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Better Call Saul: Off Brand - Review

Kritik der Episode 3x06

Regisseur und Hauptdarsteller in einem: Jimmy (Bob Odenkirk, r.) ist in seinem Element.  /  (c) AMC
Regisseur und Hauptdarsteller in einem: Jimmy (Bob Odenkirk, r.) ist in seinem Element. / (c) AMC

Die Better Call Saul-Episode Off Brand widmet sich der Nachlese der aufwühlenden Ereignisse aus Chicanery. Überdies kehrt der andere große Handlungsbogen zurück - und mit ihm gleich mehrere aus der Mutterserie bekannte Gesichter.

Für eine Dramaserie wie Better Call Saul ist es nie leicht, einer außergewöhnlichen Episode wie Chicanery eine ähnlich bemerkenswerte folgen zu lassen. Der große Vorteil von „BCS“ ist indes, auf ein großes Reservoir an bekannten Charakteren aus der Mutterserie Breaking Bad zurückgreifen zu können, um den vielleicht ein bisschen flacheren Handlungsverlauf einer Episode wie Off Brand eben so zu würzen - und natürlich mit dem hervorragenden Einfall, Jimmy McGill (Bob Odenkirk) zum ersten Mal zu Saul Goodman zu machen.

To new beginnings

Um dorthin zu kommen, verlegt sich Drehbuchautorin Ann Cherkis darauf, den inneren Scherzkeks freizulassen. Jimmy wird mit einer zwölfmonatigen Suspendierung belegt, was ihm nun nicht nur viel Zeit einbringt, sondern auch ein paar nicht zu vernachlässigende finanzielle Probleme. Kim (Rhea Seehorn) denkt bereits darüber nach, die Büroräume zu kündigen und Francesca (Tina Parker) zu entlassen. Weil sich Jimmy aber immer noch für „Saint Jimmy“ hält, will er beides verhindern, indem er Kim verspricht, für seinen Teil der Kosten aufzukommen.

Zunächst hat er die Idee, seine beim Fernsehen erworbene Werbezeit an Gewerbetreibende aus der Gegend zu verkaufen, was aber wegen eines zu kleinen Zeitfensters nicht von Erfolg gekrönt ist. Da er seine altbekannte Filmcrew bereits engagiert hat, kommt ihm in letzter Minute der rettende Einfall: Er dreht einfach einen Werbeclip für seine im Vorbeigehen gegründete Werbeagentur, die unter einem Namen firmiert, auf den wir alle sehnlichst gewartet haben: Saul Goodman. Dies hat nun wirklich niemand vorhersehen können. Ein großes Lob geht deshalb an Cherkis, Vince Gilligan, Peter Gould und sonst jeden, der mit dieser Idee zu tun hatte.

Neben dem rekordverdächtigen Einsatz von star wipes ist das Beste an dem Video der abschließende Kommentar von Kim: „That guy has a lot of energy.“ Sie ist darüber noch verwundert, wir „Bad“-Kenner hingegen wissen längst, welches Potential in Jimmy steckt. Die Transformation zu Saul Goodman findet hier nicht nur im Namen statt, sondern auch im Hinblick auf seine sich wandelnde Persönlichkeit. Am deutlichsten wird das in der Szene, in der Jimmy von Rebecca (Ann Cusack) gebeten wird, sich weiterhin um Chuck (Michael McKean) zu kümmern - und er das kaltherzig ablehnt.

© IMAGO
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Gus (Giancarlo Esposito) widmet sich dem Ausbau seines Imperiums.   © AMC
Gus (Giancarlo Esposito) widmet sich dem Ausbau seines Imperiums. © AMC

Seine abgebrühte Reaktion auf Rebeccas Unterstützungsanfrage steht in starkem Kontrast zu dem, was Kim kurz zuvor über ihn vor dem Disziplinarausschuss gesagt hat: „Jimmy McGill cares about people.“ Ähnliches lässt sich aus den Telefongesprächen mit seinen Klienten herauslesen. Hatte der alte Jimmy noch genuines Interesse an ihnen, ist Saul größtenteils genervt von diesem Pflichtmarathon. Nur einmal erhellt sich seine Stimmung: als er mit einem ehemaligen Bomberpiloten spricht, der als Angehöriger der Greatest Generation die Nazis besiegte.

Who works for who?

Vergleichbar tragisch mit der Verwandlung der Hauptfigur ist das, was mit ihrem Bruder Chuck in dieser Episode passiert. Völlig konsterniert von den Ereignissen aus der letzten Episode, schaffen es weder Rebecca noch Howard (Patrick Fabian), ihn aufzumuntern. Immerhin hat es den Anschein, als hätte Jimmy zu ihm durchdringen und ihn wenigstens ein bisschen davon überzeugen können, seiner Krankheit einen mentalen Ursprung beizumessen. Nach kurzer Eigenschocktherapie begibt er sich jedenfalls zum nächsten Münzfernsprecher, um sich an seine behandelnde Ärztin zu wenden.

So locker-amüsant der Verlauf des Saul-Handlungsbogens ist, so saftig wird es rund um die Drogengeschäfte in Albuquerque. Im Zentrum steht dieses Mal mit Nacho (Michael Mando) ein in dieser dritten Staffel sträflich vernachlässigter Charakter. Ihm steht in mehreren Szenen der Ekel vor der Vorgehensweise seines Chefs Hector (Mark Margolis) ins Gesicht geschrieben. Zunächst muss er auf dessen Geheiß den alten „Bad“-Haudegen Krazy-8 (Max Arciniega) vermöbeln, dann fordert „Tio“ auch noch, seinen Vater und dessen Polstergeschäft als Schmuggeldienst einzusetzen.

Bisher lässt sich weder absehen, in welche Richtung Nachos Entwicklung geht, noch, wie dies mit Gus (Giancarlo Esposito) in Zusammenhang stehen wird. Fürs Erste lässt der sich die kleinlichen Machtspielchen gefallen, die Hector via Nacho mit ihm veranstaltet. Der „Chicken Man“ plant gerade größere Vorhaben, was uns ein unerwartetes Wiedersehen mit der wunderbaren Lydia Rodarte-Quayle (Laura Fraser) beschert. Die beiden hatten in Breaking Bad keine einzige gemeinsame Szene, da sie erst auftauchte, als Gus von Walter White schon längst zum Gesichtslosen gemacht worden war.

Die Episode Off Brand erreicht nicht die emotionale Fallhöhe ihrer Vorgängerin, macht das aber mit einer ausgezeichneten Idee zur Einführung des Goodman-Pseudonyms und gleich mehreren „Bad“-Referenzen wieder wett. Wer hätte gedacht, dass dieses Spin-off so viel Kreativität versprühen würde?

Christina Greiner

Der Artikel Better Call Saul: Off Brand - Review wurde von Christina Greiner am Uhr erstmalig veröffentlicht. Christina Greiner hat bereits 173 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht.

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