Du bist hier: Serienjunkies » News »

Pachinko: Kameramann/Bildgestalter Florian Hoffmeister im Interview

Pachinko: Kameramann/Bildgestalter Florian Hoffmeister im Interview

Wie lief der Dreh der Apple-Serie? Und wie funktioniert die Arbeit mit der Kamera?

Florian Hoffmeister (l.) und Kogonada (r.) am Set von Pachinko (c) Apple TV+

Der Kameramann Florian Hoffmeister hat den visuellen Stil der Apple-Serie Pachinko gestaltet. Im Interview mit Serienjunkies.de spricht er über die Dreharbeiten des internationalen Projekts und über seine Arbeit allgemein.

[reviewbigcdn=112472-portrait.jpg,r, Florian Hoffmeister bei der Arbeit (c) Foto: R. Viglasky]

Der mit dem Emmy und BAFTA Award ausgezeichnete Kameramann und Filmregisseur Florian Hoffmeister (British Society of Cinematographers) ist verantwortlich für die beeindruckenden Bilder der asiatisch-amerikanischen Dramaserie Pachinko, die Ende März beim Streamer Apple TV+ startete. Zusammen mit Director Kogonada hat Hoffmeister bei den Episoden 1, 2, 3 und 7 die Kamera geführt. Angeheuert wurde der gebürtige Braunschweiger durch die Showrunnerin Soo Hugh, die er durch seine frühere Station The Terror kannte. Beteiligt war Hoffmeister zuvor schon an britischen Mehrteilern wie „Five Days“, „The Prisoner“ und Great Expectations (die Dickens-Adaption brachte ihm 2012 die eingangs erwähnten Preise für seine Bildgestaltung ein).

Im Filmbereich wirkte Florian Hoffmeister, der in den 90er Jahren die Deutsche Film- und Fernsehakademie Berlin besucht hatte, derweil an Terence Davies' Meisterwerken „The Deep Blue Sea“ und „A Quiet Passion“ mit, aber auch an leichteren Streifen wie „Mortdecai“ oder „Johnny English Strikes Again“. Mit „3 Grad kälter“ (2005) und „Die Habenichtse“ (2016) gelangen Hoffmeister außerdem zwei eigene Regiearbeiten an sogenannten Langfilmen.

Im Gespräch mit SERIENJUNKIES.DE® nahm sich Florian Hoffmeister Zeit, um die Dreharbeiten an einer so ambitionierten, internationalen Serienproduktion wie Pachinko näher zu beleuchten. Welche Überlegungen flossen in die Bildgestaltung des Apple-Dramas hinein? Mit welchen Herausforderungen musste das Team umgehen? Und warum hat ihn die Performance der südkoreanischen Oscarpreisträgerin Yoon Yeo-jeong („Minari“) derart berührt?

Auch erklärt uns der deutsche Kameramann von Pachinko, wie die Arbeit mit der Kamera allgemein funktioniert. Stellung bezieht Hoffmeister sogar zur großen Glaubensfrage in seinem Metier: Lieber digital oder mit physischem Film drehen?

Florian Hoffmeister im Interview mit Serienjunkies.de

Serienjunkies.de: Kameramann klingt nicht so schick wie 'Director of Photography' oder 'Cinematographer'. Fällt dir ein deutscher Name für deinen Beruf ein, mit dem du dich besser identifizieren kannst?

Florian Hoffmeister:Es gibt immer wieder Überlegungen, wie man diese Berufsgruppe besser fassen kann. Zum Aufgabengebiet gehört natürlich mehr, als nur die Kamera zu halten. Wir haben einen tiefgreifenden Einfluss auf die Bildkomposition, die Farbgestaltung und auf die Bewegung der Kamera. Dementsprechend gibt es im Englischen diese beiden Begriffe, die deutlich mehr abdecken. Ich selber neige zum Cinematographer, weil es etwas künstlerischer und ganzheitlicher gedacht ist, während der Director of Photography einen organisatorischen Unterton hat. Es gibt aber auch eine Schule, wonach es eigentlich nur einen Director geben kann. Im Deutschen wird manchmal der Begriff Bildgestaltung verwendet - oder es heißt einfach Kamera. Doch weil ich hauptsächlich im Ausland arbeite, bleib ich meist bei Cinematographer.

Ich verstehe. Aber bei deiner Familie bist du wahrscheinlich der Kameramann, oder?

Hoffmeister:Genau, entweder das oder sie sagen: 'Er macht Kamera.'

Wie viele Menschen gehören typischerweise zum Kamerateam? Und wer hält die Kamera dann tatsächlich?

Hoffmeister:In Deutschland ist es Tradition, dass der Bildgestalter die Kamera selber führt - im Englischen würde man 'operate' sagen. In Amerika gibt es Operator aber auch als eigene Berufsbezeichnung. Deren Aufgabe liegt einzig darin, die Kamera zu bewegen. Das entstand historisch, weil die Produktionen meist viel aufwändiger waren und oft mehr als eine Kamera erfordert haben. Dann gibt es den sogenannten Oberbeleuchter - oder auch 'Gaffer' -, der die Lichtabteilung leitet. Als Cinematographer kommuniziere ich direkt mit ihm oder ihr, obwohl die Abteilung je nach Produktionsgröße zwischen 15 und 500 Personen umfassen kann. Der 'Dolly Grip' - im Deutschen würde man Bühnenmann sagen - koordiniert derweil den Kamerawagen, der auf Schienen fährt. Manchmal wird die Kamera aber auch an ein Auto montiert oder sie fliegt durch die Luft. Wenn ich selber die Kamera führe, stehe ich mit dem Grip ständig im Austausch, ansonsten übernimmt das der Operator. Die Schärfe-Assistenten passen auf, dass das Bild bei Bewegungen scharf bleibt, was manuell über die Objektive eingestellt wird. Seit der jüngeren Vergangenheit kommt noch ein 'Digital Image Technician' dazu. Mit dem kann man schon auf dem Monitor am Set gewisse Pfadentscheidungen fällen. Insgesamt sind das oftmals 40 Leute, die nur an der Kamera, am Licht und an der Bühne arbeiten - und die sind dann alle dem Bildgestalter unterstellt.

Gibt es geläufige Missverständnisse zu deiner Arbeit, mit denen du schon immer mal aufräumen wolltest?

Hoffmeister:Das ist eine gute Frage. Ich verstehe meinen Beruf als einen künstlerischen. Viele sehen ihn aber eher als Handwerk, dass wir dabei helfen, die Vision des Regisseurs technisch umzusetzen. Das stimmt natürlich in einigen Fällen, fußt aber auf der Annahme, dass der Regisseur zugleich als Autor auftritt. Das hat in Deutschland Tradition, auch am Theater. Gerade bei einer Serie ist die Autorenschaft jedoch vielschichtiger. Da gibt es die sogenannten Showrunner und die Autoren, die die Projekte schreiben. Häufig sind es auch mehrere Regisseure, die die Folgen inszenieren. Wenn der Kameramann dann derselbe bleibt, kann er seine Handschrift über die gesamte Serie legen, damit sie visuell in sich schlüssig bleibt. Das ist eigentlich das, was am meisten untergeht, der Einfluss des Kameramanns oder der Kamerafrau auf die Atmosphäre einer Szene. Damit meine ich nicht nur die Schnittfolge, sondern wie es sich anfühlt, wenn zum Beispiel zwei Leute an einem Tisch sitzen. Ist es hell oder dunkel? Ist es intim oder klinisch? Ist es kalt? Diese Entscheidungen beeinflusst der Kameramann maßgeblich, je nach Regisseur. Es gibt Regisseure, die arbeiten schauspielorientiert, andere sind technisch motiviert - im Idealfall kommt beides zusammen. Aber es gibt durchaus Situationen, wo alles vom technischen Wissen und den künstlerischen Fähigkeiten des Kameramanns abhängt, eine Stimmung zu transferieren. Unser Einfluss auf die Bilder und auf die Gestaltung einer Serie ist wirklich fundamental, was leider selten reflektiert wird.

Jetzt das Angebot von Apple TV+ entdecken

Noch mehr tolle Interviews auf Video oder zum Lesen gibt es hier.

Bjarne Bock

Der Artikel Pachinko: Kameramann/Bildgestalter Florian Hoffmeister im Interview wurde von Bjarne Bock am Uhr erstmalig veröffentlicht.

BoJackBockman folgen

Aktuelle Lieblingsbeiträge der Leser von Serienjunkies


The Walking Dead: Diese Figuren könnten das Serienfinale nicht überlebenThe Walking Dead: Diese Figuren könnten das Serienfinale nicht überleben

Die Spannung vor dem großen Serienfinale von The Walking Dead ist groß: Wer wird die letzte Episode der Zombie-Serie wohl nicht überleben? Wir haben einige der potentiellen Kandidatinnen und Kandidaten zusammengestellt, um die... [weiterlesen]

Von Notice: Trying to access array offset on value of type null in /cluster/var_www/serienjunkies.de/var/scheff/_compiler/3134/615828cc74a9218da47c171067ab0be87999d190_0.file.v4_start_trendings_unter_news.tpl.php on line 35 am November 18, 2022 um November 18, 2022 Uhr.

The Walking Dead: Das sind die Spin-offs zur ZombieserieThe Walking Dead: Das sind die Spin-offs zur Zombieserie The Walking Dead: Ruhe in Frieden - Review des Serienfinales (11x24)The Walking Dead: Ruhe in Frieden - Review des Serienfinales (11x24)
The Walking Dead: Serienfinale wird extralangThe Walking Dead: Serienfinale wird extralang Witcher, Stranger Things und Co: So zeigen sich die Serienstars mit ihren PartnernWitcher, Stranger Things und Co: So zeigen sich die Serienstars mit ihren Partnern