Du bist hier: Serienjunkies » News »

Nope: Filmkritik zum dritten Jordan-Peele-Streifen

Nope: Filmkritik

Nope: Filmkritik
Poster zum Film Nope - hier unsere Filmkritik dazu. (c) Universal Pictures

Nach Get Out und Wir präsentiert Filmemacher Jordan Peele seinen dritten Horrorstreifen Nope. Diesmal spielt eine Invasion durch Außerirdische eine Rolle. Aber auch Filmhistorie und der Umgang mit Tieren am Set werden thematisiert.

In Rekordzeit hat sich Regisseur Jordan Peele bei einigen Zuschauern den Ruf erarbeitet, dass man allein schon wegen seiner Beteiligung einen Film im Kino sehen möchte. „Get Out“ (Hier kommt Ihr zur Filmkritik) und „Wir“ (Hier kommt Ihr zur Filmkritik) hatten neue Dinge über die Schwarze Erfahrung in den USA zu sagen. „Nope“ setzt dieses Muster nun fort und hat diesmal eine außerirdische Bedrohung als zentrales Thema auserkoren. Gleichzeitig setzt sich der Film auch mit der Geschichte des Filmemachens und dem fehlenden Respekt für Pioniere des Feldes und Menschen auseinander, die gerne Gott spielen und andere Kreaturen für eine Show einsetzen...

Darum geht es in Nope

Wie bei jedem Peele-Streifen ist der eigentliche Inhalt eher nebensächlich und meist nur ein Mittel zum Zweck. Die Geschwister Emerald aka Em (Keke Palmer, Scream Queens, Scream, Star) und Otis aka OJ Haywood (Daniel Kaluuya, „Get Out“, „Black Panther“, Black Mirror) sind die Eigentümer einer Farm für Hollywood-Filmpferde. Nach dem plötzlichen und ziemlich rätselhaften Tod des Vaters übernimmt OJ das Geschäft, das eher schlecht als recht läuft.

Vor allem die Deals mit Jupiter's Claim, einer naheliegenden Attraktion, die sich im Besitz des ehemaligen Kinderstars Ricky „Jupe“ Park (Steven Yeun, The Walking Dead, „Minar“) befindet, halten die Farm irgendwie über Wasser. Ricky hatte einst in einer Sitcom mitgespielt, in der ein Schimpanse in den 80ern ein Blutbad angerichtet hatte, und er ist von diesem Ereignis bis heute traumatisiert. Er nutzt den Ruhm der Serie aber auch, um Geld zu machen.

Auf der Haywood-Ranch beobachten die Geschwister in einer Nacht unerklärliche Phänomene, für die es keine logische Erklärung gibt. Da der Strom ausfällt, gibt es zunächst auch keine brauchbaren Videoaufnahmen. Beide vermuten etwas, doch dafür müssen sie ihre Farm gegen die willkürlichen Stromausfälle aufrüsten, wofür der Elektrofachmann Angel (Brandon Perea, The OA) zuständig ist. Und bald wird auch der Filmemacher Antlers Holst (Michael Wincott, 24: Live Another Day) in die Planung involviert, einen Oprah-Shot einzufangen, der alle Beteiligten reich machen könnte...

Get Out [Blu-ray]
Art:Blu-ray
Erschien am: 7. September 2017
Format:Widescreen
7.99 €
Details
In Zusammenarbeit mit Amazon.de

Get Out (Blu-ray)

Don't look up?!?

Peele ist ein Meister darin, in Trailern möglichst wenig von seinen Filmen zu verraten und es ist oftmals ohnehin die halbe Miete, dass man die Entfaltung der Handlung für sich entdeckt. Ich bemühe mich nachfolgend also, relativ vage zu bleiben, wenn ich den Streifen bespreche.

Persönlich hatte ich diesmal jedoch ein wenig mehr Mühe als bei den beiden Vorgängern, richtig in die Handlung reinzukommen. Es gibt relativ viel Set-up, bis der Kern des Films erreicht wird und das Tempo ist nicht das schnellste.

Nope“ bedient sich hierbei aus den Genres Western, Horror (Unterkategorie: Alien-Invasion) und schwarze Komödie. Die zweite Hälfte ist dann wohl eine Art Hommage an Spielberg-Werke wie „Unheimliche Begegnung der dritten Art“, „Jurassic Park“ und „Der weiße Hai“. Will man fies sein, könnte man manches aber auch mit „Signs“ oder „The Happening“ von Regisseur M. Night Shyamalan vergleichen.

Es ist sicherlich nicht zu viel verraten, wenn man weiß, dass es im Film eine außerirdische Bedrohung gibt. Die Crew um OJ und Em macht es sich zur Aufgabe, den Beweis dafür zu liefern und setzt das eigene Leben aufs Spiel. Dabei gibt es einige Regeln, die im Lauf der Zeit ans Licht kommen. Eine, die man vielleicht verraten kann: Man darf den Invasor nicht direkt anschauen, was den Kampf zwar noch nicht kinderleicht macht, aber zumindest einen kleinen Vorteil verschafft, wenn man es denn schafft, nicht vor Angst gelähmt zu sein. Denn dieses Wesen ist nicht unbedingt in friedlicher Mission unterwegs...

Die Themen von „Nope“ sind der Umgang mit einer unterschwelligen, manchmal wenig greifbaren Gefahr, aber auch menschliche Hybris, wenn man meint, dass man animalische oder außerirdische Kräfte verstehen und kontrollieren kann. Mit einer ziemlich verstörenden Einstellung wird der Film beispielsweise eröffnet, die später noch einmal besucht und in ihrer Gänze gezeigt wird. Zunächst fragt man sich, was das alles mit dem Rest des Films zu tun hat, doch im Kontext der Handlung und der Platzierung in der Filmhandlung sollte es klarwerden.

Ebenso angeschnitten wird die Frage, wer den Ruhm für eine Entdeckung kassiert und was das mit dem Ego von Menschen machen kann. Das gilt besonders für die Darstellung der Filmschaffenden. Dazu gehört auch die fehlende Anerkennung von denjenigen, die seit Anbeginn der Filmindustrie zu den stillen Helden gehören und deren Namen niemand kennt, während Schauspieler oder Regisseure gefeiert werden.

Wir (Blu-ray)

Wir [Blu-ray]
Art:Blu-ray
Erschien am:25. Juli 2019
Sprache:Türkisch (Dolby Digital 5.1)
8.89 €
Details
In Zusammenarbeit mit Amazon.de

Oprah-Shot!

Hat man Gefallen an den anderen Peele-Werken gefunden, dann findet man bei „Nope“ sicherlich auch wieder genügend Momente, die einen unterhalten, faszinieren oder angespannt zuschauen lassen. Denn einen ähnlichen Suspense-Aufbau wie bei anderen Filme kann er hier erneut replizieren, wobei noch mehr als bei „Get Out“ oder „Us“ bei manchen Szenen gerätselt werden kann, was dahintersteckt. Das Spiel mit Licht und Schatten und des expressive Gesicht des wortkargen Kaluuya schaffen Bildkompositionen, die sich einbrennen können. Allerdings gibt es auch eine überproportionale Anzahl an „WtF?!?“-Szenen, die man sich selbst deuten muss.

OJ und Em sind zwei sehr unterschiedliche Geschwister. Er erscheint eher zurückgenommen, unaufgeregt und ist eher durch wenig aus der Fassung zu bringen, sie hingegen extrovertiert, laut und neugierig. Beide sind aber erfreulicherweise abwartend und intelligent genau, um nicht in jede Falle zu tappen, wenngleich man auch sagen kann, dass oftmals auch eine große Portion Glück im Spiel ist. Manche Situationen rund um Stromausfälle etwa halte ich nicht immer unbedingt für stringent, kann mich da aber auch irren.

Yeuns Rolle fällt kleiner aus, als ich zunächst dachte, wird aber für eine Metapher genutzt, die eine zentrale Thematik des Films zu unterstreichen versucht, über die man zudem wohl etwas länger nachdenken muss. Persönlich hatte ich einige Schwierigkeiten, die Figur des Regisseurs Antler Holst zu greifen. Er spielt einen Autor, der irgendwo gefangen zu sein scheint zwischen dem Erschaffen der wahren Kunst, dem Einfangen des perfekten Shots und dem Stillen der eigenen Neugier. Wie schon in der zweiten Staffel der Serie Euphoria ist die Rolle von Barbie Ferreira ziemlich klein ausgefallen.

Fazit

Nope“ braucht eine ganze Weile, um in die Gänge zu kommen und selbst wenn es mal spannend wird, dann hatte ich beim Schauen doch ein merkwürdiges Stirnrunzeln, weil ich manchmal nicht ganz begriffen habe, worauf der Künstler eigentlich gerade hinauswill. Das Alien ist wie Bruce, der Hai aus „Der weiße Hai“, eine Art Naturgewalt, dem man kaum entkommen kann, wenn man in sein Visier gerät. Und obwohl der Streifen am Ende eine Art Auflösung bietet, so bleiben doch sehr viele Fragen ungeklärt. Zuallererst: Was nun?

Das Ende hinterließ mich als Zuschauer deswegen etwas unbefriedigt, weil auch der Weg zum Ziel manchmal etwas schwer zu greifen und zu begreifen war. Natürlich müssen solche Thriller und Horrorfilme nicht alles haarklein erklären und der halbe Spaß ist ohnehin das anschließende Nachdenken und Diskutieren, aber das Gesamtpaket, das „Get Out“ und vor allem „Wir“ geboten hat, gefiel mir auf Anhieb sehr viel besser. Dafür gibt es dreieinhalb von fünf ausbüchsenden Pferden für „Nope“.

Hier abschließend noch der Originaltrailer zum gerade angelaufenen Film „Nope“:

Aktuelle Lieblingsbeiträge der Leser von Serienjunkies


Unsere Top 15 der besten Originalserien von Netflix 2022

Im September feiert Netflix seinen Geburtstag in Deutschland und bietet uns Jahr für Jahr die Gelegenheit, Revue passieren zu lassen. Die liebsten Eigenproduktionen der Serienjunkies-Redaktion stellen wir Euch in einem Ranking [mehr]

Von Nadja Spielvogel am Sunday, 2. October um 18.00 Uhr.

Heute neu: Staffel 11c von The Walking Dead bei AMC, ProSieben Fun und Disney House of the Dragon: Driftmark - Review
Heute neu: Interview with the Vampire bei AMC The Walking Dead: Lockdown - Review

Impressum & Nutzungsbedingungen | Datenschutz | Kontakt | Streamingcharts | FAQ | Mediadaten | Jobs | Wikipedia | Serienjunkies Merch | Serienjunkies bei Mastodon