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German Crime Story: Kritik der Pilotepisode der deutschen Amazon-Serie

German Crime Story: Kritik der Pilotepisode der deutschen Amazon-Serie

Kritik der Episode 1x01

Szenenfoto aus der ersten Episode der Serie German Crime Story, Gefesselt (c) Amazon Prime Video/ Neue Bioskop Television
Szenenfoto aus der ersten Episode der Serie German Crime Story, Gefesselt (c) Amazon Prime Video/ Neue Bioskop Television

In der deutschen True-Crime-Serie German Crime Story erzählt Regisseur Florian Schwarz mit Oliver Masucci in der Hauptrolle die Geschichte des berüchtigten Säurefassmörders nach, der in den 80er und 90er Jahren Hamburg terrorisierte.

Regisseur Florian Schwarz hat Tatort-Erfahrungen. Das merkt man der neuen Amazon Prime Video-Serie German Crime Story jedoch nicht an. In Ästhetik, Darstellerleistung und Drehbuch kann die deutsche Produktion es durchaus mit ihren US-Konkurrenten aufnehmen. Leider bleiben die Macher dennoch der deutschen Tradition treu, einen Titel auszuwählen, der das bestens verschleiert...

Wovon handelt die Serie German Crime Story?

Raik Doormann ist eloquent. Das beweist er gleich in den ersten Minuten der Pilotepisode. Als er sich und seine Profession - die Kürschnerei - vor Gericht vorstellt, liefert er ein Glanzstück ab. Von der Ermahnung, den Pathos zu unterlassen, lässt der Angeklagte sich nicht beeindrucken und führt sein Spiel durch die Pilotepisode durch.

Dass er ein gefährlicher Mensch ist, steht von Anfang außer Frage. Für die Zuschauer:innen, die keine Werbung gesehen haben und wissen, dass es sich um eine True-Crime-Serie über einen Mörder handelt, wird das direkt in verstörenden Szenen deutlich gemacht. Wir lernen Raik Doormann kennen, als er eine Leiche aus seinem Keller ins Badezimmer wuchtet und in die Badewanne legt - gruselig und eiskalt. Der Säurefassmörder in der Amazon-Serien-Version ist kein seltsamer Einzelgänger. Raik ist ein wortgewandter, beliebter Familienmann und Ladenbesitzer, der im Schwimmteam, im Freundeskreis und in der Familie gut ankommt.

Immer wieder erleben diejenigen um ihn herum kleine irritierende Momente, in denen der Kürschner sich seltsam verhält, wie als er einer Schwimmclub-Kollegin in den nächtlichen Wald folgt, wo sie sich erleichtern will. Doormann hält ihr die Taschenlampe ins Gesicht, begleitet von seltsam-dummen Sprüchen. Als der Freund der Frau ihn zur Rede stellt, kann Doormann die Vorwürfe geschickt aus der Welt räumen, indem er sie ins Lächerliche zieht und die anderen Anwesenden nicht reagieren.

Von dieser Gruppendynamik lebt der Mörder quasi. Es ist schwer, die Oberfläche des Alltags einzureißen und die meisten Menschen werden viel tun und übersehen können, solange sie sich an der Normalität festhalten können. Ungewöhnliches in der ganzen Tragweite einzuordnen, fällt schwer, wenn es innerhalb eines gewöhnten Rahmens auftaucht. Nur so kann erklärt werden, wie der Bekannte reagiert, den wir in der ersten Hälfte der Pilotepisode kennenlernen.

Doormann lädt einen Mann ein, ihm als Dolmetscher bei einem Geschäftstreffen zur Seite zu stehen. Als der Mann ankommt, führt Doormann ihn in den Keller, wo er einen Bunker eingerichtet hat. Der Mann, in der Hoffnung, dass alles normal ist, legt selbst die Hand in die Handschelle. Zu dem Zeitpunkt ist bereits deutlich, dass ihm unwohl ist und Doormann viele Grenzen überschritten hat, aber den offenen Konflikt beginnt der Mann dennoch nicht.

Doormann erpresst ihn, seiner Frau einen Brief zu schreiben, um Geld als Auslösung zu schicken und lässt den Mann alleine im Bunker. Dennoch entkommt der Mann der Situation, indem er dem Entführer ins Gewissen redet - und die beiden verabreden, nie wieder von der Sache zu sprechen. Vor Gericht kommt die Entführung zwar dann doch vor, aber sie scheint nicht der Ausschlag gewesen zu sein für die Festnahme.

In der Pilotepisode sind wir dann bei der Entführung dabei, die ihn schließlich vor Gericht bringt: die der Lebensgefährtin seines einstigen Lehrmeisters in Sachen Kürschnerei. Der besondere Dreh dabei ist, dass wir die Entführung in der Nacherzählung des Entführers erleben. Das wird stellenweise nicht besonders deutlich - aus dramaturgischer Absicht. Wir sehen also die Quälerei und die Unverfrorenheit, mit der Doormann agiert. Während er einem befreundeten Ermittler im Garten eine Bratwurst grillt, bringt er jemanden in den Keller zu seinem gefesselten und gequälten Opfer. Mit der Fähigkeit, zu blenden und Reden zu schwingen, scheint alles für Doormann in die richtige Bahn zu fallen. Stets gehen die Ereignisse zum Besten für ihn aus. Mit dieser Überzeugung schreitet er durch die Welt und vergrößert damit sein Glück, geboren aus der Blindheit seiner Zeitgenossen, sogar noch.

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Loryn Pörschke-Karimi

Der Artikel German Crime Story: Kritik der Pilotepisode der deutschen Amazon-Serie wurde von Loryn Pörschke-Karimi am Uhr erstmalig veröffentlicht. Loryn Pörschke-Karimi hat bereits 536 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Loryn Pörschke-Karimi

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