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Interview mit Sam Heughan: Outlander ist kein Frauenporno

Sam Heughan als Jamie Fraser in „Outlander“ / (c) Starz

Seit die Serie Outlander im August letzten Jahres in den USA bei Starz begonnen hat, kann sie sich vor positiven Kritiken kaum noch retten. Auch Hauptdarsteller Sam Heughan schwärmt von der Arbeit am Set und vor allem von seiner Kollegin Caitriona Balfe.

Im Moment befindet sich Outlander in den Vereinigten Staaten in der Halbzeit. Der zweite Teil der ersten Staffel wird dort ab dem 4. April wieder über die Bildschirm flimmern. In Deutschland sind die ersten Folgen jetzt schon bei RTL Passion zu sehen, im Frühjahr erfolgt die Free-TV-Premiere bei VOX. Grund genug mit dem männlichen Hauptdarsteller Sam Heughan über seine Rolle als Jamie Fraser zu reden.

Serienjunkies.de: Sam, wann hast Du angefangen, die Gabaldon Bücher zu lesen? Vor oder nach dem Casting?

Sam Heughan: Ich hatte vor meinem Casting nie davon gehört. Und als ich dann zum Vorsprechen eingeladen wurde, ging ich online und fand heraus, was für eine riesige Welt Outlander mit all seinen Büchern, den Begleitbüchern, der Graphic Novel ist. Also habe ich dann das erste Buch „Cross Stitch“ (Anm. d. Red.: So heißt das erste Buch „Outlander“ in England) gelesen. Ich versuchte soviel wie es ging zu lesen, denn beim Vorsprechen haben sie Passagen direkt vom Originalbuch genommen. Und auch in der Serie findet man eine Menge Dialoge, die direkt von dem Buch übernommen wurden. Ich habe „Cross Stitch“ einige Male gelesen, ebenso wie „The Exile“, die wunderbare Graphic Novel. Diana (Gabaldon) hat mir eine Menge geschickt unter anderem viele Kurzgeschichten. Ich versuche so viel wie möglich davon zu lesen.

Welches ist bisher Dein Lieblingsbuch?

Tatsächlich ist es „The Exile“, die Graphic Novel, weil es Jamies Sicht der Dinge zeigt. Man erfährt ein wenig davon, was drumherum passiert. Mit ihm, mit Murtagh. Man bekommt eine Menge Hintergrundwissen über mögliche Zeitreisen und ob diese schon mal vorgekommen sind.

Wenn Du an die erste Staffel denkst, was war die beste Szene für Dich?

Oh, ziemlich am Anfang, die Szene in der großen Halle in Castle Leoch, als Claire in der Vergangenheit ankam. Es war das erste Mal, dass der gesamte Cast zusammen am Set war. Wir haben dieses wunderbare Set, von Gary Steele gebaut, mit vielleicht einigen Hundert Statisten, offenem Feuer, Dudelsackspielern und einfach viel Drumherum. Das war einfach gigantisch. Es wurde soviel Liebe zum Detail in die Sets gelegt, ich glaube, dass man das auch durch die Kamera sieht.

Ja, auf jeden Fall. Was mich dazu bringt: Ihr habt nicht nur an authentischen Orten gedreht und hattet authentische Kleidung an. Das gesamte Setting war grandios. Hast Du Dir dabei mal überlegt, wie Dein Leben wäre, wenn Du damals wirklich gelebt hättest?

(Lacht) Ich glaube, mein Leben wäre sehr kurz gewesen. Es war eine sehr harte Zeit, in der man dort gelebt hat, und die Highlander waren sehr starke, sehr harte Menschen. Ihr moralisches Empfinden ist sehr unterschiedlich zum unsrigen. Es wurde wesentlich mehr Wert auf Ehre gelegt, darauf, was das Wort eines Mannes wert war. Es wurde wesentlich mehr Gewicht darauf gelegt, was jemand tat oder was jemand sagte. Das hört sich alles sehr romantisch an, war aber vielleicht auch nicht die interessanteste Art zu leben. Natürlich, sie waren sehr viel mehr den Jahreszeiten verbunden und mit dem Boden, den sie bearbeiteten. Sie mussten natürlich wesentlich mehr kämpfen, um zu überleben. Ich bin nicht sicher, dass ich das so wirklich gut überleben würde.

Ich mir auch nicht. Wo wir dabei sind. In "Outlander" kann Jamie fast alles - natürlich mit Ausnahme des Singens. Wie lange hat es gedauert, bis Du all diese Dinge wie Schwertkampf, reiten oder Gälisch sprechen gelernt hast?

Ja, er ist eine sehr interessante Figur, bei der es am Anfang so aussieht, als ob er alles kann. Er hat all diese wunderbaren Qualitäten in sich. Und wenn die Serie voranschreitet, dann lernt man mehr über ihn. Man lernt, dass er eine Vergangenheit, eine Geschichte hat, die sich langsam entfaltet. Sie beinhaltet Claire und natürlich Jack Randall, es geht Jahrzehnte zurück - eigentlich sein ganzes Leben.

Aber ja, es hat viel Spaß gemacht, vor allem das Reiten und das Gälisch sprechen. Wir hatten so etwas wie ein wochenlanges Bootcamp in Schottland, wo wir lernen mussten, echte Highlander zu werden. Und dann natürlich das Gälische - ich habe es wirklich genossen, eine neue Sprache zu lernen. Es ist ein großer Teil seines Charakters, er spricht nun mal gälisch, er ist Gaele. Es ist eine sehr beschreibende Sprache, wenn man erst einmal versteht, was gesagt wird. Für mich war die Sprache der Zugang für den Charakter von Jamie. Und ich habe das Schwertkämpfen und das Reiten geliebt. Und habe mein Pferd wirklich sehr lieb gewonnen. Es sind immer tolle Tage, wenn wir rausgehen und kämpfen.

Ich weiß, dass Du natürlich ein professioneller Schauspieler bist, aber Du bist ja auch Schotte und hast dieses Mal in Schottland gearbeitet. Glaubst Du, Du hast die Rolle mit einer anderen Hingabe und Empathie gespielt als beispielsweise einen amerikanischen Charakter?

Das ist ein guter Punkt. Ich glaube, der Grund, warum Ron Moore und die Produzenten entschieden haben, in Schottland zu drehen, war, um die gesamte Serie authentisch wirken zu lassen. Ich glaube, die Orte sind gewählt worden, um die Kultur besser rüber zu bringen. Es ist nicht eine schöne Nachbildung dessen, was wir denken, was Schottland ist. Es ist real. Natürlich gibt es da auch immer noch die romantische Seite. Oder eine Fantasy-Seite. Aber trotzdem, wir haben versucht, es so real wie möglich zu gestalten.

Für mich war es schon sehr wie ein nach Hause kommen nach Schottland, das Wiederentdecken meiner Leidenschaft für dieses Land und was es mir bedeutet. Das ist im Übrigen auch so etwas ähnliches wie Jamies Reise - auch er kommt heim nach Schottland, nachdem er fort war. Er hatte auch eine Menge Geister aus seiner bewegten Vergangenheit, findet raus, welche es waren und kommt irgendwann damit klar. Es war definitiv ein Geschenk, in mein Heimatland zurückzugehen und es wieder zu entdecken.

Also Jamie hat Dir dabei geholfen, Dein Schottisch-sein noch mehr zu würdigen?

Auf jeden Fall, ja. Es hat mich quer durch Schottland geführt, ich habe Teile meines Landes gesehen, die ich noch nie gesehen hatte. Es hat mir geholfen, die Kultur ein wenig mehr zu verstehen, wie Schottland einmal war. Von der politischen Seite her, aber auch wie es mit den Clans war, wie sie funktioniert haben, wie miteinander umgegangen wurde und wie das Land in die Moderne ging. Also ja, ich glaube, es hat mir eine große Leidenschaft für mein Land gegeben.

Caitriona Balfe und Sam Heughan in %26bdquo;Outlander%26ldquo; © Starz
Caitriona Balfe und Sam Heughan in %26bdquo;Outlander%26ldquo; © Starz
Das kann ich gut verstehen. Ich habe eine Frage zu Caitroina. Die Chemie zwischen Dir und ihr ist einfach umwerfend. War das schwer? Sie ist eine tolle Person, eine sehr gute Schauspielerin...

(unterbricht) Ja, sie ist eine sehr gute Schauspielerin und schafft es einfach, dass ich gut aussehe. Wir haben sehr viel Glück mit ihr, ich mag sie wahnsinnig gerne. Wir kommen sehr gut miteinander aus, wir haben den gleichen kindlichen Humor, wir lachen sehr viel miteinander, das ist sehr wichtig. Wir vertrauen einander, was auch ein sehr wichtiger Punkt ist. Also, doch, wir haben sehr viel Glück, dass wir sie haben.

Es war also nicht schwer, diese Ebene der Intimität auf so vielen Ebenen zu erreichen?

Ja, nein, also, wir vertrauen einander. Es ist eine Achterbahnfahrt. Für uns beide ist es ein völlig neues Erlebnis. Wir haben beide noch nie eine Serie wie diese gemacht und wir sind quasi zusammen reingeworfen worden - wie Jamie und Claire. Wir haben uns keine Hintergrundstory gebaut. Wir wollen jeden Augenblick so erleben, wie der Zuschauer ihn erlebt. Daher haben wir auch keine Ahnung, wo uns die Sache hinführt - außer dass es ein sehr interessanter Ort sein wird.

Es gibt eine wirklich große Fangemeinde der "Outlander"-Bücher und auch von der Serie. Ich glaube nicht, dass Du irgendwelche Probleme haben wirst, die Rollen zu bekommen, die Du haben willst. Aber hast Du Angst, Du könntest ab jetzt nur noch für bestimmte Rollen gecastet werden? Dass Du jetzt für immer der starke Highlander bist?

(lacht) Nein, das glaube ich nicht. Ich glaube, ich habe viel Glück, dass ich diese Rolle spielen darf. Wir können uns glücklich schätzen, dass wir jetzt schon eine derart große Fangemeinde haben, wir haben schließlich erst die erste Hälfte der ersten Staffel gezeigt. Und in Deutschland fangen sie ja erst noch an. Und ich liebe jede Minute davon. Und wenn irgendjemand zu dem Schluss kommt, dann ist es eben so. Aber ich bin nicht der schottische Highlander - ich spiele den nur.

Ich habe hier noch eine Frage, die mein Mann unbedingt gestellt haben möchte. Er ist der Meinung, dass "Outlander" Frauenporno ist. Guter zwar, aber eben Frauenporno. Hast Du keine Angst, vor all den eifersüchtigen Ehemännern und Freunden da draußen, deren Ehefrauen und Freundinnen glänzende Augen bekommen, wenn sie dich sehen?

(lacht) Ich denke nicht, dass er Recht hat. Ich glaube nicht, dass es ein Frauenporno ist. Da ist auch eine Menge für Männer dabei. Ich kenne viele Männer, die die Bücher mögen. Abenteuer, die historische Seite - es ist nicht das billige Romanzenheftchen. Aber natürlich, es gibt sehr spezifische Szenen, aber sie sind vom Frauenstandpunkt geschrieben, was selten in Büchern oder auch vor der Kamera vorkommt. Von daher denke ich, ist es fantastisch. Wenn ich zufälligerweise da im Fokus stehe, dann sehe ich das positiv. Er ist einfach eifersüchtig, vermute ich mal.

Oh, das ist er definitiv.

(lacht) Sag ihm, es ist wirklich klasse. Du solltest ihm einen Roman widmen.

Oh, ganz bestimmt. Die erste Hälfte der ersten Staffel ist bisher ein großer Erfolg. Hat sich Dein Leben dadurch jetzt schon verändert?

Das ist nett, dass Du das sagst. Ich glaube auch, dass man sagen kann, dass es bisher ein Erfolg ist. Es ist schwer zu beurteilen, wenn Du in Schottland lebst und arbeitest. Wobei es in gewisser Weise gut ist, wenn man etwas von bestimmten Fanbase-Events oder den Medien ferngehalten wird. Es ist ziemlich klasse, in einer Art Blase zu leben. Wenn wir nach Amerika oder Europa kommen und sehen, dass die Leute gut finden, was wir tun, dann ist das sehr positiv. Es ist wunderbar, dass die Menschen deine Arbeit schätzen. Hat sich etwas geändert? Keine Ahnung, aber ich verbringe eine Menge mehr Zeit in Flugzeugen. Es gibt mir die Freiheit, andere Dinge zu tun und das ist toll. Ich bin sehr glücklich darüber.

Und dann noch eine Frage, die Du wahrscheinlich schon tausend Mal gehört hast, aber die alle wissen wollen: Was trägst Du unter Deinem Kilt?

Ahhhh, nun, ich bin erstaunt, dass Du das wirklich fragen musst. Ehrlich, ich bin ein Schotte. Ich belasse es dabei, aber... ich bin ein echter Schotte.

Noch mehr tolle Interviews auf Video oder zum Lesen gibt es hier.

Sabine Stevenson

Der Artikel Interview mit Sam Heughan: Outlander ist kein Frauenporno wurde von Sabine Stevenson am Uhr erstmalig veröffentlicht.

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