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Bullet Train: Filmkritik zum Brad-Pitt-Streifen im japanischen Schnellzug

Bullet Train: Filmkritik zum Brad-Pitt-Streifen

Bullet Train: Filmkritik zum Brad-Pitt-Streifen
Poster zum Film Bullet Train, der nun in den deutschen Kinos angelaufen ist. (c) Sony Pictures

Der neue Brad-Pitt-Film Bullet Train spielt sich an Bord eines japanischen Schnellzugs ab. Dieser wimmelt gerade nur so vor Profikillern. Pitts Figur Ladybug will eigentlich nur seinen Frieden und einen schnellen Gehaltscheck, doch so einfach geht das natürlich nicht...

Züge sind öfter, als man denken würde, Spielplatz von Filmen, siehe: „Mord im Orient Express“, „Snowpiercer“, „Source Code“, „Girl on the Train“, „Before Sunrise“, „Train to Busan“, „The Taking of Pelham One Two Three“ und natürlich „The General“ - um nur einige von unzähligen Beispielen zu nennen.

Bei „Bullet Train“ nutzt Regisseur David Leitch („Deadpool 2“, „Fast & Furious: Hobbs & Shaw“) nach einem Drehbuch von Zak Olkewicz, welches auf dem Roman „Maria Beetle“ von Kotaro Isaka basiert, nun den Zug für eine Art actionreichen Auftragskiller-Ausflug. Eine große Portion der Stilmittel von Quentin Tarantino, Robert Rodriguez und ihrer Weggefährten und Nachahmer haben sich dabei ebenfalls an Bord geschlichen. Doch ist bei der wilden Zugfahrt eine gute Zeit im Kino inklusive?

Darum geht es in Bullet Train

Pitts Figur Ladybug (also im Deutschen: Marienkäfer) geht an Bord eines japanischen Schnellzugs, auch bekannt als bullet train, und trifft dort auf eine Gruppe von vielseitigen Auftragskillern. Eigentlich hat er sich vorgenommen, vom Töten Abstand zu nehmen und verzichtet darauf, eine Schusswaffe mit in den Zug zu nehmen. Er besucht regelmäßig die Therapie und hat dabei einige pazifistische Mantras mitgenommen. Trotzdem zieht er Tod und Verderben oftmals wie ein Magnet an... Sein eigener Auftrag lautet: Einen Koffer mit einem auffälligen Sticker finden und aus dem Zug bei nächster Gelegenheit aussteigen. Im Koffer befinden sich Geld und andere Wertsachen. Allerdings lauern an jeder Station, an der planmäßig nur eine Minute Halt gemacht wird, neue Gefahren, die ihn am Aussteigen hindern.

Tangerine (Aaron Taylor-Johnson; „Kick-Ass“, „Avengers: Age of Ultron“) und Lemon (Brian Tyree Henry; Atlanta, „Eternals“) sind die ursprünglichen Wächter des Aktenkoffers und haben außerdem den Auftrag, den Sohn des Verbrecherbosses White Death (Michael Shannon, Boardwalk Empire, „Man of Steel“, „Knives Out“) zu beschützen. Doch beides gelingt so gar nicht... Ärger mit Ladybug und anderen Fahrgästen ist also vorprogrammiert.

Andrew Koji (Warrior) aka Kimura steigt in den Zug, weil die Person, die seinen Sohn von einem Dach gestoßen hat, ebenfalls an Bord sein soll. Dabei tappt er in die Falle von The Prince (Joey King, The Act), deren Masche es ist, die Unschuldige zu spielen - dabei versteckt sie selbst zahlreiche Geheimnisse... Hiroyuki Sanada (Lost) ist The Elder, der Vater von Kimura, der ebenfalls eine Vergangenheit mit White Death hat.

Benito A Martinez Ocasio aka Musiker Bad Bunny ist derweil als rachsüchtiger Killer Wolf unter den Passagieren. Sofern Ladybug der Ausstieg nicht gelingt, steigt ein actionreicher Showdown in Kyoto, der das Schicksal aller Überlebenden miteinander verstrickt...

Bullet Train (Romanvorlage)

Art:Buch
Autor:Kotaro Isaka
Seiten:384
Sprache:Deutsch
22.00 €
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In Zusammenarbeit mit Amazon.de

Bullet Train (Romanvorlage)

Thomas, die kleine Lokomotive, Wasabi-Nüsse und Snake on a Train

Bullet Train“ sieht im Trailer aus wie die Art von Film, die man Anfang der 2000er gerne gedreht hat und ich als Jugendlicher gerne geschaut habe. Der Einfluss von Tarantino, Rodriguez, aber auch ähnlichen Filmemachern wie Bryan Singer (man denke an „Die üblichen Verdächtigen“) oder auch Streifen wie „Lucky Number Slevin“ ist in der Roman-Adaption, deren Vorlage 2010 erschien, zu spüren.

Cutaways, Flashbacks und nichtlineare Exkurse in das Leben und zu vorherigen Aufträgen der einzelnen Passagiere erklären ihre mehr oder minder zufälligen Bekanntschaften, die aber schnell nahelegen, dass irgendwer im Hintergrund die Strippen zieht. Das lockert die Zugfahrt zusätzlich auf, die doch relativ geradlinig vom Einstiegsbahnhof nach Kyoto gehen soll.

Pitts Charakter ist zwar ein fähiger Killer, doch er hat sich eben vorgenommen, weniger kaltblütig zu handeln und springt nur für einen Kollegen ein, der wegen einer Magenverstimmung den Routineauftrag abgesagt hat. Erst im Verlauf der Reise merkt er, dass er hier in etwas geschlittert ist, was komplizierter ist, als er wollte... Ständig hängt er am Telefon mit seiner Auftraggeberin Maria, aus deren Identität der Film bis zum Ende ein kleines Geheimnis macht (und die ich hier nicht verraten muss). Und natürlich hat Pitts Figur wieder einen Essensspleen. Diesmal sind es Wasabi-Nüsse.

Henry Figur ist ziemlich besessen von der Kindersendung „Thomas, die kleine Lokomotive“ und nutzt das dort vermittelte Wissen, um Menschen zu lesen und mit den Charakteren aus der Zugsendung zu vergleichen, was ihn schon oftmals geholfen hat.

An Bord sind generell einige Paradiesvögel mit elaborierten Backstorys, blutigen Vergangenheiten oder merkwürdigen Marotten. Es gilt, das eine oder andere Whodunnit zu klären, es gibt einen bunten Kinderwaggon voller Animefiguren und obendrein eine Giftschlange, die wie Chekhovs berühmte Pistole durch den Zug schlängelt und nur darauf wartet, jemanden zu beißen... Wie das alles zusammenpasst und welche Wege sich schon einmal wie gekreuzt haben, entdeckt man aber am besten selbst. Genauso wie einige Cameos im Film, die aber ebenso mal besser und mal nicht so gut zu funktionieren scheinen. Denn ich habe manchmal den Eindruck, dass gewisse Gesichter nur für die Publikumsreaktion eingebaut wurden, ohne wirklich etwas für die Story zu tun.

Warum nicht einfach aussteigen?

Immer wieder gibt es an den Haltebahnhöfen die Möglichkeit eines Ausstiegs für Ladybug, die aber aus diversen Gründen mal besser und mal schlechter konstruiert sind. Während anfangs auch noch normales Publikum an Bord zu sein scheint, ändert sich dieses, je länger die Reise dauert, was aber glücklicherweise auch innerhalb des Films angesprochen wird. Denn man stellt sich unweigerlich die Frage, warum die anderen Fahrgäste und das Personal nicht bemerken, dass hier Gewalt und Mord geschehen. An einer Stelle wird mit der Reaktion anderer Fahrgäste gespielt, dann aber irgendwie auch etwas zu langgezogen, weil im vermeintlichen Ruheabteil sich jemand zu laut prügelt.

Wenn man ein Auge zudrückt, dann kann man diese Hinbiegung des Drehbuchs wohl verzeihen, weil die Figuren von ihren jeweiligen Darstellern kurzweilig genug porträtiert werden, so dass das zur Nebensache gerät. Denn, wenn man wollte, könnte man schon beim ersten Halt den Film ordentlich auseinandernehmen. Spätestens beim zweiten Stopp sollte man dann aber akzeptieren, dass die Drehbuch-Autoren einen Plan verfolgen, der auch ein bisschen Akzeptanz vom Publikum erfordert. Außerdem sind manche Charaktere sehr widerstandsfähig und überleben teilweise so einiges - aber auch das ist natürlich eine klassische Actionfilmtrope.

Showdown in Kyoto

Im letzten Filmdrittel kommt dann am ehesten die Verwandtschaft zu „Die üblichen Verdächtigen“, „Lucky Number Slevin“ oder ähnlichen twistigen Actionfilmen zum Tragen, wenn aufgedröselt wird, warum die Auswahl der Passagiere kein reiner Zufall ist. Allerdings driftet der Showdown dann auch in eine Richtung ab, die das rasante Zug-Kammerspiel noch mal größer und epischer abschließt, als es vielleicht nötig wäre. Denn plötzlich gibt es viel Krachbumms, Explosionen und andere Konfrontationen, die man wohl für notwendig hält, um die 08/15-Zuschauer zu beeindrucken.

Bullet Train“ ist ein Film, den ich als Jugendlicher, der vielleicht noch nicht die meisten relevanten Streifen des Genres gesehen hatte, wohl etwas mehr abgewonnen hätte. Ich habe den Eindruck, dass die Macher zwar viel Mühe und Hirnschmalz in die Konstruktion der Drehbuchumsetzung gelegt haben, ich persönlich aber schon einige cleverer konstruierte und ebenso cleverer geschriebene Filme gesehen habe, was vor allem für Wortwitz und Dialoge gilt. Selten habe ich laut lachen wollen, sondern eher mal geschmunzelt - bis auf eine oder zwei Stellen. Dabei mag ich das hier versammelte Ensemble ziemlich gerne, Brad Pitt-Werke schaue ich bis heute fast automatisch zumindest einmal und das Material ist auch sicherlich nicht schlecht, nur eben nicht so herausragend wie einige geistige Vorgänger.

Die Idee eines japanischen Schnellzugs mit einer Reihe von tödlichen Gestalten zu besetzen, finde ich sogar überaus ansprechend. Man kann sich für zwei Stunden berieseln lassen und findet sicherlich einige weniger unterhaltsame Actionstreifen, nur dachte ich beim Anschauen selten: „Wow, das habe ich aber noch nie gesehen!“ oder „Was für eine bahnbrechende Idee/Unterhaltung!“ Und obwohl Leitch bereits Filme wie „Deadpool 2“, „Hobbs & Shaw“, „Atomic Blonde“ oder „John Wick“ mitgestaltet hat, sind die Kampfszenen zwar durchaus ordentlich gestaltet, aber auch fernab von beeindruckenden, erinnerungswürdigen Kämpfen, die teilweise in seinen anderen Werken zu finden sind.

Bullet Train (Romanvorlage)

Art:Buch
Autor:Kotaro Isaka
Seiten:384
Sprache:Deutsch
22.00 €
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Bullet Train (Romanvorlage)

Fazit

Bullet Train“ ist ein solider, temporeicher Actionfilm mit einem tollen Ensemble, der allerdings nicht an ähnliche Genrevertreter heranreicht. Trotzdem kann man sich beim Kinobesuch sicherlich für zwei Stunden gut amüsieren und überraschen lassen, wie die Wege der Killerpassagiere zusammenhängen oder eben nicht. Gerade die Flashbacks haben einen guten Unterhaltungswert, während der Showdown für meinen Geschmack etwas zu viel möchte und sich zu sehr vom vorherigen fast kammerspielartigen Zugpart verabschiedet. Dreieinhalb von fünf tödlichen Giftschlangen.

Hier abschließend noch der aktuelle Trailer zum Film „Bullet Train“:

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