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Devil in Ohio: Broken Fall - Review der Pilotepisode

Devil in Ohio: Broken Fall - Review der Pilotepisode

Devil in Ohio: Broken Fall - Review der Pilotepisode

Die Thriller-Miniserie Devil in Ohio bei Netflix greift ein interessantes Thema auf und versteht es, mit eindrucksvollen Bildern und den drei Grundpfeilern Surprise, Suspense und Mystery einen starken Spannungsbogen zu etablieren, der in den ersten beiden Episoden immer stärker anzieht. Ein Ersteindruck.

Das passiert

Das Teenager-Girl Mae flieht aus den Fängen einer Teufelsanbetersekte und findet sich am nächsten Tag in einem Krankenhaus wieder, in dem die Psychologin Suzanne arbeitet. Erste Untersuchungen ergeben, dass irgendjemand dem Mädchen mit einem Messer ein Pentagramm in den Rücken geschnitten hat. Weil Mae durch das Raster der Behörden fällt und langsam Vertrauen zu Suzanne aufbaut, entschließt sich diese, sie vorübergehend aufzunehmen. Doch schon bald wird klar, dass die Mutter von drei Kindern damit in größere Gefahr gerät, als sie sich jemals hätte vorstellen können. Denn die Sekte ist mächtig und denkt nicht daran, eines ihrer Kinder gehen zu lassen.

Die ersten Minuten

Es ist Nacht. Ein verängstigtes Mädchen in einem weißen Kleid und mit einem Messer in der Hand flieht durch ein Maisfeld. Im Hintergrund bellen Hunde und hier und da blitzt ein Licht durch den dichten Bewuchs. Verschmutzt, schwitzend und mit verklebtem Haar erreicht die hübsche junge Frau eine Landstraße, wo sie sich einem Lastwagen in den Weg stellt. So beginnt die neue achtteilige Miniserie Devil in Ohio nach dem gleichnamigen Roman von Daria Polatin (Jack Ryan). Da Polatin zudem als Ideengeberin, Autorin und Showrunner fungiert, darf man also davon ausgehen, dass die Frau weiß, was sie tut. Genau diesen Eindruck vermitteln die ersten beiden Teile, Broken Fall und Sanctuary erfreulicherweise denn auch. Die ersten Minuten verstehen es dank guter Kameraführung, starker Beleuchtung und einem treibenden Score, ein Gefühl der Suspense zu vermitteln, das die Zuschauerinnen und Zuschauer direkt in ihren Bann zu ziehen vermag. Die sich ergebenden Fragen schweben deutlich wie eine Leuchtreklame in der Nacht im Raum: Wer ist dieses Mädchen? Vor wem flieht sie? Warum ist sie in ein weißes, altmodisches Nachthemd gehüllt und was ist das für ein Haus, das am Ende des Teasers ins Sichtfeld des Publikums rückt?

Was folgt, ist nicht eines der inzwischen fast schon obligatorischen, nichtssagenden und überflüssigen 15-Sekunden-Intros, die viele moderne Serien verunzieren. Stattdessen erwartet die Zuschauerschaft ein düsteres, toll geschnittenes knapp einminütiges Eröffnungsfilmchen mit einem Gänsehaut-einflößenden Theme-Song von Bishop Briggs und Will Bates, das keinen Zweifel an dem Mystery-Einschlag aufkommen lässt, den Daria Polatin immer wieder in die Geschichte hineinwebt. Im Verbund mit dem ansprechenden Teaser macht das Lust auf mehr und steigert die Vorfreude auf die kommenden Minuten.

Gut gespielt

Und die sind recht unterhaltsam geraten. Einerseits hat das Casting-Department mit der 25-jährigen Madeleine Arthur (The Magicans, Snowpiercer) ein junges Talent gefunden, das über genügend Erfahrung für eine komplexe Rolle verfügt. Andererseits wirkt Arthur wesentlich jünger, als sie ist und geht ohne weiteres als Teenager durch, was den Charakter noch glaubwürdiger macht. Mae ist im Grunde eine tragische Figur, die vielleicht von Geburt an, vielleicht auch als kleines Kind, in die Fänge einer Teufelsanbetersekte geraten ist und deren Rituale nach Jahren der Tortur verinnerlicht hat.

Das mit einem Messer auf ihrem Rücken eingeritzte Pentagramm scheint ein Indiz dafür zu sein, dass sie einem mächtigen Dämon geopfert werden sollte. Sie flieht, doch selbst als sie von der sympathischen und gutherzigen Psychologin Suzanne (Temperance Brennan aus der Erfolgsserie Bones) wie eine Ziehtochter aufgenommen wird, kann sie nicht von ihrem tief verankerten Glauben lassen. Suzannes Tochter Jules „beglückt“ sie mit einer unheimlichen Maisfigur, die verdächtige Ähnlichkeit mit einer Voodoo-Puppe oder einem Atzmann aufweist. Im Haus einer möglichen Pflegefamilie dreht sie heimlich das an der Wand hängende Kreuz herum und einen Raben, der vor ein Fenster fliegt und kurze Zeit später stirbt, bestattet sie nachts heimlich mit einem seltsam anmutenden Ritual.

Als Kontrapunkt dazu leben Suzanne, ihr liebenswerter Mann Peter (Sam Jaeger, Law & Order True Crime) und die Kinder geradezu idyllisch in einem hübschen Haus einer kleinen Stadt. Jules (Xaria Dotson, „The Birch“) versucht sich als Fotografin der Schülerzeitung, ihre ältere Schwester Helen (Alisha Newton, Heartland) ist frisch verliebt und die kleine Pflegetochter Dani (Naomi Tan) will Musicaldarstellerin werden.

Sektenalarm

Dass hier zwei unvereinbare Welten aufeinandertreffen, ist evident. Als Mae etwa zum ersten Mal gemeinsam mit der Familie speist und das Tischgebet spricht, dankt sie darin nicht etwa Gott, sondern dem Hausdämon der Sekte. Szenen wie diese untermauern das interessante Worldbuilding und man fragt sich unwillkürlich, wie lange diese Konstellation gutgehen kann. Letztlich ist es nicht Mae, die das Chaos über die Familie bringt. Dieses kündigt sich bereits an, als in der Debütepisode der zwielichtige Sheriff Wilkins (Bradley Stryker, Stargate Universe) bei Suzanne auftaucht und sich nach dem Mädchen „mit der Wunde auf dem Rücken“ erkundigt.

Die Psychologin traut dem Kleinstadt-Cop allerdings nicht und schon in der nächsten Szene erfahren wir, wie Recht sie damit hat. In Wilkins Heim hängt ein auf dem Kopf gestelltes Kreuz und identifiziert ihn als Sektenangehörigen. Das ist vielleicht nicht sonderlich überraschend geschrieben, zumal Schauspieler Bradley Stryker alles dafür tut, seine Figur als Fiesling darzustellen, passt aber gut ins Gesamtbild und ist unterhaltsam. Dem gegenüber steht der soeben aus Chicago versetzte Detective Lopez (gut gespielt von Gerardo Celasco, How to Get Away with Murder), der herausfinden will, was mit Mae geschah und der ohne Zweifel unaufhaltsam auf eine Konfrontation mit den Teufelsanbetern zusteuert.

Versatzstücke

Gepaart ist dieser Story-getriebene Figurenmix mit allerlei typischen Versatzstücken aus dem Mystery-Genre, die immer wieder die Frage aufkommen lassen, ob hier nicht doch übernatürliche Kräfte am Werk sind. Alles deutet allerdings darauf hin, dass Daria Polatin hauptsächlich zu den entsprechenden Stilmitteln greift, um den Suspense-Faktor zu steigern, ohne zu viele Story-Details preisgeben zu müssen. Spaß macht das Ganze indes dennoch. Als Kernelemente erweisen sich rasant geschnittene Nachtaufnahmen mit indirekter Beleuchtung in Form von kurzen Flashbacks, die Maes Vergangenheit näher beleuchten, schrille Töne, die eigentlich harmlose Szenen beängstigend wirken lassen, schwarze Raben und einiges mehr. Im Kontrast dazu steht das relativ gemächliche Erzähltempo der Gegenwartsperspektive, die sich Zeit nimmt, etwas tiefer in Suzannes Familienleben einzutauchen und die typischen Coming-of-Age-Probleme ihrer Töchter anzusprechen. Diese vermeintlichen Brüche sind wichtig, weil sie den Plot auf zwei Realitätsebenen hieven, die den Mystery-Aspekt der Show geschickt verstärken.

Fazit

Die ersten beiden Episoden von Devil in Ohio machen vieles richtig. Der Cast ist gut gewählt, Spannungselemente gibt es reichlich, der Überraschungsmoment am Anfang ist gut platziert und es gibt genügend Fragen zu beantworten. Die Mystery-Versatzstücke sind zwar typisch, sorgen aber für ein wenig Frische, da der Plot sonst vielleicht allzu leicht ins Dramatische abrutschen könnte. Das würde sicherlich zur schweren Sektenthematik passen, zumal Polatin die manipulativen und Menschen zerstörenden Techniken derartiger Gemeinschaften ziemlich direkt anprangert. Allerdings bestünde auch die Gefahr, dass die Serie auf diese Weise zu viel erhobenen Zeigefinger und zu wenig Subtilität an den Tag legt. Verpackt in eine Geschichte um Teufelsanbeter mit auf dem Kopf stehenden Kreuzen, Pentagrammen, Raben, geheimnisvollen Symbolen und kryptischen Andeutungen wirkt das alles schon wesentlich spannender und kraftvoller. Es bleibt abzuwarten, was in den nächsten sechs Teilen geschieht und ob die Miniserie die hohen Erwartungen, die sie schürt, erfüllen kann. Vier von fünf Sternen.

Hier der Trailer zu „Devil in Ohio“:

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