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Lightyear: Filmkritik

Lightyear: Filmkritik

Lightyear: Filmkritik
Lightyear (c) Pixar/Walt Disney

Endlich wieder Pixar im Kino! Die Ehre gebührt dem Film Lightyear. Die Vorlage für das Spielzeug Buzz Lightyear darf in diesem Toy-Story-Spin-off sein eigenes Weltraumabenteuer erleben. Das dürfte vor allem der ganz jungen, männlichen Zielgruppe gefallen.

Toy Story“ dürfte neben „Cars“ eines der wertvollsten Franchises von Pixar sein. Bereits vier Filme schafften es ins Kino und die Teile drei sowie vier wurden sogar zu Milliardenerfolgen an den weltweiten Kinokassen. Kein Wunder also, dass ein Film zu Space Ranger „Buzz Lightyear“ zum ersten Pixar-Film seit „Onward“ (2020) wird, der in weiten Teilen der Welt wieder ins Kino kommen darf. Denn „Soul“, „Luca“ oder „Rot“ feierten während der Pandemiezeit ihre Premiere direkt beim Streamingdienst Disney+.

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Eigentlich ist es kein Film rund um den bekannten Spielzeughelden Buzz Lightyear (in den Kinofilmen bisher immer von Tim Allen gesprochen), sondern um dessen filmische Vorlage. Kurz vor Filmbeginn klärt ein Intro-Text nämlich darüber auf, dass Andy 1995 eine Buzz-Figur geschenkt bekommt, die auf dem nachfolgenden Werk basiert. Ein netter Kniff, der erklärt, warum „Lightyear“ mit reichlich Retro-Charme in der Ausstattung der Space-Technik daherkommt.

Diesmal wird der Titelheld im englischen Original von Chris Evans aka Captain America gesprochen, während im deutschen Tom Wlaschiha (Game of Thrones, Stranger Things) synchronisiert. Ich beziehe mich hier auf die Originalfassung.

Worum geht es in Lightyear?

Bei einer vermeintlichen Routinemission landen Space Ranger Buzz Lightyear und seine Kameraden auf einem fremden Planeten. Dieser ist 4,2 Millionen Lichtjahre von der Erde entfernt. Als Aliens mit Tentakeln angreifen, kommt das Hauptquartier zu Schaden. Ein Kampf, an dem Buzz nicht ganz unschuldig ist, sorgt dafür, dass alle auf dem Planeten stranden. Nur Buzz will nicht aufgeben. Er bietet sich als Versuchskaninchen für einen experimentellen Treibstoff an, der die Lösung für die Planetenflucht sein könnte. Doch bei jedem gescheiterten Versuch - und davon gibt es einige - vergehen wenige Sekunden für ihn selbst, aber einige Jahre für den Rest.

Mit der Zeit wird der Planet also zu einem zweiten Zuhause und auch Familien gründen sich hier.

Als er glaubt, einen Durchbruch zu erreichen, findet Buzz sich an einem Ort wieder, den er kaum wiedererkennt. Mithilfe einer Gruppe Möchtegernrekruten und seiner treuen Roboterkatze Sox (Peter Sohn) stellt er sich einer gefährlichen Roboterarmee eines gewissen Zurg entgegen.

Regie führte Angus MacLane („Findet Dorie“). Die Story kommt von MacLane, Matthew Aldrich und Jason Headley.

Bis zur Unendlichkeit!

Lightyear“ scheint anfangs ein Film zu sein, der sich sehr stark an eine bestimmte Zielgruppe richtet. Ich würde sagen, dass vor allem die etwa acht bis zwölfjährigen Jungs damit ihre helle Freude haben werden. Für noch jüngere Zuschauer gibt es hingegen durchaus einige düstere Elemente, die sie vielleicht noch nicht so gut verkraften. Aliens mit Tentakeln und fiese Roboter sind da vielleicht noch nicht jedermanns Sache, ich allerdings hätte in diesem Alter sehr viel Spaß damit gehabt...

Doch natürlich können auch erwachsene Zuschauer - wie eigentlich immer bei Pixar - gut unterhalten werden. Allein schon aus Nostalgiegründen, wenn man mit der Figur Buzz Lightyear aufgewachsen ist. Die Filmemacher haben sich nämlich die Mühe gemacht, eine elaborierte Weltraumhintergrundgeschichte aufzubauen, die glaubhaft mit Technik ausgestattet ist, die man sich vor dem Jahr 1995 vorstellen konnte. Ein Autopilot namens IVAN funktioniert anfangs etwa erst, wenn man wie bei einem NES-Modul den Staub wegpustet und auch sonst sind die Schiffe, Stationen, Anzügen und Verteidigungsmaßnahmen dem Zeitraum entsprechend manchmal etwas Low-Fi aus heutiger Sicht, was zu einem eigenen Charme beiträgt.

Die Hälfte oder zumindest ein gutes Drittel des Films steht fast ausschließlich im Zeichen von Buzz und seinem unbändigen Kampfgeist. Er stellt die Mission an oberste Stelle und gibt nicht eher auf, bis er den passenden Treibstoff findet, der einen Weg nach Hause bedeuten könnte. Dafür ist er bereit, sich Befehlen oder Vorgesetzten zu widersetzen, wenn es zum Wohl aller sein könnte.

Immer überaus treu und witzig an seiner Seite ist die K.-I.-Katze Sox, die trotz ihrer maschinellen Seite auch wie eine ganz normale Katze programmiert ist, also um die Beine von Menschen schleicht oder gewisse Streicheleinheiten schätzt. Und überaus genial ist sie obendrein noch.

Es wäre wahrscheinlich kein Pixar-Film, wenn es nicht mindestens auch einen emotionalen Moment gäbe, der vieles verändert. Trotzdem lässt sich Buzz auch von Rückschlägen nur kurz aufhalten. In der zweiten Filmhälfte stößt er nämlich auf einen Rookie-Trupp, der zwar anfangs nur wenige Fähigkeiten mitbringt, die Buzz für die Mission braucht, mit der Zeit wächst man aber natürlich enger zusammen.

Izzy Hawthorne (Keke Palmer; Scream, Berlin Station) ist die Enkelin von Buzz' einstiger Partnerin Alisha (Uzo Aduba, Orange Is the New Black). Nur leider hat sie eine ausgeprägte Angst vor dem Weltraum, was für einen Space Ranger eher suboptimal ist... Trotzdem will sie ihre Oma stolz machen und ihren Mut beweisen. Mo (Taika Waititi) gilt als Loser, der immer schnell aufgibt und ist etwas tollpatschig. Seniorin Darby (Dale Soules, Orange Is the New Black) ist auf Bewährung und darf eigentlich keine Waffen abfeuern. Doch für die Mission ist es wichtiger, tatkräftige Unterstützung zu haben, als das Gesetz in der Hinsicht zu würdigen. Insgesamt ist es eine zusammengewürfelte Truppe, die, strenggenommen, noch nicht einmal Rookie-Status hat.

Da Buzz anfangs als jemand vorgestellt wird, der keine Zeit oder Geduld für Anfänger hat, ist die daraus entstehende Dynamik natürlich genau das, was ein solcher Film braucht. Der Profi muss sich auf die Anfänger verlassen, auch wenn er lieber alles alleine durchziehen würde. Die Helfer sorgen entsprechend zusammen mit Sox für einige witzige Momente. Die Sprecher machen im englischen Original allesamt einen hervorragenden Job. Evans klingt sogar recht nah nach Allens bekannter Performance, besonders wenn er seine Audiotagebucheinträge einspricht. Und wie immer hat man beispielsweise auch durch die Darby-Figur von Soules eine ältere Klangfarbe mit Scene-Stealer-Qualitäten dabei.

Und noch viel weiter!

Insgesamt ist die Story relativ geradlinig. Sci-Fi-Stoff mit Zeitreisekomponente ist ein Klassiker, der gut unterhalten kann. Dadurch wird der Film aber auch emotional nicht ganz so komplex wie „Alles steht Kopf“, „Soul“, „Wall-E“, „Coco“ oder „Rot“. Buzz ist ein klassischer Held, ein Mann von einem Mann und trifft dann eben auf eine Gurkentruppe, die er mitschleifen muss, während er die Roboter besiegt. Natürlich gibt es da noch den einen oder anderen erzählerischen Kniff, den ich an dieser Stelle gar nicht verraten muss. Trotzdem ist das Ganze eher actionlastig wie „Cars“ und „Luca“ und damit insgesamt nicht ganz so anspruchsvoll wie die vorher aufgeführten emotionaleren Pixar-Streifen. Wem Buzz im letzten „Toy Story“-Film also etwas zu sehr die zweite Geige hinter Woody gespielt hat und wer schon immer mehr über seine eigene Welt erfahren wollte, der ist hier genau richtig.

Alles in allem wirkt der Film - sicherlich nicht ganz unbeabsichtigt - wie ein Werk, das kleinen Jungs in den 90er Jahren Spielzeug schmackhaft hätte machen sollen. Natürlich gibt es hier und da auch nette weibliche Figuren und für Disney-Verhältnisse sogar eine recht offene LGBTQI-Repräsentation, doch ein gewisses Kalkül, welches das actionaffinere junge Publikum ins Kino strömen soll, stellt man beim Anschauen eindeutig fest.

Das ist auch gar nicht schlimm, denn sowohl die Werke von Walt Disney Animation Studios als auch Pixar haben in den letzten Jahren sehr viel geboten, was Jungs und Mädchen ansprechen soll, vielleicht sogar mit einer Tendenz zu den Mädchen, weil hier in letzter Zeit mehr Titelheldinnen als Titelhelden im Fokus standen. Ungeachtet des Geschlechts hatte ich mit den meisten davon meinen Spaß und auch „Lightyear“ ist für Freunde des Pixar-Stils sicherlich ein sehenswerter Film, der diesmal eben lieber auf Action als auf emotionale Erkenntnisse setzt.

Fazit

Maverick ist nicht der einzige Top-Pilot, der in dieser Blockbuster-Season wieder im Kino für Furore sorgt, denn auch Buzz Lightyear darf in „Lightyear“ zeigen, aus welchem Material Space Ranger sind. Der Animationsfilm ist ein kurzweiliger Actionspaß, der Weltraumfreunden sicherlich gefallen dürfte. Er erklimmt wahrscheinlich nicht den Pixar-Olymp, liefert aber dennoch solide Unterhaltung im Lichtspielhaus. Vier von fünf charmanten Robokatzen dafür.

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