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Game of Thrones: The Iron Throne - Kritik zur 6. Folge der 8. Staffel der HBO-Fantasysaga

Game of Thrones: The Iron Throne - Review zum Serienfinale

(Fast) Alles zum Ende von „Game of Thrones“ (c) HBO
(Fast) Alles zum Ende von „Game of Thrones“ (c) HBO

Große Emotionen und große Irritationen. Erwartbare Entwicklungen und unerwartete Überraschungen. Game of Thrones schießt zum Abschluss noch einmal aus allen Rohren. Die Streuung ist dabei relativ gewaltig. Gleiches gilt für das Gefälle zwischen der Art der Inszenierung und den eigentlichen Dingen, die sich im Finale der Serie ereignen.

Wir sind hindurch. Nach etwas mehr als acht Jahren ist am gestrigen Sonntag eine kleine TV-Ära zu Ende gegangen: Game of Thrones ist nicht mehr. Die Episode The Iron Throne markiert das Ende eines außergewöhnlichen Fantasydramas, das zweifelsohne neue Maßstäbe für Serienproduktionen gesetzt hat, aber ebenso nicht frei von allen Makeln gewesen ist. Fakt ist, dass „Game of Thrones“ die globale, popkulturellle Unterhaltungslandschaft in den letzten Jahren so einschneidend geprägt hat wie kaum eine andere Marke - ob man jetzt selbst vollends begeistert von dem HBO-Titel gewesen ist oder irgendwann mit dem Format gefremdelt hat. Nicht wenige haben eine gigantische persönliche Investition geleistet, die mit ihrem Interesse und ihrer Leidenschaft für die Serie einhergegangen ist. Da verwundert es kaum, dass ebenjene nun eine Art „Auszahlung“ erwarten. Und das am besten in Form eines finalen Kapitels, das zufriedenstellend ist.

Die achte Staffel von „Game of Thrones“ hat es vielen Zuschauerinnen und Zuschauern nicht sehr leicht gemacht. Wo die Probleme gelegen haben, wurde bereits ausreichend thematisiert. Am Ende läuft es immer wieder auf das Pacing der Serie hinaus, in der irgendwann (ab Staffel fünf, um genauer zu sein) Handlungsstränge und Charakterbögen eingedampft, zusammengefasst und wegrationalisiert wurden. Viele glauben, dass dies anders gelaufen wäre, wenn die beiden Autoren David Benioff und D. B. Weiss weiterhin mit der Buchvorlage von George R. R. Martin hätten arbeiten können, dessen Werk zwischenzeitlich von der Serie überholt wurde. Klar ist aber auch, dass Martins Magnum Opus für die Umsetzung im Fernsehen früher oder später radikal hätte eingekürzt werden müssen. Nicht umsonst hat der Schriftsteller seine „A Song of Ice and Fire“-Saga einst als unverfilmbar bezeichnet. Ein Mittelweg musste gefunden werden. Und dass dieser für gespaltene Gemüter sorgen würde, war so sicher wie das Amen in der Kirche.

Be a dragon

Wir hatten bisher eine inhaltliche mehrfach fragwürdige, handwerklich jedoch zumeist hervorragende achte Staffel erlebt, um die herum eine äußerst lebhafte Diskussion entstanden ist, welche sich binnen kürzester Zeit zu einem ganz eigenen, unzähmbaren Biest entwickelt hat, das in alle Richtungen ausschlägt. Mitten rein in dieses wilde Allerlei aus gebrochen Fanherzen, brutaler Meme-Kultur, nach Verständnis bittenden Apologeten, gnadenlosen Kritikern sowie einem wankelmütigen Online-Mob wird nun „The Iron Throne“ geschleudert. Die letzte „Game of Thrones“-Folge aller Zeiten wird dem Biest zum Fraß vorgeworfen, wenn man denn so möchte. Welche Überlebenschance hat eine solche Episode überhaupt? Und wie viel Anteil haben die Serie und ihre Macher selbst daran, dass man sich nun in dieser recht undankbaren Situation wiederfindet?

Die Auseinandersetzung mit dem Serienfinale von „Game of Thrones“ gestaltet sich - wenig überraschend - recht kompliziert. Die letzten, etwas weniger als 80 Minuten des Fantasydramas werfen zahlreiche Fragen auf, die man mit dementsprechend vielen Fragezeichen im Gesicht zur Kenntnis nimmt. Andererseits ergeben nicht wenige Entwicklungen im großen Gesamtbild der Serie erschreckend viel Sinn. Und als wäre es nicht schon schwierig genug, wissen die Verantwortlichen ganz genau, welche Knöpfe gedrückt werden müssen, um eine emotionale Reaktion bei den Zuschauerinnen und Zuschauern hervorzurufen, die hängen bleiben wird. In der Summe sehen wir letztlich eine extrem bunte Mischung aus vielen Stärken und Schwächen, aus klassischen, ausladenden Dialogszenen und teils sonderbaren Entscheidungen, die völlig aus dem Nichts kommen und bei näherer Betrachtung rätselhaft sind.

The wheel

Es ist eine Episode, bei der ich zwischenzeitlich aufgrund so effektiv ausgespielter, kleiner Momente mitgerissen werde, nur, um im nächsten Augenblick verdutzt meine Notizen zu ergänzen, was gerade eigentlich passiert ist. Es handelt sich bei „The Iron Throne“ sicherlich nicht um ein Serienfinale, das sich der Großteil der Zuschauerschaft gewünscht hat, geschweige denn um einen Abschluss dieser Mammutproduktion, den sie so erwartet haben. Es ist ebenso fraglich, ob es ein Serienfinale ist, das wir verdient haben, auch wenn phasenweise eine derartig selbstreferentielle Note von der Folge ausgeht, als hätten Benioff und Weiss ihren perversen Spaß daran, uns einfach nur auf dem falschen Fuß zu erwischen, um uns eben auf dem falschen Fuß zu erwischen. Koste es, was es wolle...

Insbesondere in der zweiten Hälfte der Folge, die mit einem klaren Schnitt aufgeteilt wird, häufen sich die Eindrücke, dass wir, ebenso wie die vielen Charaktere in „Game of Thrones“, auch nur ein Spielball der Macher sind, ihrem Treiben völlig ausgeliefert. Dürfen die das? Und, wenn ja, dürfen die das auf die Art und Weise, wie sie es getan haben? Ich habe keine Antwort auf diese Frage. Ich wage nicht einzuschätzen, was uns die kreativen Köpfe hinter einem Unterhaltungsprodukt, dem wir viele Jahre unserer Aufmerksamkeit und Liebe gegeben haben, schuldig und nicht schuldig sind. Ich arbeite mit dem, was man mir vorlegt. Klingt etwas unromantisch, ist aber meiner Erfahrung nach der beste Weg, um sich einer Herausforderung wie „Game of Thrones“, das über so viele Ebenen, Vorzüge und Verfehlungen verfügt, zu stellen.

© IMAGO
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© HBO
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Rule them all

Wie bereits erwähnt, kann man The Iron Throne sehr deutlich in zwei sehr unterschiedliche Hälften aufteilen. In der ersten sehen wir die direkten Aus- und Nachwirkungen der Zerstörung von King's Landing durch Daenerys (Emilia Clarke). Die verheerenden Aufnahmen rufen unschöne Bilder völlig verwüsteter Metropolen (so zum Beispiel nach der Detonation einer Atombombe) hervor, was alles andere als geschmackvoll ist und den Zuschauerinnen und Zuschauern noch einmal deutlich machen soll, welch Gräueltat sich hier zugetragen hat. Aus der Perspektive von Tyrion (Peter Dinklage) stehen wir inmitten all dem Schutt und der Asche, verzweifelte Kriegsopfer und verbrannte Leichen zur Rechten wie zur Linken...

Tyrion ist es auch, der höchstpersönlich in Erfahrung bringt, was aus Jaime (Nikolaj Coster-Waldau) und Cersei (Lena Headey) geworden ist: Seine beiden Geschwister sind tot. Ja, Tyrion hatte nie viel für seine Familie übrig, abgesehen von Jaime, doch er wollte auch immer ein Teil dieser sein und als vollwertiger Lannister wahrgenommen werden. Seine paradoxe Gefühlslage ist nachvollziehbar, irgendwie hatte er an ein versöhnliches Ende geglaubt. Nicht in dieser Welt. Doch ebenjene Welt steht vor einem gewaltigen Umschwung: Daenerys ist als neue Herrscherin aufgestiegen und Westeros war erst der Anfang. Überall will sie die Ketten der Unterdrückten sprengen und das Rad zerstören, das auf deren Rücken seine Runden dreht. Ihr Anspruch ist totalitär, ihr Duktus bedenklich und die Bildsprache der Inszenierung mehr als deutlich: Eine neue Tyrannin ist geboren, die der alten Welt gnadenlos ihre Doktrin auftragen will, wenn nötig mit Gewalt, mit Feuer und Blut.

Love is the death of duty

Tyrion hat sich geirrt, sein Glaube an Daenerys war fehlgeleitet. Nun bleibt nur noch Jon Snow (Kit Harington), der die Methodik seiner Königin und deren Gefolgsleute moralisch nicht gutheißen kann, gleichzeitig aber auch nicht in der Lage dazu ist, über seinen ehrenhaften Schatten zu springen und Daenerys abzuschwören. Jon fühlt sich zwischen dieser unmenschlichen Entscheidung etwas verloren an und ich als Zuschauer erwarte das Unvermeidbare: Er wird es sein, der die Menschen von Westeros von Daenerys erlösen wird, bevor diese eine neue „Befreiungsmission“ startet und die Welt nach ihren Gutdünken gestaltet. Ich persönlich finde diese Entwicklung etwas uninteressant, wenn auch völlig schlüssig, schaut man sich nur an, wie in dieser letzten Folge die Rollen verteilt sind. Und auch, wenn ein Teil von mir nach wie vor darauf besteht, dass Daenerys als Charakter ein Stück weit Unrecht getan wurde, geht die Hinführung zu diesem tragischen Moment zwischen ihr und Jon auf.

Ich weiß nicht, wie notwendig es gewesen ist, Tyrion noch einmal sehr klar auflisten zu lassen, wie es dazugekommen ist, dass Daenerys diesen dunklen Pfad betreten hat. Ich finde es aber gut, dass man sich der sehr schwierigen Entscheidungsfindung Jons in einer elaborierten Dialogszene mit Tyrion stellt, in der ich die Standpunkte beider Parteien und ihre Argumentation verstehen kann. Tyrion hat sich maßlos verkalkuliert und wurde dafür bestraft, Jon ist eine Geisel seiner eigenen Tugenden und seiner Zuneigung zu Daenerys. Beide haben Logik und Vernunft links liegen lassen, aufgrund Liebe und ihres Glaubens an jemanden, an die man nicht ohne Grund glauben konnte. Natürlich ärgern wir uns darüber, dass die Figuren nicht das machen, was sie längst hätten tun sollen, dass sie nicht „intelligenter“ agieren. Aber die Serie hat sich auch stets zu eigen gemacht, die eklatanten Schwächen der verschiedenen, unverbesserlichen Charaktere erbarmungslos auszunutzen. So auch hier.

A new world

Es mag sich nicht so recht verdient anfühlen, wie Daenerys aus dem Leben scheidet. Zwischendurch lässt man uns dann glauben, dass es sogar noch Jon erwischen könnte, als Drogon den Tod seiner „Mutter“ registriert. Aber nein, es läuft auf ein erwartbares Ende dieser zum Scheitern verdammten Beziehung hinaus, auch wenn das fast simultane Ableben der letzten beiden Targaryens eine spannende Idee gewesen wäre. Inwiefern Emilia Clarke und Kit Harington die Zuschauer letzten Endes überzeugen können, ist wie immer höchst subjektiv (meine Einschätzung: solide, wenn auch etwas überspielt), doch mein Augenmerk richtet sich auf Drogon, der als heimlicher Gewinner aus dieser Szene hervorgeht. Die Trauer und die Wut der Flugechse ist greifbar und letztlich beweist der Drache mehr Ein- und Weitsicht als viele von den menschlichen Charakteren in dieser Serie.

Erneut lässt man ein wenig Subtilität vermissen, doch das Bild von Drogon, wie er in völliger Rage den Eisernen Thron zerstört, diese falsche, toxische Motivation für Daenerys, hallt nach. Das ultimative Symbol für Macht und dafür, wie Macht korrumpieren kann, wird eingeschmolzen, als würde der Drache einen letzten Kommentar hinterlassen, bevor er sich mit Daenerys' Leichnam in seinen Klauen von dannen macht: „Dafür? All das für diesen Haufen Schrott?“ Ja, in der Tat. Daenerys hatte letzten Endes ihr Ziel erreicht und ihr Stolz darüber war ihr ins Gesicht geschrieben. Aber unter welchen Umständen? Zu welchem Preis? Selbst die, die nie auf diesem unbequemen Thron sitzen wollten, jedoch in den Kampf um diesen verwickelt wurden, haben herbe Verluste und große Schäden davongetragen. Wozu brauchen wir ihn überhaupt noch, diesen „Iron Throne“? Wir haben doch gesehen, wie der Kampf um diesen endet. Mit tiefer Trauer, Schmerzen und Bedauern.

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Cripples, bastards and broken things

Und so endet die erste Hälfte von The Iron Throne, in der die Ruhe überwiegt, die Charaktere mit sich selbst im Konflikt stehen und alles andere als subtil auf eines der zentralen Themen der Serie verwiesen wird. Das gelingt, jedoch etwas hölzern und mit einer Opferbereitschaft hinsichtlich arrivierter Figuren, deren jüngstes Verhalten für reichlich Gesprächsstoff gesorgt hat. Und jetzt? Und jetzt kommt es zum Neuaufbau des Kontinents! Es sind offensichtlich ein paar Monate vergangen, der Winter ist vorüber, der von Grey Worm (Jacob Anderson) inhaftierte Tyrion trägt gezwungenermaßen Rauschebart und die Lords und Ladys von Westeros kommen in King's Landing zusammen, um zu beraten, wie es weitergehen soll. Es folgen zahlreiche Szenen, die aufgrund ihrer unfreiwilligen Komik sehr unterhaltsam sind, gleichzeitig kommt man aber auch ins Grübeln, wie die Charaktere - und Macher - letztlich auf die Ideen kommen, die man uns hier anbietet.

Mal ganz davon abgesehen, dass es Tyrion ist, der in jüngster Zeit von einem politischen Fiasko ins nächste gestolpert ist und jetzt die große Ansprache hält, wie die nächsten Schritte aussehen sollen, horcht man vor allem bei seinem Vorschlag für den neuen Herrscher über Westeros auf: Brandon Stark (Isaac Hempstead-Wright). Ja, richtig gehört. Und, wenn man ganz ehrlich ist: Es ergibt Sinn, auch wenn es wie ein Witz klingt, der komplett unvorbereitet kommt. Warum Bran? Der saß doch zuletzt nur völlig lethargisch in Winterfell herum und hat durch Inaktivität geglänzt! Aber: Bran vereint das komplette Wissen dieser Welt in sich, Bran zeichnet aufgrund seines Status als Three-Eyed Raven Neutralität und Rationalität aus, Bran hat Außergewöhnliches überlebt (damit ist er jedoch bei weitem nicht alleine...) - warum also nicht? Schlüssig, ja. Emotional befriedigend? Geht so. Möglicherweise ist es jedoch genau das: Was das Herz will, ist fatal. Das haben wir in der Serie immer wieder gesehen. Es ist Zeit für Sinn und Verstand, für Logik und Vernunft. Es ist Zeit für Bran the Broken, First of His Name.

Together

Bevor sich die versammelten Lords und Ladys von Westeros auf Bran einigen können, wagt es Sam (John Bradley) sogar noch, eine basisdemokratische Lösung vorzuschlagen, bei der alle Bewohnerinnen und Bewohner des Kontinents berücksichtigt werden sollen. Gelächter. Von allen. Nicht nur von den alten weißen Männern in der Runde, die ihre Macht niemals einfach so hergeben würden. Auch von Sansa (Sophie Turner) gibt es ein Schmunzeln. Bezeichnend. Und erneut kann man einen politischen Kommentar herausfiltern, sofern man denn möchte, dass die, die Macht haben, nie dazu bereit sind, diese freiwillig abzugeben oder zu teilen. Wahre Worte, doch irgendwie erscheinen sie inmitten dieses Serienfinales, das doch bitte episch und bittersüß sein soll, etwas deplatziert. Oder etwa nicht? Letztlich kehren wir ins Westeros vom Anfang der Serie zurück, mit leicht angepasster Regierungsform. Die Thronfolge wird nicht mehr über Abstammung, sondern über ein Wahlverfahren der jeweiligen Vorsitzenden der „Bundesländer“ von Westeros bestimmt.

Sansa bekommt schlussendlich ihre Extrawurst, wird der Norden doch zu einem unabhängigen Königreich ernannt. Als Herrscher von Dorne oder Pyke würde ich mich da schon fragen, warum auch meine Region nicht souverän sein kann... Das Ende von „Game of Thrones“ mutet etwas trocken, unvermittelt und arg politisch an - und nicht final. Sie alle geloben, eine bessere Welt zu schaffen, ein besseres Westeros, doch in der unmittelbaren Zukunft tun sich bereits jetzt etliche neue, potentielle Probleme auf, die abermals zu Streitigkeiten und Konflikten führen könnten. Und erneut überlege ich, ob das einfach nur ungeschickt gelöst oder Kalkül der Macher ist. Wir haben gesehen, wie die Geschichte ihren Lauf genommen hat, weil die verschiedenen Teilnehmerinnen und Teilnehmer im „Spiel der Throne“ auf Gewalt und Verrat zurückgegriffen haben. Die neue Zusammenarbeit erscheint harmonischer und stellt somit ein Plädoyer für Zusammenhalt und die gemeinsame Bewältigung von politischen Herausforderungen dar. Ein löbliches Ideal. Aber ist es in diesem Kontext erreichbar? Sie versuchen es zumindest. Ausgang offen.

A dream of spring?

So verwirrend und gleichzeitig kurzweilig diese Aspekte von The Iron Throne sind, so versöhnlich stimmt mich der Abschluss der Episode. Zwar zieht man hier eine ganz miese Nummer ab, um uns noch einmal emotional zu involvieren, doch der Bogen wird nun einmal perfekt gespannt. Die Geschichte von Game of Thrones begann mit den stolzen Starks aus Winterfell, die Geschichte endet mit der zentralen Familie dieser Saga, deren verbleibende Mitglieder allesamt eine erstaunliche Strecke zurückgelegt haben. Bran ist der neue König über Westeros (ich muss immer noch schmunzeln), Sansa ist zur „Queen in the North“ aufgestiegen (dieses Outfit...), Arya (Maisie Williams) begibt sich auf eine abenteuerliche Reise ins Ungewisse („What's west of Westeros?“ - es war so einfach!), Jon kehrt zur Night's Watch an die Mauer zurück. Selbst alle Hundeliebhaber kommen noch auf ihre Kosten, denn Jon ist da, wo er hingehört: im hohen Norden, an der Seite von seinem Direwolf Ghost. Zufrieden?

Okay. Ja. Warum nicht? Nach den sehr turbulenten letzten Staffeln der Serie und dieser wilden finalen achten Staffel, die auch an mir persönlich nicht komplett spurlos vorbeigegangen ist, endet es nun also hier. Mit einem Bild der Hoffnung vielleicht? Mit dem Traum von einer besseren Welt, dem Traum vom Frühling? Mit den freien Menschen des hohen Nordens, an deren Seite Jon in Richtung einer neuen alten Heimat aufbricht, aus der einst die Dunkelheit und absolute Kälte über den Kontinent einbrach? Vielleicht ist es so einfach. Vielleicht haben wir mehrere Staffeln passiv an diesem krankhaften, lebensgefährlichen Spiel teilgenommen, das jetzt auf eine Art und Weise beendet wurde, mit der nur die wenigsten gerechnet haben. Nur, um von vorne zu beginnen. Besser und gerechter soll es werden, das neue Westeros. Also, das ist der Plan. Ob dieser aufgeht, werden wir nicht erfahren. Und das ist eventuell auch ganz gut so.

Wie hat Euch das Serienfinale von „Game of Thrones" gefallen?

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Weitere Anmerkungen zur Folge

  • Es wurmt mich etwas, wie erfolgreich man mich in den letzten Minuten der Episode manipuliert, indem man eine simple Parallelmontage zwischen Jon, Arya und Sansa zeigt. Aber der Abschied Jons sitzt einfach. Ich frage mich schon, inwiefern diese Auflösung emotional befriedigend ist, weil man genau auf diesen Moment hingearbeitet hat (eher weniger) oder ob mir einfach das Schlussbild gefällt, weil diese drei zentralen Charaktere am Ende genau da sind, wo sie hingehören. Es schlagen mal wieder zwei Herzen in meiner Brust. Und der exzellente Soundtrack von Ramin Djawadi macht es mir da nicht einfacher...
  • Nicht nur, dass Tyrions Vorschlag abgesegnet wird, er steigt sogar zur neuen „Hand“ von Bran auf. Er hat ja auch einiges gutzumachen. Gute Logik! Schräger wird's dann nur noch, was den neuen Rat des Königs angeht. Davos (Liam Cunningham) als „Master of Ships“? Klar. Brienne (Gwendoline Christie) als Anführerin der Kingsguard? Spitze. Sam als Grand Maester? Das passt! Aber Bronn (Jerome Flynn) als „Master of Coin“? Irgendwie bringt man alles zusammen, was irgendwie noch zusammengebracht werden muss. Selbst Podrick (Daniel Portman) ist jetzt ein verdammter Ritter und Teil der Kingsguard! Mir gefällt das Zusammenspiel dieser bunten Truppe und ich würde zu gerne länger Mäuschen bei diesen scheinbar sehr launigen Sitzungen spielen. Aber ernsthaft: Irgendwas stimmt hier doch nicht.
  • Ein großer Lacher der Episode: Edmure Tully. Der großartige Edmure Tully, verdienter Kriegsheld, erfahrener Staatsmann und vor allem: ein grandioser Schaumschläger. Tobias Menzies kann einem fast ein wenig leid tun, so tölpelhaft und lächerlich wird Edmure dargestellt. Der Schauspieler schlägt sich aber hervorragend in dieser bemitleidenswerten Rolle. Und wie Sansa ihren vollmundigen Onkel zurück auf seinen Platz verweist - absolut unbezahlbar.
  • In der Runde der Lords und Ladys von Westeros, die in King's Landing zusammenkommen, sitzt übrigens auch Robin Arryn aus dem Vale. Und, holla, die Waldfee, der junge Lino Facioli hat einen ganz schönen Entwicklungsschub gemacht! Im Netz werden bereits Vergleiche zu Matthew Lewis aufgemacht, der in den „Harry Potter“-Filmen den treudoofen, aber gutherzigen Neville Longbottom gespielt hat und heute ganz anders aussieht, als es damals der Fall gewesen ist.
  • Grey Worm fungiert in dieser Folge als eine Art Verwalter des Erbes von Daenerys und kann letztlich doch relativ einfach beschwichtigt werden. Er hat mittlerweile auch genug Kriege geführt und Schlachten geschlagen. Er und seine Unsullied brechen nach Naath auf, die Heimat von Missandei, um ein bisschen Frieden zu finden. Schon schön.
  • Kein Wort von Azor Ahai (wobei man mit ganz viel Willen die Prophezeiung aus der Buchvorlage auf Daenerys' Schicksal zu Händen von Jon anwenden kann) und dergleichen, vielmehr zahlreiche Erinnerungen an Dialoge aus älteren Episoden, deren Inhalte nun Wirklichkeit geworden sind. Die Sache mit den vielen Callbacks war in dieser achten Staffel ein Streitthema, weil der Einsatz dieser oft extrem zwischen übertriebenem Fanservice und cleveren Referenzen schwankte. In The Iron Throne passt es meiner Meinung nach.
  • Wo ist denn Drogon jetzt hingedüst? Und was ist aus Daenerys' Überresten geworden? Ich würde mal auf die alten Ruinen von Valyria tippen, zu denen Drogon möglicherweise zurückgekehrt ist und wo nun auch Daenerys ihre letzte Ruhe gefunden hat. Wir werden es wohl nie erfahren...
  • Brienne übernimmt die letzte Ehre, um die Geschichte Jaimes zu Ende zu führen und stellt den ehemaligen Kingslayer in ein Licht, das dieser sich ihrer Meinung nach verdient hat. Es wäre eine nette Note gewesen, wenn sie sogleich ihr eigenes Kapitel in diesem legendären Buch der Kingsguard aufgeschlagen hätte. Doch sie schließt die Wälzer sehr bestimmt, was man so deuten kann, dass sie dieses Kapitel für sich beendet hat, so schmerzhaft die Erinnerungen auch sein mögen. Was sonst noch in dieser kleinen Szene auffällt: die neuen coolen Rüstungen unter King Bran! Die Verzierung in Form des Three-Eyed Raven macht schon etwas her.
  • In den letzten Wochen wurde hier auf der Seite sehr lebhaft zum Thema „Game of Thrones“ diskutiert, oft konstruktiv und manchmal auch etwas ruppiger, was sicherlich auf persönliche Enttäuschungen zurückzuführen ist, die die letzte Staffel mit sich gebracht hat. Ich bedanke mich an dieser Stelle erst einmal pauschal für alle Beiträge und die rege Beteiligung an der Diskussion zur Serie. Ich möchte hier aber auch darum bitten, dass wir die Diskussion zum sicherlich umstrittenen Finale gesittet und konstruktiv führen. Das wäre mein ganz persönlicher Traum vom Frühling. Und immer daran denken, liebe Leute: Es ist nur eine Serie.

Felix Böhme

Der Artikel Game of Thrones: The Iron Throne - Review zum Serienfinale wurde von Felix Böhme am Uhr erstmalig veröffentlicht. Felix Böhme hat bereits 1.708 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht.

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