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Lost: Wolfgang Petersen lässt grüßen

Review zu 6x14 „The Candidate“

Endgültiger Abschied von Sayid (Naveen Andrews)? / (c) ABC
Endgültiger Abschied von Sayid (Naveen Andrews)? / (c) ABC

Nach einer Woche Pause ist Lost wieder zurück: Diesmal mit einer atemlosen Action-Folge, die wie schon Wolfgang Petersens berühmter Film von 1981 unter Beweis stellt, warum man besser kein U-Boot als Fortbewegungsmittel nutzen sollte. Vor allem, wenn man nicht weiß, was man alles im Gepäck hat.

SPOILER! SPOILER! SPOILER!

Inhalt

2004, L.A.-Realität:
John Locke erwacht nach seiner Operation aus der Narkose und erblickt Jack. Der Arzt erklärt ihm, dass die OP gut verlaufen ist. Zwischendurch habe er auch einen Blick auf die alte Verwundung geworfen. Jack ist davon überzeugt, dass John ein „Kandidat“ ist - und zwar für eine neue Behandlungsmethode, durch die John wieder ein Gefühl in den Beinen bekommen und am Ende wieder laufen könnte. Doch John lehnt ab. Er bleibt seiner Linie treu, dass er keinen weiteren Behandlungsversuch unternehmen will.

Jack versteht das nicht. Da John ihm keine Gründe nennen will, macht er sich auf die Suche nach einem Zahnarzt, der John vor drei Jahren einer Notfallbehandlung unterzogen hat - offenbar im Zusammenhang mit dem Unfall, der John in den Rollstuhl gebracht. Jener Zahnarzt ist niemand anders als Bernard Nadler. Dieser ist über Jacks Interesse sehr erstaunt. Noch verblüffter sind beide, als sie feststellen, dass sie vor einer Woche - genau wie John Locke - im gleichen Flugzeug aus Sydney gekommen sind: Oceanic 815. Das einzige, was Bernard Jack sagen kann, ist, dass noch jemand anders in den Unfall verwickelt war: Ein Mann namens Anthony Cooper.

Jack spürt besagten Anthony Cooper auf, obwohl Helen, Johns Verlobte, ihn zunächst daran zu hindern versucht. Wie sich herausstellt, sitzt auch Cooper im Rollstuhl. Und ist vollkommen apathisch. Wie Helen Jack erklärt, handelt es sich bei dem Mann um Johns Vater.

Als John wieder aus dem Krankenhaus entlassen werden soll, spricht Jack noch einmal mit ihm. John erzählt ihm, dass der Unfall seine Schuld war. Er und sein Vater sind gemeinsam mit einem kleinen Flugzeug verunglückt, nachdem John gerade den Flugschein gemacht hatte. Jack empfiehlt ihm, dass er das, was mit seinem Vater passiert ist, akzeptieren - und loslassen soll. Der Arzt gesteht jedoch, dass ihm das selbst nicht gelingt - und er eigentlich hofft, dass John es ihm vormachen könnte. Doch dieser verabschiedet sich und rollt davon.

Jack erhält Besuch von Claire. Seine Halbschwester zeigt ihm eine Spielbüchse, von der ihr gemeinsamer Vater unbedingt wollte, dass sie sie erhält. Jack kann sich allerdings nicht erklären, was es damit auf sich hat, da er die Büchse, die auch einen Spiegel enthält, noch nie zu Gesicht bekommen hat. Sein Erstaunen kennt kaum noch Grenzen, als er von Claire erfährt, dass sie mit Flug Oceanic 815 aus Australien herüber gekommen ist. Er lädt sie ein, bis sich zu wohnen.

2007, Insel-Realität:
Die Männer von Widmore wollen Sawyer, Kate und die anderen wieder in die Käfige auf der Hydra-Insel sperren. Das kommt für Sawyer jedoch nicht in Frage. Er überwältigt einen der Männer - und nimmt ihm das Gewehr ab. Nur einen kurzen Augenblick später hat Widmore jedoch Kate in seine Gewalt gebracht und droht, sie zu erschießen, falls sie sich nicht ergeben. Denn, so Widmore, er brauche Kate nicht. Sawyer weiß, was das bedeutet. Er ergibt sich - und so werden sie doch in die Käfige gesperrt. Kate glaubt, dass Widmore nur geblufft hat. Doch Sawyer erzählt ihr von den Namen an den Höhlenwänden - und davon, dass ihrer durchgestrichen war.

Jack wacht unterdessen in einem Boot auf, mit dem Sayid und Fake-Locke zur Hydra-Insel herübergefahren sind. Jack besteht nach wie vor darauf, dass er die Insel nicht verlassen will. Allerdings erklärt er sich bereit, gemeinsam mit Sayid und Fake-Locke seine Freunde zu befreien, so dass diese mit Fake-Locke das Flugzeug nehmen und von der Insel verschwinden können. Auf Jacks Frage, warum er Fake-Locke vertrauen sollte, antwortet dieser, dass er ihn jederzeit hätte töten können, es aber nicht getan hat.

Kurze Zeit später fallen die Pylonen in der Nähe der Hydra-Station aus, da Sayid den Generator sabotiert hat. Dadurch ist es Fake-Locke möglich, in Gestalt des schwarzen Rauchs auf das Gelände vorzudringen und die Wachen zu töten. Jack befreit daraufhin die Gefangenen. Gemeinsam macht man sich auf den Weg zum Ajira-Flugzeug.

Dort hat Widmore zwei Wachen postiert, die von Fake-Locke auf eher prosaische Weise (Genickbruch, Pistolenkugel) getötet werden. Im Flugzeug selbst entdeckt Fake-Locke einige Drähte. Wie er den anderen kurz darauf zeigt, hat Widmore das Flugzeug mit C4-Sprengstoff präpariert. Das Ziel von Widmore bestand, so Fake-Locke, darin, sie alle an einen gemeinsamen Ort zu bekommen, wo man sie auf einen Schlag hätte umbringen können. Da Fake-Locke nicht weiß, ob im Flugzeug noch mehr Sprengfallen versteckt sind, meint er, dass ihnen nichts anderes übrig bleibt, als das U-Boot zu nehmen.

Gemeinsam brechen sie in Richtung Dock auf. Sawyer hält Jack etwas zurück. Sawyer traut Fake-Locke nämlich nicht im Geringsten. Er will, dass Jack ihm dabei hilft, Fake-Locke zu überrumpeln, sobald sie das U-Boot erreicht haben, um ihn eben nicht mitzunehmen.

Mit nur minimalem Widerstand gelingt es Sawyer und Lapidus, die U-Boot-Besatzung zu überwältigen. Ihre Freunde auf dem Dock werden jedoch von Widmores Männern aus dem Hinterhalt unter Beschuss genommen. Kate wird dabei getroffen. Es gelingt ihnen, sie an Bord zu bringen. Inmitten des Chaos befördert Jack Fake-Locke mit einem harten Schlag ins Wasser. Am Ende bleiben Claire und Fake-Locke zurück, als das U-Boot startet und mit dem Abtauchen beginnt. Claire ist entsetzt, dass sie schon wieder zurückgelassen worden ist. Doch Fake-Locke beruhigt sie: Auf diesem U-Boot wolle sie ganz bestimmt nicht sein.

Die Flüchtenden entdecken schon sehr bald, was es damit auf sich hat. Denn als Jack Kates Wunde versorgen will und dazu seinen Rucksack öffnet, findet er darin den C4-Sprengstoff - versehen mit einem Zeitzünder, den Fake-Locke offenbar aus den Drähten vom Flugzeug und der Armbanduhr eines Wachmanns gebastelt hat. Ihnen bleiben noch weniger als vier Minuten. Doch das Auftauchen dauert mindestens fünf Minuten.

Jack ist sofort klar, was Sache ist: Fake-Locke kann nicht von der Insel, solange einer von ihnen noch am Leben ist. Deshalb hat er sie alle an einen begrenzten Ort zusammengebracht, wo er sie gemeinsam töten kann. Jack glaubt fest daran, dass die Bombe ihnen nichts anhaben kann - genauso wie das Dynamit in Dr. Linus. Er bittet die anderen, ihm zu vertrauen. Doch Sawyer kann nicht einfach so dabei stehen, während der Countdown des Zeitzünders läuft. Er zieht die Drähte aus der Bombe. Tatsächlich bleibt die Uhr einen Moment lang stehen - nur um im nächsten Augenblick umso schneller weiterzulaufen.

Ihnen bleibt nicht mehr viel Zeit. Deshalb erzählt Sayid Jack von Desmond, der auf der Hauptinsel in einem Brunnen sitzt - und den er im Auftrag von Fake-Locke erschießen sollte (es aber nicht getan hat). Jack werde die Hilfe von Desmond brauchen. Jack will wissen, warum Sayid ihm das erzählt. Doch der Iraker antwortet nicht; stattdessen schnappt er sich die Bombe und läuft mit ihr so weit er kommt bis ans Ende des U-Boots. Nur wenige Sekunden später explodiert die Bombe - und sprengt ein Loch in die Außenhülle des Unterwasserfahrzeugs.

Durch die Erschütterung wird Sun von Metallteilen eingeklemmt. Jack bittet Hurley, sich um Kate zu kümmern und sie aus dem U-Boot zu bringen. Er selbst versucht gemeinsam mit Jin und Sawyer Sun zu befreien. Dabei wird Sawyer jedoch am Kopf verletzt - und fällt in Bewusstlosigkeit. Jack muss ihn ebenfalls nach draußen bringen. Jin probiert alles, um seine Frau frei zu bekommen. Doch ohne Erfolg. Sun fleht ihn an, ebenfalls aus dem U-Boot zu schwimmen. Aber Jin weigert sich. Er sagt, dass er sie niemals wieder verlassen will. Er hält fest ihre Hand. Der Griff löst sich erst, als beide schon lange unter Wasser und - wie es scheint - gestorben sind.

Jack, Sawyer, Hurley und Kate haben sich derweil an den Strand retten können. Fake-Locke, der gemeinsam mit Claire am Dock ausgeharrt hat, weiß, dass das U-Boot gesunken ist. Er weiß aber auch, dass es Überlebende gibt. Er packt seine Sachen und macht sich zum Aufbruch bereit. Claire fragt, wohin er geht. Fake-Lockes Antwort: Das beenden, was er angefangen hat...

Kritik

Vier auf einen Streich! Eine solche Zahl an Haupt- bzw. wiederkehrenden Nebenfiguren kann man in einer Folge wohl wirklich nur dann töten, wenn man weiß, dass es auf das Ende zugeht. Der Tod von Sayid sowie Sun und Jin dürfte wohl nahezu sicher sein. Bei Lapidus bestünde zumindest die (wenn auch unwahrscheinliche) Möglichkeit, dass er sich selbst gerettet haben könnte.

Der Eindruck der Folge, die ansonsten - jedenfalls so weit es die dominierende Insel-Handlung angeht - wieder sehr actionorientiert daherkam, wurde natürlich ganz klar vom Tod dieser Figuren geprägt.

Sayid hat es also tatsächlich geschafft, sich vom dunklen Einfluss Fake-Lockes zu befreien, was sich ja schon klar nach seinem Gespräch mit Desmond angedeutet hatte, und stirbt den Heldentod. Dieser Moment kann den Zuschauer kaum berühren, da dafür einfach viel zu viel passiert, als dass man für einen Augenblick innehalten könnte. Umso gefühlvoller ist dagegen der Tod von Sun und Jin inszeniert.

Wenn Lost, wie ja häufiger gesagt worden ist, eine Serie über die Liebe ist, dann ist die Szene zwischen Sun und Jin im U-Boot der vielleicht bisher stärkste Ausdruck dieses Gefühls, den wir in der Serie zu Gesicht bekommen haben: Liebe bis zur letzten Konsequenz. Auch mit dem sicheren Tod vor Augen verlässt Jin seine geliebte Sun nicht. Er bleibt bei ihr. Er lässt sie auch im Augenblick des Todes nicht allein.

Manch einer mag das rührselig nennen. Ich tue das mit Sicherheit nicht. Durch so viele Höhen und Tiefen haben wir diese beiden Figuren begleitet. Sie jetzt derart innig verbunden abtreten zu sehen, ist unendlich traurig - aber irgendwie auch sehr, sehr schön. Ich schäme mich nicht zu gestehen, dass an dieser Stelle einige Tränen fällig waren...

Als wollten uns die Macher jedoch noch einmal daran erinnern, dass Sun und Jin im Alternativuniversum ja noch am Leben sind, zeigen sie uns am Schluss noch einmal Jin, wie er mit einem Blumenstrauß durch die Krankenhausflure eilt.

Eine schöne und auch in sich stimmige Volte ist die Entdeckung, dass Fake-Locke die Kandidaten töten muss: Na klar, so lange einer von Jacobs möglichen Nachfolgern noch am Leben ist, kann er die Insel nicht verlassen. Das war ja letztlich auch der Gesprächsstand in Ab Aeterno. Dort hatte der Mann in Schwarz ja klipp und klar angekündigt, auch alle Nachfolger Jacobs zu eliminieren, wenn ihm das dabei hilft, von der Insel zu entkommen.

Das Einzige, was daran (im Nachhinein) etwas seltsam erscheint, ist die Mühe, mit der Fake-Locke erst einmal alle an einem Ort versammelt hat, einschließlich des Täuschungsmanövers mit dem Flugzeug. Was sollte das? Wenn es ihm nur darum gegangen ist, alle verbliebenen Kandidaten zu töten, warum hat er das dann nicht in Gestalt des schwarzen Rauchs einfach nacheinander getan? Massenhaft Leute umzubringen ist schließlich dessen Spezialität.

Es sei denn natürlich, dass Fake-Locke - möglicherweise wegen der „Spielregeln“ auf der Insel - die Kandidaten nicht selbst töten kann und deshalb darauf spekuliert hat, dass sie - bei dem Versuch der Bombenentschärfung - etwas tun, wodurch ihr Tod selbstverschuldet wäre. Ähnlich wie er Ben gebraucht hat, um Jacob zu töten. Sawyer glaubt nicht an das, was Jack sagt, greift in den Countdown ein - und verschuldet damit die Explosion, welche dann auch in der Lage ist, Kandidaten zu töten. Das wäre auf alle Fälle eine denkbare Erklärung.

Vergleichsweise etwas schwach war in dieser Folge der Handlungsstrang in der L.A.-Realität, zumal kaum eine Entwicklung vorangetrieben wurde: Locke weigert sich am Anfang, sich von Jack wegen der alten Verletzung operieren zu lassen. Und er weigert sich am Ende. Das ist das, was man beim Geschichtenerzählen statisch nennt - und in der Regel zu vermeiden versucht. Interessant ist lediglich, wie Jack mit dem „Zufall“ konfrontiert wird, dass alle Menschen, mit denen er gerade zu tun hat, den gleichen Flug genommen haben.

Und was Locke im Schlaf vor sich hinmurmelt (dass er nämlich einen Knopf zu drücken hat), ist ebenfalls sehr aufschlussreich, weil es darauf hindeutet, dass auch Locke (durch den Unfall) nun einen Zugang zur anderen Realität hat.

Nächste Woche steht die als (neben Ab Aeterno) weiterer „Game Changer“ angekündigte Folge Across the Sea an, in der Allison Janney ihren großen Auftritt haben soll ###news0###. Danach gibt es als letzte Folge vor dem Finale What They Died For, ein Episodentitel, der durch die Ereignisse in The Candidate nun traurigerweise noch mehr Sinn ergibt...

Christina Greiner

Der Artikel Lost: Wolfgang Petersen lässt grüßen wurde von Christina Greiner am Uhr erstmalig veröffentlicht. Christina Greiner hat bereits 173 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht.

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