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A Private Affair: Der Lilienmörder - Kritik zur Pilotfolge

A Private Affair: Der Lilienmörder - Kritik zur Pilotfolge

A Private Affair: Der Lilienmörder - Kritik zur Pilotfolge

Der Lilienmörder, die Pilotfolge der achtteiligen spanischen Krimiserie A Private Affair (deutscher Titel: Marina und die Mörder) auf Amazon Prime Video beweist mit Charme und Humor, dass man auch im Land von Picasso und Dali hoch unterhaltsame Cosy-Crime vor einem historischen Hintergrund auf den Bildschirm zaubern kann.

Das ist los

Die junge Marina Quiroga (Aura Garrido) stammt aus gutem Hause und führt in den 40er-Jahren in Galicien, Nordspanien eigentlich mit ihrem treuen Butler Hector (Jean Reno) ein beschauliches Leben. Als sie eines Tages in einen Mordfall verwickelt wird, den ausgerechnet ihr Bruder Alfonso (Monti Castineiras) bearbeitet, entschließt sie, auf eigene Faust zu ermitteln und gerät dabei selbst in Gefahr.

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Das neue Land des Cosy-Crime

Als Fan gepflegter Cosy-Crime denkt man in der Regel zunächst an das britische Mutterland des Genres und Serien wie „Sherlock Holmes“ (1984 - 1994), „Midsummer Murders“ (hier findet Ihr alles, was Ihr über Inspector Barnaby wissen müsst) oder Agatha Raisin. Doch auch in den USA und Deutschland, sogar in Australien kann man tolle Kriminalunterhaltung in Formaten wie „Elementary“, „Friesland“ und Miss Fisher's Murder Mysteries finden. Ein Land wie Spanien hatte man bislang jedoch weniger auf dem Schirm, wenn es um den guten alten Wohlfühlkrimi ging. Das könnte sich nun mit der just auf Amazon Prime Video gestarteten Show A Private Affair aka „Marina und die Mörder“, im Original „Un asunto privado“ ändern.

Als Zugpferd holte sich das Produktionsteam um die Showrunner und Erfinder der Serie, Ramon Campos und Teresa Fernandez-Valdes (beide: Now and Then, „High Seas“), niemand Geringeren als Superstar Jean Reno („Die purpurnen Flüsse“) an Bord, der als Abkömmling spanischer Eltern übrigens fließend Spanisch spricht. Er mimt den Butler Hector der aus gutem Hause stammenden Polizistentochter Marina alias Aura Garrido, die in Spanien ein recht bekanntes Gesicht ist. Als stets etwas zurückhaltender, aber integrer und treuer Begleiter stürzt sich Hector mit der jungen Frau in einen Serienmordfall. Einen weiteren Helfershelfer findet die Spürnase in spe in Form des Polizisten Pablo Zarco (witzig und charmant: Gorka Otxoa), der ein Schüler ihres Vaters war und sich von der intelligenten Marina um den Finger wickeln lässt.

Nicht einfach nur ein Abklatsch

Obwohl gewisse Ähnlichkeiten zu den oben erwähnten weiblichen Ermittlerinnen aus Großbritannien und Australien nicht ganz zu leugnen sind, ist Marina nicht einfach nur eine neue Miss Fisher oder Agatha Raisin. Im Gegensatz zu den beiden, die ihre Detektivkarriere lediglich aus einer snobistischen Laune heraus starten, hat Marina ein handfestes Motiv. Ihr Vater war ein bekannter Polizeikommissar und glaubte stets daran, dass sie die in den 40er Jahren bestehenden Geschlechtergrenzen durchbrechen und selbst eine großartige Ermittlerin werden könnte. Als er starb, übernahm ihr Bruder Alfonso die Aufgabe, die Familientradition aufrechtzuerhalten, ist aber nicht halb so talentiert wie sie. Daher hat Marina ein gesteigertes Interesse daran, den Fall, in den sie hineinstolpert, aufzuklären. Erstens, um ihrem Vater Ehre zu machen und zweitens, um zu beweisen, dass Frauen mindestens ebenso gute Polizeiarbeit wie Männer leisten können.

Charmanter Zeitsprung

Die Tatsache, dass die Serie, wie erwähnt, in den 40ern angesiedelt ist, verleiht ihr nicht nur einen ganz eigenen Charme, sondern hat auch den Vorteil, dass moderne Hilfsmittel wie Computer außen vor bleiben. Marina stehen lediglich ihr scharfer Verstand und Hector zur Seite. Dafür kennt sie sich in kriminalistischen Untersuchungsmethoden bestens aus, unter anderem deshalb, weil sie sich von einem Bekannten Zeitschriften besorgen lässt, die sie heimlich von ihm erwirbt. So arbeitet sie etwa mit Schwarzlicht, um an einem alten Tatort Blut zu entdecken und weiß hervorragend mit einem Mikroskop umzugehen, auch, wenn sie sich dieses von Pablo auf der Polizeistation ausborgen muss. Gewürzt ist das Ganze mit einer gesunden Portion Humor, die die eigentlich recht düstere Geschichte ein wenig aufzulockern vermag.

Ein Hauch Noir

Denn Marina jagt einen Serienkiller, der seine Opfer brutal mit dem Messer malträtiert, bevor er ihnen die Kehle durchschneidet. Als Markenzeichen ritzt er den ermordeten Frauen post mortem dann noch eine Lilie in die Brust. Wie sich recht früh in der Pilotfolge herausstellt, geht der Mörder nicht nur äußerst grausam, fast schon hasserfüllt vor, sondern tötet auch in einem erschreckenden Tempo. Die großen Rätsel, die sich wohl über die verbliebenen sieben Episoden erstrecken, sind sein Motiv und selbstredend die Identität des Wahnsinnigen. Marinas erste Zusammentreffen mit dem Täter versprühen übrigens durchaus einen zarten Hauch von Noir-Duft. Stets ist es Nacht, oft geht es dank einer klugen Kombination von Handheld-Kamera und Steadicam mit schnellen Schnitten hektisch und beengt zu.

Niemals erkennt man den Täter, der aufgrund seiner Größe und Bewegungen allerdings ein Mann zu sein scheint. Untermalt werden die Actionszenen mit einem spannungserzeugenden, orchestralen Stakkato-artigen Thema, das die jeweilige Situation hervorragend unterstützt. Geht es etwas humoriger zu, wechselt der Soundtrack gerne in Richtung Swing und zaubert schon deshalb ein Lächeln auf das Gesicht, weil er gut zum zeitlichen Rahmen der Serie passt.

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Fazit

Die Pilotfolge von „A Private Affair“ macht Spaß und liefert routiniert inszenierte Cosy-Crime-Unterhaltung ab. Anders als die im Artikel erwähnten Serien zieht sich der Plot über acht Episoden von je circa 45 Minuten. Ob das nicht ein wenig zu ambitioniert ist und die Staffel im Endeffekt vielleicht doch viele Längen aufweist, muss sich beim weiteren Schauen ergeben. Lust auf mehr macht das Debüt allerdings zweifellos, so dass ein kleiner Vertrauenvorschuss durchaus gerechtfertigt scheint. 4,5 von 5 Sterne.

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