie werden ab heute bei Showtime ausgestrahlt. Nach den miserablen Quoten von Californication hierzulande ist eine Ausstrahlung im deutschen FreeTV wohl eher unwahrscheinlich. Schade eigentlich, United States of Tara ist wieder einmal ein schönes Beispiel für das Zusammenspiel einer innovativen Idee, eines kreativen Drehbuchs und eines mutigen Senders in der Serienlandschaft der USA. Eine „Dreifaltigkeit“, die derzeit in Deutschland nicht besteht.
Anbei der Trailer von United States of Tara:






















