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Better Call Saul: Nailed - Review

Kritik der Episode 2x09

Mike will den Salamancas einen schmerzhaften Schlag verpassen.  / (c) AMC
Mike will den Salamancas einen schmerzhaften Schlag verpassen. / (c) AMC

Eine Woche vor dem Staffelfinale zeigt sich Better Call Saul in bestechender Form. Während sich die Konflikte zuspitzen, finden die Figuren immer klarere Worte. Zum Ende der Episode gibt es einen lauten Paukenschlag.

Mit der Episode Nailed bereitet sich das AMC-Drama Better Call Saul auf das anstehende Finale seiner zweiten Staffel vor. Sowohl Drehbuch als auch Regie lagen diesmal in den Händen des Serienschöpfers Peter Gould, was als Zeichen zu deuten ist, dass die Handlung allmählich ihren Höhepunkt erreicht. Und tatsächlich waren die Konflikte nie zuvor interessanter und die Einsätze nie höher. Während Mike (Jonathan Banks) zum Angriff gegen den Salamaca-Clan bläst, eskaliert der Bruderstreit zwischen Chuck (Michael McKean) und Jimmy (Bob Odenkirk) - vielleicht sogar mit irreparablen Folgen.

Who's the guy who won't pull the trigger?

Zunächst zu Mike, dem in dieser Episode die Eröffnungsszene gehört: Wir begegnen ihm inmitten der Wüste New Mexicos, auf einer einsamen Landstraße Richtung El Paso. Wir sehen, wie er mit Hilfe des mit Nägeln durchbohrten Gartenschlauches, den er vergangene Woche mit seiner Enkelin gebastelt hat, eine Falle präpariert. Das angestrebte Opfer ist der berüchtigte Eistruck, der für Hector Salamanca (Mark Margolis) und Konsorten Geld über die Grenze schmuggeln soll.

Fähig, wie er ist, schafft es Mike, den Wagen zu stoppen und den ahnungslosen Fahrer zu überwältigen. Er hat alle Zeit der Welt, um die Beute von sage und schreibe 250.000 US-Dollar einzusammeln. Bei alledem achtet Mike penibel darauf, dass das Opfer nicht zum Zeugen werden kann, indem er weder spricht noch sein Antlitz offenbart. Nach getaner Arbeit gönnt er sich einen Abend am Tresen und spendiert seinen Trinkkumpanen eine Runde. Seine gute Stimmung zeigt sich später auch im Diner, als er mit der Kellnerin plaudert. Es ist immer wieder bewegend, das Lächeln dieses gebrochenen, alten Mannes zu sehen, das normalerweise seiner Enkelin vorbehalten ist. Jonathan Banks‘ schauspielerische Leistung zu loben, erscheint inzwischen überflüssig.

Und so sehr man es ihm auch wünschte, Mikes Glück ist nur von kurzer Dauer, denn Nacho (Michael Mando) ist ihm auf die Schliche gekommen. Er konfrontiert Mike jedoch nicht, um ihn zu bestrafen, sondern um ihn vor seinem wutentbrannten Boss Hector zu beschützen - das Geld ist ihm ohnehin egal. Als Mike dann aber sein wahres Motiv hinter der Tat offenbart, dem Salamanca-Clan, also auch Nacho die Polizei auf den Hals zu hetzen, schlägt die Stimmung um. Nacho verpasst Mike den Schlag, von dem er weiß, dass er am meisten schmerzt. Er teilt ihm mit, dass die Aktion doch ein unschuldiges Leben gekostet, nämlich das des „good Samaritans“, der zufällig vorbeifuhr und den gefesselten Fahrer befreite. Hector erschoß ihn, um die Angelegenheit zu verheimlichen. Es bleibt nun abzuwarten, auf wen sich Mikes Zorn richten wird, auf die Salamancas oder auf sich selbst.

© IMAGO
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Chuck stellt seinen Bruder Jimmy zur Rede.  © AMC
Chuck stellt seinen Bruder Jimmy zur Rede. © AMC

Everyone makes mistakes.

Kaum ein Charakter hat bisher in Better Call Saul eine derartig große Entwicklung durchgemacht wie Chuck McGill (Michael McKean). Kennengelernt haben wir ihn als psychisches Wrack, das auf Grund einer seltenen und umstrittenen Übersensibilität gegenüber Elektrizität nicht in der Verfassung war, das eigene Haus zu verlassen. Die Entzweiung von seinem kleinen Bruder Jimmy zwang ihn, sein Leiden in den Griff zu bekommen. Inzwischen kann er seiner Profession als Anwalt wieder nachgehen, wenn auch nur für kurze, strahlende Momente. Einer davon war in der letzten Episode, als er Kim den einträglichen Klienten Mesa Verde ausspannte. Ein weiterer sollte sein erster Auftritt als deren rechtlicher Repräsentant vor dem New Mexico State Banking Board sein, doch es kam anders.

Jimmys ausgeklügelte List der Vorwoche, Chucks Dokumente zum Fall Mesa Verde in einem Copyshop minimal zu manipulieren, um ihn und seine Kanzlei HHM wie Pfuscher aussehen zu lassen, zeigt nun volle Wirkung. Nach einem souveränen Start und einer fürstlichen Begrüßung für Chuck seitens der Behörde, die wieder einmal zeigt, wie ruhmreich seine alten Tage gewesen sein müssen, kommen erste Unklarheiten auf. Ein kleiner Zahlendreher führt schließlich zum Scheitern von Mesa Verdes Lizensierungsantrag vor dem Anhörungsgremium. Ein großer Rückschlag für den Klienten und eine riesige Blamage für Chuck - die größte seiner Karriere, wie er selbst beklagt. Es ist bemerkenswert, wie es Regisseur Gould und Darsteller McKean gelingt, uns Zuschauer in dieser Szene Mitleid mit Chuck empfinden zu lassen - schließlich gibt es so viele Gründe für uns, ihn zu verachten. Gegen Ende der Episode wird das Ganze auf den Gipfel getrieben.

Chuck kann einfach nicht glauben, dass ausgerechnet er, der so detailversessen ist, einen solch dummen Fehler begangen haben könnte. Es dauert nicht lang, bis sein Verdacht auf Jimmy fällt. Nicht nur, dass dieser ein Tatmotiv hat, nämlich seiner Freundin Kim dabei zu helfen, Mesa Verde zurückzuerobern, auch die trickreiche Methode scheint ihm zu entsprechen. Als Jimmy und Kim zu Chuck fahren, um die Akten des Klienten abzuholen, der sich mittlerweile für einen Wechsel zu Kim entschieden hat, eskaliert der langandauernde Bruderstreit. Chuck konfrontiert Jimmy mit dem Vorwurf der Manipulation und des Betruges. Auch wenn er noch keine Beweise gegen ihn in der Hand hält, will er zumindest Kim demonstrieren, wie verkommen ihr Freund ist.

Was folgt, ist eine der stärksten Szenen, die Better Call Saul jemals dargeboten hat. Mit rhetorischer Präzision seziert Chuck die Sünden seines Bruders. Die Kraft seiner Worte ist umwerfend - großartige Dialogzeilen mit Substanz. Umso überraschter ist Jimmy, als sich Kim auf seine Seite schlägt. Auch ihr gelingt es dann, eine große Wahrheit endlich offen auszusprechen. Sie macht Chuck für Jimmys Fehler verantwortlich: „You never believed in him and you never wanted him to succeed.

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Erneut hat Jimmy seine Freundin Kim enttäuscht.  © AMC
Erneut hat Jimmy seine Freundin Kim enttäuscht. © AMC

Sometimes the good guys win.

Natürlich richtet sich Kims Zorn auch gegen Jimmy. Doch nachdem sie so oft von ihm enttäuscht wurde, weiß sie offenbar nicht mehr, wie sie ihre Gefühle angemessen ausdrücken kann - ein paar kräftige Hiebe mit der Faust müssen es tun, später folgt dann kühles Ignorieren. Dies ist ein weiterer Rückschlag für die unstete Beziehung der beiden. Zuletzt wirkten sie glücklicher denn je, die Vorstellung der beruflichen Koexistenz schien sie beide zu beflügeln. Sie waren sich einig, ihr eigenes Ding zu machen, was für Jimmy anscheinend bedeutet, durch die Stadt zu ziehen und obskure Werbespots zu drehen. Doch noch bevor der erste Klient die gemeinsame Kanzlei betreten konnte, hat er den Schwur gebrochen und sich in ihre Angelegenheiten eingemischt.

Es scheint längst nur noch eine Frage der Zeit zu sein, wann sich Kim von Jimmy abwendet - auch unabhängig davon, dass sie nicht in Breaking Bad zu sehen war, was die Produzenten übrigens nicht als Ausschlusskriterium betrachten. Kim weiß, dass Jimmy sie früher oder später ins Verderben führen wird, alle wissen das. Sich dieser Tatsache stellen, will sie jedoch nicht: „Not now, not ever.

Doch bevor Jimmy Kim verliert, könnte es zunächst den zweitwichtigsten Menschen in seinem Leben treffen, Chuck. Dieser kann den Betrug nicht vergeben und sucht deshalb nach Beweisen für die Tat. Mit Hilfe seines Assistenten Ernesto aka Ernie (Brandon K. Hampton) gelingt es ihm schließlich, den Copyshop ausfindig zu machen, in dem Jimmy die Dokumente manipuliert hat. Nun wird es eng für den Schwindler, er muss verhindern, dass der Angestellte des Geschäfts gegenüber Chuck erklärt, ihn in besagter Nacht gesehen zu haben. Mittels Schmiergeld will sich Jimmy das Schweigen des jungen Mannes (Elisha Yaffe) erkaufen, was ihm auch gelingt, nachdem er ihm vermitteln kann, dass es sich bloß um eine Familienkabale und nicht um ein Kapitalverbrechen handele.

Aus sicherer Entfernung beobachtet Jimmy später, wie Chuck den Laden betritt, um den jungen Angestellten zu befragen. Dieser schafft es tatsächlich, das Geheimnis zu wahren, doch Chuck lässt nicht locker. Zusehends gerät er in Rage. Die vielen Elektrogeräte um ihn herum lassen ihn die Selbstkontrolle verlieren. Er fühlt, wie der Strom durch seine Adern fließt, er sieht verschwommen und ihm wird schwindelig. Plötzlich fällt er in Ohnmacht und sein Kopf schlägt heftig auf die harte Kante des Empfangstresens. Jimmy sieht, wie sein Bruder regungslos am Boden liegt. Wenn er zur Hilfe eilt, ist er ertappt, doch wie ernst ist die Lage? Die Episode endet an dieser Stelle und lässt die Frage damit offen für das Finale. Bei dem, was wir gesehen haben, wäre es aber durchaus möglich, dass Chuck schwer verletzt oder sogar tot sein könnte.

Bjarne Bock

Der Artikel Better Call Saul: Nailed - Review wurde von Bjarne Bock am Uhr erstmalig veröffentlicht. Bjarne Bock hat bereits 7.996 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht. Eine Übersicht der Meldungen von Bjarne Bock

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