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Better Call Saul: Namaste - Review

Better Call Saul: Namaste - Review

Saul Goodman (Bob Odenkirk) in Action... (c) AMC
Saul Goodman (Bob Odenkirk) in Action... (c) AMC

Drei Bowlingkugeln, zwei Trickser und knapp eine Million Dollar säumen den Weg für eine weitere grandiose Episode von Better Call Saul. Nachdem Jimmy McGill vollends zu Saul Goodman geworden ist, ist es nun an der Zeit, ein bisschen Spaß zu haben...

Better Call Saul erinnert uns in der neuen Episode Namaste (5x4) daran, dass es sich bei der Spin-off-Serie von Breaking Bad nicht nur um das wohl beste Drama handelt, welches das amerikanische Fernsehen derzeit zu bieten hat, sondern auch um eine exzellente Comedy. Nachdem Jimmy (Bob Odenkirk) zu Beginn der fünften Staffel seine Verwandlung hin zum windigen Winkeladvokaten Saul Goodman endlich abgeschlossen hat, kommt er nun richtig in Fahrt. Selten zuvor waren seine Tricks so lustig und einfallsreich. Und auch diejenigen, die seine Veranlagung zum Schummeln früher argwöhnisch betrachteten, reagieren zusehends anerkennend...

Jimmy, Kim und Howard

Das Drehbuch und Inszenierung übernahm diesmal ein gewisser Gordon Smith, der einst als kleiner Produktionsassistent bei der Mutterserie anfing und sich sukzessive hocharbeitete. Dass die Episode tatsächlich sein Debüt als Regisseur markiert, dürfte wohl niemandem aufgefallen sein. Als langjähriger Schüler von Vince Gilligan versteht und beherrscht er dessen distinkten Stil offenbar problemlos. Bereits mit dem Cold Open zeigt Smith sämtliche Stärken, die Better Call Saul und damals auch Breaking Bad stets so besonders machten und machen. Wir sehen, wie Jimmy einen Krimskramsladen betritt und verschiedenste Schrottartikel unter die Lupe nimmt. Am Ende verlässt er das Geschäft zielsicher mit drei Bowlingkugeln. Bis ganz zum Schluss spannt man uns auf die Folter, um zu sehen, was er damit vorhat.

Inhaltlich setzt die neue Folge direkt am nächsten Morgen nach der durchaus kathartischen und irgendwie auch ein kleines bisschen besorgniserregenden Bierflaschenszene von Jimmy und Kim (Rhea Seehorn) an. Quasi im Vorbeigehen demonstriert man uns noch einmal, was das Liebespaar charakterlich unterscheidet: Während er die Scherben für den Hausmeister liegen lassen will, packt Kim kurzerhand selbst an, um ihren Dreck wegzumachen. Ihre Skrupel hat sie also nicht verloren, eher hat sie ihren persönlichen Ehrenkodex überarbeitet, basierend auf dem Prinzip des Utilitarismus. Soll heißen: Faule Spielchen sind erlaubt, wenn sie damit etwas Gutes bewirken kann. Zumindest besser, als im Namen der Gerechtigkeit ständig zu verlieren.

Trotzdem begibt sie sich damit auf einen gefährlichen Pfad, denn gewissermaßen hintergeht sie ihren wichtigsten Klienten, Mesa Verde. Um den ihr gegenüber keineswegs freundlichen Sturkopf Mr. Acker (Barry Corbin) davor zu bewahren, sich „vom Acker machen zu müssen“, damit die Bank ein Callcenter auf seinem Grundstück bauen kann, wendet sie sich an den „Freund der Freundlosen“, Davids Tag-Team-Partner gegen Goliat: Saul Goodman. Dass er ihre einzige Hoffnung ist, erkennt sie, als sie ihn in seinem Element beobachtet, sprich beim Chaosstiften im Gerichtssaal. Dies ist das erste große Highlight des Tricksers in dieser neuen Folge. Das zweite folgt dann später, als er Mr. Acker im geheimen Auftrag Kims und äußerst kreativ dazu überredet, ihn als Anwalt anzuheuern, um Mesa Verde einen ordentlichen Tritt zu verpassen.

© IMAGO
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Mike (Jonathan Banks) am Abgrund...  © AMC
Mike (Jonathan Banks) am Abgrund... © AMC

Man ahnt natürlich schon, dass Kims erster eigener Versuch, die Regeln zu brechen, hart nach hinten losgehen wird. Wie so oft drängt sich selbstverständlich auch die Frage auf: Wird dieses Ereignis sie und Jimmy letztendlich entzweien? Übrigens noch überraschender als Kims Sinneswandel hinsichtlich Saul Goodman ist der von Howard (Patrick Fabian), der seiner früheren Nemesis nun sogar einen Job bei Hamlin, Hamlin & McGill anbietet. Seine Motive sind dabei wie immer schleierhaft. Kaum vorstellbar, dass er wirklich wertzuschätzen weiß, was Jimmy aka Saul aka Charlie Hustle an den Tisch bringen würde. Vermutlich hat er einfach ein schlechtes Gewissen in Gedenken an seinen früheren Geschäftspartner, Jimmys totem Bruder Chuck (Michael McKean). Aber keine Sorge: Jimmy lehnt ab und die drei Bowlingkugeln landen in den Scheiben von Howards schickem Auto...

Hank, Gus und Mike

Im Nebenhandlungsstrang wollen die zwei Breaking Bad-Rückkehrer Hank (Dean Norris) und Gomie (Steven Michael Quezada) nun die Früchte einsammeln, die sie sich von den Informationen des Kleinkriminellen Krazy-8 (Max Arciniega) versprochen haben. In der Hoffnung, den großen Drogenbaron von Albuquerque aufzuspüren - der natürlich Gus (Giancarlo Esposito) heißt, was die DEA-Agenten allerdings erst viele Jahre später wissen werden -, heften sie sich an die Versen von Victor (Jeremiah Bitsui) und Diego (David DeLaO). Diese führen die Gesetzeshüter absichtlich zum Geldversteck, in welchem sie schweren Herzens fast eine Million Dollar liegen lassen, um die hungrigen Spürhunde vorerst zu sättigen. Drei Bauernopfer gibt es obendrein.

Doch Hank ahnt bereits, dass deutlich mehr drin gewesen wäre. Für die generelle Spannung in dieser Storyline ist es leider etwas ungünstig zu wissen, dass Gus und Konsorten derzeit noch mit jeder Menge Plot Armor versehen sind. Trotzdem kann man eine gewisse Freude daraus ziehen, Hank wie damals wieder im Einsatz zu sehen (lustige Sprüche selbstverständlich inklusive). Und auch Gus sorgt für sehr viel Unterhaltung, obwohl er eigentlich nur dasitzt und nervös auf sein Handy starrt. Wie er seinen armen Filialleiter Lyle (Harrison Thomas) mit unnötigen Überstunden quält, hat zudem etwas Bezeichnendes. Der Chicken-Wings- und Meth-Verkäufer ist und bleibt eben einer der besten Serienschurken aller Zeiten.

Abschließend noch ein paar Worte zum alten Haudegen Mike (Jonathan Banks), der zuletzt ein wenig Abseits vom Geschehen umherwanderte. Der Frust über die kürzlichen Komplikationen bei seiner Arbeit, gemischt mit der permanenten Trauer um seinen toten Sohn, disqualifizieren ihn neuerdings als Großvater. Und da diese Rolle die Einzige ist, die ihm überhaupt am Herzen liegt, leidet der Senior an akuter Lebensmüdigkeit. Erneut stellt er sich nämlich der Straßengang, der er beim letzten Mal noch eine Abreibung verpasst hat - doch diesmal ist er fällig. Am Ende wacht er jedenfalls irgendwo in einer Lemhütte auf, mit Messerstich im Bauch und vielen Fragezeichen im Gesicht. Auch wir Zuschauer sind verwirrt und freuen uns jetzt bereits auf die Antworten in der nächsten Woche. Better Call Saul ist weiterhin das Beste, was wir Serienjunkies aktuell geboten bekommen. Wir können uns wahrlich glücklich schätzen.

Kleine Randnotiz: Hat noch jemand ein ungutes Gefühl dabei verspürt, wie oft sich Jimmy ins Gesicht fasst? Wohl eine der Nebenwirkungen vom Serienschauen in Zeiten des Coronavirus... In diesem Sinne: Wascht Euch die Hände!

Bjarne Bock

Der Artikel Better Call Saul: Namaste - Review wurde von Bjarne Bock am Uhr erstmalig veröffentlicht. Bjarne Bock hat bereits 7.985 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Bjarne Bock

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