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House of the Dragon: Der Zweite seines Namens - Review

House of the Dragon: Der Zweite seines Namens - Review

House of the Dragon: Der Zweite seines Namens - Review

Der König bläst zur Hirschjagd, würde aber noch lieber einen Gemahl für seine Tochter finden. Drei Jahre sind seit den Ereignissen der letzten Episode von House of the Dragon vergangen. Wie läuft Daemons Krieg gegen den Crabfeeder?

Die dritte House of the Dragon-Episode, „Der Zweite seines Namens“ (im Original: Second of His Name), setzt drei Jahre nach den Ereignissen der letzten Folge an. Während der Prinzrebell Daemon (Matt Smith) zusammen mit seinem neuen Verbündeten, Lord Corlys „The Sea Snake“ Velaryon (Steve Toussaint), auf den Stepstones gegen den Freibeuter Crabfeeder kämpft, feiert König Viserys I. (Paddy Considine) mit seiner jungen Gattin Alicent (Emily Carey) den Namenstag ihres ersten Sohnes Aegon, dem das Volk von Westeros schon längst die römische Zwei dazudichtet. Viele scheinen vergessen zu haben, dass eigentlich Rhaenyra (Milly Alcock) zur Thronerbin ernannt wurde.

Im Gegensatz zur letzten Episode lernen wir in der neuen Ausgabe wieder einen ganzen Schwung frischer Figuren kennen, die im Lauf der zehnteiligen Auftaktstaffel noch wichtig werden dürften. Darunter ein paar Lannister-Zwillinge, ein starker und ein nicht so starker Strong sowie weitere Mitglieder des Seepferdchenhauses Velaryon, von denen eines sogar einen Drachen reitet. Das Game of Thrones-Prequel zementiert seinen vielversprechenden Auftakt mit beeindruckenden Actionszenen und spannenden Intrigen. Während die große Hirschjagd als denkwürdiges Herzstück dient.

Aegon II.

Die ersten beiden „HotD“-Folgen haben uns gezeigt, wie dringend sich Viserys einen männlichen Erben wünscht (zumal seine prophetischen Targaryen-Träume ihm einen versprochen haben). Mit dem kleinen Aegon, ein kräftiges Baby mit silbergoldenem Schopf, hat sich sein Wunsch nun erfüllt. Allerdings ergibt sich nun auch ein Problem, welches Vater und Mutter mit ihrer Namenswahl zusätzlich befeuert haben. Ein Targaryen benennt seinen Sohn nicht einfach so nach dem großen Eroberer Aegon, wenn das Kind nicht selbst mal König werden soll. Doch Viserys hält weiter an Rhaenyra fest, was im Reich niemand ernstzunehmen scheint.

Vielleicht war es wieder der listige Otto Hightower (Rhys Ifans), Viserys' neuer Schwiegervater und seine langjährige Hand, der das Königspaar auf den Namen Aegon gebracht hat. Er scheint alles dafür zu tun, damit das stolze Haus Hightower in den Königspalast umziehen kann. Man könnte sich sogar vorstellen, dass Otto den weißen Hirsch für die königliche Hirschjagd ausgesetzt hat, damit Viserys zur Feier des zweiten Namenstages von Aegon ein vermeintliches Zeichen der Sieben Götter erkennt, die Thronfolge doch noch mal zu überdenken. Am Ende wird es bezeichnenderweise nur Rhaenyra sein, die das majestätische Tier zu Gesicht kriegt - und es ziehen lässt.

Sie befindet sich in der neuen Episode an einem ähnlichen Punkt wie zuletzt ihr Vater, weil man sie unter die Haube drängt. Diesmal ist es ironischerweise Viserys selbst, der den größten Druck macht. Insgeheim dient die Jagd einer Bräutigamschau für die Prinzessin, denn alle großen Lords sind angereist. Besonders aufdringlich ist der schmierige Charmeur Jason Lannister, den Rhaenyra ziemlich lustig auflaufen lässt. Auch Lord Jasons Zwillingsbruder Ser Tyland, der Lord Velaryon als Master of Ships im Kleinen Rat ersetzt hat, lernen wir kennen. Beide werden gespielt von Jefferson Hall, der tatsächlich einst auch eine kleine Nebenrolle in der ersten „Thrones“-Staffel hatte...

Lyonel Strong (Gavin Spokes), der Master of Laws und Lord von Harrenhal, hat seine beiden Söhne Ser Harwin (Ryan Corr) und Larys (Matthew Needham) mitgebracht. Während Ersterer als stärkster Ritter der Sieben Königslande gilt und sich dadurch den Spitznamen „Knochenbrecher“ verdient hat, läuft Letzterer am Stock und setzt sich lieber zu den Ladys, um pikante Gerüchte aufzuschnappen. Unterschätzen sollte man keinen der Strongs, obwohl ihr Vater gegenüber seinem König zugibt, dass sie - oder in dem Fall nur Harwin - vermutlich nicht die beste Partie für die Prinzessin abgeben würden. Stattdessen schlägt Lord Strong einen Mann vor, den wir etwas später kennenlernen.

Otto hat natürlich auch noch einen möglichen Heiratskandidaten für Rhaenyra im Sinn, der von Viserys jedoch nur mit einem ungläubigen Lachen abgetan wird. Otto will nämlich seinen Enkel Aegon mit der künftigen Königin vermählen, obwohl der Kleine noch nicht mal „Ja, ich will“, sondern höchstens „Gugu gaga“ sagen könnte. Klar würde die Ehe sowieso erst später geschlossen werden, aber Viserys will von der Hochzeit zwischen Halbbruder und Halbschwester - seinen beiden Kindern - partout nichts wissen. Der Aspekt Inzest dürfte dafür nicht den Ausschlag geben, immerhin waren Viserys' eigene Eltern und Großeltern jeweils Geschwister. Eher geht es ihm wohl um den eklatanten Altersunterschied, der ihn selbst ja auch von der Heirat des Velaryon-Mädchens abhielt.

Rhaenyra

Während sich Viserys durch die politischen Spielchen (und auch durch seine fortschreitende Krankheit) die Jagd verderben lässt - die sowieso recht unrühmlich gestaltet wird -, stiehlt sich Rhaenyra davon, um nicht weiter von Bewerbern um ihre Hand belästigt zu werden. Sie reitet allein in den Kingswood, wird jedoch von Ser Criston Cole (Fabien Frankel) verfolgt, den sie kürzlich in den elitären Ritterorden der weißmäntligen Königsgarde einlud. Seine Anwesenheit erduldet die pubertäre Prinzessin am liebsten, weil sie ziemlich verknallt in den schönen Ritter zu sein scheint. Dumm nur, dass aus der romantischen Nacht zu zweit am Lagerfeuer bald ein Horrortrip mitsamt Wildschweinangriff wird.

Fans von „Game of Thrones“ erinnern sich natürlich daran, dass knapp 200 Jahre später auch König Robert Baratheon durch eine solche Eberattacke ums Leben kommen wird. Doch Rhaenyra und Criston gewinnen gegen die Bestie und dadurch später mit einer beeindruckenden Ausbeute ins Jagdlager zurückkehren. Wie die Thronerbin triumphal mit blutverschmierten Haaren auftritt, beeindruckt selbst ihren heimlichen Gegner Otto, wie man seinem Gesicht ansieht. Schade, dass er nicht auch den coolen Soundtrack von Ramin Djawadi hört, denn das würde ihm wohl noch mehr Respekt einflößen. Stattdessen plant er mit Alicent bald schon den nächsten Streich, um Rhaenyra in der Thronfolge zu übergehen und stattdessen Aegon einzusetzen.

Tragisch ist bei alldem, dass Rhaenyra als aufmüpfige Teenagerin unmöglich ahnen kann, wie wichtig die für sie so lästige Frage nach dem richtigen Ehemann noch werden könnte. So komisch es auch klingen mag: Ihren blutjungen Halbbruder Aegon zu heiraten, wäre alles in allem wahrscheinlich die klügste Wahl, denn sie böte einen Kompromiss zwischen den zwei Fraktionen. Außerdem könnte Rhaenyra den Knirps vermutlich leicht lenken, wenn er erst mal alt genug ist, dass er überhaupt sprechen kann. Ansonsten ist die Option, die Lord Strong ins Spiel bringt, aber auch nicht übel. Doch dafür müssen wir erst mal den Mann kennenlernen, um den es geht...

Es handelt sich um Laenor Velaryon (Theo Nate), den wir im Pilot nur als Kind auf der Tribüne sahen. Er ist der älteste Sohn der Seeschlange und von Prinzessin Rhaenys (Eve Best) aka „The Queen Who Never Was“. Und aufgrund seiner mütterlichen Targaryen-Abstammung ist auch er ein Drachenreiter, wobei seine Bestie Seasmoke (zu Deutsch: Seerauch) eher noch zu den kleineren Drachen gehört. Trotzdem kriegen wir beim Krieg um die Stepstones, bei dem Laenor seinen Vater logischerweise unterstützt, eine beeindruckende Kostprobe seiner feurigen Macht zu sehen.

Laenor sollte sich auf jeden Fall beim Regisseur Greg Yaitanes (wie schon bei der letzten Folge), dem Showrunner Ryan Condal - der nach dem jüngsten Ausstieg seines Partners Miguel Sapochnik ab Staffel zwei solo unterwegs ist - sowie beim Autor Gabe Fonseca, der diesmal am Drehbuch beteiligt war, bedanken. So einen epischen Einstieg in das Fantasyuniversum von Franchise-Vater George R. R. Martin kriegt wahrlich nicht jeder. Hoffentlich wird der Charakter dem auch gerecht, zumal er als potentieller Ehemann der Protagonistin Rhaenyra ziemlich wichtig werden dürfte.

Daemon

Wichtig für die Serie ist und bleibt natürlich auch Daemon, wenngleich er sich weiterhin mit Unwichtigkeiten beschäftigt. Der Kampf gegen den Crabfeeder sollte dem verbannten kleinen Bruder des Königs neues Ansehen einbringen. Stattdessen hat sich der Krieg auf den Stepstones zu einer frustrierenden Pattsituation entwickelt, denn gegen die Guerilla-Taktik der Piraten kann nicht einmal Daemons spindeldürrer Riesendrache Caraxes etwas ausrichten. Als Viserys aus Mitleid - angespornt von seiner neuen Königin - militärische Hilfe in Aussicht stellt, fühlt sich Daemon düpiert und wagt ein lebensmüdes Alles-oder-nichts-Manöver.

Er schwingt die weiße Fahne und lockt so den Crabfeeder, der offensichtlich an der tödlichen Versteinerungskrankheit Greyscale leidet, aus seinem Versteck. Dann metzelt Daemon mit seinem Valyrischen Schwert „Dark Sister“ ein ganzes Heer im Alleingang nieder, während Caraxes den Rest in Flammen aufgehen lässt. Den armen Velaryons lässt er kaum noch etwas übrig. Und das war es dann schon wieder mit dem vermeintlichen Superschurken Crabfeeder, der so beudeutungsvoll aufgebaut wurde, nur um nach drei Folgen seinen Kopf zu verlieren.

Die antiklimaktische Auflösung dieses vor allem visuell anspruchsvollen Nebenhandlungsstrangs stellt für mich kein großes Problem dar. Es wurde nie wirklich der Anschein erweckt, dass die Sache auf den Stepstones für die große Erzählung der Serie allzu wichtig werden würde. Vielmehr waren die Stepstones eine Bühne, um uns früh ein bisschen Drachenaction zu bieten. Diese Funktion wurde hervorragend erfüllt. Nun hofft man natürlich, dass Daemon zurück nach King's Landing kehrt, um den ohnehin schon vertrackten Konflikt um die Krone noch ein bisschen komplizierter und vor allem wieder humorvoller zu machen.

Alles in allem eine starke Episode, sowohl oberflächlich als auch in der Substanz. 4,5 von 5 weißen Hirschen!

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