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Elvis: Filmkritik

Elvis: Filmkritik

Elvis: Filmkritik
Poster zum Musikfilm Elvis (c) Warner Bros.

Lange hat es gedauert, bis das Biopic Elvis den Weg in die Kinos gefunden hat. Die Geschichte des King of Rock 'n' Roll wird von Regisseur Baz Luhrmann in nicht weniger als 159 Minuten und mittels opulenter Bilder erzählt. Lohnt sich der Gang ins Kino?

Bereits im Jahr 2014 wurde bekannt, dass sich der australische Filmregisseur Baz Luhrman („William Shakespeares Romeo & Julia“, „Moulin Rouge!“) in einer Biografie dem Leben der Musikikone Elvis Presley widmen wollte. Der eher unbekannte Schauspieler Austin Butler (The Shannara Chronicles, The Carrie Diaries) konnte sich 2019 für die Rolle des Elvis durchsetzen. An seiner Seite spielt Tom Hanks Elvis' Manager Colonel Tom Parker. Aufgrund von COVID-19 musste die Produktion jedoch für längere Zeit pausieren und der Kinostart verzögerte sich dementsprechend.

Baz Luhrmann bringt mit „Elvis“ seine ganz eigene Vision auf die Leinwand: Er schrieb nicht nur das Drehbuch, er produzierte ebenso und führte Regie bei dem Mammutprojekt, das 85 Millionen US-Dollar kostete. Und seine Handschrift ist bereits unverkennbar, wenn der Film mit vielen Schnitten, schnell wechselnden Musikuntermalungen und Bildcollagen beginnt. Hier werden nicht einfach nur zwanzig Jahre im Leben von Elvis erzählt, nein, hier wird eine bekannte Geschichte abwechslungsreich mit kreativen Ideen umgesetzt.

Im Mittelpunkt steht neben dem Sänger auch der „Colonel“, aus dessen Perspektive der kometenhafte Aufstieg eines Arbeiterjungen gezeigt wird, durchaus auch mit seiner ganz eigenen Bewertung der Ereignisse. Colonel Tom Parker gilt als Elvis' Entdecker, der ihn 1955 unter seine Fittiche nimmt und es schafft, den unbekannten 19-Jährigen in kürzester Zeit zum Millionär zu machen. Mit seinen Erfahrungen aus der Politik und dem Zirkus kann er auch als Promoter im Musikbusiness punkten, auch wenn er von Musik selbst keine Ahnung hat. Doch Parker weiß sofort, dass er den jungen Elvis gut verkaufen kann, als er das erste Mal dessen Hüftschwung auf dem Louisiana Hayride sieht.

Der unerfahrene Elvis unterschreibt einen Exklusivvertrag bei Parker, kann schon bald seiner geliebten Mutter Gladys (Helen Thomson) einen pinken Cadillac schenken und zieht mit der Großfamilie in Graceland ein. Doch so ganz uneigennützig handelt der umtriebige Parker nicht, denn ihm ist in erster Linie wichtig, wie viel sein neuer Star für ihn abwirft. Vorwürfe, er hätte Elvis' Gesundheit langfristig auf dem Gewissen, untermauert die Filmversion.

So weit, so bekannt ist Elvis' Vorgeschichte. Doch der Film würdigt darüber hinaus auch immer wieder die vielfältigen musikalischen Einflüsse schwarzer Vorbilder aus dem Gospel und dem Rhythm and Blues, die der Sänger für sich interpretiert und einem weißen Publikum präsentiert. Wie revolutionär seine Songs und Bewegungen für die Fünfziger Jahre eigentlich waren, ist heute für viele Menschen kaum mehr nachzuvollziehen. Hier leistet Luhrmann ein Stück weit Nachhilfe und zeigt dabei auch, wie Elvis irgendwo zwischen seinem eigenen Anspruch an seine Shows und den Forderungen von Parker sowie den strengen Vorgaben der Behörden strauchelt. Ein Rekord jagt den nächsten, der Colonel sieht schließlich in seinem Schützling einen Superhelden, dessen Ruhm nicht groß genug sein kann. Zu welchem Preis dieser Ruhm für den Sänger kommt, wissen wir bereits.

Nach seiner Rückkehr aus dem Militärdienst in Deutschland beginnt für den Star allerdings zunächst ein neues Leben als Familienvater und Schauspieler. Auch wenn er so finanziell für seine Familie, die neben Ehefrau Priscilla (Olivia DeJonge, The Society) und Töchterchen Lisa Maria auch aus Vater Vernon (Richard Roxburgh, „Van Helsing“) und zahlreichen Cousins besteht, sorgen kann, erkennt er, dass ihm neue Stars den Rang ablaufen. Doch dieses Mal ist es nicht der Colonel, der Elvis' nächsten großen Coup ausheckt, es ist Elvis selbst, der sich neu erfinden will und dies ausgerechnet in einem als Weihnachtssendung geplanten Fernsehspecial schafft. Hier kann er auch endlich mittels der Musik seine politische Meinung mitteilen.

Ein absolutes Highlight des Films ist die Vorbereitung auf seine erste Show in Las Vegas, während welcher Elvis aufblüht. Nach Jahren als Fließbandmusiker für belanglose Hollywood-Produktionen darf er sich hier komplett selbst verwirklichen und wieder der sein, der er ist: ein Bühnenmusiker durch und durch, der hier ein fulminantes Comeback feiert. Doch, nachdem Parker ihn für fünf Jahre an das International Hotel verkauft, wird Elvis' Liveversion von „Suspicious Minds“ schließlich zur Anklage an seinen eigennützigen Manager.

ELVIS (Original Motion Picture Soundtrack)

Art:CD
Erschien am:29. Juli 2022
Format:Audio CD
Erscheinungsdatum ‏:2022
18.99 €
Details
In Zusammenarbeit mit Amazon.de

ELVIS (Original Motion Picture Soundtrack)

Fazit

Die Performance von Hauptdarsteller Austin Butler kann man nur als herausragend bezeichnen. Wenn er auf der Bühne körperlich alles gibt und tatsächlich sogar selbst singt, ist er nicht einfach nur ein weiterer Elvis-Imitator, nein, hier wird ein neuer Schauspielstar geboren. Er schafft es, ähnlich wie Joaquin Phoenix in „Walk the Line“, sich vom jeweiligen übermächtigen Vorbild gerade so weit zu lösen wie nötig, um der Rolle seinen ganz eigenen Charakter zu verpassen. Sich an einen verkleideten Tom Hanks mit einem niederländisch gefärbten Südstaatendialekt zu gewöhnen, dauert einen Moment. Doch auch er ist in der Rolle des Bösewichts mit Charme gewohnt überzeugend und die ambivalente Beziehung zwischen Parker und Elvis wird nachvollziehbar dargestellt.

Der Filmemacher nimmt sich viel vor, denn neben einer ganz persönlichen Geschichte über den „King“ widmet er sich auch dessen Musik sowie den Umwälzungen in Politik und Zeitgeschehen über den Verlauf von 20 Jahren. Es bleibt ein Balanceakt, den bildgewaltigen Film nicht weiter mit Storylines zu überfrachten, doch Luhrmann schafft es, Elvis' Leben gelungen in den zeitlichen Kontext zu setzen. Dafür nimmt er sich völlig zu Recht viel Zeit. Wer mit Luhrmanns opulentem Stil nichts anfangen kann, wird mit „Elvis“ wohl nicht glücklich. Doch lässt man sich auf die zahlreichen Zeitsprünge und Schnitte ein, erwartet die Zuschauer:innen ein abwechslungsreicher Musikfilm, der einen lange nicht loslassen wird.

Hier abschließend noch der Originaltrailer zum heute in den Kinos angelaufenen neuen FilmElvis:

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