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Hoops: Review der Pilotepisode

Hoops: Review der Pilotepisode

Hoops (c) Netflix
Hoops (c) Netflix

Kennt Ihr das, wenn Ihr eine Serie wegen der Beteiligten an sich gerne mögen würdet, sie Euch das aber beim Ersteindruck sozusagen unmöglich macht? So ist es bei der neuen Animationsserie Hoops, die bei Netflix ihre Premiere feiert. Zu hören sind etwa Jake M. Johnson und Ron Funches.

Animationsserien sind in Corona-Zeiten recht angesagt, weil man sie mit langer Vorlaufzeit produzieren und entwickeln kann, ohne dass allzu viele „echte“ Menschen gemeinsam an einem Ort sein müssen. Netflix hat sich in den letzten Jahren als Heimat für Zeichentricks für ein erwachsenes Publikum gemausert. Big Mouth, BoJack Horseman, F Is for Family und einige andere können hier ihr Publikum finden, fernab von Network-Auflagen. Manchmal wird man den Eindruck nicht los, dass zu viel Freiheit aber auch schädlich sein kann. So etwa bei Paradise PD, wo man dann einfach sämtliche Tabus bricht und darauf hofft, witzig zu sein.

Noch schlimmer ist es, wenn man das bisherige Werk vieler Beteiligter mag und dann enttäuscht wird. Einen solchen Fall haben wir nun mit Hoops.

Geschaffen wurde das Zeichentrickformat von Ben Hoffman („The Late Late Show with James Corden“). Als Produzenten sind außerdem Phil Lord und Chris Miller an Bord, die als Duo die FOX-Comedy The Last Man on Earth schufen sowie Filme wie „21 Jump Street“, „Spider-Man: A New Universe“ oder „The LEGO Movie“. Mir ist bewusst, dass die guten Produzentennamen heutzutage oft nur genutzt werden, um ein Projekt an interessierte Sender oder Streamingdienste zu verkaufen und sie selbst dann wahrscheinlich wenig Hand angelegt haben - davon weiß der Otto Normalzuschauer in der Regel aber nichts.

Jake M. Johnson, den man als Nick aus New Girl oder auch aus „Jurassic World“ kennen könnte, hat die Hauptrolle inne und macht das objektiv in der englischen Originalfassung auch genauso, wie man es erwarten würde. An seiner Performance gibt es nichts auszusetzen. Es ist vielmehr das einfallslose Drehbuch, das auf Tabubruch gebürstet ist und welches mir schon nach der Debütfolge jegliche Lust nimmt, weiterzuschauen.

Er spricht den Sportlehrer Ben Hopkins, der an der Lenwood High das Basketballteam trainiert. Seine Mannschaft ist für den Sport körperlich ungeeignet, weil zu klein. Siege sind also eher ein Fremdwort. Das ändert nichts an der Tatsache, dass Ben ein Hitzkopf und Großmaul ist, das sein Team gerne gewinnen sehen möchte. Insgesamt ist sein Leben miserabel: Er ist geschieden, sein Vater war einmal Profispieler und besitzt nun ein Familienrestaurant - wenig Geld hat er obendrein. Mehr als 85 Dollar besitzt er, wie er mehrfach betont, einfach nicht. Nun droht er, seinen Job und seine Existenz zu verlieren, wenn er nicht die Kehrtwende schafft. Im Sinn hat er Verstärkung durch den großgewachsenen Matty (A. D. Miles), doch den muss er erst überzeugen und kommt dabei auf die schlimmstmögliche Variante: Er will dem Schüler dabei helfen, flachgelegt zu werden.

Verfehlter Humor: Air Ball

© IMAGO
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© Netflix
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Und hier beginnt die Tour de Force dieser Folge. Denn Ben fragt nicht nur seine Schülerin nach einem Date für ihn, sondern auch sein Team, seinen Vater und auch noch eine Prostituierte, die jedoch 500 Dollar für Geschlechtsverkehr verlangt. Das ist alles ist einfach nur falsch und nicht lustig und verursacht beim Anschauen bereits Schmerzen. Ich kann sehen, dass die Autoren das mit viel schwarzem Humor als witzige Idee angesehen haben, aber bei mir zumindest sorgt das für Ablehnung und erinnert mich an Paradise PD, was am Ende für mich ein ähnlicher Totalausfall war.

Nebenbei bietet Ben sein iPad der ersten Generation ständig für Gegenleistungen an und spricht über einen obskuren Film, aber witzig ist anders... Auch wenn die beteiligten Sprecher sehr talentiert sind und es andernorts unter Beweis gestellt haben, gelingt hier auf kreativer Ebene leider so gut wie nichts. Im Endeffekt scheitert Ben zwar, aber Matty kommt ins Team und kann die gnadenlosen Loser also zu nur noch zu ziemlichen Losern machen. Es ist ein langer Weg zu einem etwaigen Erfolg. Underdogstorys sind ja auch oft unterhaltsam. Diese jedoch eher nicht.

Es ist nicht so, dass bei Animationsserien der Ersteindruck etwas über den Rest der Serienqualität aussagt, denn auch South Park, The Simpsons, Family Guy und Co mussten erst zu sich finden. Und erst kürzlich habe ich bemerkt, dass beispielsweise bei Harley Quinn die zweite Staffel um viele Längen besser ist als noch der Auftakt und die ersten Episoden, so dass ich doch noch großer Fan des Formats wurde. Aber bei Hoops bin ich nach der ersten Folge irgendwie schon sehr satt und kaum noch umzustimmen. Wer es witzig findet, dass Minderjährige - auch wenn sie schon in der Highschool befinden - prostituiert werden, der kann gerne dranbleiben. Ich hatte jedenfalls nicht mal Lust auf die sich anbietenden Wortspiele zu Basketball, was ja auch irgendwo ein Thema dieser Serie ist. Da wurde der interessante kreative Freiwurf also komplett verfehlt. Der Animationsstil ist an sich auch okay und nicht abstoßend, wie es bei anderen Beispielen mal zutrifft. Daran gibt es also nichts auszusetzen, womit man sich immerhin einen Anstandsstern verdient.

Fazit

© IMAGO
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© Netflix
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Somit bin ich nach einer Folge von Hoops nun jedoch raus und habe eigentlich auch kein Interesse, je weiterzuschauen. Und erneut ist es so, dass man offenbar bewusst einen Ersteindruck einer Serie so versemmelt. Vielleicht spielt bei der Herangehensweise eine Art Arroganz mit hinein, da man denkt, dass die Zuschauer bei einem Streamingdienst ohnehin aus Langeweile dranbleiben könnten.

Hier abschließend noch der Trailer zur neuen Serie „Hoops“:

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Adam Arndt

Der Artikel Hoops: Review der Pilotepisode wurde von Adam Arndt am Uhr erstmalig veröffentlicht. Adam Arndt hat bereits 18.096 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Adam Arndt

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