Du bist hier: Serienjunkies » News »

The Mopes: Review zur Pilotepisode

The Mopes: Review zur Pilotepisode

Die Depression in meinem Bett - Szenenfoto aus der Serie The Mopes (c) Turner / UFA FICTION GmbH / Foto: Oliver Vaccaro
Die Depression in meinem Bett - Szenenfoto aus der Serie The Mopes (c) Turner / UFA FICTION GmbH / Foto: Oliver Vaccaro

In der Serie The Mopes spielt Nora Tschirner die manifestierte Depression eines erfolglosen Musikers. Funktioniert die kreative Grundprämisse oder ist man nach dem Schauen der Pilotepisode eher mopey und will nicht weiterschauen?

Der US-amerikanische Singer-Songwriter Mat (Roel Dirven) ist jung, hübsch und eigentlich recht glücklich. Nach einer erfolgreichen Boygroup-Vergangenheit zieht er mit seiner Freundin in eine gemeinsame Wohnung und tüftelt an seiner Solokarriere. Doch eines Tages taucht Nora Tschirner (Tatort, Arthurs Gesetz) als mittelgradige Depression bei ihm auf, flüstert ihm im Schlaf zu, wie wertlos er sei und nur Mat kann „Monika“ sehen.

Die Prämisse der Serie The Mopes (in etwa die „schlechten Launen“ oder umgangssprachlich „Depressionen“ in der englischen Sprache) ist ungewöhnlich und es verwundert, wie selten eigentlich psychische Erkrankungen in Serien thematisiert werden. In US-Werken, wie zum Beispiel Six Feet Under, You're the Worst oder in der Animationsserie BoJack Horseman, werden bereits seit Jahren verschiedene psychische Erkrankungen gekonnt in die Drehbücher eingearbeitet. In Deutschland scheint das Thema bei Serien - vor allem in Comedyformaten - eher eine Randerscheinung zu sein, obwohl es sich um ein äußerst weit verbreitetes Problem handelt. Laut dem Bundesministerium für Gesundheit gehören depressive Störungen zu den häufigsten und hinsichtlich ihrer Schwere am meisten unterschätzten Erkrankungen. Schätzungsweise 16 bis 20 von 100 Menschen erkranken irgendwann in ihrem Leben mindestens einmal an einer Depression oder einer chronisch depressiven Verstimmung (Dysthymie). Frauen sind häufiger betroffen als Männer und speziell bei diesen haftet immer noch eine Art gesellschaftliches Stigma an der Erkrankung.

Die Serie „The Mopes“ wagt sich nun nicht nur auf eine humorvolle Weise an das komplexe Thema heran, sondern stellt auch einen jungen Mann ins Zentrum des Geschehens. Die Serienmacherin Ipek Zübert („Bruder - Schwarze Macht“) und ihr regieführender Ehemann Christian Zübert (Arthurs Gesetz, Bad Banks) gehen jedoch noch einen Schritt weiter und zeigen eine fantasievolle Welt hinter der Depression. In einer Art Depressionsministerium sind die bürokratischen Mechanismen von Monika und vielen anderen psychischen Erkrankungen zu sehen.

Du bist wertlos

Die kreative Grundprämisse und vor allem die Szenen im surrealen Ministerium funktionieren hierbei erstaunlich gut in der Produktion. Mit viel Liebe zum Detail erfährt das Publikum mehr von den operativen Tätigkeiten der Depressionen. Welche Formen gibt es noch? Wie werden die Zielpersonen ausgewählt? Und warum sieht Mat eigentlich seine Monika? Ernst und humorvoll zugleich marschieren die arroganten suizidalen Gedanken in roter Kluft und im Gleichschritt durch den Raum und bringen einen beim Zusehen ins Grübeln. Die Berliner Sets, wie zum Beispiel der Bärensaal im Alten Stadthaus des Bezirks Mitte, kommen hierbei hervorragend zum Einsatz. Den prägnanten Boden haben aufmerksame Zuschauer und Zuschauerinnen bereits im Finale von The Queen's Gambit bestaunen können.

Schade, dass der Hauptcharakter Mat dagegen in der Pilotepisode nur wenig innovative Szenen erhält. In reinen Slapstickszenen sieht nur er Monika und nicht die Personen um ihn herum. Diese Momente häufen sich leider bereits in der ersten Episode und wirken alsbald abgedroschen. Die permanente Beschreibung von Monika als „hässliche Frau“ machen Mat ebenfalls nicht sympathischer. Während einer Bangkok-Tour kommt es außerdem zum Eklat mit einem weiblichen Fan, mit dem Mat gerade seine Freundin betrügen will. Es verwundert dann doch etwas, warum weiterhin thailändische Prostitutionsklischees hier im Skript bedient werden müssen, die wohl auch anders hätten gelöst werden können. Im Endeffekt fragt sich die Zuschauerschaft jedenfalls, warum seine sympathische Freundin überhaupt mit Mat zusammen sein möchte... Das Sprachgemisch der urbanen Großstadt - Mat spricht nur rudimentäres Deutsch - könnte dem Publikum ebenfalls missfallen.

Mehr auf der Themenseite: Pilot Reviews

Hanna Huge

Der Artikel The Mopes: Review zur Pilotepisode wurde von Hanna Huge am Uhr erstmalig veröffentlicht. Hanna Huge hat bereits 2.072 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Hanna Huge

hannahuge folgen mediawhore bei Instagram

Reviews zur Serie „The Mopes“


Alle Reviews der Serie The Mopes jetzt anzeigen

Aktuelle Lieblingsbeiträge der Leser von Serienjunkies


Paramount+: Serien und Filme im Februar 2023 (Update) Paramount+: Serien und Filme im Februar 2023 (Update)

Paramount ist seit dem Deutschlandstart im Dezember der Streamingdienst, der am frühsten mit den Neuheiten für den Folgemonat hausieren geht. Nun steht fest, was im Februar auf die Plattform kommt. Doch werden wirklich alle... [mehr]

Von Adam Arndt am Freitag, 3. Februar 2023 um 10.55 Uhr.