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Better Call Saul: Klick - Review

Kritik der Episode 2x10 (Staffelfinale)

Jimmy McGill (Bob Odenkirk) im Stress  /  (c) AMC
Jimmy McGill (Bob Odenkirk) im Stress / (c) AMC

Wir Better Call Saul-Fans können uns glücklich schätzen, dass eine dritte Staffel bereits bestellt ist, denn die zweite endet mit mehreren knallharten Cliffhangern. Bei diversen Figuren macht es mehr als nur einmal Klick, wobei dies mitunter völlig unterschiedliche Bedeutungen hat.

In der Brust der AMC-Dramaserie Better Call Saul pochen weiterhin zwei Herzen - das der Mutterserie Breaking Bad und das eigenständige des Spin-offs. Wie in kaum einer Episode zuvor wird das im Staffelfinale Klick deutlich. Während Mike (Jonathan Banks) jetzt schon auf den Spuren seines späteren Arbeitgebers Walter White wandelt, steckt Jimmy (Bob Odenkirk) noch in seiner kleineren familiären Welt fest, einer weniger gewalttätigen, aber ebenso mitreißenden.

Everything will be alright

Die emotionale Verwüstung, die er dort hinterlässt, könnte größer kaum sein. Im cold open der Episode bekommen wir dafür noch einmal zusätzliche Vorarbeit, wenngleich es dem Autorenteam auch zuvor schon gelungen ist, die tiefen Verwerfungen zwischen Jimmy und seinem älteren Bruder Chuck (Michael McKean) aufzuzeigen. Die beiden sitzen darin am Totenbett ihrer Mutter, als sie jedoch ihre letzten Worte spricht, ist Jimmy gerade auf dem Weg zum Sandwichladen. Verbittert muss Chuck feststellen, dass seine Erzeugerin am Ende ihres Lebens lediglich an ihren Zweitgeborenen denkt - und nicht an ihn, obwohl er doch eigentlich der „gute“ Sohn ist.

Wenig verwunderlich ist hernach, dass Chuck seinem jüngeren Bruder nichts von diesen Worten erzählt. Es ist der vorläufige Tiefpunkt in einem äußerst komplizierten, in so vielen Facetten aber auch nachvollziehbaren Geschwisterverhältnis, das am Ende der Episode einen weiteren negativen Höhepunkt erlebt haben wird. Dann wird die Serie auch noch genauer herausgearbeitet haben, dass sie zwei der besten, weil undurchschaubarsten und komplexesten Serienfiguren beschäftigt. Chuck ist ein begabter Anwalt, der einem strengen Berufsethos folgt, seine Minderwertigkeitsgefühle aber nicht in den Griff bekommt.

Jimmy ist ein ebenso begabter Jurist - jedoch nur, wenn man die Rechtswissenschaft aus einer ganz anderen Perspektive betrachtet. Dieser Konflikt ist der Kern der Serie, und in Klick wird er schmerzlich hervorgekehrt. Aus der somnambulen Eingangssequenz schneidet Regisseur Vince Gilligan direkt in die Action aus der vergangenen Episode. Weil es Jimmy glücklicherweise wichtiger ist, das Überleben seines Bruders zu gewährleisten, riskiert er die Enthüllung seiner Pläne und eilt dem Gestürzten zur Hilfe.

© IMAGO
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Jimmy (Bob Odenkirk) ist hin- und hergerissen.   © AMC
Jimmy (Bob Odenkirk) ist hin- und hergerissen. © AMC

Von dort geht es direkt ins Krankenhaus, was von Gilligan grandios inszeniert wird - wie eine found footage-Aufnahme aus einem Horrorfilm. Wir Zuschauer werden dadurch regelrecht selbst auf die Bahre gehievt. Für Chuck ist es eine Art ungewollter Schocktherapie, die deshalb auch nicht die gewünschten Resultate zeitigt. Kurz, nachdem er zum ersten Mal wieder aufwacht, kann er bereits an nichts anderes mehr denken als den vermuteten Betrug seines Bruders. Dass er damit richtig liegt, erfährt er freilich erst viel später.

Well, if it isn't Johnny-on-the-spot

Es hätte durchaus sein können, dass aus Jimmy schon zu diesem Zeitpunkt herausplatzt, wie gut Chucks Analysefähigkeiten immer noch funktionieren. Verhindert wird das durch den Auftritt von Ernesto (Brandon K. Hampton), der Jimmy ohne vorherige Absprache ein Alibi ausspricht. Diesen kleinen - aus Ernestos Sicht harmlosen - Betrug kann sich Chuck zu einem gewissen Grad selbst zuschreiben, hätte er doch mit ein bisschen mehr Freundlichkeit verhindert werden können. Genau darin steckt die einfache Wahrheit, die Chuck nicht versteht: Jimmy kommt gut mit seinen Mitmenschen zurecht, weil er freundlich zu ihnen ist.

Nach manch medizinischer Hängepartie, während denen Clea Duvall einen abermals sehr gelungenen Gastauftritt als Dr. Cruz absolviert, kann Jimmy seinen Bruder endlich nach Hause bringen. Und dort beginnt der sogleich mit seiner Verschleierungstaktik. Als Jimmy das nächste Mal vorbeischaut, ist es wegen der dringenden Bitte von Howard (Patrick Fabian), der kurz zuvor Chucks Kündigung erhalten hat. Mit Schrecken muss er feststellen, dass sich Chucks eingebildete Krankheit verschlimmert hat - er will nun sein Haus mit Alufolie so ausstatten, dass es einem Faradayschen Käfig gleichkommt.

Doch all das ist nur ein Täuschungsmanöver. Chuck will seinem Bruder ein solch schlechtes Gewissen machen, dass der es nicht mehr aushält und den Mesa-Verde-Betrug endlich zugibt. So kommt es schließlich auch. Es ist der emotionale Höhepunkt des Bruderzwists, bei dem sowohl Odenkirk als auch McKean brillante schauspielerische Leistungen abliefern. Ebenso brillant ist hier das Drehbuch von Vince Gilligan und Heather Marion. Die Unterhaltung der beiden oszilliert zunächst zwischen charmanter Annäherung mit witzigen Einschüben (Judge-Bot 3000!) und aussichtsloser Winderei, um schließlich in einer hochemotionalen, wütenden Auseinandersetzung zu münden.

© IMAGO
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Zwei Profis bei der Arbeit - herrlich!   © AMC
Zwei Profis bei der Arbeit - herrlich! © AMC

Bis zum Ende versucht Jimmy, gegen seinen inneren Instinkt anzukämpfen. Im Wege steht ihm dabei die geistige und körperliche Gesundheit seines Bruders, der das weiß und gekonnt für die eigenen Zwecke ausnutzt. Das Beste daran ist: Wir Zuschauer können dank der vorherigen Charakterzeichnung jeden einzelnen Schachzug nachvollziehen. Überdies ist es unmöglich, Partei zu ergreifen. Ohne Jimmys jüngste Aktionen hätte Chuck wohl keine Panikattacke erlitten. Allerdings wäre Jimmy auch nie auf die Idee mit dem Betrug gekommen, wäre Chuck nicht so rabiat gegen Kim (Rhea Seehorn) vorgegangen.

Don't

Genau diese verschwommenen Konfliktlinien zeichnen komplexe Figurenkonstellationen aus. Weit weniger wortreich geht es derweil im Handlungsbogen von Mike zu, der seinen neuen Widersacher Hector Salamanca (Mark Margolis) per Fernschuss ausschalten will. Beraten wird er davor von Waffenhändler Lawson (Jim Beaver) - eine so tolle Szene, dass ich mir glatt ein weiteres Spin-off wünsche, in dem sich die beiden wortkargen Veteranen an der eigenen Professionalität erfreuen. Der Mordanschlag wird jedenfalls verhindert, weil erstens Nacho (Michael Mando) im Weg steht, und Mike zweitens gewarnt wird.

Aber von wem stammt der ominöse Zettel auf der Windschutzscheibe seines Wagens? Die Antwort auf diese Frage bleibt uns die Episode schuldig. Es ist ihr zweiter großer Cliffhanger neben der Erkenntnis, dass Chuck das Geständnis seines Bruders aufgenommen hat. Nun deutet alles darauf hin, dass uns in der kommenden dritten Staffel ein weiterer Bekannter aus dem „Bad“-Universum über den Weg laufen wird - Gustavo Fring (Giancarlo Esposito). Diese Theorie wird durch die letztwöchigen Erkenntnisse des Internets untermauert, wonach die Anfangsbuchstaben der Episodentitel folgendes verräterisches Akronym ergeben: „FRINGS BACK“.

Angesichts der Tatsache, wie gerne sich schon das „BB“-Autorenteam mit solchen Spielereien aufhielt, steigt die Wahrscheinlichkeit, den Betreiber von Los Pollos Hermanos im kommenden Jahr wiederzutreffen. Schade ist nur, dass besonders Interessierte wie wir Serienjunkies es wohl kaum verhindern können, von dieser Castingnachricht vorher schon zu erfahren. Deswegen wäre es überraschender gewesen, Esposito hätte bereits in dieser Episode seine Prequel-Premiere gefeiert. Ein einmaliger Gastauftritt wäre sicherlich einfacher zu verheimlichen gewesen.

Neben diesem kleinen Makel - der ja vielleicht gar keiner ist - bleibt lediglich anzumerken, dass ein größerer Auftritt Kims wünschenswert gewesen wäre. Jedoch sind ihre zwei kurzen Szenen willkommener comic relief: Einerseits darf sie Jimmys Werbevideo bewundern, andererseits seine greise Kundschaft mit Kaffee und Donuts beglücken. Genau das hat Better Call Saul auch uns gebracht - großes Glück. Wer hätte gedacht, dass sich eine Serie, die so eindeutig in zwei unterschiedlichen Welten spielt, so kohärent anfühlen kann? Gould, Gilligan und Konsorten haben das mit dramaturgischer Bravour und visueller Raffinesse geschafft.

Christina Greiner

Der Artikel Better Call Saul: Klick - Review wurde von Christina Greiner am Uhr erstmalig veröffentlicht. Christina Greiner hat bereits 173 Artikel bei Serienjunkies veröffentlicht.

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