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Better Call Saul: Sabrosito - Review

Kritik der Episode 3x04

Besonders gut geht es Jimmy (Bob Odenkirk) derzeit nicht.  /  (c) AMC
Besonders gut geht es Jimmy (Bob Odenkirk) derzeit nicht. / (c) AMC

Ein Hähnchenrestaurantbesitzer und Drogenmagnat spielt eine gewichtige Rolle in der Better Call Saul-Episode Sabrosito. Seine giftige Konkurrenz zu einem anderen Bekannten aus dem Breaking Bad-Universum wird dabei erhellt. Jimmy und Kim spielen indes weiter Spielchen.

Mittlerweile ist es keine Nachricht mehr, wenn man über das Breaking Bad-Spin-off Better Call Saul schreibt, dass es eine zweigeteilte Serie ist. Der eine Teil, in dem Mike Ehrmantraut (Jonathan Banks) die Hauptrolle spielt, erinnert an den berühmten Vorgänger, da darin all die Elemente vorkommen, die ebenjenen zu solch großem Erfolg geführt haben. Im anderen Teil geht es derweil ruhiger, aber deswegen nicht weniger spannend zu. Hier steht die Beziehung zwischen Jimmy McGill (Bob Odenkirk) und Kim Wexler (Rhea Seehorn) im Zentrum - und natürlich sein Dauerstreit mit Bruder Chuck (Michael McKean).

This is America

Die Episode Sabrosito ist nun deshalb besonders interessant, weil sie diese Zweiteilung in formaler Hinsicht auf die Spitze treibt. Sie ist von einer klaren Struktur durchzogen, nur einmal durchkreuzt der eine Handlungsstrang den anderen. Dabei sind jedoch nicht die Erzählbogen von Jimmy und Mike voneinander getrennt, sondern die von Jimmy und Gus Fring (Giancarlo Esposito). Als verbindendes Element dient nun Mike, wodurch auch die Frage erhellt wird, wieso er in „Bad“ sowohl als Jimmys aka Sauls Ermittler als auch als rechte Hand des „Pollo Hermano“ arbeitet.

Eine genaue Erklärung bekommen wir dafür nicht, wohl aber genug Stoff zur Interpretation. Nachdem Mike in der letzten Episode einen Job für Gus erledigt hat, will der ihn nun dafür entlohnen. Mike jedoch lehnt das Geldangebot, das von Victor (Jeremiah Bitsui) überbracht wird, ab. Daraufhin wird Gus persönlich bei ihm vorstellig - er hat dafür sein harmloses Restaurantmanageroutfit gegen einen schwarzen Drogengangsteranzug getauscht -, um die Gründe dafür zu erfahren. Eine besonders zufriedenstellende Antwort kann er dem wortkargen Mike nicht entlocken, aber zumindest bekommt er die Zusage, dass zukünftige Kooperationen nicht ausgeschlossen sind.

Wo das hinführt, wissen wir alle. Wieso Mike sich darauf einlässt, wissen wir noch nicht genau, können es aber zumindest erahnen. Finanziell ist er durch seine Polizeipension abgesichert. Allerdings hat er ja noch eine Familie, um die er sich kümmern muss. Seiner Enkelin Kaylee (Abigail Zoe Lewis) soll es einmal an nichts mangeln, ihrer Mutter Stacey (Kerry Condon) hat er bereits ein Haus in einer sicheren Nachbarschaft gekauft. Um all diese Ausgaben stemmen zu können, braucht Mike das schmutzige Geld aus den Drogengeschäften von Gus.

© IMAGO
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Chuck (Michael McKean) zeigt keine Gnade gegenüber seinem Bruder.   © AMC
Chuck (Michael McKean) zeigt keine Gnade gegenüber seinem Bruder. © AMC

Hier bekommt er von Gus zum ersten Mal einen Einblick, wie verhängnisvoll diese Geschäfte verlaufen können. Im Hinblick auf dessen größten Konkurrenten Hector Salamanca (Mark Margolis), den Mike am Ende der zweiten Staffel erschießen wollte, sagt er: „A bullet to the head would've been far too humane.“ Er will ihn also nur am Leben lassen, um ihm bei nächster Gelegenheit eine quälendere Pein als den schnellen Tod zuzufügen. Woher dieser unbändige Hass kommt, wissen wir aus der „Bad“-Episode Hermanos (4x08).

No second chances

Darin wurde Gus' Geschäftspartner Max von Hector ermordet - just an dem Ort, an dem auch das Cold Open dieser Episode spielt. Darin kommen einmal mehr Don Eladio (Steven Bauer), Juan Bolsa (Javier Grajeda) und Hector zusammen, um Geschäftliches abzuwickeln. Letztgenannter kann dabei kaum die Abneigung und den Neid zurückhalten, die er gegenüber seinem Konkurrenten Gus verspürt, der via Bolsa mit viel dickeren Geldtaschen aufwarten kann. Kein Wunder also, dass der schon immer ein bisschen weniger fein gestrickte Hector keinen anderen Weg sieht, als seinen Rivalen mit einer Machtdemonstration einzuschüchtern.

Gus lässt sich davon nicht beeindrucken, kocht aber innerlich trotzdem vor Wut, weil es bald zu einer Aktion Hectors kommen könnte, aus der er sein Saubermann-Image nicht so einfach retten kann. Es ist immer wieder faszinierend, die verschiedenen Seiten von Gus Fring zu sehen. Einerseits ist er der höfliche Geschäftsmann, eine „Säule der Gemeinschaft“, wie es der Feuerwehrmann ausdrückt. Andererseits der knallharte Gangster, der selbst vor eigenhändigem Mord nicht zurückschreckt, nur um ein Zeichen zu setzen. Und hier bekommen wir sogar noch einen dritten Gus - den nämlich, der sich darüber freuen kann, eine Alumiumkugel im Mülleimer versenkt zu haben.

Dass wir diesen Gus noch öfter zu Gesicht bekommen, darf bezweifelt werden. Diesen Auswuchs seiner Persönlichkeit hält er unter strengster Kontrolle. Für die leichteren Momente müssen dann eben Jimmy und Kim sorgen, was angesichts Jimmys verheerendem Streit mit seinem Bruder derzeit nicht allzu einfach zu gewährleisten ist. Bei der Verhandlung zu Jimmys Geständnis, das ihn vor dem Gefängnis bewahrt, ihn aber auch seine Zulassung als Anwalt kosten könnte, zeigt sich Chuck einmal mehr von seiner abscheulichsten, pedantischsten Seite.

Aber Jimmy und Kim wären nicht „Viktor und Giselle“, hätten sie nicht schon einen Plan, wie der Ernstfall verhindert werden könnte. Wie dieser genau aussieht, das ist am Ende von Sabrosito noch unklar. Dazu gehört, dass sich Mike als Handwerker ausgibt, um Fotos von Chucks Haus zu machen. Außerdem gelingt es Kim, Chuck zu entlocken, dass Jimmy tatsächlich die Kopie des Überwachungstapes zerstört hat. So spannend die Mike- und Gus-Storyline auch ist - irgendwie interessiert mich gerade mehr, wie sich Jimmy aus dieser misslichen Lage befreit. Die nächsten Episoden dürfen gerne schnell kommen.

Christina Greiner

Der Artikel Better Call Saul: Sabrosito - Review wurde von Christina Greiner am Uhr erstmalig veröffentlicht. Christina Greiner hat bereits 173 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht.

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