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Ein Herz für Klassiker: Die Königin der tausend Jahre

Ein Herz für Klassiker: Die Königin der tausend Jahre

Die Königin der tausend Jahre (c) KSM/Toei/Fuji TV
Die Königin der tausend Jahre (c) KSM/Toei/Fuji TV

Die Königin der tausend Jahre war die vielleicht erste Animeserie, die in Deutschland vollständig und in der richtigen Reihenfolge ausgestrahlt wurde. Eine liebevolle Erinnerung an eine Zeit, in der Privatsender im TV noch kleine Fernsehwunder vollbringen konnten.

Das ist los

Nichts liebt der vierzehnjährige Hajime Amamori so sehr, wie die Sterne. Das verwundert kaum, ist sein Vater doch Elektro-Ingenieur für Raumschiffantriebe und sein Onkel Leiter des größten und modernsten Observatoriums Japans. Als der Teenager daher eines Tages das versprochene, von seinem Vater selbst entworfene, Teleskop in seinem Zimmer vorfindet, ist er überglücklich. Doch die Freude wird jäh getrübt, denn als er sich auf dem Dach des Familienhauses den Sternenhimmel anschauen will, beobachtet er etwas Eigenartiges: Ein Mann im Trenchcoat lungert unter einer Laterne herum und scheint die Amamoris zu observieren.

Als Hajime seine Mutter ruft, ist der Mann fort. Am nächsten Morgen möchte der Junge seinen vielbeschäftigten Papa in dessen Werkstatt besuchen, doch als er näherkommt, blendet ihn ein leuchtend greller Schein. Ingenieur Amamori kann seinen Sohn gerade noch dazu bewegen, fortzulaufen, als das ganze Haus der Eltern in einem riesigen Flammenball explodiert. Nachdem klar ist, dass Vater und Mutter umgekommen sind und der Mann im Trenchcoat immer wieder auftaucht, keimt in Hajime ein schrecklicher Verdacht: wurde seine Familie ermordet? Aber wenn ja, warum?

Zeitgleich in der größten Sternwarte Japans: An dem Abend vor dem Tod des Bruders entdeckt Professor Amamori, Hajimes Onkel, gemeinsam mit seiner Assistentin Yayoi Yokino etwas, das die wissenschaftliche Gemeinschaft überrascht. Ein zehnter Planet befindet sich auf einer elliptischen Umlaufbahn um die Sonne und wird die Erde am 9.9.1999 und 9 Uhr und 9 Minuten sehr nah passieren. Dies könnte schreckliche Folgen für die ganze Welt nach sich ziehen - Erdbeben, Tsunamis, tektonische Plattenbewegungen, Vulkanausbrüche. Die Schwerkraft der fremden Welt würde die Erdkruste aufreißen lassen und Millionen, wenn nicht gar Milliarden Menschen den Tod finden.

Zunächst hat der Astronom allerdings nicht viel Zeit, sich mit dem Phänomen zu befassen, denn als er erfährt, dass sein Bruder ums Leben gekommen ist, nimmt er sich des kleinen Hajimes an und holt ihn zu sich. Der kann seinen Onkel nach einigen beunruhigenden Vorfällen mit einer Organisation namens „Die Diebe der 1000 Jahre“ schließlich überzeugen, dass seine Eltern Opfer eines brutalen und feigen Mordes geworden sind. Während sich der fremde Planet als drohendes Unheil der Erde immer weiter nähert, suchen die beiden nun auch nach den Zusammenhängen, die zum Tod des geliebten Vaters, Bruders, der Mutter und Schwägerin führten.

Erinnerungen

Wenn der Autor dieses Artikels an sein frühes Erwachsenenleben und das Jahr 1991 (also mit 23 zarten Lenzen) denkt, fällt ihm oft ein beinahe apokalyptisch anmutendes Datum mit entsprechender Uhrzeit ein: Der 9.9.1999, und zwar genau 9 Uhr und 9 Minuten. Wir schrieben den 15. März, als auf Tele 5 (dem gleichnamigen Vorgänger des heutigen Senders) die Pilotfolge einer Animeserie lief, die dramatisch begann und einen wundervollen Sense of Wonder versprühte. Ihr Name: Die Königin der tausend Jahre (im Original: „Shin Taketori Monogatari“, „Die Geschichte vom Bambusschneider“).

Die Serie ist bis heute in Deutschland nicht auf DVD/BD erschienen und soll erst Ende 2022 ihren Weg in als Komplettbox in die deutschen Läden, und hoffentlich erneut in die Herzen der Anime-Fans finden. Der Autor jedenfalls schloss die Geschichte um den vierzehnjährigen Hajime Amamori und die geheimnisvolle Yayoi schon sehr früh in selbiges und programmierte regelmäßig seinen VHS-Rekorder, da die Sendung zu einer Zeit kam, zu der er meist noch arbeitete. Umso glücklicher schätzt er sich, dass er immer noch alle einundvierzig Folgen (eigentlich sind es zweiundvierzig, eine wurde jedoch nie ausgestrahlt) in einigermaßen ansehnlicher Qualität besitzt.

Gemacht von einem Könner

Die Show stammt vom japanischen Zeichner Leiji Matsumoto (u.a. „Spacebattleship Yamato“, „Captain Harlock“), der hier eher eine ungewöhnliche Figurenzeichnung gewählt hat.

Während ein Teil der Haupt- und Nebenfiguren, so etwa Yayoi Yokino, der Chef der Diebe beziehungsweise Selene, der Mann im Trenchcoat sowie eigentlich fast die gesamte Erdbevölkerung relativ realistisch dargestellt ist, trifft dies auf exakt fünf Charaktere nicht zu: die Hauptfigur Hajime, seinen Onkel, den Eltern Yayois und Hajimes Vater. Sie alle zeichnen sich durch ein fast karikatives, comichaftes Aussehen aus, was sie gekonnt vom sonstigen Zeichenstil abhebt. Auf der einen Seite wurde dies häufiger von Zuschauern kritisiert. Auf der anderen Seite betrifft diese stilistische Eigenart genau jene Personen, die entweder Hajime, oder Yayoi den Wert der (Nächsten-)Liebe vermitteln, was dieser Entscheidung einer prominenten Bedeutung zuführt. In den Jahren 1981 bis 1982 folgte schließlich die TV-Adaption unter der Regie von Nobutake Nishizwawa, die sich nah am zeichnerischen Vorbild orientierte und schnell zum Hit avancierte.

Die wahre Geschichte vom Bambussammler

Die Geschichte selbst beruht mehr oder weniger lose auf dem mittelalterlichen japanischen Märchen „Die Geschichte vom Bambussammler“ („Taketori Monogatari“), im dem es um die Mondprinzessin Kaguya geht, die als Kind auf der Erde ausgesetzt wird. Sie wird von einem Bambussammler gefunden und von ihm und seiner Gattin gemeinsam wie ein eigenes Kind aufgezogen. Sie wächst zu einer, im Sinne des Wortes, „strahlenden Schönheit“ heran. Nachdem fünf Adlige und sogar der Kaiser um sie gefreit haben, doch ihre Liebe letztlich nicht erringen konnten, kehrt sie in den Palast des Mondes und nie wieder zur Erde zurück.

Um den Beginn und das Ende dieser wundervollen Geschichte entwickelte Leiji Matsumoto eine nicht minder schöne Science-Fiction-Story um die junge Yayoi vom Planeten Lametal, der sich in einer weiten Umlaufbahn um die Sonne bewegt und alle 1000 Jahre nahe an der Erde vorbeizieht. Die meiste Zeit ist die fremde Welt erstarrt, die Bewohner fristen ihr Dasein unter dem ewigen Eis. Deshalb werden kurz vor der kosmischen Begegnung die klügsten Köpfe der Erde entführt, um Lametal ewigen Wohlstand in der Zeit der Vereisung zu gewährleisten.

Ihre Kinder und Kindeskinder werden als Sklaven in den Minen und Fabriken eingesetzt. Doch der Plan schlägt fehl, denn die junge Königin der 1000 Jahre entdeckt auf unserer Heimatwelt etwas ihr bislang Fremdes: Dank Hajime, ihren Zieheltern und einigen anderen guten Menschen entwickelt sie Gefühle wie Nächstenliebe, Bruder- und Schwesterliebe, aber auch wahre Liebe. Dieser Teil hat zwar mit dem Märchen an sich nichts mehr gemein, gibt der Geschichte aber eine neue Richtung, die Matsumoto mit Spannung zu erzählen versteht.

Nicht nur für Kinder

Trotz dieser kindgerechten Thematik ist Die Königin der tausend Jahre sicherlich nach keine reine Jugendgeschichte. In Japan zieht man derartige Unterschiede sowieso eher weniger. In Deutschland war dies jedoch lange Zeit anders. Man stelle sich einmal vor, dass selbst eine Serie wie Captain Future bei besorgten Eltern Entrüstungsstürme auslöste, da die Kinder- und Jugendserie für damalige Verhältnisse inhaltlich und inszenatorisch relativ hart und brutal war. Es kam nicht selten vor, dass geschossen wurde, oder gar jemand starb. Das war hier nicht viel anders.

Doch 1991 war die Fernsehlandschaft glücklicherweise im Begriff, sicher unwiderruflich weiterzuentwickeln. Die ersten Privatsender gaben nicht mehr allzu viel um erboste Elternbriefe und strahlten die Serie trotz ihres verhältnismäßig hohen Härtegrads dennoch vollständig aus. Darüber hinaus handelt es möglicherweise um das erste Science-Fiction Anime überhaupt mit übergreifendem Handlungsbogen, das in der BRD je gezeigt wurde. Insofern darf man Tele 5 (also dem ehemaligen Münchener Privatsender) für diese Pionierleistung durchaus dankbar sein.  

Schlusswort

Die Königin der 1000 Jahre“ ist insofern ein wertvolles Stück Fernsehgeschichte und gleichsam, spannende wie erinnerungswürdige Unterhaltung. Titel- und Schlussmusik sind grandios, die Geschichte ist gefühlvoll und stimmig erzählt und Action gibt es reichlich. Die Motivation der Hauptfiguren sind stets nachvollziehbar und die Serie ist überdies ein Statement für Nächstenliebe und den Frieden. Weder die US-amerikanische Variante, die einen Schulterschluss mit dem Captain-Harlock-Universum versucht, noch der in vielen Details abgewandelte Kinofilm können mit den 42 25-minütigen Episoden mithalten. Es bleibt zu hoffen, dass die Serie es Ende des Jahres nun tatsächlich auf DVD und Blu-ray schafft, angekündigt hat KSM Anime es zumindest. Drücken wir also die Daumen.

Hier abschließend noch das Opening zur Serie „Die Königin der tausend Jahre“:

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Reinhard Prahl

Der Artikel Ein Herz für Klassiker: Die Königin der tausend Jahre wurde von Reinhard Prahl am Uhr erstmalig veröffentlicht.

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