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His Dark Materials: Lyra's Jordan - Review der Pilotfolge

His Dark Materials: Lyra's Jordan - Review der Pilotfolge

Kritik der Episode 1x01

His Dark Materials (c) BBC One
His Dark Materials (c) BBC One

Die BBC entführt den Zuschauer in His Dark Materials mit ganz viel Charme in die nicht ganz so magische Fantasywelt des Waisenmädchens Lyra, die sich auf die Suche nach ihrem besten Freund begibt. Die abenteuerliche Reise basiert auf der Romanreihe von Philip Pullman.

His Dark Materials basiert auf der dreiteiligen Jugendromanreihe von Philip Pullman, deren erster Teil bereits 2007 mit „Der Goldene Kompass“ verfilmt wurde. Auch, wenn der Film mit Stars wie Nicole Kidman oder Daniel Craig aufwarten konnte, waren Fans der Buchvorlage von der Verfilmung eher enttäuscht. Schließlich wurde die Geschichte stark verändert und die religionskritischen Inhalte der Buchvorlage entschärft. Die BBC möchte nun in Zusammenarbeit mit HBO den Büchern mit einer Serie gerecht werden und hat sich dafür vor der Kamera Stars wie James McAvoy, Andrew Scott und Dafne Keen gesichert und als Regisseur für die Pilotepisode konnte Tom Hooper („The King's Speech“) gewonnen werden. Eigentlich gute Voraussetzungen, damit die erste Folge Lyra's Jordan wirklich zauberhaft wird.

Mehr Wissenschaft als Fantasy

Das Universum von „His Dark Materials“ ist an ein Großbritannien, irgendwann um die 1940er Jahre angelehnt, das sich aber durch einige Fantasyelemente von unserer Realität unterscheidet. Da wäre zum einen, dass die Seele eines Menschen sich als ein Tier, genannt Daemon, manifestiert, das einem niemals von der Seite weicht, und zum anderen, dass es ein mysteriöses und unsichtbares Material namens Dust gibt, das jeden erwachsenen Menschen umgibt. In dieser Welt lebt das neugierige und abenteuerlustige Waisenmädchen Lyra (Dafne Keen) und ihr Daemon Pan. Ihr Onkel, Lord Asriel (James McAvoy), hat die beiden als Babys zum Jordan College in Oxford gebracht, an dem sie zusammen mit ihrem besten Freund Roger aufwachsen. Lyras großer Traum ist es, ihren Onkel auf einer seiner Expeditionen in den Norden, bei denen er den kosmischen Dust erforscht, zu begleiten. Doch, als Roger unter rätselhaften Umständen verschwindet, muss sie ihn erst mal wiederfinden.

Die Macher haben sich bei der Inszenierung von Lyras Welt mit fantastischen Elementen zurückgehalten, so dass sich das Universum bodenständig anfühlt und aufgrund des britischen Einflusses an „Harry Potter“ oder die „Chroniken von Narnia“ erinnert. Die Serie entführt die Zuschauer nicht in eine magische Fantasywelt, sondern in ein Universum, das von Wissenschaft und Technologie geprägt ist. Lord Asriel weist den Dust zum Beispiel nicht mit Magie, sondern mit einem chemischen Prozess nach, der ihn auf Fotos sichtbar macht. Selbst die magischen Komponenten wie Daemonen, Dust und der goldene Kompass, erhalten durch die steampunkige Umgebung, eine realistische Konnotation.

Als Gegenspieler zu Lyra und ihrem Onkel wird das Magisterium eingeführt, eine religiöse Organisation, die das Leben der Bewohner beherrscht und an das Christentum angelehnt ist. Tatsächlich hat Philip Pullman seine Romanreihe bewusst als Gegenstück zu „Die Chroniken von Narnia“ von C. S. Lewis entworfen, die einen stark christlichen Unterton aufweisen. Da die Welt wissenschaftlich orientiert ist, stört es nur hin und wieder, dass man nicht immer das Gefühl hat, sich in einer fantastischen und fremden Umgebung zu befinden. Zwar bietet das Universum interessante Ansätze, aber die erste Episode hat noch nicht ihren eignen Stil gefunden hat, der „His Dark Materials“ von anderen Fantasy-Franchises abheben könnte.

So süß waren Tiere selten

Die Charaktere versprühen dagegen eine wunderbare Frische. Allen voran Protagonistin Lyra, die zusammen mit Pan eine wirklich liebenswürdige Figur mit starkem Charakter bildet. Übertroffen wird sie nur noch von ihrem kleinen, rotbäckigen Freund Roger und den Daemonen, die nicht nur unfassbar süß aussehen, sondern auch passende, wenn auch sehr menschliche, Stimmen haben. Leider wird zu Beginn nicht deutlich etabliert, dass Daemonen ihre Gestalt in jungen Jahren beliebig verändern können, wodurch in einer actionreichen Szene Verwirrung entsteht. Trotzdem sind die Tiere, die mit einer ganzen Menge Liebe zum Detail animiert sind, ein Highlight von „His Dark Materials“ und sie ermöglichen tatsächlich einen Einblick in die Seele ihres menschlichen Partners. Diese Leidenschaft für das Universum durchzieht die gesamte erste Folge dieser hervorragend produzierten Serie.

© IMAGO
© IMAGO
© BBC One
© BBC One

Trotz der Nähe zu unserer Welt wirft die erste Episode dennoch gleich eine ganze Reihe von Fragen auf - allen voran die, was es mit dem rätselhaften Dust auf sich hat. Einerseits motivieren die ganzen Andeutungen, weiterzuschauen und zu beobachten, wie sich das Universum Stück für Stück weiter entfaltet und größer wird. Andererseits wird man nach der ersten Folge bereits leicht überfordert zurückgelassen.

His Dark Materials“ leidet in der ersten Episode unter ein paar Kinderkrankheiten. Denn so richtig hat die Serie ihren Rhythmus und Stil noch nicht gefunden. Trotzdem kommt sie von Anfang an so charmant und liebenswürdig daher, dass man über die kleinen Fehler hinwegsehen kann, wenn man Lust auf eine bodenständige und etwas authentischere Fantasyserie hat, die zwar ernste Themen, wie Religion, anspricht, aber nie so düster wird, dass Kinder und Jugendliche keinen Spaß haben könnten.

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Christina Greiner

Der Artikel His Dark Materials: Lyra's Jordan - Review der Pilotfolge wurde von Christina Greiner am Uhr erstmalig veröffentlicht. Christina Greiner hat bereits 173 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht.

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