Du bist hier: Serienjunkies » News »

Lost: Koreanisch für Fortgeschrittene

Review zu 6x10 „The Package“

Verbotene Liebe: Jin und Sun in L.A.  / (c) ABC
Verbotene Liebe: Jin und Sun in L.A. / (c) ABC

Sprachen lernen mit Lost. Verstanden die Zuschauer in der letzten Woche nur noch Spanisch, war in The Package mal wieder Koreanisch an der Reihe. Doch wie Fake-Locke und Charles Widmore demonstrieren: Die Verständigung kann auch ausbleiben, selbst wenn beide Seiten die gleiche Sprache sprechen.

SPOILER! SPOILER! SPOILER!

Sawyer: „What do you need a boat for? Can't you just turn into smoke and fly your ass over the water?
Fake-Locke: „Do you think if I can do that I would still be on this island?
Sawyer: „No, 'cause that would be ridiculous!

Inhalt

2004, L.A.-Realität:
Weil er das Geld bei der Anreise nicht ordnungsgemäß deklariert hat, wird das Geldbündel, das Jin dabei hatte, am Flughafen von Los Angeles beschlagnahmt. Sun will wissen, was es mit dem Geld auf sich hat: Das Einzige, was Jin ihr sagen kann ist, dass er das Geld zusammen mit einer Uhr im Auftrag ihres Vaters zu einem Restaurant bringen soll, wo er jemanden trifft, der ebenfalls für ihren Vater arbeitet.

Sun und Jin kommen im Hotel an, wo sie auf zwei verschiedene Zimmer gebucht sind. Denn: sie sind gar kein Ehepaar! Sun ist auf Shopping-Tour - und Jin ist ihr Leibwächter. Aber natürlich ist auch das nicht die ganze Wahrheit: Denn die beiden sind auch ein heimliches Liebespaar. Als Jin in LA X Part 1 Sun dazu aufgefordert hat, den oberen Knopf ihres Oberteils zu schließen, geschah das nur, weil er Angst hatte, jemand könnte die beiden zusammen sehen (und offenbar den geöffneten Knopf als ein Zeichen von Vertraulichkeit deuten).

Sorgen macht sich Jin, dass er dem Geschäftspartner von Suns Vater das Geld nicht bringen kann. Doch Sun beruhigt ihn: Sie selbst hat heimlich ein Konto angelegt, über das sie ihre gemeinsame Zukunft mit Jin finanzieren will. Weit weg von ihrem Vater, der von allem nichts wissen soll. Sun meint, dass sie Geld von besagtem Konto nehmen könnten, um zunächst einmal jenen Geschäftspartner zufrieden zu stellen, bevor Jin das Geldbündel vom Flughafen zurückbekommt.

Doch der Mann, mit dem Suns Vater da Geschäfte macht, ist ein sehr ungeduldiger Zeitgenosse - und steht bereits vor Suns Hoteltür, bevor diese zur Bank gehen konnte. Natürlich ist es kein Geringerer als Martin Keamy, der sich auch ungefragt Zutritt zu Suns Hotelzimmer verschafft - und sehr schnell darauf kommt, dass diese hier gerade gemeinsam mit ihrem Leibwächter Jin ein Schäferstündchen verbracht hat. Keamy will sein Geld. Sun versucht ihm begreiflich zu machen, dass es vom Zoll beschlagnahmt wurde, dass sie das Geld jedoch von der Bank holen kann. Keamy versteht kein Wort, weil Sun nur koreanisch spricht. Glücklicherweise hat er in seiner Verbrecherbande einen sprachbegabten Russen, den uns aus der anderen Realität wohlbekannten Mikhail von der Dharma-Initiative, der übersetzen kann.

Mikhail ist es auch, der Sun zur Bank begleitet, wo sie jedoch erfahren, dass Suns Konto aufgelöst wurde. Tja, ihr Vater hat den Braten gerochen - und das Nötige veranlasst. Wie es scheint, verfolgt Mr. Peik auch eine strikte Angestellte-haben-die-Finger-von-meiner-Tochter-zu-lassen-Politik. Denn wie Martin Keamy Jin genüsslich erläutert, sind die 25.000 Dollar das Kopfgeld, das Suns Vater für die Ermordung ihres Liebhabers bezahlt. Jin versteht natürlich kein Wort - und lässt sich deshalb nicht nur seelenruhig in Keamys Restaurant bringen, sondern auch in dessen Lagerraum fesseln.

Er hört, wie Sayid mit Keamy und dessen Leuten kurzen Prozess macht. Auf seinen Radau hin kommt Sayid in den Lagerraum, sieht Jin - und will ihn eigentlich sich selbst überlassen. Schließlich hat er aber doch ein Einsehen und drückt Jin wenigstens ein Schnittwerkzeug in die gefesselten Hände, mit dem sich der Koreaner selbst befreien soll.

Als Mikhail mit Sun wenig später ins Restaurant kommt, sieht er die Leichen am Boden liegen, darunter auch Jin. Keamy, der noch nicht über den Jordan gegangen ist, soll ihm sagen, was passiert ist. Doch bevor dieser den Mund aufmachen kann, hat Mikhail eine Pistole im Nacken. Denn natürlich hat sich Jin lediglich tot gestellt, um Mikhail in eine Falle zu locken. Der Russe glaubt jedoch nicht, dass Jin auch schießen wird. Und so kommt es zu einem Kampf zwischen den beiden Männern, bei dem sich mehrere Schüsse lösen. Mikhail stirbt. Aber auch Sun wird getroffen. Und zwar, wie es scheint, in den Unterleib. Jin trägt sie nach draußen - und versichert ihr, dass alles in Ordnung kommen wird. Sie dagegen sagt ihm, dass sie schwanger ist.

2007, Insel-Realität
Fake-Locke will die beiden Kwons auf seine Seite ziehen. Er erzählt Jin, dass er dessen Frau herbringen kann und dass sie gemeinsam die Insel verlassen werden. Jin weiss durch Sawyer von der Höhle mit den Namen. Fake-Locke erklärt ihm, dass sie nur dann von der Insel weg können, wenn alle Personen, deren Namen an der Höhlenwand nicht durchgestrichen waren, bei ihnen sind.

Fake-Locke macht sich auf den Weg, um mit Sun Kontakt aufzunehmen. In der Zwischenzeit überträgt er die Aufsicht des Lagers an Sayid, der ihm mit unbewegter Miene davon berichtet, dass er nichts mehr empfindet: Keine Angst, keine Freude, keinen Schmerz. Fake-Locke nimmt das ungerührt zur Kenntnis.

Derweil herrscht am Strand große Konfusion darüber, was als nächstes zu tun ist. Ilana beharrt darauf, dass sie auf Richard warten müssen. Doch die anderen sind weniger überzeugt davon als sie, dass es Hurley tatsächlich gelingen wird, den Unsterblichen zur Rückkehr zu bewegen. Vor allem Sun ist genervt: Sie will nichts von Plänen und Schicksal und Kandidaten wissen. Sie will nur ihren Mann finden. Frustriert begibt sie sich in ihren alten Garten, wo alles mit Unkraut überwuchert ist. Die Tomaten sind längst abgestorben.

Da steht ihr auf einmal Fake-Locke gegenüber, der sie zu Jin bringen will. Einerseits will sie nichts lieber als das. Andererseits misstraut sie diesem Wesen, das alle Menschen im Tempel getötet hat. Sie bekommt es mit der Angst zu tun und rennt in Richtung Strand zurück. Fake-Locke ist ihr dicht auf den Fersen. Gerade als sie sich nach ihm umdreht, passiert, was einem schon mal bei einer Verfolgungsjagd im Dschungel passieren kann: Sie prallt aus vollem Lauf heraus mit einem Baum zusammen.

Dieser Zusammenstoß hat auf sie eine bemerkenswerte Wirkung. Denn als Ben sie findet und zum Strand zurückbringt, kann sie nur noch Koreanisch sprechen. Englisch versteht sie zwar, bringt aber kein Wort heraus. Jack glaubt, dass es sich um eine Aphasie handelt. Da kommt Hurley zurück - und hat tatsächlich Richard im Schlepptau. Dieser weiß, was zu tun ist: Sie müssen den Mann in Schwarz dabei aufhalten, die Insel zu verlassen. Deshalb müssen sie das Flugzeug auf der Hydra-Insel zerstören. Sun ist von diesem Plan gar nicht angetan. Schließlich will sie mit ihrem Mann nach Hause zurückkehren. Leider kann sie sich jedoch nicht für die anderen hinreichend verständlich artikulieren.

Frustriert schlägt sie für sich allein ein Lager am Strand auf. Da kommt Jack und bringt ihr einen Schreibblock. Tatsächlich ist sie in der Lage, auf Englisch zu schreiben. Er verspricht ihr, dass sie Jin finden und gemeinsam von der Insel runter kommen werden. Als Zeichen der Hoffnung hat er für sie außerdem eine Tomate dabei. Eine dickköpfige Tomate, die, so Jack, einfach nicht einsehen wollte, dass sie eigentlich tot zu sein hat.

Unterdessen kehrt Fake-Locke in sein Lager zurück, wo sämtliche Menschen mit Betäubungspfeilen niedergestreckt wurden. Einer fehlt: Jin. Fake-Locke ist überzeugt, dass Whitmores Leute für den Überfall verantwortlich sind und den Koreaner geholt haben. Gemeinsam mit Sayid will er zur Hydra-Insel übersetzen, um Jin zurückzuholen. Denn er braucht ihn unbedingt, um von der Insel zu kommen.

An dieser Stelle hakt Claire nach: Ob ihr Name auch zu denen an der Höhlenwand gehöre. Das verneint Fake-Locke, versichert ihr aber, dass sie trotzdem sehr wichtig sei. Im Hinblick auf Kate meint er, dass er sie brauche, um die drei noch fehlenden Namen herzuholen. Sobald das geschehen ist, sei Kate dagegen entbehrlich: „Whatever Happens Happens.“ Und Claire versteht, was er meint.

Fake-Locke erreicht allein den Strand der Hydra-Insel, wo Whitmores Leute einen Kordon aus Pylonen errichtet haben, der das Wesen am Passieren hindert. Fake-Locke verlangt von Whitmore die Herausgabe von Jin, doch Whitmore behauptet, dass dieser gar nicht hier sei. Fake-Locke glaubt ihm kein Wort und verabschiedet sich mit der düsteren Prophezeiung: „A wise man once said, war is coming to this island. I think it just got here.

Tatsächlich befindet sich Jin in der Hydra-Station, in Raum 23, wo die Implementierung subliminaler Botschaften getestet wurde. Zoe bringt ihm eine Karte der Dharma-Initiative, auf der die Lage der Energietaschen eingetragen ist. Angeblich stammt die Karte von Jin. Dieser verlangt jedoch, bevor er irgendwelche Fragen beantwortet, mit Charles Whitmore zu sprechen. Whitmore will sich auch mit Jin unterhalten. Allerdings hat er für ihn zunächst ein Geschenk: Ein Fotoapparat seiner Frau, der aus dem Flugzeug geborgen werden konnte - und auf dem Fotos von Jins Tochter zu sehen sind, die er noch nie zuvor zu Gesicht bekommen hat.

Whitmore, der sehr verärgert ist, dass sich Zoe nicht an den Zeitplan gehalten hat, versucht Jin zu überzeugen, dass seine Tochter, seine Frau und alle anderen, aufhören werden zu existieren, falls der Mann, der sich als John Locke maskiert, von der Insel fliehen kann. Whitmore sagt, dass er hergekommen sei, um das zu verhindern. Als Jin wissen will, wie er das anzustellen gedenkt, will Whitmore ihn zu einem „Paket“ führen. Dabei handelt es sich allerdings nicht, wie man meinen könnte, um einen Gegenstand, sondern um eine Person.

Wer sich hinter dieser Bezeichnung verbirgt, erfahren wir Zuschauer und auch Sayid, der von Fake-Locke als schwimmender Kundschafter zurückgelassen wurde, als Zoe und noch ein anderer Gehilfe Whitmores den schwer betäubten Desmond Hume aus dem U-Boot holen.

Kritik

In dieser Woche konnte einem Fake-Locke beinahe etwas leid tun. In The Package ging für ihn aber auch wirklich alles schief: Erst läuft Sun davon, dann findet er seine Leute betäubt vor und schließlich muss er sich im Angesicht der Dharma-Pylonen geschlagen geben. Man hat es aber auch echt nicht leicht als Rauchmonster! Immerhin scheint Sayid mit seiner Aufklärungsmission Erfolg zu haben.

Nach der Ausnahmefolge Ab Aeterno aus der vergangenen Woche ging es auf der Insel diesmal wieder etwas weniger philosophisch, dafür wieder ein wenig mehr business as usual zu. Alles in allem war The Package eine sehr solide Folge. Vielleicht nicht herausragend, aber trotzdem sehr unterhaltsam. Nicht zuletzt wegen einiger sehr köstlicher Dialoge wie dem zu Beginn genannten.

Bemerkenswert waren sowohl die Enthüllung, dass Fake-Locke alle Kandidaten dabei haben muss, um von der Insel fliehen zu können, als auch die Entdeckung, dass Whitmore augenscheinlich auf der Seite von Jacob steht. Wenn er denn nicht das Ziel verfolgt, die Arbeiten der Dharma-Initiative weiterzuführen. Schließlich ist es sehr verdächtig, dass er eine Geophysikerin dabei hat, die sich auffallend für jene Energietaschen interessiert, welche die Dharma-Initiative angebohrt hat - und die unsere Überlebenden von Oceanic 815 überhaupt erst in die ganzen Schwierigkeiten gebracht haben.

Mit Ausnahme vielleicht von Sun und Jin: Denen hat die Insel-Realität immerhin eine - nach den Fotos zu schließen - sehr glückliche Tochter eingebracht, wohingegen es im Alternativuniversum nicht sehr gut um das ungeborene Kind bestellt ist. Was zugleich eine etwas ironische Wendung in sich birgt: Schließlich war es die Insel-Realität, in der Suns Schicksal aufgrund ihrer Schwangerschaft auf der Insel bereits so gut wie besiegelt schien.

Aufhorchen musste man in dieser Folge bei allem, was Sun auf koreanisch zu sagen hatte. Und das nicht nur wegen dem, was sie zu sagen hatte: Offenbar hat Sun in der L.A.-Realität entgegen unserer ersten Vermutung in LA X Part 2 doch niemals Englisch gelernt. Jedenfalls verbirgt sie ihre Englischkenntnisse nicht nur ihrem Mann bzw. Liebhaber zuliebe. Auch als sie mit Mikhail in der Bank allein ist, versteht sie offenbar kein Wort von dem, was auf Englisch gesprochen wird. Und dann war da in der Insel-Realität der Zusammenstoß mit dem Baum.

Handelt es sich dabei wirklich nur um eine Aphasie, wie Jack glaubt? Oder ist es - ähnlich wie Jacks Verwirrung über seine OP-Narbe in Lighthouse - ein Zeichen dafür, dass die beiden Realitäten eben doch nicht so sehr voneinander getrennt sind, wie es auf den ersten Blick den Anschein hat? Spricht Sun also deswegen wieder Koreanisch, weil sie in der anderen Realität nie Englisch gelernt hat - und es durch die Kopfverletzung zu einem Crossover beider Universen gekommen ist?

Das wird sich wohl bald zeigen. Schließlich liegt der erste Hälfte der sechsten Staffel von Lost bereits hinter uns. Sehr gespannt darf man sein, welche Rolle wohl Desmond nächste Woche spielen wird.

Christina Greiner

Der Artikel Lost: Koreanisch für Fortgeschrittene wurde von Christina Greiner am Uhr erstmalig veröffentlicht. Christina Greiner hat bereits 173 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht.

Aktuelle Lieblingsbeiträge der Leser von Serienjunkies


Paramount+: Serien und Filme im Februar 2023 (Update) Paramount+: Serien und Filme im Februar 2023 (Update)

Paramount ist seit dem Deutschlandstart im Dezember der Streamingdienst, der am frühsten mit den Neuheiten für den Folgemonat hausieren geht. Nun steht fest, was im Februar auf die Plattform kommt. Doch werden wirklich alle... [mehr]

Von Adam Arndt am Freitag, 3. Februar 2023 um 10.55 Uhr.