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Warum heißen Sitcom-Figuren oft so wie ihre Darsteller?

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Fran Drescher als Fran in „Happily Divorced“, Charlie Sheen als Charlie in „Two and a Half Men“, Whitney Cummings als „Whitney“ / (c) TV Land/WBTV/NBC (Montage: SJ)
Fran Drescher als Fran in „Happily Divorced“, Charlie Sheen als Charlie in „Two and a Half Men“, Whitney Cummings als „Whitney“ / (c) TV Land/WBTV/NBC (Montage: SJ)

Charlie Sheen wird in seiner neuen Sitcom wieder Charlie heißen. Und Fran Drescher heißt sowieso immer und überall Fran. Warum werden in Sitcoms die Figuren so oft nach ihren Darstellern benannt? Versuch einer Antwort.

Warum werden eigentlich so oft die realen Vornamen für die Rollen genommen?

Nach Spin City und Two And A Half Men wird Charlie Sheen nun auch in Anger Management eine Figur namens Charlie spielen. Auch Fran Drescher ist - nach The Nanny und Living With Fran - in Happily Divorced schon bei ihrer dritten Figur namens Fran angelangt. In Roseanne, Ellen und Whitney übertrug sich der Name der Hauptdarstellerin nicht nur auf ihren Rollennamen, sondern sogar auf den Titel ihrer jeweiligen Serie.

Die Frage ist also nicht ganz unberechtigt: Woher kommt dieses Phänomen überhaupt? Warum tragen - insbesondere in US-Sitcoms - Darsteller und Rolle häufig den gleichen (Vor-) Namen?

Zurückzugehen scheint dies vor allem auf das besonders in den USA stark ausgeprägte Starsystem. Stars sind aus der Perspektive der Rezeption, ähnlich wie Genres, Orientierungshilfen für den Zuschauer. Weil mir seine bisherigen Rollen gefallen haben, weil ich ihn von seinem persönlichen Auftreten in der Öffentlichkeit her mag und/oder weil ich weiß, was mich an Unterhaltungswert in seinen Filmen, Bühnenstücken oder Serien erwartet, bin ich geneigt, mir weitere Produktionen mit Schauspieler XY anzuschauen.

Der gemeinsame Vorname von Star und Figur fungiert dabei als Indikator für die Kontinuität des Star-Images. Egal, welche Rolle Fran Drescher auch spielt - dadurch dass sie in ihren Serien immer Fran heißt, zeigt sie an, dass im Kern immer etwas von der Fran in ihren Rollen steckt, die ihre Fans aus den früheren Serien (insbesondere The Nanny) schätzen und lieben gelernt haben.

Das Star-Image speist sich selbstverständlich nicht nur aus den vorangegangenen Rollen, sondern auch aus allen anderen über einen Star zirkulierenden Informationen (ob zutreffend oder nicht). Dazu kann ein wildes und bewegtes Privatleben gehören, welches ohne jede Frage das primäre Verbindungsmerkmal zwischen Charlie Sheen und Charlie Harper war. Und sehr wahrscheinlich werden die Produzenten von Anger Management darauf spekulieren, dass durch die gleichlautenden Vornamen auch etwas von dem „Vatikan-Killer“ und „Tigerblut“ in der Rolle mitschwingt.

Die Darsteller, deren Namen sich auf Hauptrolle und sogar Titel einer Serie übertragen, sind zumeist entweder bereits aus anderen Serien oder aus anderen medialen Zusammenhängen (Filme, Bühnenshows, Stand-up-Comedy oder Ähnliches) dem Publikum, oder zumindest Teilen davon, ein Begriff, weshalb sich der Namenstransfer anbietet. Schaut her, liebes Publikum, wenn Euch die Stand-up-Acts von Whitney Cummings gefallen haben, dann werdet ihr sie auch als Whitney in ihrer neuen Sitcom mögen!

Dieser Transfer funktioniert übrigens nicht nur bei natürlichen Personen, sondern auch bei Kunstfiguren. Man denke nur an eines der herausragenden deutschen Beispiele für dieses Phänomen: Die RTL-Sitcom Alles Atze mit dem Comedian Atze Schröder.

Dass es in den USA dafür mehr Beispiele als wohl in jedem anderen Land gibt, liegt vor allem daran, dass in den Staaten die Personalisierung von Unterhaltung und auch das Zuschneiden von Serien auf einen Star hin eine sehr lange Tradition hat. Bereits seit den Tagen des Radios war es mehr die Norm als die Ausnahme, dass Serien nach ihrem Star benannt waren, was sich dann im Fernsehen nahtlos fortsetzte (zum Beispiel The Donna Reed Show, The Andy Griffith Show, The Betty White Show und natürlich The Bill Cosby Show / The Cosby Show, wobei sich die beiden letztgenannten Beispiele insofern ein wenig unterscheiden, weil die Serien zwar nach Betty White und Bill Cosby betitelt waren, die beiden jedoch keine Figuren namens Betty beziehungsweise Bill spielten).

In der Dramaserie ist diese Art der Serien-Betitelung und Namensverknüpfung in den letzten Jahrzehnten praktisch verschwunden, da Schauspieler im ernsten Fach zumeist vor allem ihre Vielseitigkeit unter Beweis stellen wollen. Dabei wäre eine Engführung zwischen Darsteller und einer einzelnen Rolle natürlich eher kontraproduktiv. Für Comedians / Schauspieler im komödiantischen Fach ergibt es dagegen weitaus mehr Sinn, sich als eine feste Marke mit einer bestimmten Art von Humor zu positionieren - und damit eher die Kontinuität zu betonen.

Darüber hinaus sind in vielen der genannten Beispiele die Comedians selbst als (Mit-) Erfinder in die Entstehung der Serien involviert gewesen. Nicht selten gründen die Konzepte auf eigenen Lebenserfahrungen, siehe zum Beispiel Paul Reiser in Mad About You, Fran Drescher in Happily Divorced, Whitney Cummings in Whitney oder auch Ellen DeGeneres in (den letzten beiden Staffeln von) Ellen, so dass sich die Namensverknüpfung von Darsteller und Rolle natürlich auch über den autobiographischen Aspekt her verstehen lässt.

Christina Greiner

Der Artikel Warum heißen Sitcom-Figuren oft so wie ihre Darsteller? wurde von Christina Greiner am Uhr erstmalig veröffentlicht. Christina Greiner hat bereits 173 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht.

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