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Club der roten Bänder: Interview mit Albert Espinosa

Der Cast der Serie „Club der roten Bänder“ mit Albert Espinoza / (c) VOX/Martin Rottenkolber
Der Cast der Serie „Club der roten Bänder“ mit Albert Espinoza / (c) VOX/Martin Rottenkolber

Am Montagabend feiert die zweite Staffel der etwas anderen Krankenhausserie Club der roten Bänder Premiere bei VOX. Wir hatten im Vorfeld die Gelegenheit ein Gespräch mit dem katalanischen Autor Albert Espinosa zu führen, auf dessen Leben die Serie basiert.

Die erste Staffel von „Club der roten Bänder“ war sehr dicht an das katalanische Original angelehnt. Die zweite Staffel wird sich davon etwas entfernen. Wie groß ist trotzdem Ihr Einfluss auf die Geschichte?

Albert Espinosa: Die zweite Staffel ist etwas freier erzählt. Aber natürlich ist es trotzdem die Geschichte von mir und meinen Freunden, die der Serie zu Grunde liegt. Gerade das, was Leo jetzt in der zweiten Staffel durchlebt, entspricht dem, was mir passiert ist. Es wird auf eine etwas andere Art und Weise erzählt, ist aber trotzdem das, was wir auch in Spanien und in den anderen Ländern erzählt haben.

Die erste Staffel erzählte hauptsächlich vom Kampf gegen den Krebs. Die zweite Staffel handelt von den Rückfällen - und davon weiterzukämpfen, auch wenn Du schon sehr viel gekämpft hast.

Die Figuren von „Club der roten Bänder“ gründen auf realen Vorbildern. Kommen Sie da manchmal in die Situation, dass Sie denken: Die reale Person würde jetzt vielleicht nicht so reagieren, aber für die TV-Figur ist es stimmig?

Das ist kein Problem. Sie müssen ja bedenken, dass die sechs Figuren, von denen ich erzähle, auf zehn bis zwölf realen Personen basieren. Ich selbst wiederum „stecke“ nicht nur in Leo, sondern auch in Jonas. Von daher gibt es hier schon eine klare Trennung: Die Geschichte, die ich erzähle, handelt von fiktionalen Figuren, die auf vielfältigen realen Quellen beruhen.

Welches Feedback haben Sie von den realen Vorbildern auf die Serie erhalten?

Wir haben damals im Krankenhaus einen Pakt geschlossen, dass einer der roten Bänder die Geschichte von uns erzählen soll. Am Ende bin ich das geworden. Es gab in Wirklichkeit einen sehr besonderen Jungen unter uns, der uns dazu inspiriert hat. Deshalb ist es für uns alle ganz wunderbar zu sehen, dass die Geschichte jetzt erzählt wird, weil es eben damals ein Teil unseres Paktes gewesen ist.

Die Kritiken zu „Club der roten Bänder“ waren in Deutschland ausgesprochen positiv. Eine der ganz wenigen negativen Kritiken bemängelt an der Serie, dass hier das Schicksal kranker Kinder für die Zwecke der Unterhaltung ausgebeutet werde. Wie nehmen Sie Stellung dazu?

Ich sehe das von einer völlig anderen Seite. Mir ging es schließlich vor allem darum, die Kinder, die gegen den Krebs kämpfen, für eine breite Öffentlichkeit überhaupt sichtbar zu machen. Ich wollte mit der Serie etwas bewegen. Ich wollte, dass die Zahl der Besuche auf den Kinderkrebs-Stationen zunehmen - und genau das ist auch passiert. So wie ich das sehe, beutet die Serie die Krankheit der Kinder nicht aus, sondern dient gerade den Kindern: Dass die Menschen sie wahrnehmen und nicht die Augen vor ihnen verschließen.

„Club der roten Bänder“ stürzt die Zuschauer in einen Zwiespalt: Einerseits wünscht man den Protagonisten natürlich, dass sie gesund werden. Andererseits bedeutet Gesundwerden, dass sie das Krankenhaus verlassen und der Club damit zerbricht. Wie gehen Sie damit um?

Das ist eine gute Frage. Vor dieser Situation haben wir im wirklichen Leben ganz ähnlich gestanden. In dem Augenblick, in dem ich aus dem Krankenhaus entlassen wurde, musste ich den Club zurücklassen, was nicht leicht war. Und gerade in der zweiten Staffel der Serie wird es jetzt genau um diese Dinge gehen. Da ist Leo, der nicht nur für sich, sondern auch für die anderen kämpft, und der alles tut, um nicht aufzugeben. Zugleich muss man aber auch diejenigen sehen, die schon sehr lange gekämpft haben - und die dann natürlich auch das Recht haben zu gehen. Dieser Zwiespalt, von dem Sie gesprochen haben - zwischen Kämpfen und Aufgeben, zwischen dem Gesundwerden wollen und dem Zusammenhalt der Gruppe, ist genau das, was unser Leben als rote Bänder ausgemacht hat.

In Spanien ist die Serie auf zwei Staffeln gekommen. Hatten Sie schon Ideen für eine dritte Staffel, die dann möglicherweise in die deutsche Version einfließen könnten?

Ich glaube, wir haben die Serie in Spanien mit großer Intensität erzählt. Zwei Staffeln waren da vielleicht auch genug. Ich würde mich aber sehr freuen, wenn es in Deutschland darüber hinaus weitergehen würde. Das muss dann auch gar nicht Eins zu Eins meine Geschichte sein. Aber natürlich möchte ich die Entwicklung gerne fördern - und hoffe, dass meine Geschichten dazu beitragen.

Vielen Dank für das Gespräch!
Christina Greiner

Der Artikel Club der roten Bänder: Interview mit Albert Espinosa wurde von Christina Greiner am Uhr erstmalig veröffentlicht. Christina Greiner hat bereits 173 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht.

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