Du bist hier: Serienjunkies » News »

Freud: Review der 1. Staffel der Netflix-Serie

Freud: Review der 1. Staffel der Netflix-Serie

Kritik der 1. Staffel

Szenenbild zur neuen Netflix-Serie Freud  /  (c) Netflix
Szenenbild zur neuen Netflix-Serie Freud / (c) Netflix

Die neue Netflix-Serie Freud verursacht vollkommen ambivalente Gefühle. Dabei schwankt sie zwischen langweilig, übelst verstörend, überraschend und vorhersehbar hin und her. Hier findet Ihr unser Review zur ersten Staffel.

Wer sich lediglich für einen ersten Einblick in die neue Netflix-Serie Freud interessiert, dem sei unser Pilotreview ans Herz gelegt.

Handlung

Sigmund Freud (Robert Finster) lebte gegen Mitte des 19. Jahrhunderts in Wien und war in der hiesigen Irrenanstalt als Nervenarzt tätig. Dabei fiel er immer wieder durch seine ungewöhnlichen Ansichten auf, die ihn in Fachkreisen unbeliebt und unglaubwürdig machten. Kurz gesagt wurden seine abnormalen Arbeitsmethoden wie die Hypnose und seine Ansichten zur Hysterie nicht anerkannt. Diese standen im Gegensatz zur gemeinhin gültigen Meinung. Freud war der Meinung, dass jeder ein Unterbewusstsein besitzt, welches unbewusst unsere Handlungen und Gedanken lenkt. Dabei können bereits kleine Anreize Verhaltensveränderungen hervorrufen.

Zur genaueren Handlung: Auf einer Party der ungarischen Gräfin Sophia von Szápáry (Anja Kling) und ihrem Ehemann Viktor (Philipp Hochmair) trifft Freud auf das Medium Fleur Salomé (Ella Rumpf). Nachdem er sie erfolgreich unter Hypnose setzt, wird sie Zeugin eines noch bevorstehenden Gewaltverbrechens. Dadurch werden die zwei in die laufenden Ermittlungen um diesen mysteriösen Fall verwickelt. Dabei vermehren sich diese unerklärlichen Ausbrüche der Gewalt mit der Zeit immer mehr. Hierbei gilt es, ein Schema hinter diesen grauenvollen Taten zu erkennen und sich zwischen vermeintlichem Täter und Opfer zu entscheiden.

Schnell stellt sich heraus, dass das Grafenpaar in die Taten verwickelt ist und eigene Pläne damit verfolgt, die auch mit Fleur zu tun haben. Sie ist anscheinend so was wie ein monsterhaftes Haustier, das sie zum „Spielen“ herausholen, wenn sie es wollen. Alles, was sie tun, hat zum Ziel, sich an dem österreichischen Adel dafür zu rächen, was diese ihnen und ihrem Land angetan haben. Dafür gebrauchen sie Fleurs Fähigkeiten. Diese steht unter den Fittichen der Gräfin und ist sich ihrer eigenen Rolle oft nicht bewusst.

Mehr sollte an dieser Stelle nicht über die Handlung verraten werden, da sie nicht so einfach zusammenzufassen ist und ansonsten vor allem auch die Spannung genommen wird.

Am Ende wird ein Bogen zu dieser Theorie von Freud gezogen, indem er zu dem Entschluss kommt, dass lediglich Menschen, die den unterbewussten Drang zum „Dunklen“ besitzen, für die Hypnose der Gräfin anfällig sind. Sie hat quasi nur etwas in Flammen gesetzt, was bereits vorher da war.

Abschluss

Gegen Ende steht eine Art Abschluss: Freud hat das Rätsel gelöst und Fleur von ihrem Fluch befreit. Diese nutzt ihre neu gewonnene Freiheit, bei der sie Herrin über sich selbst und ihren „inneren Schweinehund“ ist, um sich gegen ihre vorigen Besitzer zu wehren und ihren Angriff auf den österreichischen Adel zu verhindern.

Außerdem kommt er auch selbst wieder zur Besinnung, was seine selbständige Kündigung zur Folge hat. Schließlich eröffnet er seine eigene Praxis. Abgesehen davon verabschiedet er sich von Fleur, die von der Polizei gesucht wird und deshalb Wien nur einen letzten Besuch abstattet.

Dabei wird auch für ihr übernatürliches Verhalten eine psychologische Erklärung, oder viel eher eine Parallele, gefunden. Das Wesen, was in ihr steckt, ist aus einer Not heraus entstanden und wurde zu Fleurs Besetzer, der immer dann zum Vorschein kommt, wenn er es als notwendig erachtet - ähnlich einer Persönlichkeitsspaltung.

Bewertung

In dieser Serie werden mystische Elemente und Elemente der Psychologie miteinander vermischt. Dabei dient Freud als Bindeglied zwischen diesen beiden Bereichen. Denn seine Gedanken zur Psychologie wurden damals nicht von Fachleuten anerkannt und stattdessen als Humbug abgetan. Als er durch Zufall mit dem Übernatürlichen in Kontakt gerät, begibt er sich auf eine Reise des Verbrechens und des Unerklärlichen. Er ist der Einzige, der versucht, die abnormalen Mordfälle und Verhaltensveränderungen durch das Mythische zu erklären und mit seiner Psychologie zu verbinden.

Um ehrlich zu sein, habe ich bezüglich dieser Serie sehr ambivalente Gefühle und ich bin mir nicht ganz sicher, was ich von ihr halten soll. Es gab immer wieder Momente, in denen ich irritiert war - obwohl das in dem Moment bestimmt nicht die Intention von „Freud“ war -, es wurde dann aber auch schnell darauf äußerst düster, verstörend, abgefahren, abgedreht, mystisch und vieles mehr.

Bei mir ist der Eindruck entstanden, dass sich die Serie nicht ganz entscheiden kann, was sie sein möchte - ein mystisches, übernatürliches Abenteuer à la „Penny Dreadful“ oder doch lieber ein österreichischer Krimi mit fantastischen Elementen. Für mich schwankte die Serie stets zwischen diesen beiden Stadien. Entweder wurde uns ein riesiges, abgefahrenes Spektakel geboten, bei dem man nicht glauben konnte, was man da gerade sieht oder es entwickelte sich ein Krimidrama vor unseren Augen, bei dem die Ermittler vor einem Rätsel stehen, das sie versuchen zu lösen und dabei selbst in dieses hineingezogen und ein Teil von diesem werden.

© IMAGO
© IMAGO
© Netflix
© Netflix

Außerdem ist es doch erstaunlich, wie wenig Freud in Freud steckt. Es ist definitiv eine ungewöhnliche Erzählung über den berühmten Psychoanalytiker Sigmund Freud - denn man erfährt dabei nicht so viel über ihn, wie man meinen sollte. Darauf sollte man eingestellt sein, wenn man vorhat, diese Serie zu sehen.

Ein weiterer Kritikpunkt meinerseits ist das stellenweise kaum überzeugende Schauspiel der Darsteller. Auf mich wirkt dieses oft nicht authentisch, sondern nur wie vorgetragen. Das erschwert es, dass man sich von der Serie mitreißen lässt. Ein Schauspieler wie Georg Friedrich, der in der Serie den Polizisten Alfred Kiss mimt, sei hier als positive Ausnahme genannt.

Der Handlungsstrang um die ungarische Gräfin und ihren Ehemann war meiner Meinung nach ziemlich vorhersehbar. Es war logisch, wohin diese Geschichte führen würde, weshalb sie nie eine wirkliche Spannung aufbauen konnte. Es war schlichtweg nicht interessant genug, diesem Teil der Serie wirkliche Beachtung zu schenken.

Fazit

Ihr werdet in dieser ungewöhnlich erzählten Serie demnach nicht allzu viel über den Psychoanalytiker Sigmund Freud erfahren. Wenn man mit diesem Wissen an Freud herangeht, hat man keine falschen Erwartungen und kann sich anders auf die Serie einlassen.

Wer sich für die Verbindung von Mystik aus Ungarn, Psychologie der damaligen Zeit, den psychologischen Methoden von Freud, das Leben der Habsburger, gemischt mit Mythologie, Fantasie und dem Übernatürlichen, bei dem man in die Abgründe des Menschen eintaucht, interessiert, wird an „Freud“ Gefallen finden. Wer dabei nicht von absonderlichen Anblicken abgeschreckt wird und auch kein Problem mit etwas zu vorhersehbaren Handlungssträngen hat, der kann sich diese Netflix-Serie ruhig zu Gemüte führen.

Dabei sollte man aber nicht grandiose, abgefahrene Mythik und Spannung à la Penny Dreadful erwarten - auch wenn das die Serie vielleicht an manchen Stellen anstrebt, so gelingt ihr das doch nicht. Ihr fehlt es einfach an Fülle und Atmosphäre, die einen in diese Welt hineinzieht und nicht mehr loslässt. Für mich stellt „Freud“ leider nur einen billigen Abklatsch zu dieser grandios atmosphärisch mythischen Serie dar, die uns ins viktorianische Zeitalter entführt.

Positiv hervorzuheben ist jedoch die Kameraführung. Durch diese entstehen immer wieder friedliche und mystische Aufnahmen, die insbesondere Sehenswürdigkeiten der Österreicher Hauptstadt in den Fokus stellen (Stephansdom, Hofburg...). Der stellenweise starke Wiener Akzent bei den Figuren soll hier zusätzlich an den Schauplatz erinnern und für Authentizität sorgen, was durchaus gelingt.

Meine generelle Kritik an Freud lässt sich mit einem Satz zusammenfassen: gewollt, aber nicht gekonnt. Sie ist schlichtweg einfach nicht überzeugend, packend und atmosphärisch genug. Ich persönlich hätte sie mir wohl nicht unbedingt angesehen, wenn ich gewusst hätte, was mich erwartet.

Hier abschließend noch der Trailer:

Maike Karr

Der Artikel Freud: Review der 1. Staffel der Netflix-Serie wurde von Maike Karr am Uhr erstmalig veröffentlicht. Maike Karr hat bereits 465 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht.

Aktuelle Lieblingsbeiträge der Leser von Serienjunkies


The Last of Us: Woher kennt man Bella Ramsey? - Karriere in Bildern The Last of Us: Woher kennt man Bella Ramsey? - Karriere in Bildern

Bella Ramsey ist zarte 19 Jahre alt und hat schon in mehreren namhaften Produktionen erinnerungswürdige Rollen gespielt. Nun ist sie als Ellie in The Last of Us zu sehen. Woher man sie kennt, lest Ihr hier. [mehr]

Von Loryn Pörschke-Karimi am Sonntag, 5. Februar 2023 um 15.00 Uhr.