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Munich Games - Die Bedrohung: Kritik zur Pilotfolge

Munich Games - Die Bedrohung: Kritik zur Pilotfolge

Munich Games - Die Bedrohung: Kritik zur Pilotfolge

Das sechsteilige Sky Original Munich Games bezieht sich auf die schrecklichen Ereignisse des Attentats von München 1972 und versucht, diese in einem im Jahr 2022 angesiedelten Thriller einzubinden. Leider bedienen sich die Macher dabei zu oft unglaubwürdiger Klischees und einer undifferenzierten Darstellungsweise.

Was geschieht?

50 Jahre nach dem blutigen und verabscheuungswürdigen Attentat palästinensischer Terroristen auf israelische Olympioniken von 1972: Die deutsche und israelische Regierung planen ein Fußballspiel der Länderfreundschaft im Münchener Olympiastadion, jenem Ort, an dem die tragischen Ereignisse, bei denen insgesamt fünfzehn Menschen gewaltsam zu Tode kamen einst ihren Lauf nahmen. Sowohl alle Sicherheitsbehörden als auch die deutsche Abteilung des Mossad sind in höchster Alarmbereitschaft. Als der israelische Analyst Oren (Yousef Joe Sweid) ein brutales Computerspiel im Darknet entdeckt, ist er alarmiert.

Denn das Spiel schildert nicht nur in grausamer und drastischer Weise die Ermordung der Fußballer, sondern enthält auch sensible und geheime Daten, die der Programmierer eigentlich nicht kennen dürfte. Ored soll von nun an mit der deutschen Beamtin mit libanesischen Wurzeln und Expertin für islamistischen Terror Maria Köhler (Seyneb Saleh) zusammenarbeiten. Ihr Ziel: herauszufinden, wer das Spiel programmiert hat und welche Terrorzelle einen erneuten Anschlag im Olympiastadion planen könnte.

Generalverdacht

Munich Games gehört zu den Serien, bei denen man sich unwillkürlich fragt, was sie genau bezwecken und welche Aussage die Autoren dem Publikum eigentlich näherbringen möchten. Zumindest in der Pilotfolge Die Bedrohung wird man das Gefühl nicht los, dass die Macher Palästinenser im Besonderen und Araber im Allgemeinen unter eine Art Generalverdacht stellen. Praktisch jeder Blick, den die Kamera auf arabischstämmige Menschen wirft, ist von Hassgefühlen der Protagonisten auf Israel und die jüdische Gemeinschaft als solches geprägt.

In einer Flüchtlingsunterkunft verbietet ein Vater seinem Sohn, zu dem oben erwähnten Freundschaftsspiel „der Zionisten“ zu gehen. Und als Maria und ihr Mossad-Kollege einen radikalislamistischen Dealer (sic!) aufsuchen, um an Informationen zu kommen, wird der vor dem Haus wartende Ored von einer Bande jugendlicher Araber angegriffen. Als diese herausfinden, dass er Jude ist, geht es dann nicht mehr nur darum, den vermeintlichen Dummkopf auszunehmen, sondern ihm eine Lektion zu erteilen.

Diese und ähnlich plakative, aber ebenso klischeehafte Charakterisierungen ziehen sich durch die Pilotfolge und tragen insofern möglicherweise zu einer Verschärfung der Ressentiments bei, die in Teilen der Gesellschaft ohnehin gegen Muslime bestehen. Die einzige Ausnahme in der bislang rundweg negativen Darstellung der Bevölkerungsgruppen bildet der junge Abed Masalcha (Shadi Mar'i). Er lebte zuvor in dem Flüchtlingsheim, das wir zu Beginn der Episode sehen und pflegt eine Liebesbeziehung zu Maria. Diese hat aber wiederum abgesehen von heißem Sex nichts weiter zu tun, als Abed dazu zu animieren, ihr von den Verfehlungen seiner Landsleute und Glaubensbrüder zu berichten. Dies wirft wiederum kein gutes Bild auf die grundsätzliche Haltung der Serienmacher und ist ein Indiz dafür, dass hier nicht sehr verantwortlich und ausgewogen recherchiert wurde. In Deutschland leben zwischen 4,4 und 4,7 Millionen Muslime, 4,8 Millionen leben in Palästina und rund 1,6 Milliarden sind es weltweit. Die allermeisten dieser Menschen wollen nichts anderes, als in Frieden leben, insofern wäre ein etwas ausgewogeneres Bild durchaus angemessen gewesen.

Unglaubwürdig

Ein weiteres Problem der Episode besteht in ihrer mangelnden Glaubwürdigkeit. Als Maria und Ored Untersuchungen im Olympiastadion vornehmen, um mögliche Sicherheitslecks zu finden, kommt es zu einer haarsträubenden Szene. In der Tiefgarage gerät das Sicherheitspersonal mit der Polizei aneinander, weil ein Hund auf Sprengstoff angeschlagen hat. Als die Beamten völlig korrekt den Entschärfungsdienst hinzuziehen wollen, stellt sich ausgerechnet der Schichtleiter der Security quer, in dessen Auto sich die vermeintliche Bombe befinden könnte. Er weigert sich standhaft, den Autoschlüssel herzugeben und bedient provokant den Türöffner, ungeachtet der Möglichkeit, dass ein Terrorist seine Position vielleicht ausgenutzt und das Auto vermint haben könnte.

Als einer der Polizisten daraufhin zurecht nach mehrfacher Warnung seine Waffe zieht, um den aufsässigen Sicherheitsmann an weiteren unbedachten Aktionen zu hindern, wirft dieser seinem Kollegen den Schlüssel zu (obwohl eine Waffe auf ihn gerichtet ist, wohlgemerkt), der daraufhin das Auto öffnet. Statt die in jeder Hinsicht verantwortungslosen Securitys aber nun zu verhaften, blafft Maria ausgerechnet ihren Kollegen an, geht zum Auto, öffnet es und zieht eine Tasche hinaus. Eine solche Szene hinterlässt beim Publikum ein ungläubiges Kopfschütteln, zumal es im Falle einer Bombenwarnung ganz sicher Vorschriften gibt, die auch eine LKA-Beamtin wie Maria Köhler schlicht einzuhalten hat.

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In einer anderen Szene übergeht Ored sämtliche gesetzliche Vorgaben, um an Informationen zu kommen. Maria regt sich zwar über diese „Stasi-Scheiße“ (Zitat) auf, begleitet Ored aber trotzdem auf seine eigentlich illegale Mission. Zu allem Überfluss kommt es zu einer Schießerei, bei der der oben erwähnte arabischstämmige Drogendealer stirbt. Zuvor erlebt das ungläubige Publikum aber noch im zweiten Stock der Mietskaserne eine Rangelei zwischen dem Flüchtigen und Köhler mit, bei der er sie aus dem zweiten Stock in circa fünf Meter Höhe (!) wirft. Die Beamtin fällt unkontrolliert, bricht sich aber dennoch nur einen Arm und ist sogar noch in der Lage, gezielt zu schießen. Was seitens der Vorgesetzten folgt, ist nichts, was in Anbetracht der Tatsache, dass die beiden Agenten illegal vorgegangen sind, mehr als nur unglaubwürdig erscheint. Ganz abgesehen von der Tatsache natürlich, dass Maria nicht einmal eine Gehirnerschütterung davonträgt.

Fazit

Ausgehend von der Pilotfolge erscheint der Plot von Munich Games im hohen Maße unausgegoren und unüberlegt. Die Darstellungsweise von Muslimen gerät klischeehaft, die Figur der Maria Köhler ist übertrieben gezeichnet und einige Szenen wirken auf den auch nur einigermaßen informierten Zuschauer schlecht recherchiert und unglaubwürdig. Zudem bleibt die Motivation der Autoren vollkommen unklar. Kamera- und Schnittführung bieten ebenfalls lediglich Standardkost und der Score ist unaufdringlich unauffällig. Damit tendiert die Motivation des Rezensenten zum Weiterschauen leider gegen null. Zwei von fünf Sternen.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie „Munich Games“:

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