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Better Call Saul: Wexler v. Goodman - Review

Better Call Saul: Wexler v. Goodman - Review

Bob Odenkirk in Better Call Saul (c) AMC
Bob Odenkirk in Better Call Saul (c) AMC

Eine Serie, die einen immer wieder überrascht und überlistet, müsste doch eigentlich früher oder später eintönig werden. Oder etwa nicht? Nun, Better Call Saul beweist genau das Gegenteil und wird einfach immer besser...

Herzlich willkommen zur wöchentlichen Wertschätzungsfeier der wunderbaren Rechtsanwältin Kim Wexler, gespielt von der ebenso wunderbaren Rhea Seehorn. Die sechste Episode der fünften Staffel von Better Call Saul hält, was ihr spektakulärer Titel Wexler v. Goodman verspricht und liefert uns ein packendes Tête-à-Tête der beiden Hauptfiguren, das am Ende eine sehr verblüffende Wendung nimmt. Und nicht nur Seehorn erleben wir als Schauspielerin in absoluter Bestform, sondern auch ihren Gegenspieler Bob Odenkirk als Jimmy McGill alias Saul Goodman. Ein weiteres Duell im Nebenhandlungsstrang, nämlich zwischen Mike (Jonathan Banks) und Lalo (Tony Dalton), rundet die perfekte Folge ab...

Jimmy und Kim

Wie die meisten Serienepisoden aus der Schmiede von Vince Gilligan, der diese Woche Michael Morris Regie führen ließ und Thomas Schnauz das Drehbuch anvertraute, beginnt auch diese mit einem kleinen Rätsel: Wo sind wir? Wen sehen wir? Und was passiert da? Die Antwort: Wir sehen Kim als junges Mädchen, das gerade darauf wartet, von ihrer Mutter aus der Schule abgeholt zu werden. Mit reichlich Verspätung kreuzt ihre Erziehungsberechtigte schließlich stockbesoffen auf. Erst vor einer Woche lernten wir, dass die Kindheit der taffen Juristin nicht gerade leicht war. Ihre völlig verantwortungslose Erzeugerin zwang sie dazu, schon von klein auf erwachsen und vernünftig zu sein. Für Spaß und Albernheiten blieb da einfach keine Zeit.

In gewisser Weise lässt sich das Bild der betrunkenen Autofahrerin, bei der Kim keinesfalls einsteigen will, auch auf ihre heutige Beziehung mit Jimmy übersetzen. Seine Unachtsamkeit mit Blick auf Recht und Ordnung entstammt derselben Grundhaltung, die sich aus Selbstüberschätzung und purem Egoismus zusammensetzt. Mit anderen Worten: Jimmy fährt als Anwalt schon sein Leben lang betrunken - und wir Zuschauer feuern ihn wegen seines hohen Unterhaltungsfaktors auch noch schamlos an. Zuletzt war auch Kim sehr fahrlässig und nahm ebenfalls in seiner gelben Schrottkarre Platz, um ihrem verhassten Großklienten Mesa Verde heimlich eins auszuwischen und natürlich, um sich für „den kleinen Mann“, personifiziert durch Everett Acker (Barry Corbin), einzusetzen. Nachdem sie dadurch fast ihren Job verlor, tritt sie nun auf die Notbremse.

Doch die Chaosmaschine namens Saul Goodman ist längst nicht mehr zu stoppen. Mit schmutzigen Tricks en masse will der windige Winkeladvokat nicht nur seinen Fall gewinnen, sondern auch seine Gegner der Lächerlichkeit preisgeben - diese ach so seriösen Vollprofis in schicken Anzügen, darunter auch seine Freundin Kim. Am besten wird sein verletzter Stolz als ultimativer Antrieb daran deutlich, dass er auch diesmal wieder eine Attacke auf den armen Howard (Patrick Fabian) startet, der doch allen Ernstes die Frechheit besaß, ihm einen Job anzubieten. So lustig die Streiche auch sein mögen, sollten die Serienmacher dennoch aufpassen, den Bogen nicht zu überspannen. Denn schon jetzt hat man das Gefühl, dass Jimmy hier doch ein bisschen überreagiert. Das Ganze erinnert fast schon an die Dynamik zwischen Homer Simpson und Ned Flanders aus The Simpsons, bei denen der Witz eben darin liegt, dass ersterer letzteren ohne guten Grund verabscheut und wie Dreck behandelt.

© IMAGO
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Jonathan Banks in Better Call Saul  © AMC
Jonathan Banks in Better Call Saul © AMC

Genauso schlägt Jimmy beziehungsweise Saul auch im Kampf gegen Mesa Verde über die Stränge. Statt fair zu verhandeln, erpresst er die Bank und ihren Geschäftsführer Kevin (Rex Linn), indem er die Reputation dessen Vaters, dem Firmengründer, ins Visier nimmt. Das Schlimmste daran: Mit diesem Schachzug überrascht er selbst Kim, damit ihre Entrüstung möglichst realistisch wirkt, um jegliche Zweifel an ihrer Loyalität seitens Richards (Dennis Boutsikaris) zu zerstreuen. Und natürlich funktioniert das Ganze wie am Schnürchen, so dass sich Kevin später auf einen Deal einlässt, der Mr. Acker sein Haus sowie eine saftige Entschädigung zusichert. Kim hat, was sie wollte, ist aufgrund der Täuschung aber trotzdem wütend.

Es ist unglaublich, wie es Seehorn gelingt, Kims Emotionen sowohl so brodelnd und gleichzeitig so beherrscht darzustellen. Auf dem Parkett der Subtilität zündet sie ein wahres Feuerwerk der Gefühle ab, aber eben ganz kontrolliert und nur im Rahmen. Weder zu über- noch zu untertreiben, ist die hohe Kunst, an der sie uns Woche für Woche teilhaben lässt. Und trotz dieser enormen Nachvollziehbarkeit ihres Charakters ist man am Ende ziemlich überrumpelt, als Kim Jimmy, statt mit ihm Schluss zu machen, vorschlägt, sie zu heiraten. Was könnten hierfür wohl ihre Beweggründe sein? Will sie sich vielleicht nur juristisch absichern, um bei einem drohenden Gerichtsprozess nicht als Zeugin verhört zu werden? Oder will sie einfach nicht länger die Beifahrerin eines Betrunkenen sein, sondern selbst das Steuer übernehmen?

Mike und Lalo

Auch im Nebenhandlungsstrang kommt es zu einer spannenden Konfrontation: Mike, der seit letzter Folge wieder fest im Dienst von Gus (Giancarlo Esposito) steht, macht sich auf, das Problem namens Lalo aus dem Weg zu räumen. Dank Nacho (Michael Mando) wissen er und sein Arbeitgeber, dass der Salamanca-Soldat einen Anschlag auf ihr Unternehmen plant und man will ihm daher zuvorkommen. Ganz der schlaue alte Fuchs greift Mike dabei selbstverständlich nicht selbst zur Waffe, sondern lässt die Behörden die Schmutzarbeit erledigen. Er nutzt den Tod des armen Ladenverkäufers, den Lalo in der letzten Staffel umbrachte, um neue Beweise in dem ungelösten Mordfall an die Polizei weiterzuleiten und seinen Gegner damit auszuliefern.

Hier wird wieder deutlich, wie ernst Better Call Saul seine Zuschauer nimmt, denn wirklich ausformuliert oder ausgesprochen wird das alles nicht. Um alle Zusammenhänge zu verstehen, braucht es höchste Aufmerksamkeit und ein gutes Gedächtnis. Tatsächlich erinnert uns nur ein kleines Foto an besagtes Opfer, das nun noch einmal so wichtig wird. Dass es das nun aber wirklich schon für Lalo gewesen sein sollte, ist nur schwer zu glauben. Immerhin etablierte sich der Schurke, besonders dank der charmanten Ausstrahlung des Darstellers Dalton, zusehends als Publikumsliebling. Sein diebisches Lächeln, als er am Ende von Polizisten umringt ist, lässt uns ebenfalls hoffen, dass er noch ein Ass im Ärmel hat. Endlich mal ein Gegner auf Augenhöhe für Mike - so schnell kann der Kampf ja also nicht vorbei sein, oder etwa doch?

Ja, Better Call Saul macht einfach Spaß! Und, obwohl sie es natürlich niemals lesen werden, will ich mich bei Gilligan und Konsorten einfach mal bedanken für all die Freude, die sie mir bescheren. In Zeiten, in denen es sonst nicht viel Schönes zu erleben gibt, ist diese Serie schlichtweg ein Segen. Und wir haben noch vier weitere Folgen in dieser Staffel vor uns!

Bjarne Bock

Der Artikel Better Call Saul: Wexler v. Goodman - Review wurde von Bjarne Bock am Uhr erstmalig veröffentlicht. Bjarne Bock hat bereits 7.985 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Bjarne Bock

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