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Jurassic World - Ein neues Zeitalter: Filmkritik

Jurassic World - Ein neues Zeitalter: Filmkritik

Jurassic World - Ein neues Zeitalter: Filmkritik
Jurassic World - Ein neues Zeitalter (c) Universal Pictures

Jurassic World - Ein neues Zeitalter ist der dritte Film der World-Reihe und der sechste Film des Dino-Franchise bisher. Alte und neue Bekannte geben sich die Ehre. Doch kann das Treffen der Generationen überzeugen? Unsere Filmkritik zum Dino-Blockbuster.

Neben „The Fast and the Furious“ und den „Minions“ gehört das „Jurassic“-Franchise beim Filmstudio Universal Pictures zu den ganz großen Geldbringern. Die letzten beiden Dinofilme können sogar locker mit vielen Marvel-Werken mithalten und haben jeweils weit über eine Milliarde US-Dollar weltweit eingespielt. Mit „Jurassic World - Ein neues Zeitalter“ (im Original „Jurassic World Dominion“) stampft nun das (vorläufige?) Finale in die Kinos und bringt die Figuren aus der „World“-Reihe mit einigen Originaldarstellern aus dem ersten „Jurassic Park“-Film (und dessen beiden Nachfolgern) zusammen. Was bei „X-Men: Days of Future Past“, „Star Trek: Treffen der Generationen“ oder „Spider-Man: No Way Home“ schon funktioniert hat, lässt sich doch sicher auch auf die Dinospezialisten übertragen, oder? Na ja...

Worum geht es in Jurassic World: Ein neues Zeitalter?

Der dritte „Jurassic-World“-Film setzt vier Jahre nach der Zerstörung von Isla Nublar ein. Die Dinosaurier breiten sich auf der ganzen Welt aus. Mal in völliger Freiheit und Dominanz, mal in geschützten Gebieten. Doch was bedeutet das für die menschliche Spezies? Bald tauchen riesengroße Heuschrecken auf, die aus dem Labor von BioSyn stammen und drohen, ganze Felder leerzufegen. Doch der Konzern und einer der Chefs, Lewis Dodgson (der Charakter ist aus dem allerersten Film bekannt, der Darsteller mit Campbell Scott allerdings neu), wollen hier keine Verantwortung übernehmen und tun öffentlich lieber auf heile Welt auf dem Forschungscampus.

Zufällig verschlägt es Alan Grant (Sam Neill) und Ellie Sattler (Laura Dern), die sich seit Jahren nicht mehr gesehen haben, hierhin, um der Sache auf die Spur zu gehen. Dort treffen sie auch auf den alten Weggefährten, Ian Malcolm (Jeff Goldblum), der bereits einige Informationen zu den Machenschaften aufgeschnappt hat.

Claire (Bryce Dallas Howard) und Owen (Chris Pratt) leben derweil zurückgezogen, doch Claire kann ihre Tätigkeiten als Dino-Aktivistin dennoch nicht lassen und befreit notleidende Tiere, wann immer es ihr möglich ist. Ihr Idealismus lässt sich jedoch schwer aufrechterhalten und so verlassen sie bald ihre Verbündeten wie Franklin (Justin Smith) oder Dr. Zia Rodriguez (Daniella Pinada), als sie Chancen auf sichere Jobs erhalten.

Claire und Owen leben mit Klon-Girl Maisie Lockwood (Isabella Sermon), die genug vom Versteckspiel hat und gerne mehr über ihre mysteriöse Entstehungsgeschichte wissen möchte. Raptor Blue hat es derweil geschafft, sich fortzupflanzen - und das offenbar ohne Partner. Eines Tages werden Maisie und das Blue-Baby entführt, was zu einem globalen Abenteuer führt und alle Figuren aufeinandertreffen lässt. Im Endeffekt ist das Ziel aller sehr ähnlich, denn das Wohl der Dinos (und der Entführten) liegt allen am Herzen.

Riesenheuschrecken und Baby-Dinos

Mit einem schönen Einstieg startet der Film und zeigt, wie Dinos und Menschen inzwischen in Co-Existenz zusammenleben, wobei wir auch beispielsweise Urzeitechsen in einer Eisregion sehen und dafür bekannte Internetformate wie „Now This News“ genutzt werden. Im Laufe des Films sieht man dann alte und neue Dinowesen und ihre Anpassung an die neue Lebenssituation, was durchaus Potential hätte. Doch Regisseur Colin Trevorrow, der nach „Jurassic World“ erneut auf dem Regiestuhl Platz nimmt, scheint eher Interesse an einer biblischen Plage zu haben, der zu viel Zeit geschenkt wird.

Bisher war ich der Meinung, dass das „Jurassic“-Franchise alle paar Jahre einen netten und kurzweiligen Exkurs in die Welt eines Big-Budget-Creature-Features darstellt, für den man durchaus ein Kinoticket lösen kann. „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ verliert leider den Fokus für die Dinoaktion und widmet, wie gesagt, einen viel zu großen Teil der Handlung einer genetisch gezüchteten Heuschreckenplage.

Das Thema und die Implikationen sind in Zeiten des Klimawandels und der Pandemie durchaus spannend und fatal und sollten eine Warnung für alle sein, dass man nicht noch genetisch Gott spielen sollte. Doch in irgendeiner Form hat das Franchise pro Teil ja schon immer eine solche Warnung ausgesprochen. Es sind aber nicht nur die Heuschrecken, deren Bekämpfung nie ganz logisch dargestellt wird (warum können sie trotz Verbrennen der Flügel fliegen?), die von der eigentlichen Stärke des Franchise ablenken.

Es sind diesmal zu viele Protagonisten, Handlungsorte und austauschbare Set-Pieces und Best-of-Versuche, die nicht so richtig zünden wollen. Klar, Baby-Dinos sind putzig, aber sie allein tragen noch keinen Film, auch wenn es immer mal wieder kleine süße Momente mit ihnen gibt. Oftmals fühlt sich der Streifen nach einer Checkliste an. Owens kultige Handgeste wird ebenso zu jeder Gelegenheit rausgekramt, wie andere visuelle Referenzen aus der „Park“-Ära (die Fackel) oder der obligatorische Moment, wenn der T-Rex auftritt, allen Angst einjagt und dann doch auf Alphatierkonkurrenz trifft.

Haarsträubende Raptoren-Verfolgungsjagden durch einen Dino-Schwarzmarkt oder Labore mit Hyperloops sind ebenfalls im Kinoticket inklusive. Genauso gibt es auch die obligatorischen bösen Charaktere, denen man den Tod durch eine Dinobegegnung wünscht, was in der Regel auch eintrifft. Hier an einer Stelle wieder mit einer Spezies aus dem ersten Teil. Immerhin halten sich nervige Kinderfiguren in Grenzen, die sonst gerne auch auf eigene Faust Dinoterrain erkunden.

Altstars sind verschenkt

Sicherlich: Es ist nett, Sam Neill, Laura Dern und Jeff Goldblum (obwohl wir ihn ja schon öfter wiedergesehen haben) wieder mit dabei zu haben. Doch so richtig nutzt man die Altstars kaum für erinnerungswürdige, neue Momente und auch der Humor ist manchmal etwas cringey und an der Grenze zur Fremdscham. Alan Grant hat sich bis auf sein Alter kaum verändert und irgendwie merkt man, dass zwischen ihm und Ellie durchaus noch alte Gefühle im Raum schwirren. Gut also, dass man durch die Dinos bald wieder aneinandergeschweißt wird und obendrein Bekanntschaft mit den Neuen macht.

Der Running Gag schlechthin ist aber BD Wongs lernresistenter Dr. Henry Wu, der wohl in jedem Teil einen gewaltigen Fehler macht, aber immer wieder an den Ort des Geschehens zurückkehrt, nur hat die Firma dann eben einen neuen Namen.

Pratt und Howard liefen, wie man es aus den Vorgängerfilmen gewohnt ist, solide Performances ab, wobei Howard vielleicht sogar die optisch ansprechendste Verstecksequenz erhält.

Die Klongeschichte rund um Maisie wird derweil vertieft, doch ich bin mir unsicher, ob jemand danach gefragt hat. Die wahrscheinlich netteste Darstellerergänzung stellt DeWanda Wise (She's Gotta Have It) als Pilotin-for-Hire dar. Zunächst dachte ich, dass es sich um Malcolms inzwischen erwachsene, akrobatische Tochter Kelly (Vanessa Lee Chester) aus „Vergessene Welt: Jurassic Park“ handeln könnte, doch diese Verbindung macht man dann doch nicht auf. Stattdessen hilft sie Owen und Claire nach leichtem Zögern beim Aufspüren von Maisie und legt sich auch mit einigen Schwarzhändlern an, darunter Dichen Lachmans (Dollhouse) Figur Soyona Santos, die Raptoren mit ihrem Laserpointer auf ihre Opfer schicken kann.

Mit einer Laufzeit von zwei Stunden und 26 Minuten ist man zudem locker der längste Film des Franchise, macht aus der Extrazeit aber nichts, was mich zum Staunen bringt - oder man bringt zumindest nichts, was ich nach dem ersten Schauen sehr in Erinnerung behalten werde. Weil sich das alles nicht wie aus einem Guss anfühlt, konnte mich dieser Teil diesmal auch nicht so abholen wie die Vorgänger, die mich vor allem auch trotz allem Krawall und der Dinoaction irgendwo emotional berühren konnten. So merkwürdig das für manche auch klingen mag...

Manches lässt sich vielleicht dadurch erklären, dass der Film während einer Hochphase der Coronavirus-Pandemie entstanden ist und man gewisse Kompromisse eingehen musste. Doch mittlerweile haben einige andere Big-Budget-Filme bewiesen, dass man sich dadurch nur bedingt ausbremsen lassen muss.

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Fazit

Ich habe eine Schwäche für die „Jurassic“-Filme und verzeihe wohl auch noch mehr als andere diverse offensichtliche Schwächen. Doch „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“ konnte mich leider nur selten von sich, der Handlung und dem Treffen der Altstars mit der gegenwärtigen Generation überzeugen. Vieles ist eher ein Malen nach Zahlen oder Abhaken von Stichwörtern statt eine runde Geschichte mit Dinos. Ich denke zwar nicht, dass das dem Erfolg an den Kinokassen schaden wird, aber einen Dämpfer könnte das Franchise doch nehmen, wenn weniger Leute vom fertigen Streifen überzeugt sein sollten. Von den drei „World“-Filmen stellt dieser für mich klar den schwächsten dar und einen, den man vielleicht sogar im Kino skippen könnte, außer man ist ein Megafan der Reihe. Drei von fünf Baby-Raptoren.

Hier abschließend noch der englische Trailer zum Film „Jurassic World: Ein neues Zeitalter“, der nun in den Kinos angelaufen ist:

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